Kurzmeldungen aus Klima und Energie – Ausgabe 19 /2026

Meldung vom 10. Juli 2026:

Trendwende im Atlantik?

Vergleicht man die Karten der NOAA zur Wassertemperatur vom Juni 2023 und Juni 2026 nebeneinander, erkennt man eine deutliche Abkühlung.

Im Juni 2023 herrschte in weiten Teilen des Beckens Wärme. Bis Juni 2026 hatten sich jedoch große Teile des Nordatlantiks wieder auf den Durchschnitt oder darunter abgekühlt:

Die AMO schlug um das Jahr 1995 ins Positive um. Drei Jahrzehnte später könnte die Abkühlung, die sich nun über das gesamte Becken ausbreitet, die erste Phase einer Rückkehr in den negativen Bereich sein.

Ein negativer AMO würde einen kühleren Nordatlantik, kühlere Bedingungen in Europa und anderen Teilen der nördlichen Hemisphäre, ungünstigere Bedingungen für große Atlantik-Hurrikane, veränderte Niederschlagsmuster und eine stärkere Erhaltung des arktischen Meereises begünstigen.

Die Umkehr ist noch nicht bestätigt. Es wird Jahre dauern, bis wir Gewissheit haben. Doch der Hitzegipfel des Atlantiks im Jahr 2023 ist eindeutig vorbei.

Link: https://electroverse.substack.com/p/alaskas-summer-shivers-greenland?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

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Meldung vom 11. Juli 2026:

Geologische Prozesse gleichen die CO₂-Freisetzungen durch schmelzenden Permafrost aus

Ein Großteil des von Klimamodellen vorhergesagten Temperaturanstiegs ist keine direkte Reaktion auf steigende Treibhausgasemissionen, sondern geht vielmehr auf Sekundäreffekte oder Rückkopplungs-Prozesse zurück, von denen Klimamodelle annehmen, dass sie bei steigenden Temperaturen auftreten werden. Zu diesen Rückkopplungs-Prozessen oder Folgewirkungen, von denen viele, wenn nicht sogar alle Klimamodelle ausgehen, gehört das Auftauen des Permafrosts in der Arktis, wodurch den Modellen zufolge gespeichertes Methan und Kohlendioxid freigesetzt wird, unter anderem aus Flüssen, in die das Schmelzwasser fließt.

Jüngste in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Forschungsergebnisse legen nahe, dass alle in Klimamodellen modellierten sekundären Emissionseffekte des Permafrostschmelzens neu berechnet werden müssen, um einem neu entdeckten mildernden Effekt Rechnung zu tragen.

Die Forschung eines internationalen Teams aus 14 Wissenschaftlern von Universitäten und Forschungsinstituten aus sieben Ländern ergab, dass die mit der Erwärmung zunehmende Gesteinsverwitterung die Menge an CO₂ reduziert, die unter sich erwärmenden Klimabedingungen freigesetzt wird.

Die Forscher nutzten geochemische Modellierung, „um abzuleiten, wie sich das Auftauen des Permafrosts über Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinweg auf die Bio-Geochemie der Flüsse auf dem Qinghai-Tibet-Plateau auswirken könnte. Im Allgemeinen deutet ihre Analyse des Untersuchungsgebiets darauf hin, dass die Gesteinsverwitterung die von Flüssen freigesetzte CO₂-Menge um etwa 35 Prozent reduziert, wobei es je nach Einzugsgebiet Schwankungen gibt.

„Wir haben festgestellt, dass die CO₂-Emissionen der Flüsse zurückgehen, während die Kohlenstoffaufnahme durch Gesteinsverwitterung zunimmt, wenn die Permafrostdecke abnimmt“, erklärte Liwei Zhang, Biogeochemiker an der East China Normal University und Mitautor der Studie, gegenüber Science Direct. „In einigen Einzugsgebieten, in denen der Permafrost lückenhafter geworden ist, war die durch Verwitterung bedingte Kohlenstoffaufnahme groß genug, um die CO₂-Emissionen der Flüsse auszugleichen oder sogar zu übersteigen.“

Diese Verringerung oder Kompensation der modellierten Kohlendioxidemissionen aus Flüssen als Reaktion auf die Gesteinsverwitterung wird in Klimamodellen nicht berücksichtigt. Sollten die Schlussfolgerungen der Studie zutreffen, ist es von entscheidender Bedeutung, diesen negativen Sekundäreffekt zu berücksichtigen.

„Daher könnten Kohlenstoffflüsse aus chemischer Verwitterung mit fortschreitendem Permafrosttauen zunehmend an Bedeutung gewinnen und möglicherweise sogar die CO₂-Emissionen der Flüsse übersteigen“, heißt es in dem Artikel. „Unsere Ergebnisse entwirren das Zusammenspiel zwischen biologischen und geologischen Kohlenstoffflüssen, die für die Kryosphäre und den globalen Kohlenstoffkreislauf von Bedeutung sind.“

Quellen: Science Daily; Nature

Link: https://heartland.org/opinion/climate-change-weekly-584-they-knew-impossible-climate-model-scenario-widely-used-despite-known-flaws/, dritte Meldung (frei zugänglich)

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Meldung vom 15. Juli 2026:

Fällt in der Inneren Arktis in diesem Jahr der Sommer aus?

Ein Blick auf die Innere Arktis: Die Rekordkälte zeigt keine Anzeichen, nachzulassen.

Wie bereits berichtet, lagen die Temperaturen nördlich von 80° N im Juni bei durchschnittlich -2,2 °C – der kälteste Juni seit Beginn der DMI-Aufzeichnungen im Jahr 1958.

Die Kältewelle setzte Mitte Mai ein und hielt bis in die erste Julihälfte an. Die Tagestemperaturen bewegten sich um den Gefrierpunkt und lagen deutlich unter dem Mittelwert des DMI für den Zeitraum 1958–2002.

Die besonders kalten Sommer in der Zeitreihe sind 2013 und 2014 (unten), als die Temperaturen den langfristigen saisonalen Mittelwert größtenteils nicht erreichten. Bislang übertrifft das Jahr 2026 (oben) diese Sommer jedoch bei weitem, da die Temperaturen immer noch nicht einmal über den Gefrierpunkt steigen.

Laut Modellen soll das auch vorerst so bleiben.

Die jüngsten erweiterten Ensemble-Prognosen des ECMWF sagen bis zum 28. August – also praktisch für den Rest der Schmelzsaison in der Hocharktis – unterdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen der zentralen Arktis voraus.

Kaltluft allein bestimmt zwar nicht den Meereisverlust – auch Winde und Meeresströmungen spielen eine Rolle –, doch Temperaturen um den Gefrierpunkt schränken offensichtlich die für das Abschmelzen der Oberfläche verfügbare Wärme ein.

Der Juni 2026 hat bereits Einzug in die Rekordbücher gehalten. Sollte sich die Vorhersage bestätigen, könnte die Hocharktis nun vor einem noch selteneren Ereignis stehen: einem Jahr ohne Sommer!

[Hervorhebung im Original]

Link: https://electroverse.substack.com/p/siberias-summer-chill-antarctica?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

Zusammengestellt und übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Waldbrände in Kanada in einem kalten Jahr

Cap Allon

Der Rauch der kanadischen Waldbrände färbte den Himmel über Massachusetts diese Woche orange. Senator Ed Markey blickte nach draußen, erklärte, dass „die Klimakrise da ist“, und kündigte an: „Wir brauchen einen Green New Deal.“

Bild: Luftaufnahmen der Waldbrände in der Nähe von Thunder Bay, Ontario. Derzeit wüten Hunderte von Bränden in der Provinz, was zu eingeschränkter Sicht und schlechterer Luftqualität in der gesamten Region sowie im nördlichen Teil der USA führt.

Die Waldbrände werden jedoch nicht durch Hitze verursacht.

