Wer wird den europäischen Kalten Energie-Krieg gewinnen? Russland und die USA!

Wie sieht es bei Windstille aus? Bild: Karl-Heinz Laube / pixelio.de

Mark P Mills, Investor’s Business Daily
Wie ein ungestümer Prospero erregt Präsident Trump Stürme scheinbar ohne jedes Bedenken der Konsequenzen. In seiner jüngsten Rede vor den UN verdoppelte Mr. Trump die Betonung seiner Warnung, welche er im Sommer vor dem NATO-Gipfel in Brüssel ausgegeben hatte, dass nämlich Deutschland zu einer „Geisel“ Russlands werden könne mittels der Nord Stream 2-Gaspipeline.

Abseits der Diplomatie folgt die scheinbare Verrücktheit des US-Präsidenten einer bestimmten Methode. Mr. Trump weiß, dass Europa Erdgas braucht, und unter Anspielung auf Befürchtungen – zu Recht oder nicht – dass Russland wieder einmal eine Bedrohung des Friedens in Europa darstellt, hofft er, dass Deutschland und die EU mehr Gas aus den USA importieren werden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem eine diplomatische Charme-Offensive entgegen gesetzt, darunter auch zwei Treffen während der letzten vier Monate mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel – wobei eines davon im vorigen Monat dreieinhalb Stunden dauerte – und ein Besuch in Österreich, wo er einen Kosaken-Chor mitbrachte und Arm in Arm mit der Außenministerin Karin Kneissl anlässlich deren Hochzeit tanzte.

Schiebt man einmal Mr. Trumps diplomatische Offensive und Mr.Putins Tanzkünste beiseite, wird sich an der europäischen Front wahrscheinlich eine Art Energie-Realpolitik entfalten, in der ökonomische Notwendigkeiten und geopolitische Realitäten und nicht Ideologie zugrunde liegen.

Der Einsatz für Russland ist hoch. Öl und Gas machen die Haupteinkünfte seiner Exporte aus. Aber auch der Einsatz für die EU ist hoch. Geht Nord Stream 2 erst einmal in Betrieb, werden etwa 40% aller Gasimporte nach Europa aus Russland kommen.

EU und Russland: Wechselseitige Abhängigkeit

Dennoch, trotz ihrer wechselseitigen Abhängigkeit befinden sich die EU und Russland in „einem offenen Kampf hinsichtlich der Normen internationalen Verhaltens“ – innerhalb des Europäischen Rates für auswärtige Beziehungen (ECFR). Einer jüngsten PEW-Umfrage zufolge „fehlt“ 78% der Europäer das „Vertrauen“, dass Russland „das Richtige tun werde“, wenn es um Welt-Angelegenheiten geht. Auch merkte der ECFR an, dass der Sieg in diesem Kampf nicht im „Kampf gegen Russland“, sondern mit einer „Verbesserung von Europas Belastbarkeit“ erreicht werden wird.

Mr. Trump erkennt in dem Europäischen Misstrauen gegenüber Russland eine Gelegenheit. Der globale Energiesektor war Schauplatz massiver Umbrüche, zum größten Teil weil die USA jetzt zum größten Erzeuger von Erdgas und zu einem rapide wachsenden Exporteur geworden sind. Vor dieser Transformation war die primäre Option Europas bei der Minimierung der Abhängigkeit von russischer Energie der Nahe Osten mit all seinen geopolitischen Belastungen.

Selbstinteresse vs. Selbstinteresse

EU-Beamte bleiben dabei, dass die USA lediglich ihren „Eigeninteressen“ folgen bei dem Schub für ihre Exporte verflüssigten Erdgases. Natürlich ist das so. Und Europa hat sein eigenes Selbstinteresse hier. Genau dann, wenn Handelspartner gegenseitige Selbstinteressen haben, können sensitive Handels- und Geschäftsbeziehungen geschmiedet werden.

Zufällig braucht Europa keine teuren Flüssiggas-Importterminals zu bauen, um der Energie-Transition in den USA Rechnung zu tragen. Die bestehende Anzahl von EU-Terminals ist derzeit nur zu einem Viertel ausgelastet. Würde man die volle Kapazität ausschöpfen, könnte man fast drei mal so viel Erdgas importieren wie für die Nord Stream 2-Pipeline vorgesehen.

Während der letzten Wochen hat sich die EU ein wenig empfänglich gezeigt für den Gedanken, amerikanisches Flüssiggas zu importieren – so lange die Preise „wettbewerbsfähig“ bleiben. Ja, Gazprom kann Gas nach Europa zu einem geringeren Preis liefern als selbst rekordniedrige Preise für Flüssiggas-Schiffe es je könnten. Aber die Führer der EU haben anderswo eine Politik begrüßt, welche eine nicht preisliche Haltung enthält: Hier sind Belastbarkeit und Diversität noch etwas wert.

Auf der Grundlage der gegenwärtigen Preisdifferenz zwischen russischem und amerikanischem Flüssiggas würden die Kosten für Energieimporte der EU insgesamt um weniger als 5% steigen – selbst wenn Europa seine Import-Kapazität bzgl. amerikanischen Flüssiggases voll ausschöpfen würde. Langfristig wäre dies ein Schnäppchen als Absicherung der Belastbarkeit. Vielleicht können die EU-Diplomaten einige dieser Ausgaben verhandeln als Ausgleich für steigende NATO-Verpflichtungen.

Flüssiggas: Sollte die EU das aus Amerika kaufen?

Es gibt jene, die glauben, dass Europa sich diversifizieren könnte, indem die Strategie bzgl. alternativer Energie beschleunigt wird. Aber selbst wenn Wind, Solar und andere alternative Quellen die Erwartungen übertreffen, werden Öl und Gas immer noch lange Zeit die Hauptquelle für Energie in Europa sein. In der Zwischenzeit wird der Kollaps der Erzeugung von Gas aus der Nordsee die Deckung des Bedarfs aus heimischen Quellen abnehmen lassen, und zwar um mehr als die Kapazität von Nord Stream 2.

Wie wird dieser Krieg nach Art des Kalten Krieges um Europas Energiebedarf ausgehen? Pragmatischerweise natürlich mit einem zunehmenden Mix aus den USA und direkt aus Osten strömendem Gas. Man vergesse nicht, dass weder Mr. Trump noch Mr. Putin ewig da sein werden – genau wie ihre Vorfahren als Kalte Krieger. Wörter wie „Geiseln“ und „kontrolliert“ können mit den richtigen diplomatischen Untermauerungen ersetzt werden durch „Kooperation“ und „Partnerschaft“.

Der ganze Beitrag steht hier.

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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3 Kommentare

  1. LNG Preisverhandlungen in Abhängigkeit von erhöhten Natoverpflichtungen ? Brauchen wir die nur weil Mr. Trump es so möchte ? Russland vermindert seine Militärausgaben und wir wollen sie hoch fahren. Wenn wir das 2% Ziel vom Bruttosozialprodukt einhalten ist Deutschlands Militärhaushalt höher wie der Russlands. Und für diesen Handel dann mehr Geld für LNG bezahlen ? wer bezahlt es ? Der Bürger bei der Heizung und beim Strom.

    Aber unsere Abgeordneten machen das schon. Vor ein paar Wochen hatte sich auch ein CDU Abgeordneter im DLF dazu positiv geäußert, dass es doch empfehlenswert wäre auf Grund der Atlantischen Partnerschaft LNG gas aus USA zu kaufen als Russengas. Schließlich haben unsere Volksvertreter ja auch Wind und Solarenergie dem Bürger verkauft.

  2. Wie kann es sein, dass man den Russen bezüglich der Gaslieferungen nicht Vertraut? Die Sovijets haben selbst im Kalten Krieg zuverlässig dafür gesorgt, dass der Deutsche Michel im Winter einen warmen Hintern hatte und hat selbst während des Zerfalls des Sovijetreiches weitergeliefert!

    Ihr solltet Euch klar machen, wenn DE und RU zusammen Arbeiten, dann sind deutsches Know How und Rohstoffe aus Russland die neue Weltmacht – keiner käme gegen diese Verbindung an, deshalb versucht man schon wieder diese Liaison zu zerstören. Weil die US Weltmacht am Ende wäre, wenn diese beiden Mächte zusammenkommen.

  3. Was kommt als Nächstes? Ein Artikel, dass wir nur noch amerikanische PKW kaufen sollen, weil die keine Dieselmotore haben?

    Seit Jahrzehnten liefern die Russen verlässlich Öl und Gas. Die Amerikaner dagegen erheben nach Stimmungslage Sanktionen und kündigen selbst völkerrechtliche Verträge. Verlässlichkeit sieht anders aus.

    „Nord Stream 2 senkt die Gaspreise in Europa und weltweit. Grund dafür ist der verstärkte Wettbewerb zwischen russischem Erdgas und Flüssigerdgas (LNG). Die geplante Pipeline erhöht die Wettbewerbsintensität im Wettbewerb, da russisches Gas zu geringen Kosten nach Nordwesteuropa gelangen kann. Der zusätzliche Wettbewerb entlastet die europäischen Gasverbraucher in 2020 je nach Szenario um 8 bis 24 Mrd. € pro Jahr, wie eine kürzlich vom Kölner Forschungsinstitut ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S) veröffentlichte Studie zeigt.

    In den kommenden Jahren ist mit einer zunehmenden Importlücke bei der EU-Gasversorgung zu rechnen. Grund hierfür sind die sinkende einheimische Produktion und rückläufige Importe aus Norwegen sowie Nordafrika. Zwei wesentliche Bezugsoptionen erscheinen aus heutiger Sicht am vielversprechendsten für relevante Importmengen nach Europa: russisches Pipeline-Gas und LNG.“
    Quelle
    South Stream wurde in gemeinsamer „Arbeit“ von Amerikanern und Brüssel bereits verhindert. Wir würden einen hohen Preis zahlen müssen, wenn das bei North Stream II auch gelänge.

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