Wie ungewöhnlich ist die aktuelle Trockenperiode?

Thommy Weiss / pixelio.de, Trockenheit

Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke
Kaum spielt das Wetter wieder einmal Kapriolen, kreisen auch schon die Krähen des Untergangs über unseren Häuptern und fordern CO2-Buße. Ein nüchterner Blick auf die Daten beweist dagegen nur Eines: „Das Gewöhnliche am Wetter ist seine Ungewöhnlichkeit“.


Man braucht nur beim deutschen Wetterdienst DWD nachzuschauen. Der liefert ab 1881 alle gewünschten Daten monatsweise (hier). Also hier für die Monate Mai+Juni+Juli per cut and paste die Niederschlagswerte in EXCEL hinein und nach Größe sortieren. Dauert ein paar Minuten.

Gibt es vielleicht noch anderswo historische Wetterdaten, die mehr als 100 Jahre lang sind und bis zum heutigen Monat reichen? Ja sicher, mir ist aber keine Institution bekannt, welche sie handlich zur Verfügung stellt. Man muss sie sich von den einzelnen Wetterstationen selber beschaffen, meist ein schwieriger Prozess. Die Daten weisen oft große Lücken auf, die man, wenn man Glück hat, mit Daten von benachbarten Stationen zukleben kann. Beispiele von Stationen mit sehr langen Regenzeitreihen, die bis Anfang des 19. Jh. zurückreichen, sind  Edinburg, Paris und Stockholm. Für diese kurze News hier lohnt der Aufwand nicht.

Es gibt aber eine mustergültig geführte Regenreihe bis Ende des 19. Jh. zurück, die problemlos erreichbar ist, die mittelenglische Reihe CEP (hier). Sie ist ebenso leicht auszuwerten wie die DWD-Daten.

Beide Regenreihen graphisch hier

Bild: Summe der Niederschlagsmengen von Mai+Juni+Juli für Deutschland und Mittelengland (vom Autor erstellt).

Was ist zu sehen? Jedenfalls kein säkularer Trend, wie er seitens des IPCC durch den angestiegenen CO2-Gehalt in der Luft vermutet wird. Wir sehen Wetterereignisse (zur Erinnerung: Klima ist definiert als der statistischen Mittelwert von Wetter über mindestens 30 Jahre). Der Summenregenwert Mai+Juni+Juli von Deutschland in 2018 ist tatsächlich ein Wetterrekord, wenn auch nur knapp. Seine 139,4 mm Regensumme in 2018 unterbieten die 145,7 mm in 1911 nur geringfügig.

Anders sieht es in Mittelengland mit seinem maritimen Klima aus. Hier liegen die 63,1 mm Regensumme von 1921 weit unter den 90,5 mm in 2018

1921 63,1
1995 79,6
1976 86,5
1874 89,5
2018 90,5

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation bei Hinzunahme der kommenden Monate August und September weiterentwickelt. Vielleicht gibt es ja doch noch deutlichere Wetterrekorde.

Einen Blick über den Tellerrand, der weiter in die Vergangenheit reicht, bietet eine wissenschaftliche Fachpublikation, die in den EIKE-News besprochen wurde (hier). Ferner hat der deutsche Mundart-Dichter Johann Peter Hebel in seinen Kalendergeschichten (veröffentlicht im Rheinischen Hausfreund) aus überlieferten Dokumenten ungewöhnlich warme Winter zusammengestellt. Hier seine Schilderung

Warme Winter   (1808)
Der warme Winter von dem Jahr 1806 auf das Jahr 1807 hat viel Verwunderung erregt, und den armen Leuten wohlgetan; und der und jener, der jetzt noch fröhlich in den Knabenschuhen herumspringt, wird in sechzig Jahren einmal als alter Mann auf den Ofenbank sitzen, und seinen Enkeln erzählen, daß er auch einmal gewesen sei, wie sie, und daß man Anno 6, als der Franzos in Polen war, zwischen Weihnacht und Neujahr Erdbeeren gegessen und Veielein gebrochen habe. Solche Zeiten sind selten, aber nicht unerhört, und man zählt in den alten Chroniken seit 700 Jahren 28 dergleichen Jahrgänge.
Im Jahr 1289, wo man von uns noch nichts wußte, war es so warm, daß die Jungfrauen um Weihnacht und am Dreikönigtag Kränze von Veilchen, Kornblumen und andern trugen.
Im Jahr 1420 war der Winter und das Frühjahr so gelind, daß im März die Bäume schon verblüheten. Im April hatte man schon zeitige Kirschen, und der Weinstock blühte. Im Mai gab es schon ziemliche Traubenbeerlein. Davon konnten wir im Frühjahr 1807 nichts rühmen.
Im Winter 1538 konnten sich auch die Mädchen und Knaben im Grünen küssen, wenn’s nur mit Ehren geschehen ist; denn die Wärme war so außerordentlich, daß um Weihnacht alle Blumen blühten.
Im ersten Monat des Jahrs 1572 schlugen die Bäume aus, und im Februar brüteten die Vögel.
Im Jahr 1585 stand am Ostertag das Korn in den Ähren.
Im Jahr 1617 und 1659 waren schon im Jänner die Lerchen und die Trosteln lustig.
Im Jahr 1722 hörte man im Jänner schon wieder auf, die Stuben einzuheizen.
Der letzte, ungewöhnlich warme Winter, war im Jahr 1748.

