Die Industrie mit doppeltem Standard

Vögel kontra Windmühlenflügel – wer gewinnt da wohl? Und wer schreit am lautesten Hurra! darüber? Bild: Erich Westendarp  / pixelio.de

Paul Driessen
Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Projekten erneuerbarer Energie auf die Umwelt werden vom Winde verweht, wenn „grüne“ Energie ins Spiel kommt.
Es ist etwas Gutes, wenn Umweltaktivisten einen Doppel-Standard haben – sonst hätten sie überhaupt keinen Standard.

Die US-Gesetzgeber sorgen sich, dass alles über dem gegenwärtig in der Atmosphäre vorhandenen Methan von 0,0001% einen katastrophalen Klimawandel auslösen wird und dass Pipelines Natur-Habitate stören. Also wenden sie sich gegen Fracking nach Erdgas in New York und gegen Pipelines, welche den sauberen Treibstoff aus Pennsylvanien importieren.

Aber dann drängen oder erzwingen sie, dass man in ländlichen Regionen und in Urlaubsgebieten Dutzende hoch aufragende Windräder akzeptiert, die Tausende Acres Land beeinflussen, die Landschaft zerstören, die jährlich tausende Vögel und Fledermäuse zerschreddern und die den Schlaf und die Gesundheit lokaler Anwohner beeinträchtigen – nur um teuren, unterbrochenen Strom zu erzeugen, der via Starkstromleitungen nach Albany, Manhattan und zu anderen entfernt liegenden Städten fließt.

Derzeit befindet sich eine 600 Meilen lange Pipeline [ca. 960 km] von West Virginia nach North Carolina im Bau, durch die Erdgas fließen soll, um Kraftwerke zu errichten, welche Strom rund um die Uhr zu niedrigen Preisen zur Verfügung stellen. Ein Teil der maximal 100 Fuß breiten Pipeline-Trasse [ca. 30 m] muss notwendigerweise durch Waldgebiete verlaufen, was die Fällung von Bäumen erforderlich macht.

Um Zugvögel und gefährdete Fledermäuse zu schützen, schreiben staatliche und lokale Behörden allgemein vor, dass das Fällen von Bäumen zwischen Mitte März und Mitte Oktober verboten wird. Weil die Atlantic Coast Pipeline im Zeitverzug ist, beantragten die Unternehmen eine Genehmigung, noch bis zum 15. Mai Bäume fällen zu dürfen. Damit soll einer weiteren Verzögerung ein Riegel vorgeschoben werden, würde eine solche doch zu zusätzlichen Kosten von 150 bis 350 Millionen Dollar führen. Der Antrag wurde abgelehnt.

Da ist es keine Überraschung, dass die Pipeline, das Fällen von Bäumen nebst dem entsprechenden Antrag während der Zugvogel- und Brutsaison die Planer, Gesetzgeber und Umweltaktivisten wie Dummköpfe aussehen lässt. Ein 16 Meilen langes Teilstück [ca. 26 km] verläuft durch den George Washington National Forest in Virginia, was besondere Aufmerksamkeit erregte.

Obwohl dieses vergleichsweise kurze Teilstück lediglich 200 der 1,1 Millionen Acres betreffen würde, behauptete das Virginia Wilderness Committee, dass jedwedes Fällen von Bäumen in dem Gebiet eine „industrielle Zone“ erzeugen würde und dass „einige der schönsten verbleibenden natürlichen Landschaften im Osten der USA ernsthaft beeinträchtigt werden“. Das Southern Environmental Law Center bezeichnete das gesamte Projekt als „riskant“ und „unnötig“. Sie und mit ihnen verbündete Gruppen ziehen es vor, „fossile Treibstoffe im Boden zu lassen“ und einen rapiden Übergang zu Solar- und Windenergie voranzutreiben.

Man muss sich fragen, wie sie auf die weitaus stärkeren Umweltauswirkungen reagieren würden, welche ihre „grüne“ Energiezukunft mit sich bringen würde. Werden sie ihren Überzeugungen treu bleiben oder weiterhin mit zweierlei Maß messen?