In den 120 Tagen (bis zum 16. Juli) lagen die Temperaturen in weiten Teilen Kanadas – einschließlich Ontario (sowie Alaska und Grönland) – unter dem mehrdekadischen Durchschnitt. Die landesweite Temperaturanomalie war negativ (siehe auch die entsprechenden Meldungen in den Kältereports).

Waldbrände können auch in einem kühlen Jahr auftreten, da ein Brand von der Entzündung, trockenem Brennstoff, Wind und den Waldbedingungen abhängt – und nicht lediglich von der Temperaturanomalie auf einer Karte.

Zudem stützt die Langzeitreihe die Behauptung einer unaufhaltsam zunehmenden Hitze in keiner Weise.

Eine Rekonstruktion der heißen Tage in Kanada anhand des GHCN-Daily-Stationsarchivs der NOAA (siehe unten) zeigt keinen anhaltenden Anstieg von 1910 bis 2025. In den 1920er-, 1930er- und 1940er-Jahren wurden wiederholt Werte verzeichnet, die mit denen der letzten Jahrzehnte vergleichbar waren oder diese sogar übertrafen.

Die offensichtliche Ausnahme in der jüngeren Vergangenheit ist das Jahr 2021, das von der außergewöhnlichen Hitzewelle im pazifischen Nordwesten im Juni und Juli geprägt war, die in ganz British Columbia zahlreiche Rekorde brach. Abgesehen von dieser Anomalie ist von der behaupteten explosionsartigen Zunahme extremer Hitze in Kanada nichts zu erkennen:

Der über die USA nach Süden ziehende Rauch ist kein Beweis dafür, dass es in Kanada wärmer geworden ist, wie die Medien behaupten.

Eine weitere Rauchwolke aus Waldbränden wird an diesem Wochenende über die Großen Seen nach Süden ziehen.

Kanadas eigene Leitlinien nennen Brennstoff, Landschaft, Wind, Bodenfeuchtigkeit, Wetter und die Schneedecke im Winter als die wichtigsten Faktoren für Brände. Blitzeinschläge lösen etwa 45 % der kanadischen Waldbrände aus, sind jedoch für 81 % der verbrannten Fläche verantwortlich, vor allem weil die Einschläge an abgelegenen Orten auftreten, wo Brände erst spät entdeckt werden und die Bekämpfung schwierig ist. Menschliche Fahrlässigkeit verursacht die meisten der übrigen Brandausbrüche.

Dann ist da noch das Management.

Kanada ist das einzige G7-Land ohne eine eigene nationale Behörde für die Bekämpfung von Waldbränden. Die Zuständigkeit liegt weiterhin bei den Provinzen und Territorien, wobei die [kanadische] Bundesregierung auf Anfrage Unterstützung leistet und koordiniert.

Das Canadian Interagency Forest Fire Centre koordiniert den Austausch von Personal, Flugzeugen, Ausrüstung und Fachwissen. Es handelt sich um eine gemeinnützige Einrichtung zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen – nicht um eine zentralisierte Brandbekämpfungszentrale auf Bundesebene.

Die Gefahren, die entstehen, wenn brennbares Material sich ansammelt, sind kaum eine neue Erkenntnis.

Ein Bericht aus dem Jahr 1992 in „The Forestry Chronicle“ beschrieb kontrollierte Brände als kosteneffizient und vereinbar mit den Zielen der Wald-, Wildtier- und Parkbewirtschaftung. Doch diese Praxis ist weitaus älter. Indigene Völker in ganz Nordamerika setzten regelmäßig kulturelle Brände geringer Intensität ein, um Unterholz zu roden, Lebensräume zu erneuern und mosaikartige Landschaften zu schaffen, welche die Ansammlung von Brennstoff begrenzten und die Ausbreitung sowie die Schwere größerer Waldbrände verringerten.

Parks Canada räumt selbst ein, dass jahrzehntelange Brandbekämpfung zu dichten Wäldern geführt hat, in denen sich grobes Holzabfallmaterial angesammelt hat.

Feuer ist zudem ein natürlicher und notwendiger Bestandteil vieler Ökosysteme. Es räumt angesammeltes Material weg, führt dem Boden Nährstoffe zurück, öffnet das Walddach und fördert die Artenvielfalt. Der Versuch, jeden Brand auf unbestimmte Zeit zu unterdrücken, kann lediglich dazu führen, dass Brennstoff für einen späteren, noch größeren Brand angesammelt wird.

Heute wird jede Rauchwolke sofort dem „Klimawandel“ angelastet. Doch Umweltschützer sollten nicht mit der Faust gegen den Himmel schütteln. Sie sollten Kanada dafür kritisieren, dass es wiederholt versäumt hat, seine Wälder zu bewirtschaften.

Das Gesamtbild ist für die Klimaille noch vernichtender.

[Hervorhebung im Original]

Bis zum 1. Juli lagen die globalen Brandflächen im Jahr 2026 laut offiziellen GWIS-Satellitendaten auf einem Rekordtief:

In diesem Jahr liegt Afrika 43 % unter dem Durchschnitt, Amerika 48 %, Asien 29 %, Europa sogar 67 % und Ozeanien 22 %.

Afrika, Amerika und Europa befinden sich auf Rekordtiefständen…

Nord- und Südamerika:

Europa:

Und 2026 ist kein Einzelfall.

Die NASA stellte fest, dass die weltweit von Bränden betroffene Fläche zwischen 1998 und 2015 um fast 25 % zurückgegangen ist.

Satellitendaten von Copernicus zeigen, dass 2025 die weltweit niedrigsten Emissionen durch Waldbrände seit Beginn der Satellitenbeobachtung verzeichnet worden sind:

Lässt man die Daten bis in die Zeit vor der Satellitenbeobachtung zurückreichen, zeigt sich der gleiche rückläufige Trend:

Eine Tatsache, welche die Medien bei der Berichterstattung über regionale Waldbrände nicht hervorheben: Die Welt brennt weniger.

Link: https://electroverse.substack.com/p/hunga-tongas-water-vapor-remains?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Kältereport Nr. 29 /2026

Vorbemerkung: Im Mittelpunkt dieser Woche steht zweifellos der extrem kühle Sommer in Sibirien. Natürlich bringen die MSM davon nichts, sind sie doch auf die Hitze in Europa fixiert. Auch Cap Allon weist wiederholt auf diese einseitige Berichterstattung hin.

Die Schlagzeilen der Woche:

Sibirien: 51 Jahre alter Kälterekord gebrochen

Grönland: Sommerlicher Rekord- Zuwachs

Pole: Kälte an beiden Enden der Welt

Grönland: Weiterhin eindrucksvolle Schnee- und Eisverhältnisse

Sibirien: Rekord-Julikälte

Antarktis: Abkühlung unter –80°C

Brasilien: Vorstoß kalter Luft antarktischen Ursprungs

Grönland: Oberflächen-Massenbilanz evtl. erstmals über das Jahr positiv

Antarktis: Weiterhin extreme Kälte

Sibirien: 51 Jahre alter Kälterekord gebrochen

Während sich die Wetterberichterstattung weiterhin auf die Hitze konzentriert, hat sich in weiten Teilen Russlands eine sommerliche Kältewelle ausgebreitet.

In Westsibirien ist es deutlich kühler geworden, wobei die Temperaturen in weiten Teilen der Region teils erheblich unter dem Normalwert liegen.

Die Nachttemperaturen sinken auf etwa 5 °C, wobei kalte Luft auf der Rückseite eines Tiefdruckwirbels nachströmt.

In Severnoye im russischen Oblast Nowosibirsk sank die Temperatur am 12. Juli auf 5,8 °C und unterbot damit den bisherigen Tages-Tiefstwert des Ortes von 7,2 °C aus dem Jahr 1975. Die Messstation (WMO 29418) verfügt über Aufzeichnungen, die bis ins Jahr 1936 zurückreichen.

