Die lächerlichen mathematischen Verirrungen von Lord Stern

Der erstaunliche Teil des Stern-Reports war seine Festlegung des zukünftigen Wertes von Geld. Hier folgt der Deal mit dem Geldwert der Zukunft, den Sie schon kennen, vielleicht ohne zu wissen, dass sie ihn schon kennen. Wenn ich Ihnen gesagt hätte: „Was würden Sie bevorzugen, eintausend Dollar jetzt gleich oder eintausend Dollar im nächsten Jahr?” Ich bezweifle, dass es Ihnen schwer fallen wird zu erwarten, dass Geld im nächsten Jahr nicht so viel Wert ist wie in diesem Jahr. Und wie ist es mit eintausend Dollar entweder in diesem Jahr oder in zehn Jahren? Sie würden stark das nächste Jahr bevorzugen. Das ist der zukünftige Wert des Geldes. Es ist immer weniger wert als heute. Es wird ein wenig entwertet, einige Prozent, und zwar in jedem Jahr in der Zukunft. Eine felsenfeste Garantie auf 1000 Dollar in hundert Jahren ist heute fast gar nichts wert.

Der brillante Beitrag von Lord Stern zum rapide wachsenden Feld der paläo-kohlenstoff-phobischen Ökonomie [Paleocarbophobic economics] bestand darin, so zu tun, als sei die gesamte Studie zur CO2-Reduktion so, als ob die Vorteile einer reduzierten Temperatur in fünfzig Jahren den gleichen Wert haben, als wenn wir die vermeintlichen Vorteile in der Zukunft bereits heute hätten. Seine Entwertungsrate zukünftiger Gelder lag bei Null, was gleichbedeutend ist mit der Aussage, dass Geld, dass Ihnen in fünfzig Jahren ausgezahlt wird, genau das gleiche wert ist als wenn Sie es heute bekommen würden … Sie müssen kein Bankfachmann sein um zu wissen, dass das Unsinn ist, Sie wissen, dass 1000 Dollar in fünfzig Jahren sehr viel weniger wert sein werden als 1000 Dollar heute, aber genau das war Sterns Behauptung. Verblüffend.

Abbildung: Gesamte akkumulierte Kohlenstoff-Emissionen (blau), akkumulierter abgeschiedener Kohlenstoff (absorbiert) durch den Planeten (grün) und der akkumulierte, in der Atmosphäre verbleibende Kohlenstoff (rot). Die violette Linie zeigt den „Luftanteil“, also die in der Atmosphäre als Prozentsatz der emittierten Menge verbleibende Menge Kohlenstoff. Man beachte die zugrunde liegende Beziehung, dass nämlich die Gesamtemission die Summe der abgeschiedenen Menge plus die in der Atmosphäre verbliebene Menge ist, oder: Emittiert = verblieben + abgeschieden. Datenquellen: Fossil fuel CO2 emissions – Land use CO2 emissions –  Airborne CO2 levels. Der Konversionsfaktor von 2,13 Gigatonnen Kohlenstoff gleich 1 ppmv atmosphärischen CO2 wurde zur Umrechnung zwischen den Einheiten benutzt.

Natürlich musste Lord Stern seine lächerliche Behauptung aufstellen, dass zukünftige Vorteile schon heute einen gewaltigen Wert haben, um den Betrug um die CO2-Reduktion als ökonomisch sinnvoll erscheinen zu lassen. Als ein Bankmann hätte ich verlangt, seinen noblen Hintern zu ent-lordisieren [un-Lording his noble keister] für diese ungeheuerliche ökonomische Sünde [transgression], aber unglücklicherweise hat mir die Königin von England nicht sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich weiß das, weil ich Ihrer Majestät einmal geschrieben habe. Ihr Privatsekretär hat geantwortet.