Zum Beispiel: Wenn Solarenergie allein den rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Strom des Kernkraftwerkes am Lake Anna ersetzen soll, würde das fast 20.000 Acres Landverbrauch für Solarpaneele bedeuten (zweimal so groß wie Washington DC), welche dann Energie in 20% bis 30% der Zeit zur Verfügung stellen würden. Während der restlichen Zeit würde man fossile Energie oder den Backup von Batterien benötigen – es sei denn, Wohnungen, Fabriken, Krankenhäuser und Schulen wären froh, Strom nur dann nutzen zu können, wenn er gerade verfügbar ist, anstatt ihn dann zu haben, wenn sie ihn brauchen.

Diese Landfläche ist 100 mal so groß wie diejenige, welche für die Pipeline gebraucht würde, die außerdem im Untergrund verlaufen würde und fast unsichtbar wäre. Im Gegensatz dazu würden die stark ins Auge springenden Solarpaneele Jahrzehnte lang Landflächen überdecken, welche zuvor als Ackerland genutzt worden oder als Wild-Habitate geschützt waren.

Erdgas und Kohle erzeugen in Virginia etwa 55 Millionen Megawattstunden Strom jährlich. Das Ersetzen desselben durch Windenergie würde Tausende gigantische Turbinen erfordern, welche über eine halbe Million Acres von Wald-, Acker- und anderen Landschaftsformen verteilt wären. Teure Batterien-Konglomerate und Überlandleitungen von den Windparks zu entfernten städtischen Gebieten würden Tausende weitere Acres Land verbrauchen.

(Diese grobe Abschätzung berücksichtigt, dass viele Turbinen in Schwachwind-Gebieten errichtet werden müssten und daher nur während 15% bis 20% der Zeit Strom erzeugen könnten. Angenommen wird dabei auch, dass zwei Drittel der Erzeugung an windigen Tagen die Batterien für acht aufeinander folgende Tage mit Windstille aufladen würde und dass jede Turbine 15 Acres Land verbrauchen würde für den Aktionsradius der Rotorblätter, die notwendigen Abstände und Zugangswege).

Die Turbinen, Überlandleitungen und Batterien würden Millionen Tonnen Stahl, Beton, Kupfer, Neodym, Lithium, Kobalt, Kunststoffe auf der Grundlage von Petroleum und andere Rohmaterialien erfordern; man müsste Milliarden Tonnen Erde und Gestein bewegen, um die Metalle abzubauen; und man müsste ungeheure Mengen fossiler Treibstoffe verbrennen in enormen Schmelzöfen und Fabriken, um aus den Metallen die fertigen Komponenten herzustellen.

Die meisten dieser Arbeiten werden in Afrika, China oder anderen entfernt liegenden Orten ausgeführt – außer Sicht und außerhalb des Bewusstseins der meisten Virginianer, Amerikaner und Umweltaktivisten. Aber, wie uns oft mahnend auf den Weg gegeben wird, wir sollen lokal handeln, global denken und die horrenden umweltlichen Auswirkungen sowie die Bedingungen hinsichtlich Gesundheit und Sicherheit in Betracht ziehen, welche diese Aktivitäten in jenen fernen Ländern mit sich bringen.

[Siehe dazu auch den Beitrag auf Deutsch beim EIKE hier! Anm. d. Übers.]

Viele Turbinen werden auf Höhenzügen errichtet werden, wo der Wind am besten und häufigsten weht. Die Kammlagen werden entwaldet, Naturlandschaften ruiniert werden, und die Turbinen werden Zugvögel, Greifvögel und Fledermäuse häckseln, Zehntausende in jedem Jahr. Auch jene, die bisher noch nicht bedroht oder gefährdet sind, es aber bald sein werden.

Die Windindustrie und viele Gesetzgeber und Umweltaktivisten betrachten diesen Todes-Zoll als „nebensächlich“, als „akzeptable“ Verluste „entbehrlicher“ Wildnis. Dies sei notwendig für die Eliminierung fossiler Treibstoffe um des „Klimaschutzes“ willen. Die Todesfälle sind sicher nicht vorsätzlich – weshalb die Entscheidung des Innenministeriums im Dezember 2018, diese Fälle nicht mehr als kriminelle Verstöße gegen den Migratory Bird Treaty Act zu verfolgen, Sinn macht.