Die Hitzewelle in Frankreich sorgt international für Schlagzeilen. Die Sommerkälte in Russland wird hingegen kaum beachtet.

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Grönland: Sommerlicher Rekord- Zuwachs

Grönlands SMB stieg am Wochenende erneut sprunghaft und verzeichnete für diese Jahreszeit mehrfach einen rekordverdächtigen Zuwachs.

Die Messwerte des DMI vom 11. bis 12. Juli stiegen über den Mittelwert und lagen deutlich über dem gesamten Bereich der Jahre 1981–2010. Anstatt täglich mehrere Gigatonnen an Masse zu verlieren, wie es in Grönland Mitte Juli normalerweise der Fall ist, nahm die Eisdecke erheblich an Masse zu.

Die Karte vom 12. Juli zeigt den Zuwachs in weiten Teilen der Eisdecke, welche die Verluste an den unteren westlichen Rändern bei weitem überwiegen:

Die kumulierte Oberflächen-Massenbilanz stieg folglich wieder auf rund 580 Gt. Der Gesamtwert für 2025–26 liegt weiterhin deutlich über dem langfristigen Mittel, wobei seit dem saisonalen Höchststand im Juni kaum ein Netto-Rückgang zu verzeichnen war.

Seit Ende Juni wurden in Grönland durchweg Tage mit Sommerzuwachs verzeichnet. Die jüngsten Zuwächse Mitte Juli sind jedoch in den bis ins Jahr 1981 zurückreichenden DMI-SMB-Aufzeichnungen beispiellos.

Es wird unter den Teppich gekehrt und ignoriert werden, aber Grönland hat gerade mitten in seiner Schmelzsaison einen Rekord bei der Schnee- und Eisakkumulation verzeichnet.

Das immer noch vorhandene Defizit der Gesamt-Massenbilanz dürfte sich damit weiter verringern und eventuell sogar schon bald verschwinden. A. d. Übers.

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Pole: Kälte an beiden Enden der Welt

Der Juni 2026 war an beiden Enden des Planeten kalt.

Im vergangenen Monat lag die Durchschnittstemperatur in der Hocharktis (nördlich von 80° N) bei −2,20 °C – der kälteste Juni seit Beginn der DMI-Aufzeichnungen (seit 1958).

Die Temperatur im Juni 2026 stürzt ab:

Die ungewöhnliche Kälte im Norden setzte Mitte Mai ein und hält bis Mitte Juli an (siehe Grafik unten). Und auch am 12. Juli gibt es in der Hocharktis noch immer keine Anzeichen für eine Schmelzsaison.

Auch in der Antarktis ist es kalt.

Daten der NOAA zeigen, dass im vergangenen Monat in weiten Teilen des Kontinents unterdurchschnittliche Temperaturen herrschten, was diesen Juni zum kältesten seit der bitterkalten Saison 2021 machte – einem Jahr, in dem der kälteste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen (April–September) verzeichnet worden war.

In Vostok lag die Durchschnittstemperatur im Juni 2026 bei −69,2 °C, was 3,7 °C unter dem Juni-Durchschnitt liegt.

Direkt am Südpol betrug der Monatsmittelwert −60,1 °C, was diesen Juni zum kältesten seit 2021 machte.

Die Kältewelle hat sich bis in den Juli hinein fortgesetzt.

In Concordia fielen die täglichen Tiefstwerte am 9. Juli auf −70,9 °C, am 10. Juli auf −71,8 °C, am 11. Juli auf −73,6 °C und am 12. Juli auf −74,2 °C – allesamt deutlich unter dem Normalwert und natürlich mit weiter fallender Tendenz.

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Meldungen vom 14. Juli 2026:

Grönland: Weiterhin eindrucksvolle Schnee- und Eisverhältnisse

Auf dem grönländischen Eisschild liegt derzeit weitaus mehr Schnee und Eis als um diese Jahreszeit üblich.

Nach den neuesten DMI-Daten liegt die kumulierte Oberflächen-Massenbilanz bei rund 590 Milliarden Tonnen – etwa 100 Milliarden Tonnen über dem Mittelwert der Jahre 1981–2010 für diesen Zeitpunkt der Saison. Obwohl die sommerliche Schneeschmelze bereits in vollem Gange ist, liegt das Jahr 2026 weiterhin nahe dem oberen Ende der jüngsten Spanne.

Und dies ist keine einmalige Schwankung.

Von der jeweiligen Saison der letzten neun Jahre (die seit 2018 erfasst werden) endeten sechs – oder liegen, wie im Fall von 2026, derzeit – über dem Durchschnitt:

Grafik: Während des größten Teils des letzten Jahrzehnts hat sich auf der Oberfläche Grönlands mehr Schnee und Eis angesammelt als im Durchschnitt des späten 20. Jahrhunderts [DMI-Daten, grafisch aufbereitet von Tony Hellers Visitech.ai]

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Sibirien: Rekord-Julikälte

Am 13. Juli sank die Temperatur in Minusinsk auf 5,5 °C und unterbot damit den bisherigen Rekord von 5,7 °C aus dem Jahr 1929 (die Aufzeichnungen dort reichen bis ins Jahr 1915 zurück).

Weiter östlich erreichte Nischneudinsk 3,9 °C und unterbot damit den 1957 aufgestellten Wert von 4,1 °C (Aufzeichnungen reichen bis ins Jahr 1940 zurück).

In Omolon in Tschukotka fiel die Temperatur unter den Gefrierpunkt auf -1,9 °C und unterbot damit den bisherigen Rekord von -1,5 °C aus dem Jahr 1966 (die Aufzeichnungen beginnen 1944).

Die Kälte breitete sich auch nach Süden bis nach Kasachstan aus, wo in Pawlodar ein äußerst ungewöhnlicher Wert von 10,6 °C gemessen wurde, womit das bisherige Tages-Tief von 10,9 °C aus dem Jahr 1948 gebrochen wurde (die Aufzeichnungen reichen hier bis ins Jahr 1906 zurück).

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Meldungen vom 15. Juli 2026:

Sibirien: Weiterhin extreme Kälte

In dieser Woche sind in ganz Russland (und Kasachstan) zahlreiche Tiefsttemperaturrekorde gebrochen worden – unter anderem in Severnoye, Minusinsk, Nischneudinsk, Omolon und Pawlodar.

Nun hat Nischneudinsk erneut einen Rekord aufgestellt. An der Messstation im Gebiet Irkutsk sank die Temperatur am 14. Juli auf 4,2 °C und unterbot damit die bisherige Tages-Tiefsttemperatur von 5 °C aus dem Jahr 1961.

Zuvor war dort bereits einen Tag zuvor ein Wert von 3,9 °C gemessen worden, der den bisherigen Rekord vom 13. Juli 1957 von 4,1 °C unterbot und zudem in die Top 10 der tiefsten Juli-Temperaturen in Nischneudinsk seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1940 aufgenommen worden ist.

Die von der Hitze besessenen Medien richten ihren Blick hingegen auf andere Themen.

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Antarktis: Abkühlung unter –80°C

Die Winterkälte 2026 in der Antarktis hat gerade die -80 °C-Marke unterschritten.

Concordia verzeichnete am 17. Juli einen Wert von -80 °C, wurde jedoch wenige Stunden später von Vostok übertroffen, wo bereits am 15. Juli-80,2 °C gemessen worden sind – der kälteste 15. Juli an dieser Station seit 1993, als -83,8 °C gemessen worden waren, und einer der zehn niedrigsten Tiefstwerte im Juli (Stationsdaten reichen bis ins Jahr 1957 zurück).

In der Antarktis herrschte in den letzten Monaten anhaltende Kälte, wobei die vergangene Woche die Kälte auf ein neues Niveau gehoben hat.

