Wärmerer Sommer – Kühlere Klimadebatte

Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Dr. Dirk Beckerhoff )*
Die letzten etwa zwei Jahrzehnte der klimawissenschaftlichen und klimapolitischen Debatten waren durchsetzt von glaubenskriegsähnlichen Auseinandersetzungen um das von Menschen verursacht in die Luft gelangende Kohlenstoffdioxyd (anthropogenes CO2). In diesem, dem Pflanzenwachstum förderlichen und für den Menschen ungiftigen Gas, das sich zu etwa 0,04 Prozent in der Atmosphäre befindet, wurden d e r Klimakiller und damit das Böse schlechthin gesehen.

Auch aktuell scheint der im nördlichen Zentraleuropa heiße und trockene Sommer/Herbst 2018 Wasser zu sein auf die (Gebets-)Mühlen der Klima-Alarmisten. Für sie ist nach wie vor das anthropogene CO2 die „Wurzel allen Übels“, also auch jeder besonderen Hitze wie jeder außergewöhnlichen Trockenheit. Doch jenseits dieses Ideologie-bestimmten Vordergrundes – in der ernsthaft und seriös arbeitenden „Wetter- und Klima-Community“ verläuft die Diskussion inzwischen deutlich anders:

(1.)  Dort hat das CO2-Argument weitgehend ausgedient. Ein unumstößliches Physikalisches Gesetz, das LAMBERT-BEER`sche Gesetz („Strahlungsbanden“) findet zunehmend Beachtung. Es sagt, dass der Treibhauseffekt der Treibhausgase (CO2, Methan usw.) im logarithmischen Maßstab abnimmt:

Für das nächste Grad globaler Erderwärmung muss der Zuwachs des Anteils der Treibhausgase an der Atmosphäre doppelt so groß sein, wie er für das vorangehende Grad an Erderwärmung war.
Wenn auch strittig ist, ob und wie viel zusätzliches CO2 die Erdatmosphäre wegen des zunehmenden Partialdrucks noch wird aufnehmen können – und wie viel ständig sowie zunehmend in den Weltmeeren versinken wird – lässt sich mit Blick auf die globale Erdwärme sagen:

Die Atmosphäre ist tendenziell gesättigt mit erwärmungsrelevantem CO2.

Außerhalb der Beobachtung, dass international die ernsthafte Klimadebatte „CO2-müde“ geworden ist, dass dementsprechend die „Decarbonisierungs-Hype“ abklingt, steht in Deutschland der „Hambacher Forst“. Er ist jenseits jeder realistischen Betrachtung und Behandlung zum Symbol und Fetisch geworden. Hier sind Gläubige, Ideologen, Katastrophiker und sogar Kriminelle am Werk, die nicht nachlassen, ihre irrationalen Süppchen mit extremen Wetterereignissen und Wetterfolgen wie Meeresanstieg, Kälte- und Hitzerekorden, Dürren und Überflutungen oder schmelzendem Gletscher- und Polareis zu würzen.

(Ergänzung/Anm. der EIKE-Readktion : Die weltweiten Wetterdienst finden keine signifikanten Trends: https://www.eike-klima-energie.eu/2018/11/11/der-juengste-ipcc-bericht-sr-15-von-2018-von-klimakatastrophen-keine-spur/ )

(2.)  Klima-Szientisten – und ihnen hörige Politiker – haben über viele Jahre die Bedeutung der weltweiten (globalen) Durchschnittstemperatur  bis zum Irrsinn überschätzt (vgl. das „Zwei-Grad-Ziel“). 

Vieljährige und globale Durchschnittswerte z. B. zu Temperaturen oder Niederschlägen taugen nicht zur Beschreibung, gar Erklärung der enormen regionalen Witterungs- und Wetterunterschiede und der extremen Wetterereignisse, die wir fast täglich an den unterschiedlichsten Orten der Erde beobachten. Die simple Wahrheit wird (wieder-)entdeckt: 

Leben vollzieht sich nicht in Durchschnitten. Gelebt wird ausschließlich in der Realität. Jeder Einzelne lebt an seinem Ort mit „seinem“ dortigen Wetter. Einige Kilometer entfernt kann es für die dort Lebenden völlig anders Wetter geben. Solche „Wetterbrüche“ sind im stochastischen Wetterverlauf vollkommen normal. 

Extreme Wetterereignisse gehören zur Erde. Es ist unmöglich, ihre Ursachen in weltweiten Vieljahresdurchschnitten zur Lufttemperatur zu erkennen. „Wetter“ ist und bleibt ein Zufallsprozess (stochastischer Prozess). Wetter geschieht, Wetter überrascht, Wetter hilft, Wetter schadet.

Meteorologisch sind die hohen Temperaturen und geringen Niederschläge in diesem Jahr im zentralen und nördlichen Europa einfach zu erklären:

Es gibt permanent eine starke und schnelle Luft-Höhenströmung (Jet-Stream), die warme Luft aus Süden in die kalte Polarzone trägt, aufgrund der Erddrehung (Corioliskraft) leicht nord-westlich bis westlich umlenkend und auf dem Rückweg aus der Polarzone leicht süd-östlich verläuft. Dieser Jet-Stream ist in diesem Jahr 2018 so gelagert, dass er wiederholt Hochdruckgebiete mit viel Sonnenschein und kaum Regen zwischen seinen beiden Flanken für unüblich lange Zeit in Mitteleuropa „eingeklemmt“ hielt. (==> https://www.eike-klima-energie.eu/2018/09/05/sommer-witterung-2018-eine-maerchen-stunde-der-klima-alarmisten/ ).

Klimatologisch dagegen ist es vollkommen unmöglich zu erkennen, ob und ggf. auf welche Weise sowie in welchem Maße derartige zyklische Jet-Stream-Verschiebungen darauf zurückzuführen sind, dass die weltweit gemessene Durchschnittstemperatur der erdnahen Luft während der letzten 100 Jahre um etwa ein Grad gestiegen ist. Insofern muss man „Intellektueller Hasardeur“ oder „Nachplappernder Laie“ sein, um „Klimawandel“ als Ursache unseres diesjährigen Sommer-Wetters anzuführen.

Etwa im Jahr 2015 haben mit den Verhandlungen zum Pariser Klimaabkommen politische Neuorientierungen eingesetzt: 

An die Stelle der einseitig auf CO2-Vermeidung konzentrierten Klimapolitik mit verbindlichen Emissionsvorgaben für die Nationen (Stichwort: Dekarbonisierung) treten vorausschauende wie nachsorgende, nationale wie internationale Umwelt- und Wetterfolgepolitiken, die an den tatsächlichen regionalen Gegebenheiten und den Schicksalen der dort lebenden Menschen orientiert sind (vom intensivierten Deichbau bis zur Züchtung und Anpflanzung Wasser-genügsamer Pflanzen).

Das „Zwei-Grad-Ziel“ ist heute bestenfalls noch zu verstehen als generelle Willensbekundung, sich auf den den Menschen und Regionen zugewandten, konkret benannten Politikfeldern intensiv zu engagieren. Daher ist zu erwarten, dass der weitaus größte Teil der von den USA im Pariser Klimaabkommen zugesagten konkreten Projekte und Maßnahmen Bestand haben, gar noch intensiviert werden wird, unabhängig von der Kündigung des Abkommens durch Präsident Trump. 

(3.)  Neben die sogenannten „Treibhausgase“ treten in der seriösen Forschung und wissenschaftlichen Diskussion gänzlich andere Faktoren des Einflusses auf „Wetter“ (und damit langfristig: “Klima“), beispielsweise Sonnen-Zyklen, Vulkanismus und Beschleunigung der Ströme von Eisen-Nickel (Magma) im Inneren der Erde.

Ein treffliches Beispiel zu Letzterem ist zu bestaunen unter:

https://www.wetter.com/news/ein-jetstream-unter-der-erde-rast-immer-schneller-auf-europa-zu_aid_5bc9c2b6a5b4b92bce463e64.amp.html

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)*  Unser Gast-Autor Dr. Dirk Beckerhoff  hat schon früher Beiträge hier bei EIKE publiziert, z.B. :

(1) https://www.eike-klima-energie.eu/2015/08/18/abkehr-vom-klima-zurueck-zum-wetter/

(2) https://www.eike-klima-energie.eu/2013/12/04/klima-konkurs-der-modelle/

(3) https://www.eike-klima-energie.eu/2018/04/06/wetter-witterung-klima-das-hemd-sitzt-naeher-als-der-rock/

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13 Kommentare

  1. Der WDR Wetterfrosch Karsten Schwanke lieferte heute die Erklärung für die Brände in Kalifornien, die Trockenheit bei uns und die Niederschläge am Mittelmeer. Der Klimawandel! Da sich die Arktis erwärmt verringert sich der Temperaturunterschied zum Äquator, der Jet-Stream schläft ein und die Tiefs kommen nicht mehr von der Stelle. Das hätten die Klimamodelle genau so vorhergesagt. Stimmt sicher auch, denn es gibt ja das passende Klimamodell für alles.

    Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften: „Die globale Erwärmung führt dazu, daß bestimmte Wetterlagen bei uns jetzt häufiger vorkommen. Im Winter haben wir nun – häufiger als vor etwa 50 Jahren – Westwindwetterlage.- Das war 2005….

    Und weiter

    Am meisten berührt der Klimawandel nach dieser Darstellung aber die Iberische Halbinsel. Hier habe sich der Sommer im Lauf der vergangenen drei Jahrzehnte um durchschnittlich 23 Tage im Jahr verlängert. Der Frühling beginne nun zwei Wochen früher, der Herbst neun Tage später. Mit den höheren Temperaturen gehe eine Verringerung der Niederschläge einher. Das ist auch dieses Jahr wieder so, nach der „Jahrhundertdürre“ von 2005. Die spanischen Stauseen, die schon im Vorjahr mehr als die Hälfte ihres üblichen Volumens verloren, wurden durch die mageren Schnee- und Regenfälle im Winter nicht aufgefüllt. – Das war 2006

    Aktuell sind alle Stauseen in Spaien randvoll…

    Und Klimaretter.info wusste 2014 zu berichten:

    Auch in diesem Sommer gab es besonders viele feuchte, unbeständige Wetterlagen mit Unwettern und Starkniederschlägen, teilweise gar mit Überschwemmungen. Die sonst eher seltene Großwetterlage Fünf B war in diesem Jahr an 19 Tagen zu beobachten. Bis 2100 könnte diese Wetterlage zehn- bis 17-mal häufiger auftreten.

    Nur leider warten die Talsperren in NRW 2018 vergebens auf die FünfB Wetterlagen. Grund : natürlich der „Klimawandel“

    Und so funktioniert das Sektenmodell auch bei der Klimakirche reibungslos; man mache alle nur denkbaren Prognosen und berufe sich dann immer auf die Richtige. Wir schaffen das…..

     

     

    • Der WDR Wetterfrosch Karsten Schwanke lieferte heute die Erklärung für die Brände in Kalifornien, die Trockenheit bei uns und die Niederschläge am Mittelmeer. Der Klimawandel! Da sich die Arktis erwärmt verringert sich der Temperaturunterschied zum Äquator, der Jet-Stream schläft ein und die Tiefs kommen nicht mehr von der Stelle.

      Ich war auch über diese Darstellung verwundert. Die Trockenheit ist in den Sommermonaten aufgetreten. Der Temperatur-Unterschied zwischen Äquator (5°S-5°N,9% der Erdoberfläche) und der erweiterten Arktis (60°N..90°N,7% der Erdoberfläche) betrug im Mittel 26°C vom April -Sept in den Jahren 1958-2018. In diesem Zeitraum verringerte er sich um 0,2 °C/Dekade also um 1,2 °C. Ich kann mir nicht vorstellen dass eine Änderung von 5% eine solch große Wirkung haben sollte. Da wirken andere Dinge, die vor allem stochastischer Natur sind. Herr Schwanke weiß das natürlich auch. Aber er braucht eine einfache griffige Erklärung für die 5 Minuten Wetter-Vorhersage. Besser wäre es auf solche Erklärungen zu verzichten.

  2. CO2 Anteile – nach der Messstation des Mauna Loa Observatory 

    https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/

    Gerundet sind es 400 ppm, das entspricht 0,04%

    Davon sind „human“ gemacht“ Weltanteil, alle Länder = 3,2% ( = 12 ppm)

    Anteil Deutschlands am Human Anteil = 3% (0,36 ppm)

    Quelle  Die wissenschaftliche Basis  1990 (!)

    Co2 Ausstoß – was können wir überhaupt beeinflussen?

    Zunächst fällt auf, dass Co2 Mengen nicht wie sonst bei Nachrichten üblich in Prozentzahlen zum Gesamten angegeben wird, und auch keine Aufteilung nach „natürlich“ und „anthropogen“.

     

    Dieses gab es noch 2001 vom IPCC und vom WWF später zum G8 Gipfel 2004.

