Empörung über Präsident Bolsonaro von Brasilien bzgl. Amazonas-Brände ist selektiv und völlig fehl am Platze

Ist es wirklich der Regenwald, der da brennt? Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Dr. Roy Spencer
Nein, ich stehe nicht dahinter, den gesamten Regenwald in Brasilien (oder benachbarten Ländern) niederzubrennen. Aber die jüngste Empörung über die gesteigerte Feuer-Aktivität dieses Jahres in Brasilien während der jährlichen Feuer-Saison kommt mir ziemlich künstlich fabriziert vor. Und sie ist weitgehend politischer Natur, wird doch damit der brasilianische Präsident Bolsonaro angegriffen, welcher Anfang 2019 das Amt übernommen hatte.

Die schreiende Berichterstattung hierüber erweckt den Anschein, als ob die Brände in Amazonien um diese Jahreszeit etwas ganz Neues sind. Weil 50 Millionen Brasilianer unter der Armutsgrenze leben, können Viele nur überleben, wenn sie für Ackerbau Land urbar machen, um Gras für ihr Vieh und Futter für andere Tiere anzubauen. Sie verdienen etwa 5,50 Dollar pro Tag.

Hier ist nur eine von Hunderten von Schlagzeilen, die derzeit um die Welt gejagt werden: Der Amazonas-Regenwald brennt! Klimawissenschaftler befürchten, dass ein Tipping Point unmittelbar bevorsteht (hier).

Damit wird dann jeder zum Durchdrehen gebracht. Hier folgt beispielhaft ein Tweet des Umweltexperten und Gitarristen von Toto Steve Lukather:

DAS IST DERZEIT DAS WICHTIGSTE THEMA DER WELT! Wir müssen sofort mit ALLEM aufhören und uns JETZT darum kümmern (hier).

Um wie viel schlimmer steht es also in diesem Jahr im Vergleich zu früheren Jahren bzgl. der Regenwald-Zerstörung in Brasilien? Nun, die offiziellen Daten sehen so aus:

Abbildung: Graphik der Waldrodungen brasilianischer Farmer im Amazonas ,um zu überleben‘ (hier).

Und jetzt erkläre man mir mal genau, welches Phänomen in dieser Graphik darauf hinweist, dass die Zerstörung des Regenwaldes plötzlich sehr viel schlimmer geworden ist!

Falls man sagt: „Nun, das gilt nur bis Juli dieses Jahres. Vielleicht ist es im August noch viel schlimmer!“, werde ich darauf hinweisen, dass der Original-Artikel im Guardian bzgl. der „Zunahme um 88%“ der Zerstörung des Regenwaldes bereits am 3. Juli erschienen war!

In jenem Beitrag verglich man den Juni 2019 mit Juni 2018, was mir so ziemlich wie Rosinenpickerei vorkommt, zeigt doch eine extensivere und vollständige Historie in obiger Graphik, dass 2019 kein Ausnahmejahr bzgl. Regenwald-Zerstörung sein wird im Vergleich zu früheren Jahren.

Die Trockenzeit in diesem Jahr (Juni bis August) war in der Tat außerordentlich trocken. Die Regenmenge in Brasilien ist eng verbunden mit der Verteilung der Wassertemperatur sowohl im Pazifik als auch im Atlantik, besonders hinsichtlich des Auftretens von El Nino und La Nina. Satellitendaten der NASA zeigen, dass die Brände dort – hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Gründen entzündet – außerordentlich heiß brennen (hier), möglicherweise infolge fehlender Feuchtigkeit im Brennstoff. Jeder mit einem Kamin, in welchem Holz verbrannt wird, und jeder Camper am Lagerfeuer kennt diesen Effekt. Je trockener das Holz, umso heißer und „sauberer“ als gewöhnlich brennt es. Falls man die täglichen Satellitenbilder der NASA bzgl. Rauch betrachtet (hier), wird man erkennen, dass es in vielen Jahren zuvor in Amazonien viel mehr Rauch gegeben hatte als in diesem Jahr.

Dies ist nichts als ein weiterer Beleg dafür, wie die Medien das Narrativ kontrollieren und wie selektiv und überkritisch sie eine bestimmte (und fast immer rechts stehende Partei) verantwortlich machen.

Ganz klar gesagt: Ich stehe keineswegs hinter der Politik von Präsident Bolsonaro. Ich betone aber die Scheinheiligkeit der Medien hinsichtlich der Umwelt-Berichterstattung!