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Meldungen vom 16. Juli 2026:

Brasilien: Vorstoß kalter Luft antarktischen Ursprungs

Eine ausgedehnte Polarluftmasse breitete sich über den Süden, Südosten und den mittleren Westen Brasiliens aus und reichte bis in den Süden von Bahia.

In den Höhenlagen sank die Temperatur am 15. Juli an der Messstation Campo Belo im Parque Nacional do Itatiaia auf -11,5 °C, doch reichte die Kälte weit über die Berge hinaus.

Im Südosten sank die Temperatur in Nova Friburgo auf 3,7 °C – etwa 6 °C unter dem durchschnittlichen Juli-Tiefstwert – und in Campos do Jordão wurden ebenfalls ungewöhnlich niedrige 2,1 °C gemessen.

Weiter östlich sank die Temperatur in Xerém auf 11 °C, und in Vila Militar bei Rio de Janeiro wurden 11,3 °C gemessen – rund 4 °C unter dem Durchschnitt.

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Grönland: Oberflächen-Massenbilanz evtl. erstmals über das Jahr positiv

Die Schmelzsaison in Grönland will einfach nicht richtig in Gang kommen.

Laut dem Polar Portal des DMI belief sich die kumulierte Oberflächen-Massenbilanz für 2025/26 zum 14. Juli auf 583,1 Gt. Am 1. Juni lag sie noch bei 580,1 Gt. Sechs Wochen nach Beginn des meteorologischen Sommers hat die Oberfläche Grönlands somit um 3 Gt zugenommen, was beispiellos ist.

Allein zwischen dem 10. und 12. Juli kamen im Herzen der Schmelzsaison weitere 4,6 Gt hinzu.

Die Kurve erreichte am 12. Juni mit 594,4 Gt ihren Höchststand. Mehr als einen Monat später hat sie lediglich 11,3 Gt eingebüßt.

Hierbei handelt es sich um die Oberflächen-Massenbilanz (SMB), nicht um die Gesamt-Massenbilanz (TMB). Die SMB misst Schneefall, Verdunstung und Sublimation. Nicht berücksichtigt werden dabei in den Ozean abgeflossenes Eis, das Schmelzen unter Wasser oder Verluste unterhalb der Eisdecke.

Trotz alarmistischer Äußerungen hat sich die TMB in den letzten Jahrzehnten auf Erholungskurs befunden:

Graphik: Jährliche Massenbilanz des grönländischen Eisschilds anhand der GRACE/GRACE-FO-Satelliten. Die Gesamtbilanz erholt sich.

Unter der Annahme, dass die Abfluss- und Schmelzverluste der letzten Jahre in diesem Jahr im Großen und Ganzen ähnlich ausfallen, müsste der Eisschild die Saison 2025/26 mit einer durchschnittlichen Oberflächenmasse (SMB) von etwa 540 Gt abschließen, um seine Gesamtbilanz in den positiven Bereich zu bringen und tatsächlich an Masse zu gewinnen.

Die Oberfläche Grönlands liegt derzeit etwa 43 Gt über diesem Schwellenwert.

Die Herausforderung liegt im weiteren Verlauf des Sommers.

Die SMB-Kurve fällt in der Regel bis Ende Juli und August stark ab. Die erweiterte Vorhersage (ECMWF) prognostiziert jedoch bis Ende August unterdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen der zentralen Arktis, während die Langzeitvorhersagen weiterhin erhebliche Schneefälle über Grönland zeigen. Die Vorhersagesicherheit nimmt natürlich mit zunehmender Zeitspanne ab, aber das 46-Tage-Modell des ECMWF lässt keinen Zweifel aufkommen:

Obwohl die jährlichen Verluste in den letzten Jahren zurückgegangen sind, hat Grönland seit 1996 kein Jahr mehr verzeichnet, in dem die Gesamtmassenbilanz positiv war. Sollte sich der bisherige Trend in diesem Sommer fortsetzen, könnte diese Serie unterbrochen werden.

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Antarktis: Weiterhin extreme Kälte

Die extreme Kältewelle in der Antarktis wird voraussichtlich anhalten.

Aktuelle Modellsimulationen zeigen, dass weite Teile des Kontinents, insbesondere die östliche Hälfte, noch mindestens drei weitere Tage lang von extremer Kälte heimgesucht werden, wobei die Temperaturen voraussichtlich erneut unter -80 °C fallen werden.

Diese Schwelle wurde bereits am Mittwoch unterschritten, und weitere Werte unter -80 °C scheinen nun wahrscheinlich.

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Wird fortgesetzt mit Kältereport Nr. 30 / 2026

Redaktionsschluss für diesen Report: 17. Juli 2026

Zusammengestellt und übersetzt von Christian Freuer für das EIKE




Als die Ökologie noch nicht strafte. Jacques-Yves Cousteau als Pionier der Meeresforschung.

Edgar L. Gärtner

Die Ökologie war nicht immer eine Spaßbremse – wie heute die „Energiewende“ mit ihren Verboten, Schrumpf-Geboten, Rationierungen und Landschaftszerstörungen, um die Menschen für ihre angebliche Schuld am Klimawandel zu bestrafen. Als ich in den 1970er Jahren Biologie und Ökologie studierte, überwog noch die Neugier auf die Entdeckung bislang kaum bekannter Lebewelten und die privatwirtschaftlich finanzierte Suche nach technischen Neuerungen und Erleichterungen des menschlichen Daseins. Heute versuchen Grüne NGOs im Namen der Ökologie den Menschen, wo es nur geht, das Leben schwer zu machen. Sie predigen Sparen an allen Ecken und Enden – außer bei der staatlichen Bürokratie und der immer unverschämteren Subventionierung unzuverlässiger und unrentabler Techniken der Elektrizitätserzeugung. Die Franzosen verwenden dafür den anschaulichen Begriff „écologie punitive“ (Straf-Ökologie).

Von Ernst Haeckel zu Karl August Möbius

Doch die Ökologie kannte auch in Deutschland bessere Zeiten. Zwar denke ich da nicht in erster Linie an den ansonsten verdienstvollen Jenaer Zoologen Ernst Haeckel (1834-1919), der 1866 den noch heute gebräuchlichen Begriff „Ökologie“ prägte, weil sein Ansinnen, die darwinsche Evolutionslehre zu einer gnostischen Religion des Monismus auszubauen, der eugenischen Praxis des Nazismus Vorschub leistete und heute der Rechtfertigung zur Errichtung einer globalen Öko-Diktatur unter dem Namen „Global Governance“ dienen kann. Haeckel gilt nicht von ungefähr als „Vater des deutschen Sozialdarwinismus“. In seinem Werk „Generelle Morphologie der Organismen“ (1866) definierte Haeckel die Ökologie als „Lehre vom Naturhaushalt“. Zwar bedeutet der Begriff „Ökologie“, wörtlich übersetzt, tatsächlich „Haus-Wissen“. Doch legt man sich auf eine statische Weltsicht fest, wenn man dabei stehen bleibt. Die Haus-Metapher verleitet dazu, die Welt als geschlossenes System, als Ansammlung ein für alle Mal gegebener Ressourcen zu sehen, mit denen haushälterisch umgegangen werden soll. Eine von einem freiheitlichen Menschenbild ausgehende Humanökologie müsste die Welt hingegen meines Erachtens als grundsätzlich offen betrachten. Denn die Menschen finden ihre Ressourcen in der Regel nicht einfach in der Natur vor, sondern müssen diese im wahrsten Sinne des Wortes erfinden. Was als Ressource gilt, hängt von ihrem technischen Wissensstand und ihren Bedürfnissen ab. So landeten beispielsweise die so genannten seltenen Erden über Jahrhunderte auf den Abraumhalden des Bergbaus. Heute werden sie für die Elektronik benötigt und sind entsprechend wertvoll geworden. Nicht arithmetische Rationierung, sondern Kreativität ist hier also gefragt. Die Haus-Metapher hingegen kann ohne Weiteres zur Begründung einer weltweiten Öko-Diktatur dienen.

