Kernkraft: Warum sagen Sie nicht die Wahrheit Herr Trittin?

Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen, Exkommunist und Exumweltminister der Rot-Grünen Koalition hat sich jüngst in der FAZ vehement über die „Die Realitäten der Atomenergie“ geäussert. Wie üblich nahm er es dabei mit den Fakten nicht so genau. Kein Wunder, denn sie würden seinem erklärten Zielen der Umgestaltung der westlichen Gesellschaft zuwiderlaufen.
Lesen Sie die Stellungnahme von Dr. Ludwig Lindner von Bürger für Technik zum Artikel „Die Realitäten der Atomenergie“ Jürgen Trittin FAZ 16.7.09 S.10

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Trittin schreibt in seiner Einleitung: „Arnulf Baring“* fordert einen neuen Energierealismus. Dazu ist es nötig, sich den Realitäten der Atomenergie auch zu stellen.“
Die von Trittin dargestellten Realitäten der Atomenergie sind in vielen Punkten falsch, unsachlich oder überzogen. Zu den einzelnen Äußerungen von Trittin ist folgende Gegendarstellung erforderlich:

Behauptung 1: Kein Kernkraftwerk ist vor einem Super-GAU sicher.

Trittin hat sich offenbar nicht ausreichend mit den Mehrfachabsicherungen der deutschen Kernkraftwerke befasst. Der häufig geäußerte Hinweis auf Tschernobyl zieht bei deutschen Kernkraftwerken nicht. In Tschernobyl wurde ein unzulässiger Versuch mit massiver Abschaltung von Sicherheitseinrichtungen durchgeführt. Die ursprünglich zur Erzeugung von Waffenplutonium gebauten Reaktoren vom Tschernobyltyp hätten in Deutschland nie eine Genehmigung erhalten.

Behauptung 2 : Fast nirgends ist die Entsorgung gelöst.

In Deutschland könnte dies längst erledigt sein, wenn Trittin und dann Gabriel die Weitererkundung von Gorleben nicht seit 9 Jahren sabotiert hätten. In der Vereinbarung vom 14.6.2000 steht, dass bisher nichts gegen die Eignung von Gorleben spricht. Das hat die Rot-Grüne-Bundesregierung mit dem damaligen Umweltminister Trittin unterschrieben. Die ganze Welt beneidet uns um unsere Salzstöcke.

Behauptung 3 : Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt viel schneller voran als gedacht:

Möglich macht es das von Trittin unter Rot-Grün durchgesetzte Erneuerbare Energie-Gesetz (EEG). Die unwirtschaftlichen Stromvergütungen für Wind- und Solarstrom bezahlen wir als Bürger über den Strompreis. Das ist eine massive Subvention. Mit solchen Subventionen könnte man auch Ananas am Nordpol anbauen. Auch Ex-Bundes-Wirtschaftsminister Müller hatte schon 2001 diese überzogenen Subventionen beklagt.

Behauptung 4: Neue Atomkraftwerke sind unwirtschaftlich.

Gegenüber Wind- und Solarstrom sind die AKWs allemal wirtschaftlich. Können die Finnen, Franzosen, Engländer, Russen, Chinesen, Inder und andere Nationen nicht rechnen oder sind sie zu dumm? Sie alle wollen neue Kernkraftwerke bauen: Schweiz, Italien, Ungarn, Türkei, selbst das OPEC-Land Venezuela.

Behauptung 5: Die Mehrheit der Bevölkerung, darunter viele Wähler von CDU/CSU lehnen die Kernenergie ab oder will sie höchstens noch übergangsweise dulden.

Die Umfragen über viele Jahre haben immer wieder gezeigt, dass eine Mehrheit von etwa 60 % den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke will. Einige Tausend Grüne und die Berufsprotestierer von Greenpeace, die sich öffentlichkeitswirksam in den Medien präsentieren, geben ein falsches Bild über die tatsächlichen Verhältnisse.

Behauptung 6: Die Bundesregierung veranschlagt die bisher geflossenen direkten und indirekten staatlichen Subventionen für die Atomwirtschaft auf gut 30 Mrd. €. Jede neue Technologie braucht Anschubfinanzierung.

In den vergangenen 8 Jahren sind fast 22 Mrd. € in die Solarstromerzeugung geflossen und rund 30 Mrd.€ in die Förderung der Windenergie. Während jetzt mit der Kernkraft echtes Geld verdient wird, werden die erneuerbaren Energien, insbesondere Solar- und Windstrom laufend weiter subventioniert mit dem Geld der Stromverbraucher. Und das obwohl die Techniken bewährt sind.