Summa, es ist besser, wenn am St. Stephanstag die Bäume treiben, als wenn am St. Johannistag Eiszapfen daran hängen.

Schade, dass Hebel nicht das gleiche für Dürresommer gemacht hat!

Anstelle von Datenanalysen der jüngeren Vergangenheit und von Proxydaten der weiteren Vergangenheit sind heute Klimamodelle in Mode gekommen. Man kann sie, was ihren Missbrauch als den Medien angediente Prognosewerkzeuge betrifft, durchaus mit den Beschwörungen ehemaliger Schamanen vergleichen. Eine besonders lustige Vorhersage wurde vom bekannten Klimamodellierer Prof. Mojib Latif im Jahre 2000 gemacht, „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“ ließ Latif verlauten (hier). Solch ein wissenschaftlicher Irrtum kann natürlich immer passieren. Aber anstatt sich zu schämen und mit Aussagen auf Basis seiner Modelle vorsichtiger zu sein, zieht dieser Klimamodellierer nach wie vor durch die deutschen Lande und predigt den Untergang der Welt durch unsere CO2-erzeugende Lebensweise („Mojib Latif Vorträge“ googeln).

 

 

 

 

 

 

 

 

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13 Kommentare

  1. Das im Bild gezeigte Rekord-Minimum der Niederschlagsmenge gilt auch für die 4 Monate April-Juli. Diese Aussage ist jedoch nicht mehr für einzelne Bundesländer richtig. Kein Rekord in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen usw. Der Niederschlag variiert offensichtlich stark nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern auch klein räumig. Auch kann man aus einer Trendanalyse nicht ableiten, dass die Niederschläge sich verringern.

  2. Das ist der erste, vernünftige Beitrag von EIKE, der inhaltlich sogar relativ ideologiefrei ist. Bis auf den Fehler, den Rudolf Tarantik angesprochen hat (Latif inhaltlich falsch zitiert), sogar fachlich korrekt.

    Für die südeuropäischen Länder wird in Zukunft mit größerer Trockenheit gerechnet, dort sollte eine solche Grafik einen leichten Trend zeigen. So weit ich weiß, gehen die Prognosen für Mitteleuropa eher von extremeren Wetter aus, als generell von trockenerem. Sprich, für Mitteleuropa sowie England müsste man untersuchen, ob die Standardabweichung zugenommen hat, weniger, ob weniger Regen fällt.

    • Extremeres Wetter ? wenn ich mir die Grafik für Deutschland oben ansehe oder die beim DWD, dann würden demnach die Ausschläge nach oben und unten noch weiter auseinander gehen ?

      na ja, warten wirs ab. So sagte auch Herr Latif 2010 in einer Sendung in der er nach seiner daneben gegangenen schneefreien Winterzeit gefragt wurde. Nach ein bißchen rumeiern kam dann die salomonische Antwort, sehen was die Zukunft bringt.

      Jeder kräftige Regenschauer ist jetzt schon Starkregen, kein Unwetter mehr, warme und heiße Tage sind ebenfalls schon nach einer Woche extrem. Hauptsache das Wort extrem schwingt mit. Hier findet aber ein Ausverkauf der Bedeutung des Wortes statt. Kein Wort mehr davon, dass letztes Jahr ein verregnetes war. Jetzt ist Hitze angesagt und schon werden wie eben gerade im MDR in einer Sondersendung, die Werbetrommeln für den Klimawandel durch Klimaforscher – diesmal aus Hamburg – gerührt. Logisch, dass wir nach den verregneten letzten Sommerjahren jetzt nach diesem einen Jahr in Zukunft mit Dürre und Hitze zu rechnen haben, wenn man die Projektionen (keine Prognosen) so drückte sich die Klimadame aus, berücksichtigt.