Als Vorläufer einer nicht repressiven und wirtschaftsfreundlichen Ökologie sehe ich eher den deutschen Hydrobiologen Karl August Möbius (1825 bis 1908), der im Jahre 1877 in seinem Buch „Die Auster und die Austernwirtschaft“ den grundlegenden Begriff der Lebensgemeinde (Biozönose) prägte. Der Bau einer Eisenbahnlinie nach Husum hatte es den feinen Leuten in der aufstrebenden preußischen Hauptstadt Berlin ermöglicht, an größere Mengen frischer Austern zu gelangen. Doch die Austernbänke waren wegen der steigenden Nachfrage bald erschöpft. So bekam Möbius den Auftrag, vor Ort zu erforschen, ob es nicht möglich wäre, an der deutschen Nordseeküste nach dem Vorbild der Austernzuchten an der französischen Atlantikküste künstliche Austernbänke anzulegen. Möbius erkannte, dass die Auster eines komplexen Beziehungsgeflechts zwischen verschiedenen Organismenarten bedarf, das an der Nordseeküste nur punktuell gegeben war. So mußte er seine Auftraggeber enttäuschen. Hätte er nicht diesen klaren Auftrag gehabt, hätte es wahrscheinlich noch lange gedauert, bis den Biologen ein Licht aufgegangen wäre, denn der von Möbius geprägte Begriff der Lebensgemeinschaft hat sich erst im 20. Jahrhundert durchgesetzt.

Hätte Möbius nach etwas anderem gesucht, wäre er sicher zu einem anderen System von Beziehungen gelangt. Ökosysteme sind also Modelle der Forschung, die im Hinblick auf bestimmte Erkenntnis- und Nutzungsinteressen konzipiert werden. Sie sind keine Überorganismen, sondern mehr oder weniger sinnvolle theoretische Konstrukte. Unabhängig vom jeweiligen interessegeleiteten Blickwinkel der Menschen gibt es sie nicht. Da ich mich als Berater des WWF selbst jahrelang mit Fragen des Arten- und Biotopschutzes beschäftigt habe, wäre ich sicher der Letzte, der einzelnen Arten und Lebensgemeinschaften einen „Eigenwert“ unabhängig von mehr oder weniger bornierten Erkenntnis- und Nutzungsinteressen absprechen würde. Aber wir können die Natur nur mit unseren eigenen Augen sehen. Deshalb sprach der Kantianer Jakob von Uexküll in seinem Werk „Theoretische Biologie“ von 1920 immer von „Umwelten“ und niemals von der Umwelt. Es ist ausgeschlossen, die Natur „ganzheitlich“ zu erfassen und zu verstehen.

Ansätze einer menschenfreundlichen Ökologie

Angesichts der Vielfalt und Komplexität der realen Welt ist es uns auch mit den aufwändigsten Instrumenten nicht möglich, letzte Wahrheiten zu erfassen. Mithilfe unserer fünf Sinne (und mit dem Herzen) sind wir aber in der Lage, Muster zu erkennen und von wirtschaftlichen (und ästhetischen) Interessen geleitete Fragen zu beantworten. Dabei können Forscher, wie das Beispiel Möbius zeigt, ganz nebenbei auch tiefere und bleibende Erkenntnisse gewinnen. Mein liberaler Freund Hardy Bouillon hat das in einer Monografie über die kritizistische Wissenschaftstheorie am Beispiel der Klimadebatte, die ich bei EIKE besprochen habe, näher ausgeführt. Im Unterschied zur Straf-Ökologie, die darauf aus ist, den ganzen Globus zu managen und die realen Menschen zu Sklaven einer „Großen Transformation“ zu machen, geht es einer humanen, d.h. technik-affinen und industriefreundlichen Ökologie zuallererst um die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, soweit diese den Zehn Geboten nicht widerspricht.

Es geht beim Vergleich mit früher also nicht allein um das Kriterium der Wissenschaftlichkeit, denn auch die Adepten der Straf-Ökologie benutzen naturwissenschaftliche (Pseudo-)Argumente. Wer recht hat, ist allein aufgrund der Datenlage oft nicht klar. Zumal auch die exakten, auf reproduzierbaren Messungen beruhenden Naturwssenschaften nur relative Wahrheiten erkennen können. Sie sind schnell überfordert, wenn das Verständnis des Verhaltens größerer Systeme wie des Waldes, des Ozeans, des Erdklimas, des Sonnensystems oder ganzer Galaxien gefragt ist. Ich habe vor Monaten hier bei EIKE auf die Grenzen des mechanischen Materialismus und der so genannten Aufklärung hingewiesen und möchte das jetzt nicht wiederholen.

Die Tiefsee als Terra incognita

Obwohl Biologen wie Ernst Haeckel, der ein begabter Zeichner war, viele kleine und größere Meeresorganismen wie Radiolarien und Schwämme beschrieben haben, war über die Beziehungen zwischen den Lebewesen unter Wasser bis zum Ausgang des Zweiten Weltkriegs wenig bekannt. Trotz einiger erfolgreicher Expeditionen wie vor allem der britischen Challenger-Expedition und den im berühmten Ozeanografischen Museum gezeigten Mitbringseln der Expeditionen von Prinz Albert de Monaco war über das Leben in der Tiefsee im Prinzip nicht viel mehr bekannt als über die Rückseite des Mondes. Man kannte Meeresorganismen hauptsächlich über die in der Regel küstennahe Fischerei und von Explorationen mithilfe primitiver Tauchgeräte. Die mit der Ideenwelt der Romantik und mit der Wandervogel-Bewegung verknüpften Vorstellungen von Naturschutz beschränkten sich in der Regel auf das Landleben. Zwar wurden Begriff und Konzept eines umfassenden Umweltschutzes erst zu Beginn der 1970er Jahre vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon und der NATO in die Welt gesetzt – nicht zuletzt, um vom Desaster des Vietnam-Kriegs abzulenken. Doch hatten schon gegen Ende des großen Krieges einige Pioniere, die sich nicht Wissenschaftler nannten, damit begonnen, die bedeutende Lücke in unserem Weltbild zu schließen.

Zu ihnen gehört neben dem Österreicher Hans Hass der Franzose Jacques-Yves Cousteau, der zwischen den 50er und den 80er Jahren mithilfe von über 100 Kino- und TV-Filmen weltweit ein Millionen-Publikum in die Geheimnisse des Meeres einführte. Cousteau, der am 11. Juni 1910 in Saint-André-de-Cubzac bei Bordeaux geboren wurde, entstammte ausgesprochen soliden bürgerlichen Verhältnissen. Seine Großeltern betrieben eine Apotheke, sein Vater war ein international tätiger Busineß-Anwalt, der einen wichtigen amerikanischen Klienten betreute. Deshalb verbrachte Jacques-Yves einen Teil seiner Kindheit in den USA. Wegen seiner schmächtigen Erscheinung wäre er dort beinahe vom Schwimm-Unterricht ausgeschlossen worden. Zur Leidenschaft des Tauchens gelangte Cousteau in den 1930er Jahren zwischen Marseille und Toulon in Südfrankreich, wo seine Eltern sich niedergelassen hatten, eher zufällig. Als Abgänger der Marineschule von Brest in der Bretagne wollte Cousteau eigentlich Marine-Flieger werden. Doch ein schwerer Verkehrsunfall vereitelte seine Pläne. Nach vollendeter Genesung im Kriegshafen von Toulon wurde der Fähnrich Cousteau im Jahre 1936 auf den Panzerkreuzer „Condorcet“ versetzt. Bei seinen Schwimm-Übungen zur körperlichen Wieder-Ertüchtigung lernte er dort den Marine-Offizier Philippe Taillez kennen, der ihn mit einer Art Taucherbrille vertraut machte. Von dem, was Cousteau da sah, war er so fasziniert, dass er entschied, das Tauchen und Filmen unter Wasser zu seinem Beruf zu machen. 1937 heiratete Cousteau Simone Melchior, die 17-jährige Tochter eines früheren Konter-Admirals der Marine und späteren Direktors des französischen Industriegas-Konzerns Air Liquide in Japan, was sich für seine Pläne als sehr nützlich erweisen sollte.

