Im Klimawandel nichts Neues, der Juli 2016 war im Mittel wieder zu warm

Helmut Kuntz
Etwas fühlt man sich bei der Klima-Wetterberichterstattung an ehemalige Feldberichte erinnert. Nach einem gefühlten Hochsommermonat Juli der eher an die der vergangenen Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit dem Schlager „wann wirds mal wieder richtig Sommer“ (von 1975) erinnert, meldet unser Deutscher Wetterdienst und damit über die dpa unisono die Medien dass der Juli wieder zu warm war:

wetterdienst.de: Deutschlandwetter im Juli 2016

[1] Mit regional nur geringfügigen Abweichungen war der Juli 2016 im Vergleich zum vieljährigen Mittel 1961-1990 zwischen +1 und +2 K zu warm.

Gegenüber dem vieljährigen Mittelwert des neuen Vergleichszeitraums 1981-2010 war der Monat damit um +0,6 K, im Vergleich zur internationalen klimatologischen Referenzperiode 1961-1990 um +1,7 K zu warm. Damit ordnet sich der Juli 2016 als 19.-wärmster seit 1901 und als 20.-wärmster seit 1881 in den oberen Bereich der Rangfolge der Julimonate ein.

wetteronline brachte dazu noch eine Grafik um zu zeigen, wie der Juli seit 1986 wärmer wird.

Bild 1 Julitemperaturen 1986 … 2016. Quelle: wetteronline [2]

Wie so oft, steckt die wirkliche Information im langfristigen Verlauf, und diesen zeigt Bild 2. Diese Darstellung ist bewusst auf 0 °C bezogen, um die Temperaturveränderungen im „gefühlten“ Verhältnis zu zeigen. Was Bild 1 nicht zeigt ist, dass weit vor Beginn des „schlimmen“ Klimawandels um 1990 die Juli-Temperaturen schon oft und deutlich über der des aktuellen lagen. Der Monat ist zudem von zwei Spitzen über der Temperatur von 1757 abgesehen wieder in den üblichen Trendbereich eingetaucht – und von einem Klimawandel-bedingten, stetigen Anstieg ist wenig zu erkennen. Wer vom „Klimawandel“ noch nichts gehört hat, würde wohl nie auf einen kommen.

Klimastatus Juli 2016

-Der vergangene Juli hatte mit 18,6 °C eine Temperatur, wie sie Vorfahren seit Beginn der Aufzeichnung in jeder Generation erleben konnten.

-Seit 1751 kam die Julitemperatur (18,6 °C) 39 Mal vor

-Nimmt man die Mess-Ungenauigkeit einer heutigen, automatischen und richtig geeichten Messtation von +-0,2 Grad, beginnt also mit 18,4 °C, dann kam diese Julitemperatur seit 1750 bereits 52 Mal vor

-Die Temperaturerhöhung der linearen Regressionsgeraden beträgt von 1750 … 2016 ca. 0,43 °C, also 0,162 Grad / 100 Jahren

-Die 30-Jahre Mittelwert-Temperatur vom Jahr 1782 wurde erst im Jahr 2004 letztmals überschritten. Ein um das Jahr 1750 gelebter Vorfahre würde aktuell keine Temperaturänderung bemerken.

Immer wieder plakativ wirkt es, die „maximal bis zum Jahr 2100 noch zulässigen +0,6 °C“ zuzufügen um zu zeigen, ob wirklich jemand der es sieht dann noch überzeugt ist, dass mit deren Überschreitung die Erde den un-umkehrbaren Hitzetod sterben muss.

Bild 2 Juli-Temperaturen Deutschland von 1750 … 2016. Quelle: WIKIPEDIA (DWD-Daten). Grafik vom Autor aus der Datentabelle erstellt

Bild 3 Darstellung von Bild 2 in höherer Temperaturauflösung

Ein Rückblick zum Vormonat Juni zeigt in den Parametern noch weniger von einem Klimawandel. Seit 1750 verläuft die Regressionsgerade absolut horizontal, der 30-Jahre Mittelwert liegt auf der gleichen Temperatur wie zu Beginn der Messreihe.

Bild 4 Juni-Temperaturen Deutschland von 1750 … 2016. Quelle: WIKIPEDIA (DWD-Daten). Grafik vom Autor aus der Datentabelle erstellt

Um darzustellen, wo sich die Globaltemperatur zwischen 1500 … 1750 befand, eine Globalrekonstruktion aus dem letzten IPCC Bericht. Es ist deutlich erkennbar, dass zu Beginn der Messreihe im Jahr 1750 die Erde noch mitten in einer Kaltzeit steckte. Deutschland hat den damaligen 30-Jahre Mittelwert erst im Jahr 2004 überschritten. Von der folgenden Erwärmung haben in Deutschland die Monate Juni und Juli also praktisch nichts abbekommen. Trotzdem behaupten „Klima-Fachpersonen“, die Unwetter Anfang Juni wären eine Folge der starken Klimaerwärmung gewesen.

Anmerkung: Die Kaltzeit war entgegen vielen Darstellungen nicht zu Beginn der industriellen Revolution ca. 1800 … 1850 und endete mit dem Beginn massiven CO2-Eintrags, sondern sie war mehrere Hundert Jahre früher und die Temperatur stieg bereits weit vor der „Industrierevolution“ ohne CO2 an, wie es die Proxy-Grafik im IPCC-Langbericht (Bild 5) zeigt.

Bild 5 Globaltemperaturrekonstruktionen der letzten 2000 Jahre. Teilbild aus IPCC WR1 2013 All Final, Figure 5.7 | Reconstructed (a) Northern Hemisphere

Vergleich mit dem globalen Welt-Wert (giss-Datensatz der Nasa)

Zuerst der langfristige Vergleich Welt global mit Deutschlandwerten (die Endwert-Normierung der Mittelwertkurven beachten).

Bild 6 Julitemperaturen 1750 … 2016 von Deutschland und Welt global ab 1880 (giss Datensatz) vom Autor aus den Datentabellen erstellt. Juli Welt auf Juli Deutschland 30 Jahre MW in 7.2016 normiert.

Interessant ist der Kurzzeit-Vergleich seit 1998 (Bild 7):

-Der Juli 2016 Deutschland hatte die Temperatur des Jahres 1999.

-Der „Welt-Juli“ hat sich von 1998 bis 2016 um 0,14 Grad erhöht. Das ist eine nicht signifikante Differenz, da die Welttemperatur nicht mit der erforderlichen Genauigkeit gemessen werden kann (eine moderne Messstation hat nach sorgfältiger Eichung und Platzierung eine Messtoleranz von +-0,2 °C, damit weltweit eine Differenz von 0,14 Grad signifikant zu ermitteln ist nicht möglich).

Seriös hätte der Juli also immer noch den Wert von 1998 mit leicht positiver Tendenz.

Bild 7 Julitemperaturen 1996 … 2016 von Deutschland und Welt global (giss Datensatz) vom Autor aus den Datentabellen erstellt. Juli Welt auf Juli Deutschland 30 Jahre MW in 7.2016 normiert.

Solche wissenschaftlich-seriöse Betrachtungen interessieren aber niemanden, wenn man daraus eine Alarmmeldung generieren kann und vor allem die Gefahr besteht, dass der nächste Juli auch global kühler werden könnte, weil der starke El Nino vorbei ist. Das gilt auch für die Klimaberaterin von Frau Hendricks:

Klimaretter.Info: Heißester Juli aller Zeiten

Der Juli war im globalen Durchschnitt der wärmste, der je registriert wurde, seit im Jahr 1880 die globalen Wetteraufzeichnungen begannen. Laut der Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa handelt es sich außerdem um den zehnten Rekordmonat in Folge. Im Schnitt war der siebte Jahresmonat um 0,84 Grad Celsius wärmer als der Juli im Durchschnitt der Vergleichsperiode von 1950 bis 1980.

Wenn man noch bedenkt, dass die NASA nicht die internationale, meteorologische Referenzperiode von 1961 – 1990, sondern eine „eigene“ die „zufällig“ genau in der kältesten Zeitspanne liegt als Vergleich angibt, erkennt man sofort, dass diese Institution überhaupt nicht daran dachte, eine seriöse Meldung abgeben zu wollen.

Fazit

Eine Meldung:
„… Vergleich zur internationalen klimatologischen Referenzperiode 1961-1990 um +1,7 K zu warm“
von einer offiziellen Stelle klingt nach einer großen Niederlage im Klimawandel-Kampf gegen die unaufhörliche Erderwärmung.

Man kann aber genauso begründet melden:
Der 30-Jahre Juli-Mittelwert liegt erst seit dem Jahr 2004 über dem 30-Jahre Mittelwert vom Jahr 1780 (17,13 °C), das sich damals in einer Kaltphase der Globaltemperatur befand. Die Juli-Temperatur lag gerade einmal um 0,94 K höher, als im Jahr 1780 und hatte praktisch genau den Wert zu Beginn der Messreihe im Jahr 1750 (1750: 18,5 °C; 2016: 18,6 °C).
Eine kurzfristige, zwischenzeitliche Temperaturerhöhung war lediglich einer zyklischen, diesmal besonders starken atlantischen Oszillation zu verdanken.

Es ist beängstigen, dass in Deutschland die Temperaturen stagnieren. Wenn die Temperaturen wie es der Eiszeitzyklus vorgibt, in nicht zu ferner Zukunft wieder abnehmen, ist Deutschland davon aufgrund des niedrigen Temperaturniveaus besonders schnell und stark betroffen. Sofern noch die von einigen Fachleuten angegebene, wesentliche Ursache der geringen, restlichen Erwärmung Wärmeinsel-Effekte sein sollten, stellt sich die Klimaentwicklung als dramatische Gefahr einer kommenden Kälte dar.

Klingt verwegen, so ähnlich wurde es aber bereits um 1970 von Wissenschaftlern berichtet. Und die aktuellen Daten könnten es aktuell neu belegen.

Nachtrag

Die Diskussion, wie weit der (in den DWD-Daten nicht berücksichtigte) Wärmeinseleffekt die Temperaturmessungen zusätzlich beeinflusst und Werte erhöht, ist hier nicht angesprochen worden. Wer daran Interesse hat, kann es nachlesen:

EIKE Stefan Kämpfe, Josef Kowatsch: Der Monat Juli wurde wärmer, in Deutschland aber nur wegen des Wärmeinseleffektes (WI), einer höheren Sonnenscheindauer und geänderter Wetterlagenhäufigkeiten

Quellen

[1] wetterdienst.de: Deutschlandwetter im Juli 2016

http://www.wetterdienst.de/Klima/Aktuell/

[2] wetteronline: Rückblick Juli 2016 Doch noch wärmer als im Mittel

http://www.wetteronline.de/wetterrueckblick/2016-07-30-rb

[3] EIKE Stefan Kämpfe, Josef Kowatsch: Der Monat Juli wurde wärmer, in Deutschland aber nur wegen des Wärmeinseleffektes (WI), einer höheren Sonnenscheindauer und geänderter Wetterlagenhäufigkeiten

http://www.eike-klima-energie.eu/klima-anzeige/der-monat-juli-wurde-waermer-in-deutschland-aber-nur-wegen-des-waermeinseleffektes-wi-einer-hoeheren-sonnenscheindauer-und-geaenderter-wetterlagenhaeufigkeiten/

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7 Kommentare

  1. #5 Herr Kowatsch: Ihre vralgemeinerung gilt nicht für die im Sommer WI-freie Station Feldberg:
    Juli 2016 war deutlich wärmer als der Schintt der vergangenen 30 Jahre (1986 bis 2016).
    Ich weiß ich wiederhole mich.

  2. #1: Hallo Rainer Steppan, ganz korrekt heißt es doch, es ist noch viel wärmer als bisher gefürchtet.
    #5: Josef Kowatsch jedenfalls nicht warm genug wie in meiner Jugend, um den ganzen Sommer im Freibad zu verbringen.

  3. Der Juli 2016 war im Mittel wieder zur warm. Richtig, wenn man mit den Reihen von 61 bis 1990 vergleicht, denn wir hatten kurz nach der Jahrhundetmitte ein 20-jähriges Kälteloch. Ab 1975 wurde der Juli wieder angenehm wärmer, aus mehreren Gründen, aber auch begünstigt durch den Wärmeinseleffekt, der bei den DWD-Stationen wirkt und nun die beginnende Abkühlung verzögert. In der freien Fläche außerhalb dieser Wärmeinseln, also im Wald und auf den Ackerflächen der Bauern, war dieser Juli viel kühler als die vom DWD angegebenen 18,6 C. In der freien Fläche war es eben ein Durchschnittsjuli, der auf der horizontalen Regressionslinie der Grafik 3 liegen würde. Trotz zunehmener CO2-Konzentrationen deutet sich eine Abkühlung an dieses Sommermonates an.
    Leider, die heißen Sommer sind vorbei, es geht wieder auf den Durchschnittsjuli zu wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne.

  4. Nach meiner Auswertung der Wetterdaten von Schwerin waren seit 1890 mindestens in 54 Jahren die Julimonate wärmer als im Jahr 2016.

  5. Wie kann man bei n-tv oder bei klimaretter.info (Gavin Schmidt) sagen, dass der Juli 2016 der wärmste Monat aller Zeiten sei, wenn selbst bei data.giss.nasa.gov die Monate Okt.2015 bis Mai 2016, sowie einige Monate von 1998 und 2010 wärmer waren? Wie ist die Grafik von Gavin Schmidt zu interpretieren, was ist dort die Y-Achse?

  6. Ist doch egal. Wird doch eh die passende Referenz genommen, dass es fast immer zu warm ist. Und wenn nicht, dann ist das ein Anzeichen, dass alles noch viel schlimmer kommt als erwartet. Egal wie es kommt, die Auswirkungen werden fürchterlich sein! Kommt zum Klimagott und beichtet eure Sünden, Kartenzahlung erwünscht.

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