Er sandte mir einen netten Brief auf einem Blatt Papier, das so dick war, dass es so aussah, als würde es brechen, wenn man es faltet; ein prachtvolles, cremefarbenes Stück königlicher Schreibutensilien, versandt an mich in einem Umschlag von der Größe einer kleinen Reisetasche… falls man die Antwort des Sekretärs Ihrer Majestät in den Dialekt der Indianer von Neu-Amsterdam [= die ursprüngliche Bezeichnung von New York, als man sie den Indianern abkaufte, A. d. Übers.] übersetzen würde, würde es der Wortlaut „Ihre Majestät hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, stecken Sie es sich in den…“ am besten treffen, aber ich schweife ab.

Wie lautet nun die jüngste Behauptung Lord Sterns? Ich bin sicher, dass Sie überrascht und geschockt sind, wenn Sie herausfinden, dass er jetzt sagt, es ist schlimmer, als wir gedacht haben!

Die Zeitung Guardian in UK, jene oberste Bastion himmelschreiender [bloviation]* schreibt darüber hier [*Dieses Wort war in keiner Übersetzungshilfe zu finden. Man kann sich denken, was gemeint ist, daher habe ich hier den Originalausdruck stehen gelassen. Oder handelt es sich um einen Schreibfehler des Autors? A. d. Übers.]. Am meisten interessierten mich die Gründe, warum Lord Stern denkt, es ist schlimmer, als wir gedacht haben. Sterns eigenen Worten zufolge stellten sie sich als die Folgenden heraus:

„In der Rückschau habe ich die Risiken unterschätzt. Der Planet und die Atmosphäre scheinen weniger Kohlenstoff zu absorbieren, als wir erwartet haben, und die Emissionen steigen ziemlich stark. Einige Auswirkungen zeigen sich viel schneller, als wir damals gedacht hatten“.

Man kann sicher sagen, dass er ein Profi ist, und zwar wegen des Kunststücks, eine solche Anzahl von Fehlern in nur drei kurzen Sätzen unterzubringen. Es bedarf wirklichen Adels, um das zu tun. Ein gewöhnlicher Mann wie ich könnte den Druck nicht aushalten. Ich möchte mit der lächerlichsten aller Feststellungen anfangen, nämlich dass „die Atmosphäre weniger Kohlenstoff zu absorbieren scheint als wir erwartet haben“. Wirklich? Wie viel CO2 haben wir erwartet, von der Atmosphäre absorbiert zu werden? Und was bedeutet es für die Atmosphäre, CO2 zu „absorbieren“? Dieses Statement ist bedeutungslos.

Aber nehmen wir einmal an, dass „die Atmosphäre absorbiert“ heißt, dass die Atmosphäre weniger Kohlenstoff aufgenommen hat als erwartet. Ich weiß nicht, wie viel Aufnahme er erwartet hatte, so dass es also keine Möglichkeit gibt, das zu beurteilen … aber das spielt auch keine Rolle, weil es ein anderes, größeres Problem gibt. Wenn emittiert = in der Luft verblieben + abgeschieden ist, kann der (seiner Behauptung nach) in der Luft verbliebene Anteil nur deswegen geringer als erwartet sein, weil die abgeschiedene Menge größer als erwartet ist. Das Problem dabei ist, dass er gesagt hat, der Planet scheide weniger CO2 ab, nicht mehr.

Aber das sind nur die inhärenten inneren Widersprüche in Lord Sterns seltsamem Statement. Wichtiger sind die tatsächlichen Falschdarstellungen der Fakten. Er behauptet, dass ein Grund seiner Unterschätzung der Risiken darin besteht, dass „die Emissionen ziemlich stark steigen“. Aber in Wirklichkeit gibt es kaum eine Änderung des Emissionstrends gegenüber dem Jahr 2006, als er diesen infamen Bericht geschrieben hat.

Und seine Behauptung, dass weniger und immer weniger durch den Planeten abgeschieden wird? Absolute Phantasie. Der Luftanteil ist das in der Atmosphäre verbleibende CO2. Wie die Abbildung oben rechts zeigt, hat er sich während der letzten 50 Jahre nicht signifikant verändert, auch die Abscheidungsrate nicht. Was stellt er sich vor, das seit 2006 neu ist? Bevor Sie jetzt denken, dass ich meine Behauptung, die Kohlenstoff-Senken würden sich nicht verändern, einfach so erhebe – hier nimmt die NOAA zu dieser Frage Stellung:

Natürliche Senken nehmen immer noch Kohlenstoff auf
Ökosysteme sind noch nicht an der maximalen Aufnahmekapazität von Emissionen fossiler Treibstoffe angekommen.

15. Mai 2012

BOULDER, Colo. — Neuen Messungen zufolge nehmen die Ökosysteme der Erde weiterhin Kohlenstoff auf, wenn sich Treibhausgase in der Atmosphäre akkumulieren.

Die Forschung widerspricht zahlreichen Studien aus jüngerer Zeit, denen zufolge die „Kohlenstoff-Senken“ ihre maximale Kapazität erreicht oder überschritten haben. Schaut man auf die globalen Messungen des atmosphärischen Kohlendioxids, ergeben die Berechnungen, dass sich die Senken insgesamt etwa in gleicher Weise erhöhen wie die steigenden Emissionen.

„Die Senken waren mehr als in der Lage, mit den Emissionen mitzuhalten”, sagte Pieter Tans, ein Atmosphärenwissenschaftler am Earth System Research Laboratory der NOAA in Boulder, Colorado. Tans zeigte seine Ergebnisse am 15. Mai auf einer jährlichen, durch das Lab durchgeführte Konferenz zum Monitoring der Erde.

(Im Vorübergehen, ich habe gerade bemerkt, dass die NOAA die gleiche Methode benutzt zu haben scheint wie ich, um den Luftanteil des CO2 zu berechnen, nämlich durch Ansehen der globalen Messungen des atmosphärischen CO2. Komisch, wenn das stimmen würde, aber ich schweife schon wieder ab. Weiter zum Finale…)

Zusammenfassung von Sterns Behauptungen:

Jede einzelne Behauptung von Lord Stern, dass alles immer schlimmer wird, ist unwahr.

• Es gab keine Überraschungen an der Emissionsfront. Die mittlere jährliche Zunahme der CO2-Emissionen hat sich seit der Abfassung seines Berichtes im Jahr 2006 kaum verändert. Tatsächlich sind die Emissionen sogar geringer als 2006 erwartet, trotz seiner Behauptung über steigende Emissionen, und zwar infolge des Emissionsrückgangs im Zuge der globalen Finanzkrise.

• Die Menge des vom Planeten abgeschiedenen CO2 ist ziemlich konstant bei 55% der Gesamtemissionen geblieben. Es hat entgegen seiner Behauptung keine Abnahme der Abscheidung gegeben, und es gibt keine Beweise, dass die Kohlenstoffsenken ihr Abscheidungsvermögen verlieren.

• Und schließlich, obwohl er sagt, „die Auswirkungen zeigen sich viel schneller als wir gedacht haben“, zeigt sich auf der Erde während der letzten 15 Jahr keine signifikante Erwärmung oder Abkühlung, und es gibt auch keine Anzeichen für eine Zunahme von Extremereignissen … also welche Auswirkungen genau des CO2 „zeigen sich“, schnell oder nicht?

Nicht eine einzige wahre Feststellung in dem ganzen Packen … oh je, mein guter Lord!

[Hier folgt noch ein letzter Abschnitt, der zum Thema keinen Bezug hat, den ich aber empfehle im Original zu lesen! A. d. Übers.]:

Three seventeen a.m., I guess that’s bedtime for me. Starlight and high night cirrus to y’all, with the full moon steaming majestically through the clouds in the middle of a ring of light, remember that the loup garou needs your prayers, I’m off to sleep …

Willis Eschenbach

Link: http://wattsupwiththat.com/2013/01/27/lord-sterns-mathematical-malapropisms/#more-78272

Übersetzt von Chris Frey EIKE