Allerdings ist es so, wenn Gesetzgeber zulassen, dass industriell Winderzeugungsanlagen inmitten oder nahe bei den Routen von Zugvögeln, in Brutgebieten und an anderen Stellen errichtet werden – wo sich eine große Zahl Adler, Habichte, Falken, Zugvögel und Fledermäuse versammelt – steigt die Todesrate weit über den Bereich „nebensächlich“ oder „akzeptabel“. Und mit der steigenden Anzahl von Windturbinen auf dem US-Festland, welche von 40.000 vor wenigen Jahren auf heute 52.000 gestiegen ist und potentiell die Millionen-Schwelle erreichen wird im Zuge der Forderung nach „lasst Kohle, Öl und Gas im Boden!“, steigt die Bedrohung der Dezimierung oder sogar des Aussterbens ins Unermessliche.

Einige sagen, dass wir künftige Windturbinen offshore installieren sollen, also in unseren küstennahen Meeresgebieten. Wahrhaft monströse 3,5-Megawatt-Turbinen würde sicher die Gesamtzahl reduzieren, welche erforderlich ist, um substantielle Mengen fossiler Energie zu ersetzen. Allerdings würden dabei landschaftliche ozeanische Ansichten zerstört, Meeres- und Küstenvögel-Populationen dezimiert (wobei die Kadaver bequemerweise unsichtbar im Meer versinken), ebenso wie Schweins- und andere Wale. Die Turbinen würden die Radarkontrolle des Schiffs- und Flugverkehrs beeinträchtigen sowie bedeutende Gefahren für Schiffe und U-Boote mit sich bringen.

Was aber noch schlimmer ist: Der Biologe Jim Wiegand und andere Experten haben festgestellt, dass die Windindustrie in großem Umfang dazu übergegangen ist, die tatsächlichen Todeszahlen zu verschleiern. Zum Beispiel schauen sie nur direkt unter den Türmen und Rotorblättern (obwohl Kadaver und verletzte Vögel durch die Geschwindigkeit an den Spitzen der Rotorblätter von 200 mph [ca. 320 km/h] Hunderte Meter weit fortgeschleudert werden können). Sie überprüfen die Gebiete nur einmal alle paar Wochen (in der Hoffnung, dass Aasfresser in der Zwischenzeit die Beweise auffressen), und sie sorgen dafür, dass Windparks für unabhängige Ermittler unerreichbar sind.

Das Töten von Vögeln und Fledermäusen mag nicht kriminell sein, aber der Betrug und die Verschleierung ist es auf jeden Fall.

Haltung, Vorschriften und Strafen im Zusammenhang mit Windturbinen stehen auch im scharfen Gegensatz zu der unflexiblen Handlungsweise ohne jedes Fingerspitzengefühl, welche Umweltaktivisten, Gesetzgeber und Gerichtshöfe normalerweise an den Tag legen, wenn es um Genehmigungen für Bohrungen, Pipelines, Grabungen und andere Aktivitäten geht, bei denen Salbei, Birkhühner und kleinere Prärievögel involviert sind – oder um den Antrag zu Baumfällungen bis zum 15. Mai, um eine Pipeline in Virginia fertig zu stellen.

Das Fish & Wildlife Service, das Center for Biological Diversity und die Audubon Society rasen vor Wut in solchen Fällen (Audubon war empört, dass das Innenministerium den zufälligen Tod von Vögeln auf Abfallhalden von Ölfeldern entkriminalisiert hat). Aber deren Schweigen zu den steigenden Opferzahlen von Vögeln und Fledermäusen war ohrenbetäubend.

Dieses Verhalten und diese Politik schreien „zweierlei Maß!“ Tatsächlich müsste ein konsistenter Schutz von Vögeln und Fledermäusen logischerweise den Bann von Turbinen in oder nahe bei Natur-Habitaten, in Rückzugsgebieten und Flugrouten enthalten – oder das Abregeln von Turbinen während der Brut- und Vogelflug-Zeiten.

Es ist an der Zeit, über all das neu nachzudenken. Ausreichende zuverlässige und bezahlbare Energie ermöglicht erst unsere Arbeitsplätze, Gesundheit, Lebensstandard und Zivilisation. Wenn es so weitergeht … dass Umweltaktivisten, Gesetzgeber und Richter Öl, Gas und Kohle heute blockieren … dass sie Kern- und Wasserkraft morgen blockieren … und Wind- und Solareinrichtungen während der nächsten Woche … dann wirft man uns um ein Jahrhundert oder mehr zurück. Es ist an der Zeit zu rufen: GENUG!

Link: http://www.cfact.org/2018/04/17/the-double-standards-industry/

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