Behauptung 7: Die ältesten laufenden Atomkraftwerke kommen im Laufe ihres Betriebes jedes für sich auf 400 Störfälle.

Das sind nach der Internationalen INES-Skala meldepflichtige Ereignisse, aber keine Störfälle. Alle kleinsten Vorfälle müssen gemeldet werden, wie z.B. der Ausfall einer Pumpe.

Behauptung 8: Die EVUs haben die Vereinbarung zum Atomausstieg nicht in einer Art Blackout, sondern auf Basis einer nüchternen Kalkulation unterschrieben.

Falsch! Das war damals fast eine Erpressung der Rot-Grünen Bundesregierung, mit Unterstützung der Chaoten von der Straße. Die EVUs erwarteten damals mit der Zustimmung zum Atomausstieg eine Beruhigung der Situation.

Behauptung 9: die ältesten 7 deutschen Atomkraftwerke sind schlecht ausgerüstet, so dass es bei einem Absturz eines Verkehrsflugzeuges auf das Kraftwerk zu einer Freisetzung von Radioaktivität kommen würde.

Wenn das stimmte, dann gilt das erst Recht für die mehr als 100 Atomkraftwerke rundherum um Deutschland. Aber nur in Deutschland wird das Spiel mit der Angst getrieben. Die Reaktorschutzhüllen (sog.Containments) sind für den Absturz von Militärmaschinen ausgelegt.

Behauptung 10: In der EU 27 ist die Zahl der Atomkraftwerke rückläufig. Waren 1988 noch 177 Anlagen in Betrieb, so sind es heute nur noch 145 Anlagen.

Diese Aussage ist unseriös und falsch. 1988 gab es die EU 27 noch nicht, damals existierte noch der Ostblock. Dort wurden massiv Kernkraftwerke stillgelegt (auch in der ehemaligen DDR) wegen der zusammengebrochenen Infrastruktur.

Behauptung 11: Deutschland wird zunehmend zum Stromexporteur. 2007 entsprach das der Leistung von 4 Großkraftwerken.

Die aus Deutschland 2007 und 2008 exportierten Strommengen von 19 und 22,5 Terawattstunden  machen für Trittin Deutschland zum Stromexporteur. Dass es sich dabei nur um ca. 4% der deutschen Stromerzeugung handelt, die in den Vorjahren auch schon in die umgekehrte Richtung flossen, bleibt ungesagt.

Behauptung 12: Statt der vereinbarten 3 Mrd.€ wird das neue Kernkraftwerk in Finnland 4,5 Mrd. € kosten.

Das ist für die Offshore-Windanlagen ähnlich. Deren Strom wurde zunächst mit Erzeugungskosten von 10 cts/kWh veranschlagt, inzwischen hat die Windstromlobby durchgesetzt, dass die Vergütung 15 cts/kWh betragen muss, um kostendeckend zu sein.

Behauptung 13: Gerade einmal 2,5 % der weltweit genutzten Endenergie stammen aus der Kernspaltung.

Da wird mit unzutreffenden Begriffen gerechnet. Die Endenergie beinhaltet auch den Verbrauch an Wärmeenergie  und den Kraftstoffverbrauch für den Verkehrssektor. Das ist ein Trittinscher Taschenspielertrick. Man muss hier die Stromproduktion betrachten, diese beträgt weltweit 12 % aus Kernenergie.

Behauptung 14: Schon heute beschäftigt die Erneuerbare Energie Branche 280.000 Menschen.

Das ist erfreulich für die Arbeitsplätze bedeutet aber für die Volkswirtschaft eine enorme Subvention. Setzt man nur 20.000 € pro Arbeitsplatz und Jahr an, so sind das rund 5 Mrd.€ pro Jahr. Nach Angaben des RWI wird jeder Arbeitsplatz in der Solarstrom-Industrie mit 153.000,- Euro pro Jahr subventioniert.

Behauptung 15: Die Erneuerbaren Energien kosten die Bevölkerung 1,50 €pro Person und Monat.

Das wären 72 € pro Jahr für einen 4-Personen-Haushalt. Diese Zahl ist viel zu niedrig. Für einen 4-Personenhaushalt liegt sie heute bei 500 € pro Jahr mit steigender Tendenz mit weiterem  Ausbau des Solarstroms.

Behauptung 16: Die heutige Grundlast – auch dies ist eine entscheidende Neuerung seit 2001 –ist bereits erneuerbar. Der Strom der zuerst eingespeist wird, ist aus erneuerbaren Energien.

