Es ist einfach, „Wissenschaftler“ zu werden – es gibt eine App dafür

Dr. Klaus L.E. Kaiser
Es besteht künftig für niemanden die Notwendigkeit, sich „wissenschaftlich unterlegen“ zu fühlen, gibt es doch heutzutage eine jeweilige App für fast alles. Es scheint, dass einer der einfachsten Wege, „Wissenschaftler“ zu werden, darin besteht, der ,Union of Concerned Scientists‘ UCS beizutreten. Diese Gruppe hat bereits Millionen Mitglieder (behauptet sie jedenfalls), und jeder ist höchst willkommen. Erfahrung oder sonstige Referenzen sind nicht erforderlich – außer vielleicht ein paar Scheinchen aus der Brieftasche.

Das ist wirklich so, ich mache keine Witze. Die UCS ist eine von vielen verschiedenen „weithin anerkannten wissenschaftlichen Körperschaften“, die vorgeben zu wissen, was gut für einen oder für jeden anderen auf der Erde ist. Und es ist so einfach beizutreten und einer ihrer vielen „Wissenschaftler“ zu werden, besorgt [concerned] oder nicht. Man kann jede ihrer vielen Kampagnen mit Hinzufügen seines Namens, seiner Adresse und Kontaktmöglichkeit (E-Mail) anreichern. Außerdem darf man eine kleine Spende leisten, um den jüngsten Aufschrei darüber, was die Welt plagt, zu stützen.

Beispiel: In einem der jüngsten Beispiele von UCS-Warnungen will die UCS, dass man einen Brief an den „Vorsitzenden Lamar Smith“ unterschreibt. Er ist Vorsitzender des Committee on Science, Space, and Technology im Kongress. Der Brief beginnt mit den Worten:

Wir schreiben Ihnen, um Sie aufzufordern, von der grund- und beispiellosen Einmischung in Bemühungen staatlicher Justizbehörden Abstand zu nehmen, die ermitteln wollen, ob ExxonMobil (EM) die Arbeit seiner Wissenschaftler unterdrückt oder fehlinterpretiert. Ihre Aktionen unterminieren die Fähigkeit privater Bürger und Organisationen, Betrug und den Missbrauch von Wissenschaft öffentlich zu machen“.

Und an diesem Punkt geht es los.

Jetzt möchte ich erklären, wie man hereingelegt wird.

Hereingelegt werden

Es beginnt mit einer E-Mail (falls man bereits ein treugläubiges Mitglied ist), in der man aufgefordert wird, eine vollständig vorformulierte E-Mail zurückzuschicken – wobei der Name bereits an der richtigen Stelle eingetragen ist. Alles, was man noch tun muss, ist seine vollständige Adresse einzutragen.

Und da schau her, schon hat man seine „Pflicht bzgl. Sorge um die Wissenschaft“ [„scientific-concern-duty“] des Tages getan und den eigenen wissenschaftlichen Status erneuert oder angehoben. Glauben Sie mir, es ist einfacher als einen Flug umzubuchen.

Wenn man bei dieser illustren Organisation Mitglied wird, ist es nicht sehr viel anders. Es ist sehr einfach, einer ihrer „Wissenschaftler“ zu werden. Es besteht keine Notwendigkeit, irgendeinen Hochschulkursus zu absolvieren, Jahre mit Studien (zu welchen Kosten auch immer) zuzubringen oder eine Zeitlang für fast nichts zu arbeiten – nichts von dieser Plackerei. Man kann all dies umgehen, wenn man eine ihrer zahlreichen Petitionen oder Ähnliches unterschreibt, und augenblicklich ist man zu einem „besorgten Wissenschaftler“ geworden.

Und nachdem man bei dieser Gruppe unterschrieben und (vielleicht) ein paar Dollars hinüber geschoben hat, wird man zum angesehenen Mitglied, meiner Erfahrung nach für immer.

Und man erinnere sich bitteschön immer an die Behauptung, dass all dies „gut für die Natur“ ist, wie etwa Klima schützen und ähnliche gute Gründe wie z. B. Sie (und/oder den Rest der Welt) vor dem „Machtmissbrauch“ zu schützen.