Zunächst musste Jacques-Yves sich als Mitglied des Marine-Geheimdienstes im Kampf gegen Mussolinis italienische Armee bewähren. Dafür bekam er sogar eine militärische Auszeichnung. Doch ein älterer Vorgesetzter zieh ihn später der Feigheit vor dem Feind. Ein erster schwarzer Fleck auf der Weste des Mannes, der später in der ganzen Welt als Held gefeiert wurde? Durch die französische Kapitulation vor der deutschen Wehrmacht im Jahre 1940 bekamen die französischen Marinesoldaten in Toulon unverhofft Beinahe-Urlaub und Cousteau bekam Zeit und Muße, zusammen mit Philippe Tailliez und dem Unterwasser-Jäger Frédéric Dumas als Dritten im Trio endlich seiner Leidenschaft frönen zu können. Allerdings gab es bis gegen Ende des Krieges kein befriedigendes Tauchgerät. Die wenigen, die das Tauchen wagten, hielten einfach die Luft an oder benutzten dafür nahe der Wasseroberfläche primitive Schnorchel oder in größerer Tiefe schwere eiserne Glocken und Helme, die über Schläuche von Schiffen aus mit Luft versorgt wurden. Solche Geräte hatten den Autor Jules Verne zu seinem bekannten Roman „20.000 Meilen unterm Meer“ inspiriert.

Cousteau als Erfinder

Cousteau musste sich im Verein mit erfahrenen Ingenieuren zunächst als technischer Erfinder betätigen, wozu er durchaus begabt war. Entscheidend wurde seine Bekanntschaft mit dem Ingenieur Émile Gagnan vom Konzern Air Liquide. Die beiden entwickelten bis 1943 aus Vorgängern einen automatischen Druckregler, bekannt als Aqua Lung, der es erlaubte, über einen Schlauch aus Pressluftflaschen normal zu atmen und sich unter Wasser je nach Tiefe (der Luftverbrauch steigt mit dem Wasserdruck) stundenlang schwimmend frei zu bewegen. Cousteau und Gagnan ließen sich diesen Druckregler, der mit leichten Abwandlungen noch heute gebräuchlich ist, zusammen mit der Filiale Spirotechnique von Air Liquide patentieren und kassierten dafür Jahrzehnte lang Lizenzgebühren in aller Welt. Neben dem bewährten Druckregler entwickelte Cousteau in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Léon Vèche auch eine brauchbare Unterwasser-Kamera. Er blieb noch weitere Jahre in der französischen Kriegsmarine, die er 1949/50 mit dem Grad eines Korvettenkapitäns verließ. Während dieser Zeit drehte Cousteau mit seinem Trio an der zerklüfteten Felsenküste vor Marseille, Cassis und La Ciotat, bekannt als „Calanques“, die später samt der vorgelagerten unbewohnbaren Archipel zum französischen Nationalpark erklärt wurden (ich lebe dort, wenn auch nicht ständig, seit den 90er Jahren), seine ersten Unterwasserfilme. Diese drehten sich zunächst weniger um die Meeresfauna, sondern um die zahleichen dort liegenden Wracks römischer Galeeren und auch modernerer Schiffe, die an den zahlreichen Felsen gekentert waren. Grüne warfen Cousteau später vor, dort mit der deutschen Kriegsmarine zusammengearbeitet zu haben.

Es gibt weitere schwarze Flecken in Cousteaus Biografie. In seinem deutschen Wikipedia-Eintrag wird Cousteau als „Mitglied der Résistance“ bezeichnet. In Wirklichkeit stand er, wie sein Bruder Pierre-Antoine, eher auf der Seite des besatzerfreundlichen Vichy-Regimes. Pierre-Antoine, der während der deutschen Besatzung Frankreichs die antisemitische Publikation „Je suis partout“ leitete, wurde nach dem Krieg zum Tode verurteilt und erst 1954, nach prominenter Intervention, begnadigt. Ein besonderes Kapitel ist der Umgang Cousteaus mit seiner Ehefrau Simone. All das tut aber seinen Verdiensten um die Meeresökologie keinen Abbruch.

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Persönlicher Exkurs

Ich habe selbst in La Ciotat sehr viel später, d.h. in den 80er Jahren, als Landratte bei einem Tauchlehrer mit dem Kosenamen Gabi (bürgerlicher Name Gabriel Bérenger), einem früheren Mitglied der Équipe Cousteau, das Tauchen mit Pressluftflaschen erlernt und die nötigen Prüfungen abgelegt, obwohl ich es dabei nicht zur Meisterschaft bringen konnte. Das reichte aber, um als Berater an einem TV-Film des NDR über das Mittelmeer mitzuwirken. Als Wissenschaftsjournalist, der sich für den Schutz der Meere engagierte, wurde ich öfters von der Fondation des Pastis-Königs Paul Ricard auf dessen Privatinsel Les Embiez in der Nähe von Toulon eingeladen. Die Stiftung betrieb im alten Fort auf der Insel nicht nur ein eigenes kleines Forschungsinstitut, sondern auch Weinbau und in der Lagune zwischen Insel und Festland Aquakultur. Die Insel hatte bis zum Ende des Krieges als Sträflingskolonie gedient.

Nach dem Krieg schloss der französische Staat das heruntergekommene Häftlings-Lager und der erfolgreiche Marseiller Spirituosen-Unternehmer Paul Ricard konnte die ganze Insel „für n‘Appel und n’Ei“ erwerben. Philippe Tailliez und Jacques Cousteau, die dort ihre ersten Unterwasser-Film drehten, machten die rote Wollmütze, die die Häftlinge tragen mussten, um sich nicht am Kopf zu verletzen, wenn sie als Versuchskaninchen für Tests schwerer Tauchgeräte dienten, zu ihrer ID. Nicht die phrygische Zipfelmütze der revolutionären Sansculotten war also Vorbild für Cousteaus Markenzeichen. Ich lernte im alten Fort und im Gesellschaftssaal der Insel nicht nur Philippe Tailliez, sondern auch etliche weitere Pioniere der Meeresforschung persönlich kennen und besitze noch einen Super-8-Film, der Paul Ricard mit meinen im November 1983 geborenen Sohn Boris auf dem Arm zeigt. Cousteau persönlich lernte ich erst um die Mitte der 90er Jahren kennen, als die Umweltstiftung WWF-Deutschland mich nach Paris schickte, um mit ihm über eine Zusammenarbeit der beiden Umwelt-Stiftungen zu diskutieren. Da war Cousteaus Stern schon am Sinken. Aber er schien mir noch immer voll kindlicher Begeisterung und Tatendrang. Sein Team war, nachdem es die meisten interessanten marinen Objekte einschließlich der Antarktis erkundet hatte, damals mit einer neuen Kampagne an der Donau beschäftigt. Dort hatte ich als Chefredakteur des WWF-Journal eine Mitarbeiterin der Cousteau Society kennengelernt, die mein Treffen mit Cousteau anbahnte. Cousteau verstarb im Juni 1997 in Paris an einem Herzinfarkt.