[Bildinschrift: Im Amazonas-Regenwald brennt es jedes Jahr, und die Menschen ignorieren es … bis in Brasilien ein rechts stehender Präsident an die Macht kommt und jeder seinen Verstand verliert]
Link: https://wattsupwiththat.com/2019/08/28/selective-and-misplaced-outrage-at-brazils-president-bolsonaro-over-amazonian-fires/

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8 Kommentare

  1. Zum Thema heucheln. „Frontal21“ hat festgestellt, dass ein Großteil der deutschen Wälder Nutzwälder sind. Man hatte festgelegt, dass in jedem Bundesland 5% davon in Naturwald umgewandelt werden sollen. Bisher haben das nur 3 Bundesländer geschafft, u.a. Thüringen. Das waldreichste Land Bayern hat nur 1,3%. Jedesmal ist das Geschrei groß, wenn Nutzwald zu Naturwald werden soll, da Einnahmen verloren gehen. Sehr viel Wald gehört der öffentlichen Hand. Würde sie 10% ihres Waldes in Naturwald umwandeln, hätten wir die 5%. Aber auch sie macht es nicht. Problem: Nutzwald besteht oft aus schnellwachsenden Monokulturen. Die Biodiversität ist weitaus geringer. Spielt das Wetter mal verrückt, haben Sturm u. Schädlinge leichtes Spiel. Schuld war dann der Klimawandel u. der Staat soll zahlen!
    Bevor man auf Brasilien zeigt, sollten wir vor unserer eigenen Türe kehren!

  2. 5 Milliarden ha landwirtschaftliche Nutzflächen (37% des Festlandes) ernähren gegenwärtig mehr als 7,7 Milliarden Menschen, deren Zahl gegenwärtig um 1,2% pro Jahr wächst. Falls dieser Zuwachs – wie erhofft – in den nächsten 80 Jahren um 90% auf 0,1% pro Jahr schrumpft, wollen imJahr 2100 mehr als 11 Milliarden Menschen essen und trinken.

    Niemand will (oder könnte?) den zusätzlichen Bedarf mit einer weiteren signifikanten Intensivierung der Landwirtschaft decken. Die Folge:

    Bleibt die gegenwärtige Struktur der nicht für alle ausreichenden und zufrieden stellenden Nahrung auf den Kontinenten unverändert, so muss die landwirtschaftliche Nutzfläche um 2,3 Milliarden ha (17%) wachsen. Dafür verfügbar sind (nicht immer gut geeignet) 3,9 Milliarden Wald (29%). Davon sind 2,5 Milliarden ha (19%) sog. Nutzwald, 1,4 Milliarden ha (10%) mit dem brasilianischen Regenwald sog. Primärwald.

    Die zeternden Schlaumeier haben die Qual der Wahl: Entweder verschwindet der Nutzwald ganz und der Regenwald bleibt, oder der Regenwald ganz und nur die Hälfte des gegenwärtigen Nutzwaldes wird verbrannt.

    Die Moral von der Geschicht`, schimpf auf Bolsonaro nicht!

  3. “ Falls man die täglichen Satellitenbilder der NASA bzgl. Rauch betrachtet (hier), wird man erkennen, dass es in vielen Jahren zuvor in Amazonien viel mehr Rauch gegeben hatte als in diesem Jahr.“

    Feuchtes Material qualmt mehr.

    Brasilien hat das Recht den gesamten Wald in Ackerland umzustellen. Das ist ihr Land und ihr Regenwald.

    Hans

  4. In Europa brennt es auch viel und das sehr oft durch Menschenhand.Es müßte hier viel aufgeforstet (gerade im Süden)werden.Bei anderen meckern aber selber nicht tut !?
    Europa hätte erstmal hier viel aufzuholen.

    • Herr Klaus Zippan.
      Sie scheinen nicht zu wissen, dass Aufforstung von Wäldern in den gemäßigten Breiten wesentlich einfacher ist als die Aufforstung von Regenwald. Da gefällt mir der Kommentar von Herrn Ulrich Wolff viel besser, der das Hauptproblem klar beim Namen nennt : die Überbevölkerung

  5. Schwieriges Thema…

    Im Zusammenhang mit Regenwaldbränden stellt sich die Frage einerseits nach den Ursachen, andererseits danach, brennt immer was Neues oder werden bestehende Felder jährlich neu abgebrannt? Gem. Statistik brennt es immer zwischen etwa Juli und September, was ist dafür die Ursache?

    Und eines sollte man auch nicht vergessen, der Großteil der europäischen Ackerflächen war irgendwann auch Waldgebiet und wurde dann zwecks landwirtschaftlicher Nutzung in Agrarland umgewandelt.

    Und selbst wenn man an die CO2-Behauptungen glaubt, gibt es denn Messungen, wie die Relation Sauerstoff zu CO2 im Regenwald im Vergleich zu kultivierter Ackerbau-Landwirtschaft aussieht?

    Fazit: zuallererst alle relevanten Fakten auf den Tisch und dann Schlüsse ziehen!

  6. Beim Stichwort „Regenwald brennt“ würde mich mein Enkel bloß komisch angucken (der ist höflich und viel im Freien). Tja, die Unselbständigkeit / Verblödung übersteigt jedes Maß (früher hätte ich „Verhausschweinung“ gesagt – eine Beleidigung der Tiere).

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