Dies ist eine falsche und dumme Argumentation. Grundlast heißt: dies ist Strom, der immer verfügbar ist für die Industrie und auch für den privaten Stromverbraucher. Wind- und Solarstrom sind wetterabhängig und nicht kalkulierbar. Die Bürger sind sicher nicht bereit ihren Strombedarf für den Computer, den Küchenherd und die Beleuchtung nach dem Wetter zu gestalten. Den Grundlaststrom in Deutschland liefern Kernkraftwerke und Braunkohlekraftwerke.

Behauptung 17: Die Atomkraft ist längst zur Bremse für den Klimaschutz geworden.

Falsch !  Die deutschen Kernkraftwerke vermeiden pro Jahr 150 Mill. t CO2, soviel wie der gesamte Kraftfahrzeugverkehr ausstößt.

Behauptung 18: Es wird Zeit, dass wir uns von der Atomenergie als einer altmodischen Nischentechnologie verabschieden.

Antwort: Wir brauchen weltweit alle Möglichkeiten zur Energieerzeugung, einschließlich der Kernenergie. In aller Welt werden neue Atomkraftwerke gebaut. Es sind zur Zeit 34 Atomkraftwerke im Bau , ca. 80 in konkreter Planung und mehr als 100 in der Vorplanung. Es wird Zeit, dass Deutschland als hoch industrialisiertes  Land den Atomausstieg in den Papierkorb der Geschichte legt, wie es in Schweden erfolgt ist.

Dr. Ludwig Lindner Bürger für Technik

* Jürgen Trittin schreibt darin: Dieser Artikel ist eine Replik auf den Artikel des Publizisten und Historikers Arnulf Baring „Kernenergie: die Geschichte eines Realitätsverlusts“ in der FAZ vom 2.7.09 S.12.

Anmerkung EIKE

Jürgen Trittin war früher Mitglied des kommunistischen Bundes Westdeutschland. Daher rühren seine ideologisch- dialektischen Argumentationen. Erhellend dazu einige Zitate von Trittin, die seine Ansichten untermauern.

"Wir werden den Leuten den Wohlstandschauvinismus schon austreiben." (Jürgen Trittin als Bundesumweltminister und Regierungsmitglied)

»Energie ist die Basis fast jeder Wertschöpfung. Der Zugang zu Energie, zum Beispiel zu Strom, entscheidet vielfach darüber, ob überhaupt Wertschöpfong beginnen kann. «Buch Trittin "Welt Um Welt" S. 130

Der internationale Klimaschutz operiert bereits mit einer absoluten Obergrenze für Emissionen und mit Verschmutzungsanteilen, die einzelnen Ländern zugewiesen werden. (…) Das Verursachertprinzip müssen wir aber nicht nur für Staaten einführen, sondern für alle globalen Akteure, für internationale Konzerne ebenso wie für Verbraucher aus der globalen Oberschicht.  "Welt Um Welt, S. 104

Dazu jemand der eine kühlen Kopf bewahrte:
"Jedes Gesetz, das er mit Rückendeckung der SPD durchsetzt, schadet der Wirtschaft. Deutschlands sinkender Wohlstand hat einen Namen: Jürgen Trittin" (Hans-Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident)

Michael Limburg EIKE

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8 Kommentare

  1. @Günther Vennecke

    Hiermit ist die Debatte obsolet:

    DIE WELT, 31. August 2009 –

    „Seit der Jahrtausendwende ist es sowieso nicht mehr wärmer geworden, und auch der Schwund des Nordpoleises ist seit 2007 Schnee von gestern.“

    http://www.welt.de/die-welt/debatte/article4430627/

    Zur gef. Kenntnisnahme: Klimalüge ist aufgeflogen, Fakt Erdabkühlung ist im Mainstream angekommen, CO2-Klimadebatten sind somit gegenstandslos und Zeitverschwendung.

  2. Sehr geehrter Herr Vennecke,
    Sie haben es in Ihrem Kommentar auf den Punkt gebracht. Es gibt tatsächlich kein CO2 Problem.
    Haben Sie aber auch mal darüber nachgedacht, dass es mitunter gelingt, den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen?
    Genau das passiert hier.
    Wenn schon CO2 als Pseudo-Argument für macht- und geldpolitische Zwecke missbraucht wird, dann doch bittes von allen Seiten, oder?
    In diesem Zusammenhang darf auch gefragt werden, wo denn die Verbote für z.B. sportliche Veranstaltungen oder Jogging bleiben, denn dort wird das vielfache CO2 eines normal atmenden Menschen ausgestoßen.
    Wo bleiben die Verbote für sinnlose Transporte von Schweinen von Köln nach Berlin, nur um sie dort zu schlachten und dann zurückzutransportieren oder die Krabben, die 3000 km von der Nordsee zum entpoolen nach Marokko und zurück transportiert werden.
    Also, wenn schon, dann auch gleiches Recht für alle ohne Rücksicht auf die Richtigkeit, die mittlerweile ja wohl mehr als deutlich in Frage gestellt werden darf.