Wer würde sich nicht jenen Idealen [Wortspiel: idea(l)s] unterwerfen?

Machtmissbrauch

Der UCS zufolge richten sich ihre jüngsten Bedenken gegen den „Machtmissbrauch“. Insbesondere geht es in ihrer jüngsten Warnung um etwas, das sie als „Missbrauch von Macht“ seitens Lamar Smith brandmarken, der (den Worten der UCS zufolge) „Klimawissenschaftler bedrängt und Fortschritte bei der Forschung bzgl. der globalen Erwärmung für Jahre aufhält…“. Die UCS möchte, dass man „seinen Namen auf den Brief setzt, mit dem der Vorsitzende Smith aufgefordert wird, mit diesem Machtmissbrauch aufzuhören und seine Angriffe gegen die UCS und andere private Organisationen einzustellen“.

Soweit ich erkennen kann, falls es tatsächlich irgendeinen Machtmissbrauch gibt, stehen die UCS und Organisationen mit der gleichen Gesinnung an vorderster Front. Unabhängig vom fehlenden Beweis (primär experimentell) des CO2-Klima-Konzeptes basiert die gesamte Wissenschaft auf freiem und ungehindertem Gedankenaustausch von Erkenntnissen und Beobachtungen. Nur so kann Wissenschaft vorankommen. Eine einzige (kritische) Beobachtung kann die allgemeine Ansicht ändern sowie allgemeine Lehrmeinungen von tausenden anderen.

Während die UCS (allein schon aufgrund ihrer großen Zahl von Mitgliedern; siehe oben!) sicherlich einen gewissen politischen Einfluss hat, ist jene „Macht“ selbst ziemlich missbrauchend, hauptsächlich weil allein der Name dieser Gruppe einen hohen wissenschaftlichen Standard suggeriert, der einfach nicht da ist. Das nenne ich eine Leichtgläubigkeits-Falle.

Leichtgläubigkeits-Falle

Mit den sprunghaften technologischen Fortschritten kann es schon schwierig sein, einfach nur den wesentlichen Entwicklungen zu folgen, geschweige denn den Weizen von der Spreu zu trennen. Wenn man also ein „besorgter Wissenschaftler“ und Teil einer Organisation mit Multimillionen Mitgliedern werden kann, und dass lediglich mit der Spende von ein paar Dollars (oder auch für gar nichts) – wer in aller Welt kann falsch damit liegen, eine solche Gelegenheit beim Schopf zu packen?

Mit einem einzigen „Geniestreich“, d. h. einem Mausklick oder so, könnte man der Meinung sein, nicht nur zum Wissenschaftler geworden zu sein, sondern auch seinen Bedenken Ausdruck verliehen zu haben gegenüber dem Vorsitzenden eines hochrangigen Komitees der Regierung, und dass man die gute Tat des Tages vollbracht habe. Kann es eine bessere win-win-win-situation geben?

Man füge dem noch das neue „allgemeine … Schul-Curriculum“ hinzu, welches die Absicht (oder die Bemühung) um zusätzliches Wissen fördert, und man befindet sich in guter Gesellschaft, d. h. in der Gesellschaft von Millionen weiteren „besorgten Menschen“.

Wirklich, die UCS benutzt diese EM-Behauptung als eine Rechtfertigung, auf ihre beachtliche weltweite Mitgliederzahl zu verweisen (geschätzt in den Zehner-Millionen), um alle möglichen Gedanken anzuschieben. Einige dieser Gedanken oder Vorschläge können sogar vernünftig klingen, zumindest auf den ersten Blick (bevor man das „Kleingedruckte“ gelesen hat). Allerdings vermute ich, dass alles in allem die meisten Unterzeichner in diese Leichtgläubigkeits-Falle geraten und sich nicht auf der win-win-win-Seite, sondern auf der lose-lose-lose-Seite der Gleichung befinden.

Gewinnen oder verlieren

Natürlich lautet die wirkliche Frage, WER am Ende auf welcher Seite steht. Einsichten hierzu vermittelt das Statement vom UCS-Präsidenten Ken Kimmell vom 20. Mai 2016. Darin beklagt sich Kimmel darüber, dass in dem Brief an das Kongress-Komitee festgestellt wird, dass das Wissenschafts-Komitee des Kongresses „einen koordinierten Versuch durchführt, Unternehmen, nichtkommerziellen Organisationen und Wissenschaftlern ihre Rechte aus dem Ersten Verfassungszusatz vorzuenthalten“.

Wer hätte das gedacht! Auf einmal scheint es so, als ob „das, was für den einen richtig ist, für den anderen NICHT richtig ist“. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn sich die UCS über EM oder andere Unternehmen beklagt, aber es ist absolut nicht in Ordnung, wenn eines dieser Unternehmen Fragen zur UCS stellt. Ich würde nicht wetten wollen, welche Seite diese juristische Schlacht gewinnt. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung wurde der Oberste US-Gerichtshof bereits durch die EPA hereingelegt mit der Anordnung, dass CO2 ein „Verschmutzer“ ist.

Die derzeitigen Bemühungen der UCS und ähnlicher Gruppierungen, Gerichtshöfe dazu zu bringen zu bestimmen, wie die Antwort auf wissenschaftliche Fragen zu lauten hat, meistens mit Ausweichmanövern um die eigentlichen wirklichen wissenschaftlichen Fragen herum, sind hochgradig schädlich für die Gesellschaft im weitesten Sinne. Diese Art ist kein Weg, der zu irgendeinem Fortschritt in jedweder Gesellschaft führt. Das gilt auch für „bedrängen“, um vermutete „Leichen“ zu finden in der internen Korrespondenz von Unternehmen von vor Jahrzehnten. Falls wirklich Meinungen von irgendjemandem, denen man auf irgendwelchen internen Meetings des Unternehmens Ausdruck verliehen hatte, vor Jahrzehnten, mit oder ohne Wissen und Verstehen aller Faktoren, zum Gegenstand von Rechtsstreit vor Gerichten werden kann – was darf man dann überhaupt noch sagen? Dies erinnert an eine Hexenjagd wie im 17. Jahrhundert oder so, an Lysenkoismus (im 20. Jahrhundert in Russland), an McCarthyismus (im 20. Jahrhundert in den USA) und jüngst an „Denkprozesse“ überall. Einige jener modernen „politisch korrekt“ Denkenden scheinen sogar schon erbost, falls jemand seine eigene Meinung kundtun oder einige Fragen stellen möchte [Dies habe ich selbst bei vielen Gelegenheiten auch schon erlebt! Anm. d. Übers.]

Ihre Fragen und deren Konsequenzen

Die Art mittelalterlicher Hexenjagd oder der Denkweise in der McCarthy-Ära, der man dieser Tage begegnet, ist der Weg zur rapiden Beseitigung der am meisten in Ehren gehaltenen Aspekte der US-Verfassung und der grundlegenden Prinzipien von Demokratien auf der ganzen Welt. Zum Beispiel hat Robert C. Post behauptet, „dass amerikanische Professoren irrtümlicherweise die akademische Freiheit mit ihrem individuellen Recht der freien Rede verwechseln“. Post ist Dekan und Professor an der Yale Law School. Gesagt hat er dies am 25. Februar 2016 in einer Rede an der Columbia Law School.

Er scheint auch die Auffassung zu vertreten, dass die immer neuen Ermittlungen durch eine Anzahl von US-Anwälten bzgl. Statements, in denen die Behauptungen der Regierungen zu Aspekten des „Klimawandels“ in Frage gestellt werden, „außerhalb des Schutzes stehen, die das Recht auf freie Rede garantiert“. Meines Wissens nach begründet Post dies mit „97 % of scientists claim…”.

Unabhängig davon, dass diese 97%-Behauptung selbst vollkommen falsch und im besten Falle eine statistische Fehlkonstruktion ist – selbst wenn dies eine richtige Beobachtung wäre, ist sie kein wissenschaftlicher Beweis. Es ist einfach ein weiterer Anlass, warum Wissenschaftler werden mehr ist als die Unterschrift unter einen Mitgliedsantrag, eine Frage zu stellen oder einer Besorgnis Ausdruck zu verleihen.

Bedauerlicherweise scheinen bestimmte Leute wie etwa Senator Sheldon Whitehouse aus Rhode Island die Meinung zu vertreten, dass Denken für Sie und mich nicht angemessen ist. In ihren Köpfen gilt das Recht auf freie Rede nur für sie selbst und vermutlich für Andere mit ähnlichen Visionen, ausgestattet mit göttlicher Weisheit. Besonders interessant ist es, die Diskrepanz zu sehen zwischen dem Einführenden Statement über den Staat Rhode Island, wie es im Information Please Almanac zu finden ist. Darin wird behauptet „Von Anfang an war Rhode Island berühmt durch seine Unterstützung für Gewissensfreiheit und Tun…“ Der Almanach muss eindeutig falsch sein, oder wie es Larry Bell bei Newsmax ausdrückt: „Galileo hat heutzutage viele Gefährten“.

Die Art und Weise der juristischen Bestimmung, was Fakten sind und was nicht, wie es Whitehouse et al. praktizieren, ist ein Schritt rückwärts bei der Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und des Auffindens von Fakten während vergangener Jahrhunderte. Falls sich die gegenwärtige prozess-süchtige Ideologie noch länger fortsetzt, wird sie die Menschheit zurück in das Dunkle Zeitalter befördern.

Wissenschaft kommt voran durch offene Diskussionen, die Betrachtung von Theorien und durch konstantes Stellen von Fragen. Wissenschaft kommt nicht voran durch Gesetze (von Menschen) oder durch Gerichtshöfe, wo es einen begrenzten Input gibt (wie etwa von einem Kläger und einem Verteidiger), wo niemand sonst vor jenen Gerichten einen „gesetzlichen Stand“ hat. [legal standing]

Wissenschaft kommt voran, indem eine Theorie entwickelt wird, durch die Evaluierung aller denkbaren Variablen, Einflüsse, Tests, Ergebnisse; durch die dann folgende Durchführung von Tests, genaue Beobachtungen und Analysen dieser Tests und schließlich er Beweis (oder die Widerlegung) der Theorie. Selbst wenn all das „unter Dach und Fach“ ist, kann immer noch alles falsch sein aufgrund nicht oder falsch funktionierender Instrumente, aufgrund irgendwelcher Variablen, die man übersehen hatte, und so weiter.

Fazit

Wissenschaftler zu werden oder gute wissenschaftliche Forschung durchzuführen ist nicht so einfach wie die UCS, ähnliche Organisationen oder einige Politiker Sie glauben machen möchten. Überflüssig zu sagen, dass weder die Eigenschaft, ein US-Senator zu sein, noch die Unterschrift unter eine Petition der UCS Sie zu einem Wissenschaftler macht. Diese „App“ benötigt noch (viel) mehr Arbeit!

Wenn Sie ihr Signum unter UCS-Petitionen setzen oder unter irgendeinen Aufruf, „Skeptiker“ zu verfolgen, könnte dies den gegenteiligen Effekt dessen haben, was sie wollten.

Link: http://canadafreepress.com/article/its-easy-to-become-a-scientist-theres-an-app-for-that

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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Ein Kommentar

  1. Beim Durchschalten der Fernsehsender traf ich durch Zufall auf die Sendung Galileo. Dort wurde herade ein neues „hochwissenschaftliches“ Forschungsgebiet vorgestellt. Für diese Wissenschaft gibt es auch eine spezielles Studienfach, nennt sich alles „BH-Wissenschaft“.
    „Sexy Wissenschaft – alles über BH und Boxershorts“
    http://tinyurl.com/zbwr4gv

    Was ist denn heute aus Wissenschaft geworden?

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