      Was ich lustig finde sind unsere deutschen Urlauber, die Sonnenhungrigen. Die fahren im Sommer nach Spanien, Portugal, Italien, dort wo es richtig heiß ist, heißer wie bei uns, und finden es toll. Manche verbringen sogar ihren Lebensabend dort. Wenn man aber hier in Deutschland ebensolche Temperaturen hat bzw. für die nächsten Jahre, entsprechend den Projektionen, erwartet, dann ist dies die Katastrophe und die Medien werden nicht müde darüber zu berichten.

    • @ Rico Schrage

      „Sprich, für Mitteleuropa sowie England müsste man untersuchen, ob die Standardabweichung zugenommen hat, weniger, ob weniger Regen fällt.“

      Nichts leichter als das- hier die Werte der Streuung für das DWD- Sommermittel (mm):

      Gesamtzeitraum 1881 bis 2017 S=46,5

      Zeitraum 1958 bis 1987 (30 Jahre) S=46,16

      Letzte 30 Jahre 1988 bis 2017 S= 38,19

      Letzte 60 Jahre S=42,02

      Ergo: Keine zunehmende Streuung- kein „böser“ Klimawandel. Ein Satz mit x- das war wohl nix… .

      • Hmmm, überrascht mich etwas, vielleicht ist der Zeitraum von 3 Monaten zu lang gewählt, so dass es sich über den statistischen Mittelwert wieder ausgleicht. Ich glaube eine Betrachtung nur über die Sommermonate oder Juli/August könnte aussagekräftiger sein. Bleibt abzuwarten, wie sich der August entwickelt.

        Danke für die Auswertung.

    • Standardabweichungen in einem nichtlinearen chaotischen System berechnen – das machen nur Klimatologen, die damit ihre Brötchen verdienen.

  3. Latif wollte die Winter um 1980 als Bezug nehmen. Auch damals gab es, sogar im Gebirge, grüne Weihnachten und viel später strenge Winter mit starken Schneefällen. Glauben sie nicht dem Geschwätz von Latf. Der ist ein skrupelloser Märchenerzähler.

  4. Sehr geehrter Herr Dr. Lüdecke,
    Ihr Artikel hebt sich erfreulicherweise deutlich von dem ab, was Herr Leistenschneider hier bei EIKE versuchte unters Volk zu bringen.
    Noch am 3.8.2018 schreibt Herr Leistenschneider:

    „Dass in 2018 eine deutlich geringere Trockenheit als in den Jahren davor vorliegt, hatte der Autor in seinem Artikel „Wetter, Klima und Medien“ dargelegt.“

    Natürlich hatten wir schon Jahre, in denen der Regen für Deutschland flächendeckend über beachtliche Perioden ausblieb. Auch ist 2018 in keinem der Monate Mai bis Juli ein „Negativ-Rekord“ beim Niederschlag aufgetreten. Sie haben es aber klar herausgearbeitet: in der Summe ist die Niederschlagsarmut über drei Monate außergewöhnlich, auch wenn es lokale Überschwemmungen durch Gewitterregen gab.
    Neben dem Niederschlag ist auch die potentielle Verdunstung in Betracht zu ziehen: Mai, Juni und Juli waren deutlich wärmer als der Mittlewert (der „Normal“periode 1960-1990 oder 1980-2010). Somit verdunstete auch mehr von dem wenigne Niderschlag, den wir hatten.
    Vergangene Woche war ich im Odenwald: Dort wo sonst um diese Jahreszeit grüne Wiesen auf die zweite Mahd warteten, findet man diese Jahr nur braune Wiesen, bei denen sich kein Mähen mehr lohnt.
     

     

    • tja, kommt eben, wenn auch selten, mal vor, oder ? nach den Regenjahren. Jedenfalls hatten sich die Bauern über die nassen Sommer bew´schwert.

      Also Leut hier wird ein Aufhebens gemacht. Wenn es da dritte Jahr in Folge wäre, könnte schon zum Nachdenken anregen, allerdings würde eine CO2 Reduktion um 50% auch keine Besserung bringen.

      Passen wir uns den warmen bis heißen Temperaturen in südlichen Ländern an. Die Deutschen schwärmen von denen.

  5. zu: Prof. Mojib Latif

    Mit seinen Pseudo-Klima global Mittelwerten will er physikalischen Gesetzen widersprechen, es sind z.B.
    72BTU + 32°F = 40°C
    und somit keine Wissenschaft mehr, schon garnicht Klima.

    P.S. vor dem Meckern selber nachdenken.

  6. „Winter mit starkem Frost und viel Schnee“ (Latif) ist eine deutlich andere Aussage als „Keine deutschen Winter mit Schnee mehr“ (Lüdecke).

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