    Die Grafik habe ich noch, der Link funktioniert heute nicht mehr, wie gerade probiert.

    Auch hier: https://www.eike-klima-energie.eu/2014/03/02/ueber-den-globalen-erwaermungs-stillstand-seit-1998/

    • Andreas Demmig schrieb am14. November 2018 um 18:20

      Davon sind „human“ gemacht“ Weltanteil, alle Länder = 3,2% ( = 12 ppm)
      Anteil Deutschlands am Human Anteil = 3% (0,36 ppm)
      Quelle Die wissenschaftliche Basis1990 (!)

      Soll die Quelle den „human gemachten Anteil“ von 3,2% belegen? Könnten Sie mal genauer auf die Stelle verweisen, wo das stehen soll (oder vielleicht sogar den entsprechenden Teil zitieren)?

      Ich sehe an der direkt verlinkten Seite nur eine Tabelle der gemittelten jährlichen Emissionen und da würden 3% passen. Aber das die jährliche Emission, die sich teilweise in der Atmosphäre akkumuliert. Ein Blick auf den Vortrag von Herrn Lüdecke zu diesem auf einer der letzten Eike-Konferenzen würde sich lohnen. Er begründet dort, warum man der Meinung ist, dass fast die komplette Erhöhung von 280 auf 400ppm menschengemacht ist …

  3.  „Dieser Jet-Stream ist in diesem Jahr 2018 so gelagert, dass er wiederholt Hochdruckgebiete mit viel Sonnenschein und kaum Regen zwischen seinen beiden Flanken für unüblich lange Zeit in Mitteleuropa „eingeklemmt“ hielt. Klimatologisch dagegen ist es vollkommen unmöglich zu erkennen, ob und ggf. auf welche Weise sowie in welchem Maße derartige zyklische Jet-Stream-Verschiebungen darauf zurückzuführen sind, dass die weltweit gemessene Durchschnittstemperatur der erdnahen Luft während der letzten 100 Jahre um etwa ein Grad gestiegen ist.“

    Und was treibt den Jet-Stream an? Ein Auto wird sicher nicht vom Getriebe bewegt.

    Ich habe Temperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlag von Potsdam im Sommer-Halbjahr April-September von 1958-2018 mit verschiedenen Indikatoren (NAO, AMO, Arctic Oscillation usw.) verglichen. Das Ergebnis ist für Interessierte in einer Excel-Datei hier zu finden. Am höchsten ist die Korrelation der Temperatur mit der atmosphärischen CO2-Konzentration. Allerdings sind Korrelationen auch kein sicheres Indiz für die Ursache.

     

    • „Ich habe Temperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlag von Potsdam im Sommer-Halbjahr April-September von 1958-2018 mit verschiedenen Indikatoren (NAO, AMO, Arctic Oscillation usw.) verglichen. Das Ergebnis ist für Interessierte in einer Excel-Datei hier zu finden. Am höchsten ist die Korrelation der Temperatur mit der atmosphärischen CO2-Konzentration. Allerdings sind Korrelationen auch kein sicheres Indiz für die Ursache.“

      SCHWACHSINN

      Wie kann man aus lokalen, temporären Phänomenen Rückschlüsse auf globale Entwicklungen und deren Korrelierung ziehen?

      Gehen Sie in der Zeit, die für diesen Quatsch verwenden lieber arbeiten und spenden Sie das Geld einer gemeinnützigen Organisation. Oder gründen Sie eine Widerstandsgruppe „Sozialdemokraten in der SPD“. Da haben vielleicht mehr davon!

  4. Dank gesunkener Sonnenaktivität und damit auch reduzierter UV Strahlung der Sonne kühlt die Thermosphäre ab und der Polarstream wird langsamer und fängt mehr oder weniger an zu mäandern, was zu blockierenden Wetterlagen führt, das diesjährige „Wetterergebnis“ davon haben wir mit mit der langen Trockenheit und der Wärme erlebt. 2006 war insgesamt wärmer, aber da war es ein Sommermärchen, weil Public Viewing so toll war.

  5. „Wetter“ ist und bleibt ein Zufallsprozess (stochastischer Prozess). Wetter geschieht, Wetter überrascht, Wetter hilft, Wetter schadet.

    Das ist die beste Aussage seit Jahren. Es fehlt noch, dass Ausreißer selbst bei einer Normalverteilung normal sind, also dazu gehören.

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