Warum Europa Schiefergas braucht

Bild rechts: Schiefergas in Deutschland. Quelle: http://tinyurl.com/c44c6x9 (www.science-skeptical.de)

Europas Bemühungen, aus der Rezension herauszukommen, werden durch die relative hohe Kostenbasis in Europa behindert, vor allem hinsichtlich der Kosten für Arbeit und Energie. Lohnkosten, die mehr als doppelt so hoch sind wie in der Region Asien – und etwa 5 bis 8 mal so hoch sind wie in China.

Abbildung 1: Unterschied der Lohnkosten in der Welt, Stand: 2010

Es kann sein, dass die europäischen Regierungen nicht viel gegen den Nachteil der strukturellen Lohnkosten tun können, obwohl Länder wie Deutschland einige Fortschritte gemacht haben. Lohnkosten werden sehr stark durch historische Umstände sowie Regulierungen der sozialen Sicherheit beeinflusst. Die Lohnkosten in Europa sind hoch und werden mittel- bis langfristig auch hoch bleiben.

Allerdings können die europäischen Regierungen etwas gegen die Differenz der Energiekosten tun. Und die Erschließung der Schiefergas-Reserven ist die offensichtlichste Option.

Während der vergangenen zehn Jahre war Erdgas aus der Golf-Region 8 bis 10 mal billiger als in den USA, Europa und Asien. [i] Die Schiefergas-Entwicklung in den USA war 2008 bereits in vollem Gange und führte zu einer nationalen Gas-Goldgrube mit Gaspreisen, die grob geschätzt etwa ein Drittel der Preise in Europa ausmachen. Und obwohl China weder einen Erdgas- noch einen Öl-Kostenvorteil hat, setzt das Land seinen Vorteil hinsichtlich der Lohnkosten voll ein, was zu einer drastischen Steigerung der Produktivität und von Innovationen führt. In Europa bleiben die Kosten dagegen weiterhin genauso hoch wie zuvor.  [ii]

Bereiche wie die petrochemische Industrie, die in hohem Maße von den Kosten für Öl und Erdgas (Naphta [?] oder Äthan) abhängig sind, stehen an einem kritischen Punkt. Im Jahr 2012 waren in diesem Bereich etwa 1,2 Millionen Menschen beschäftigt, das ist ein Verlust von 200000 Arbeitsplätzen. [iii] Von 2006 bis 2011 wies sie lediglich ein Zehntel der Wachstumsrate im asiatisch-pazifischen Raum auf (0,9% gegen 9,7%) und hat weniger als ein Drittel investiert im Vergleich in jener Region (600 gegen 200 Milliarden Dollar). Inzwischen sind die Verkaufsanteile von Chemikalien in Europa von 2001 bis 2011 von 30% auf 20% gefallen, während sie sich im asiatisch-pazifischen Raum verdoppelt haben, von 23% auf 45%. Gleichzeitig werden die Kapazitäten in der Golf-Region massiv ausgeweitet und machen mehr als 50% der globalen petrochemischen Kapazität aus, wobei man danach trachtet, den Zugang zu billigen Lagerstätten zu sichern. [iv]

Abbildung 2: Internationale Joint-Venture-Investitionen in Schiefergas USA von 2008 bis 2012 [v]

Andere Länder investieren stark

In den Jahren von 2008 bis 2012 beliefen sich die Investitionen in Schiefergas in den USA auf 133,7 Milliarden Dollar, wovon Joint Ventures mit Nicht-US-amerikanischen Firmen etwa 20% ausmachten. Es gab auch ausgeprägte Zukäufe: Aber trotz des Zukaufs von Petrohawk Energy Corp. [vi] durch BHP Billiton gab es in Europa bislang nur eine geringe Zahl von Erschließungen, vor allem in Polen, obwohl die Schiefergasreserven des Kontinents sehr groß sind.

Abbildung 3: Wichtige Schiefer-Lagerstätten der Welt [vii]

In den USA gehört den Landbesitzern nicht nur das Land, sondern auch alle Ressourcen darunter. Das ist hinsichtlich der Entwicklung der Schiefergas-Industrie ein großer Vorteil. In Europa gehören die Ressourcen unter der Oberfläche den Regierungen, und der heutige aktuelle Streit darum behindert die Entwicklung der Schiefergas-Erzeugung. Das ist ein schwaches Argument und eine ärmliche Entschuldigung für Nichtstun.

Regierungen müssen handeln

Regierungen können tatsächlich Bewegung in die Entwicklung von Schiefergas bringen, so wie sie es in der Vergangenheit in anderen öffentlichen Bereichen getan haben: Die Entwicklung eines umfangreichen Eisenbahnsystems, die beeindruckende Nuklearindustrie in Ländern wie Frankreich. Mit den notwendigen Visionen und dem Willen können die Regierungen die Schiefergas-Entwicklung voranbringen und ökonomisches Wachstum beschleunigen, aber sie werden ihre legalen Rechte brauchen, um Land zu enteignen – und die Landbesitzer entsprechend zu entschädigen. Sie können mit vereinten Kräften auch Lösungen finden für die Herausforderungen bzgl. der Umwelt durch die Ausbeutung von Schiefergas.

Ohne derartige Aktivitäten werden sich Bereiche wie die chemische Industrie in Europa auf dem gleichen langfristigen Weg befinden wie andere Bereiche, die unter hohen Kosten und Überkapazitäten leiden wie z. B. die Auto- und die Stahlindustrie, mit Konsequenzen, die nur allzu bekannt sind.

Karel Cool und Quentin Philippe, Forbes

Link: http://www.thegwpf.org/europe-shale-gas/

Bemerkung: Im Original steht unten dieser Link: Full story. Darin findet sich auch eine Liste mit Referenzen, auf die sich die Markierungen in diesem Artikel beziehen.

Übersetzt von Chris Frey EIKE