Mit der „Calypso“ zu weltweiter Bekanntheit

Das Trio Tailliez, Cousteau und Dumas machte bald von sich reden. Cousteaus Aufstieg zum internationalen Medienstar begann damit, dass ihm Loel Guinness, der Chef der bekannten irischen Brauerei, das in Amerika gebaute und nun ausgemusterte britische Minensuchboot namens „Calypso“ für einen Franc im Jahr überließ. Mit diesem zum schwimmenden Labor umgebauten Schiff mit neuesten Navigationsgeräten und zahlreichen Spezialvorrichtungen für das Tauchen (viele Informationen vermittelt die Online-Leseprobe der deutschen Fassung des posthum zusammen mit seiner Ghostwriterin Susan Shiefelbein veröffentlichten Testaments Cousteaus unter dem Titel „Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus. Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt“) konnte Cousteaus Mannschaft die ganze Welt umrunden. Zunächst standen dabei archäologische Objekte im Vordergrund. Flora und Fauna lieferten eher das Dekor. Zusammen mit dem bekannten Cineasten Louis Malle drehte die Equipe Cousteau, zu der neben Frédéric Dumas, Albert Falco, André Laban, Claude Wesly, Jacques Ertaud, Pierre Laban, André Galerne und weitere gehörten, im Jahre 1955 einen Dokumentarfilm über Tauchgänge im Mittelmeer, im Roten Meer, im Indischen Ozean und im Persischen Golf mit dem Titel „Le Monde du Silence“ (Die schweigende Welt), der 1956 auf dem Filmfestival von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. 1957 wurde Cousteau zum Direktor des berühmten Ozeanografischen Museums von Monaco berufen. Er übte das Amt bis 1988 aus. Gleichzeitig wurde er in die National Academy of Sciences (NAS) der USA aufgenommen.

In den 60er und 70er Jahren widmete sich Cousteau verstärkt technischen Innovationen, die alle mit der Beziehung zwischen en Menschen und dem Meer zu tun haben. Dazu gehören die „Taschen-U-Boote“ SP-350 und SP-500 und schließlich der 1966 in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Meeresforschungsorganisation CNEXO (heute IFREMER) entwickelte Bathyskaph SP-3000, mit deren Hilfe die Equipe Cousteau unzählige Tiefsee-Aufnahmen zwischen 350 und 3.000 Metern Tiefe gedreht hat. Deren Synthese zu einem Dokumentarfilm mit dem Titel „Le Monde sans Soleil“ (Die Welt ohne Sonne), der 1965 in Los Angeles den Oscar als bester Dokumentarfilm gewann. Cousteau und seine Leute setzen ihre Mini-U-Boote zu Beginn der 70er Jahre aber auch bei der Errichtung der ersten Unterwasser-Gas-Pipeline zwischen Algerien und Frankreich und später auch bei der Öl-Exploration im Persischen Golf im Auftrag des Ölkonzerns BP ein. Die Verteufelung der „Fossilen“ lag diesen Öko-Pionieren damals also fern.

Simone Melchior, Cousteaus erste Ehefrau, galt als der wirkliche Kapitän der Calypso. Sie war die einzige Frau an Bord und verbrachte mehr Zeit auf dem Schiff als ihr weltberühmter Ehemann, hielt sich als Taucherin, Entdeckerin und Geschäftsfrau aber im Hintergrund. Sie starb Ende 1990 in Monaco an Krebs. Cousteau heiratete sieben Monate später seine frühere Geliebte Francine Triplet (geb. 1946), mit der er bereits zwei uneheliche Kinder (Diane Elisabeth und Pierre-Yves) gezeugt hatte. Ein nicht sehr katholischer Lebenswandel. Hinter vorgehaltener Hand machen Insider Francine zum Teil für den späteren Abstieg Cousteaus und seiner Stiftung verantwortlich.

Aber zurück zur großen Zeit mit dem Calypso. Im Jahre 1973 gründete Cousteau in Amerika die Cousteau Society mit Ablegern in Europa. Diese noch heute von Cousteaus zweiter Ehefrau Francine geleitete Gesellschaft diente der Werbung und dem Fund Raising für Cousteaus Projekte. Im Jahre 1975 entdeckte Cousteau vor Griechenland in 120 Metern Tiefe das Wrack des Schwesterschiffes „Britannic“ der „Titanic“. Dieses zum Lazarettschiff umfunktionierte imposante Schiff war im November 1916 auf eine deutsche Mine gelaufen. 1975 startete die Cousteau Society auch eine Expedition in die Antarktis. Dort drehte Cousteau mit seinen Leuten den letzten abendfüllenden Dokumentarfilm mit dem Titel „Voyage au bout du Monde“ (Reise ans Ende der Welt).

Erste Rückschläge

Ende Juni 1979 kam Cousteaus zweiter Sohn Philippe, geboren 1940 in Toulon, in Portugal beim Einfliegen des reparierten Wasserflugzeugs PBY Catalina Calypso ums Leben. Für Cousteau ein schwerer Schlag, denn er hatte Philippe als Erbe seines Geschäfts auserwählt. Sein älterer 1938 ebenfalls in Toulon geborener Sohn Jean-Michel, mit dem er sich weniger gut verstand, musste einspringen. 1985 nahm Cousteau im Hafen von La Rochelle das experimentelle Segelschiff Alcyone mit rotierenden Zylindern statt Flächen-Segeln (bekannt als Magnus-Effekt) in Betrieb. Der Bau eines zweiten Segelschiffes nach diesem Prinzip wurde nach Cousteaus Tod im Jahre 1997 sofort eingestellt.

Zusammen mit seinem Sohn Jean-Michel inaugurierte Cousteau im Juli 1989 im Pariser Forum des Halles mit einem Aufwand von 120 Millionen Francs (über 18 Millionen Euro) das Projekt eines Parc Océanique Cousteau, das nicht gefangen gehaltene Meerestiere, sondern nur Bilder sprechen lassen sollte. Das war Cousteaus Antwort auf die wachsende Kritik an einem Teil seiner Filme, auf denen grausame Jagden und Tierquälereien zu sehen sind. (Cousteaus „Cheftaucher“ Albert Falco aus Marseille schildert in seinen auch auf deutsch veröffentlichten Memoiren ein Blutbad unter Haien, zu dem sich die Taucher hinreißen ließen.) Die Ausstellung zog zwar in zwei Jahren über 900.000 Besucher an. Das reichte aber nicht, um die Erwartungen der Investoren zu befriedigen. Der Bilder-Park musste einem Großkino Platz machen. Immerhin sammelte Cousteau in den 1980er Jahren etliche renommierte Auszeichnungen ein, darunter 1985 die Liberty-Medaille aus der Hand von US-Präsident Ronald Reagan. Schon viel früher war er von US-Präsident John F. Kennedy empfangen worden. Im November 1988 schließlich wird Cousteau als erster Seemann in die altehrwürdige Académie française gewählt.

Cousteau und seine Leute hatten kein Problem mit der zivilen und militärischen Nutzung der Kernenergie. Im Gegenteil: Noch im Jahre 1987 sprang er beim unbewohnten französischen Mururoa-Atoll in Französisch-Polynesien im Südpazifik ins Wasser, um der Welt zu zeigen, wie harmlos die dort von Frankreich durchgeführten Atomversuche waren (so DIE WELT zu Cousteaus 100. Geburtstag im Juni 2010). Er bescheinigte den zuständigen französischen Behörden und der Weltöffentlichkeit, dass die mithilfe eines Mini-U-Boots gezogenen Wasserproben keine Auffälligkeiten zeigten und dass die strahlenden Rückstände der Atomversuche problemlos in den Basaltfelsen des Atolls endgelagert werden können. (DER SPIEGEL hatte im Oktober 1990 mit Hinweis auf amerikanische Quellen über schreckliche Gesundheitsfolgen für das Personal der französischen Atombombenversuche berichtet.) Dafür erntete Cousteau heftige Kritik seitens der inzwischen auch in Frankreich erstarkten Grünen Bewegung, mit der Cousteau lange nichts zu tun haben wollte. Dennoch musste er in den 90er Jahren schrittweise vor der Grünen Ideologie kapitulieren, zumal er es in dieser Zeit kaum noch schaffte, genügend industrielle Sponsoren für eigene Projekte zu finden. Den Wendepunkt markiert, wie ich es sehe, die berühmt-berüchtigte Mammut-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro, zu der Cousteau als einziger Nicht-Politiker geladen war. Diese Konferenz verabschiedete u.a. die Klima-Rahmen-Konvention UNFCCC, auf die sich bis heute die so genannte Klimapolitik beruft.