  3. Herr Lindner ist zwar ein geschickte formulierender Polemiker, mit der Wahrheit steht er aber anscheinend immer noch auf Kriegsfuß.

    Aus der Vielzahl der dreisten Unrichtigkeiten, die Herr Lindner hier präsentiert, will ich nur eine herausgreifen, sonst müsste ich ein ganzes Buch schreiben, um alles richtig zu stellen, was er verzerrt oder wahrheitswirdrig behauptet. Und im Gegensatz zu Herr Lindner, der ein Auftragstäter der Atomlobby ist (http://www.zeit.de/2008/17/Atomlobby„), werde ich nicht dafür bezahlt:

    „Behauptung 17: Die Atomkraft ist längst zur Bremse für den Klimaschutz geworden.

    Falsch ! Die deutschen Kernkraftwerke vermeiden pro Jahr 150 Mill. t CO2, soviel wie der gesamte Kraftfahrzeugverkehr ausstößt. “

    Diese Behauptung war noch nie richtig, heute ist sie falscher denn je. Hier wird stillschweigend unterstellt, dass bei einem Verzicht auf Kernkraft der gesamte Strom, der sonst in den AKWs erzeugt worden wäre, aus alten Kohlekraftwerken käme, die bekanntlich recht viel CO2 emittieren, wozu überhaupt keine Notwendigkeit bestünde und was technisch auch nicht möglich wäre, da man heute keine veralteten Kohlekraftwerke mehr bauen würde, sondern schlimmstenfalls moderne Kohlekraftwerke mit deutlich höherem Wirkungsgrad, vorzugsweise aber ganz andere Kraftwerke mit noch geringerem CO2-Ausstoß.

    Herr Lindner benutzt außerdem bewusst die alten Zahlen, die noch von einer höheren Stromproduktion aus den AKWs ausgingen. Der Anteil des Atomstroms ist von ehemals fast 40% auf inzwischen unter 25% gefallen, auch die absolute Produktion ist zurückgegangen, weil mehrere AKWs inzwischen endgültig vom Netz sind und mehrere andere wegen diverser Pannen mal wieder still liegen.

    Im Klartext kann man sagen: Wenn wir schon früher auf Kernenergie verzichtet hätten, läge vermutlich der CO2-Ausstoß heute schon niedriger als er mit AKWs ist.

    Pikant ist allerdings Herrn Lindners Hinweis auf CO2 auf dieser Webseite, denn laut EIKE gibt es doch überhaupt kein COI2-Problem. Warum sollte es also von Bedeutung sein, ob man mit Atomkraft CO2 einspart oder nicht?

  4. Hallo
    sorry, dass ich mich wiederholte, und damit EIKE wertvollen Platz geklaut habe. Den Weg, das Grüne loszuwerden, habe ich bereits bei der „Verpressung“ des CO2 beschrieben und hier dämlicherweise wiederholt (obwohl man das garnicht oft genug kann!!)
    Alles Gute wünscht ein (wegen Platzklau)reumütiger
    Yogi
    PS: NOCH dürfen Zipfelmützen wählen, und damit zeigen, dass sie ebendiese nicht sind!!

  5. Sehr geehrter Herr Lindner
    mit Entsetzen stelle ich fest, dass Sie es wagen, in der Zipfelmützenrepublik Deutschland die weisen und unumstösslich wahren Worte (und Gesetze) eines Grünen- und noch dazu des Tritt-Ihn in Zweifel zu
    stellen- und das sogar unverschämterweise mit sachlich fundierten Argumenten!!
    Das Grüne beinhaltet für die Zipfelmütze die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, ähnlich einer päpstlichen Enzyklika füt den Katholiken!
    Wenn das Grüne behauptet, dass Krümmel stillzulegen ist, weil das Ventil einer Klospülung im Umkleideraum hängt, dann ist das eben nicht zu kritisieren, sondern in hündischer Unterwerfung
    hinzunehmen und unbedingt kritiklos zu befolgen!
    ……es sei denn, man versucht, das Grüne aus dem politischen Geschehen zu werfen. Und das geht nur per Wahl (noch!)
    Bei grünen Ergebnissen

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