Cousteau und der Malthusianismus

Nach dem „Weltgipfel“ von Rio gab Cousteau immer mehr den zeitgeistigen Einflüsterungen seiner wichtigsten Grünen PR-Berater Susan Schiefelbein in Amerika und Yves Paccalet in Europa nach. Er schloss sich gegen Ende seines Lebens wohl der im Bürgertum ohnehin dominierenden Ideologie des Malthusianismus an. Sein französischer Ghostwriter Yves Paccalet zitiert ihn in seinem Buch „L’Humanité disparaîtra, bon débarras !“ (Paris 2006) mit folgenden Worten:

Eine Erde und eine Menschheit im Gleichgewicht bedeutete eine Bevölkerung von 500 Millionen gut erzogener und zur Selbstversorgung fähiger Personen. Die Alterung der Bevölkerung ist kein Problem… Um die Weltbevölkerung zu stabilisieren, müssen wir täglich 350.000 Menschen verlieren. Das ist schrecklich, aber darüber zu schweigen wäre noch schrecklicher.“

Aus diesem Statement spricht m.E. der Alterspessimismus eines ansonsten äußerst kreativen und erfolgreichen Entwicklers und Entdeckers nach einigen Rückschlägen. Für sein ganzes höchst produktives Leben gilt eher, was seine hier bereits zitierte Biografin Susan Schiefelbein etwas überschwänglich schreibt:

Ich bin überzeugt, die Quelle seiner Energie lag in seiner Entschlossenheit, bei allem, was er tat, Spaß zu haben.“

Er hätte sich mit der heute amtlich vorgeschriebenen Straf-Ökologie wohl nie angefreundet. Es ging ihm nicht primär um die Weltrettung durch „Global Governance“ und die „Große Transformation“, sondern darum, sein Publikum mit seiner eigenen Begeisterung anzustecken und damit nebenbei seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Während die staatlich verordnete „Energiewende“ wie die gesamte Straf-Ökologie dabei sind, an ihren eigenen Widersprüchen zu scheitern, zeigt das inzwischen leider etwas in Vergessenheit geratene Lebenswerk Cousteaus und seiner Mannschaft, daß Ökologie auch anders geht.




Trump bremst die Klimaprogramme der Weltbank aus

Linnea Lueken, H. Sterling Burnett

Die Weltbank hat der überaus mächtigen und gut vernetzten „Grün“-Bewegung gerade einen weiteren Schlag versetzt.

Diese Woche gab die Weltbank bekannt, dass sie ihre Pläne aufgibt, fast die Hälfte ihrer Kreditvergabekapazität für klimabezogene Projekte einzusetzen.

In einer Erklärung mit dem harmlos klingenden Titel [übersetzt] „Aktuelles zum Klimaschutzaktionsplan der Weltbankgruppe“ gab die Weltbank bekannt, dass sie weiterhin beabsichtigt, den sogenannten Klimaschutz-Aktionsplan fortzuführen und auszuweiten, jedoch auf konkrete Finanzierungsziele verzichten wird.

Dies geschah, nachdem die Trump-Regierung die Weltbank dafür kritisiert hatte, sich übermäßig auf das zu konzentrieren, was im Grunde genommen nur klimapolitisches „Virtue Signaling“ sei, ohne dabei für greifbare wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen, wie es ihre Satzung vorschreibt. Die Weltbank wurde gegründet, um Armut zu bekämpfen, und nicht, um der Klima-Verrücktheit westlicher Eliten nachzugeben.

Im April dieses Jahres erklärte Finanzminister Scott Bessent gegenüber dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die Bank solle sich „auf ihre Kernaufgabe konzentrieren, nämlich die Armutsbekämpfung und die Förderung des Wirtschaftswachstums“. Laut Bessent bedeute dies, Mittel für Maßnahmen bereitzustellen, die tatsächlich zu diesen Zielen beitragen, wie beispielsweise „den Zugang zu allen Technologien zu ermöglichen, die reichlich vorhandene, zuverlässige und erschwingliche Energie liefern können“, neben anderen Maßnahmen. Er stellte klar, dass dies bedeute, „das 45-Prozent-Ziel der Weltbankgruppe für die Klimafinanzierung aufzugeben, weil es Ineffizienz begünstigt, wirtschaftliche Entscheidungsprozesse verzerrt und die Bank von ihrem Kernauftrag abbringt“.

Da die Vereinigten Staaten der größte Anteilseigner der Weltbank sind, überrascht es nicht, dass die Organisation Trumps Druck zumindest teilweise nachgegeben hat.

Die Weltbank wird ihre „Scorecards“ zu Treibhausgasen sowie ihre Erhebungsdaten zur „Klimaresilienz“ und Ähnlichem beibehalten – vermutlich in der Hoffnung, den Rahmen ihres Klimaschutzplans aufrechtzuerhalten, damit dieser leicht wiederbelebt werden kann, sobald Trump nicht mehr im Amt ist.

Die Weltbank marschiert von Anfang an im Gleichschritt mit Umweltpropagandisten und führt oft sogar die Vorhut des Klimaalarmismus‘ an, indem sie unsinnige Studien produziert, die eine Vielzahl gesellschaftlicher Missstände – wie Masseneinwanderung und Prognosen über Ernteausfälle – der globalen Erwärmung zuschreiben. Diese Studien werden in den Mainstream-Medien als eindeutiger Beweis dafür gefeiert, dass der Klimawandel eine vom Menschen verursachte Katastrophe ist, die nur behoben werden kann, indem man Linken mehr Geld und Macht gibt und die Freiheiten der einfachen Menschen einschränkt. Es spielt keine Rolle, dass sie alle anderen Faktoren, die zu Themen wie Einwanderung beitragen, ignorieren oder herunterspielen; das Ziel war es, die Menschen wegen des Klimawandels in Aufruhr zu versetzen, und wenn man der Hysterie in den Medien Glauben schenken darf, waren sie damit erfolgreich.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Die Rücknahme der konkreten Kreditvergabeziele ist eine große Sache und stellt einen weiteren Schritt in einer langen Reihe von Kürzungen dar, welche die zweite Trump-Regierung dem „Climate Industrial Complex“ auferlegt hat.

Die einst außerordentlich einflussreiche „Net-Zero Banking Alliance“ ist nach 2024 vollständig auseinandergebrochen. Zahlreiche große Nachrichtenmedien haben ihre gesamten Klimaredaktionen gestrichen, große Unternehmen schrauben ihre Netto-Null-Ziele zurück oder geben sie ganz auf, ganze europäische Länder verzichten auf wesentliche Teile ihrer Vorgaben für erneuerbare Energien. All dies geschah insbesondere, nachdem Präsident Trump die Finanzierung klimabezogener Projekte über USAID gestrichen, den Austritt aus dem IPCC vollzogen und die US-Finanzierung für andere Klimaprojekte der Vereinten Nationen eingestellt hatte.

Es ist fast so, als wären die Vereinigten Staaten lange Zeit der Wirt für eine Million grüner Blutegel gewesen, die sie größtenteils mit Nahrung versorgt haben – und ohne unsere Unterstützung müssen sie entweder um zu überleben einen anderen Wirt finden oder sterben.

Die Weltbank hat der ungemein mächtigen und gut vernetzten grünen Bewegung, deren Aufschwung noch vor wenigen Jahren unaufhaltsam schien, gerade einen weiteren Schlag versetzt. Hoffen wir, dass weitere Schläge folgen.

Link: https://www.americanthinker.com/blog/2026/07/trump-reins-in-the-world-bank-s-climate-programs/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE