Direktor der Stromver­sorgung Kaliforniens: „stehen vor ernsten Problemen!“

Auf dem Weg in den „Blackout“: auch kalifornische Großstädte wie hier San Francisco. Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

David Wojick
[Warum nur hört man so etwas wie das Folgende eigentlich nicht über unser Land? Hier dürfte es doch genauso sein! A. d. Übers.]
Der Leiter des California Independent System Operator (CAISO) gab vor kurzem ein aufschlussreiches Interview in einem obskuren Magazin, von dem er wahrscheinlich dachte, es würde nicht erscheinen. Es handelt sich um „Yale Insights“, herausgegeben von der Yale School of Management. Elliot Mainzer, Präsident und CEO von CAISO ist ein Yalie, also gab er etwas zurück.

Eigentlich hat er eine Menge verraten, wenn man die Polit-Sprache richtig liest. Ernsthafte Probleme liegen vor uns. Nachfolgend einige interessante Einblicke, mit Übersetzung, wo nötig.

Zuerst erklärt Mainzer seinen Job: „CAISO betreibt das Hochspannungsübertragungsnetz und den Energiemarkt für etwa 80% von Kalifornien und einen kleinen Teil von Nevada. Wir sind die Instanz, die das Echtzeit-Stromangebot mit der Nachfrage abgleicht und für die effiziente Integration der nächsten Generation sauberer Energiequellen in das Netz verantwortlich ist. Zusätzlich zu unserer grundlegenden Verantwortung als unabhängiger Netzbetreiber in einem einzelnen Bundesstaat übernehmen wir zunehmend weitere Aufgaben im Westen der USA. Dazu gehören die Überwachung der Zuverlässigkeit und der Betrieb eines Energieausgleichsmarktes, der uns den Kauf und Verkauf von Energie mit großen Gebieten der westlichen USA ermöglicht.“

Die Aufgabe von CASIO ist es also, die Lichter am Leuchten zu halten, genau wie ERCOT in Texas. Es ist ein wenig beängstigend zu erfahren, dass Kalifornien auch den Energie-Ungleichgewichtsmarkt für die gesamte Western Interconnection betreibt, also das westliche Netz, das etwa ein Drittel des zusammenhängenden Amerikas umfasst. Wenn also in Kalifornien der Strom ausfällt, was immer wahrscheinlicher wird, wird vielleicht auch das westliche Netz mitgerissen!

Was die Stromausfälle des letzten Sommers angeht, gibt Mainzer natürlich dem Klimawandel die Schuld. Aber dann zeigt er mit dem Finger auf die Solarenergie:

„Kalifornien hatte bei der Planung übersehen, dass zu Spitzenlastzeiten nicht genug Kapazität zur Verfügung steht, um ein Super-Heizungsereignis effektiv zu überstehen. Wenn die Menschen abends nach Hause kommen, die Geräte einschalten und die Klimaanlagen hochfahren, um ihre Häuser zu kühlen, ist das der maximale Punkt der Belastung für das System. Diese Netzspitze kurz nach Sonnenuntergang ist auch der Zeitpunkt, an dem über 10.000 Megawatt Solarstrom nicht mehr erzeugt werden. Die meiste Zeit des Tages wirkt die Solarenergie wie eine negative Last, welche die Nachfrage nach Strom aus anderen Quellen reduziert. Wenn die Sonne untergeht, müssen diese anderen Ressourcen schnell hochgefahren werden, um die Last im System zu decken. Kalifornien hatte einfach nicht genug einplanbare Kapazität zur Verfügung, um die Nachfrage zu decken. Die Standards für die Planung und Beschaffung von Ressourcen hatten nicht ganz Schritt gehalten.“

Sie haben also vergessen, dass die Sonne untergeht. Klingt ungefähr richtig für Kalifornien. Ich denke, sein „nicht ganz mithalten können“ ist stark untertriebene Politsprache.

Ganz nebenbei gibt Mainzer zu, dass die Unterbrechung der erneuerbaren Energien das grundlegende Problem ist. Hier ist, wie er es ausdrückt, wieder Bezug nehmend auf die Stromausfälle des letzten Jahres:

„Die Wind- und Solarenergieressourcen haben weitgehend wie erwartet funktioniert. Aber es handelt sich um Ressourcen, die Brennstoffe verdrängen und dem System kohlenstofffreie Energie zuführen. Wir wissen, dass sie keine planbare Kapazität liefern, also müssen wir sie mit anderen Ressourcen kombinieren. Sicherlich haben die laufenden Veränderungen im Stromsystem dazu beigetragen, was im August in Kalifornien passiert ist. Es ist klar, dass wir diese Kopplung beschleunigen und besser machen müssen. Das wird im Laufe der Zeit der entscheidende Faktor für die Aufrechterhaltung der Zuverlässigkeit sein.“

Natürlich handelt es sich bei seinen abschaltbaren „anderen Ressourcen“ um Zukunftstechnologien, die nicht existieren, und nicht um die offensichtlichen Atom-, Kohle- und Gasressourcen, die Kalifornien gerade abschaltet. Das ist Wunschdenken, keine Energieplanung.

Hier ist der sogenannte Plan: „Wir werden einen Portfolio-Ansatz verfolgen, der neue Brennstoffe, neue Speichertechnologien, Investitionen in Energieeffizienz und Reaktionrn auf Nachfrage-Spitzen erschließt. Kalifornien fängt an, sich mit Offshore-Windkraft zu beschäftigen. Wir erforschen neue Energiespeichertechnologien, die Strom für längere Zeiträume liefern können, verglichen mit der vierstündigen Dauer von Lithium-Ionen-Batterien.“

Das Prinzip ist jedoch klar. Erneuerbare Energien müssen mit planbarem Strom gepaart werden.

Was den kommenden heißen Sommer angeht, ist Mainzer zu Recht besorgt. Er weist darauf hin, dass es im Vergleich zum letzten Jahr fast keine neuen einsatzfähigen Kapazitäten gibt:

„Wir erwarten nicht, dass zwischen jetzt und dem Sommer eine Tonne neuer Kapazitäten ans Netz geht; das ist ein zu enger Zeitrahmen. Aber die zusätzliche abschaltbare Kapazität, die ins Netz kommt, sind etwa 2.000 Megawatt an Lithium-Ionen-Batterien, die während der Netto-Spitzenzeit der maximalen Belastung des Systems, kurz nach Sonnenuntergang in heißen Sommernächten, Strom ins Netz einspeisen können.“

Man beachte, dass 2000 MW Speicher die 10.000 MW an Solarstrom, die bei Sonnenuntergang verloren gehen, nicht ausgleichen. Außerdem sind die 2000 MW nur die Entladerate der Batterie, nicht die Speichermenge, die in MWh gemessen wird. Wenn 10.000 MW an Solarstrom für 16 Stunden verloren gehen, was der Standard ist, sind das 160.000 MWh an Saft. Die Batterien sind nur für 4 Stunden gut, das sind gerade einmal 8.000 MWh oder fast nichts im Vergleich zu den verlorenen Sonnenstunden. Batterien sind in Fällen wie diesem ein Witz.

Was den langfristigen Übergang betrifft, ist die Elektrifizierung ein wichtiges Thema. Er stellt fest:

„Wir werden auch zusätzliche Kapazitäten benötigen, um die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte zu unterstützen und um den Platz von fossilen Brennstoffsystemen einzunehmen, die vom Netz gehen. Die California Public Utilities Commission sorgt dafür, dass die Versorgungsunternehmen die Anreize und Kostendeckungsmechanismen haben, um erweiterte Kapazitäten zu kaufen. CAISO und die großen Übertragungsnetzbetreiber in Kalifornien müssen dafür sorgen, dass das Netz, die Umspannwerke und die Übertragungsleitungen in einem Tempo aktualisiert, erweitert und modernisiert werden, das sicherstellt, dass neue Ressourcen, wenn sie ans Netz gehen, auch physisch an das System angeschlossen werden können. Die Leute, mit denen ich arbeite, sind unglaublich engagiert. Es ist eine echte Herausforderung, aber es ist auch inspirierend, Teil dieser sauberen Energiewende zu sein.“

Kein Wort darüber, was all diese riesige abschaltbare neue Kapazität, die weder fossil noch nuklear ist, sein wird. Wind ist auch nicht planbar. Es muss Magie sein! Es gibt nichts mehr außer Magie.

Und natürlich werden all diese neuen magischen Kapazitäten und ein aufgerüstetes Netz, um sie zu handhaben, ein riesiges Vermögen kosten. Hier zeigt sich Mainzers Talent für politisch korrektes, grobes Understatement. Er sagt einfach: „Die Strompreis-Erhöhungen, die nötig sind, um diese saubere Energiewende zu vollenden, könnten unbequem werden, wenn sie nicht sehr effektiv gehandhabt werden.“

Unbequem? Wie wäre es mit erdrückend oder strafend? Wir reden hier über potenziell Billionen von Dollar.

Er schafft es, einen guten Seitenhieb auf die Trittbrettfahrer unter den Solarkäufern auf den Dächern loszulassen: „Es gibt auch Bedenken bezüglich der Gerechtigkeit. Leute, die Solaranlagen und Batterien auf dem Dach kaufen, hinterlassen erhebliche Fixkosten, die von einer schrumpfenden Gruppe von Verbrauchern bezahlt werden müssen. Viele dieser Verbraucher können es sich nicht leisten, sich vom Netz zu lösen.“

Im wahren kalifornischen Stil schafft es CAISO-Präsident Mainzer sogar, mit einem schreienden Widerspruch zu enden: „Der Staat ist mit voller Geschwindigkeit auf dem Weg, seine Ziele für saubere Energie zu erreichen, während er gleichzeitig versteht, dass Energietarife und Gerechtigkeit kritische Variablen sind, die angegangen werden müssen.“

Es gibt keinen erschwinglichen Weg, ein elektrifiziertes Kalifornien ohne fossile Brennstoffe und Kernkraft zu betreiben. In der Tat ist es zu jedem Preis physikalisch unmöglich. Die CAISO sollte dies laut und oft sagen. Aber zumindest geben sie stillschweigend zu, dass es Probleme gibt.

Das ganze Interview steht hier.

Autor: David Wojick, Ph.D. is an independent analyst working at the intersection of science, technology and policy. For origins see http://www.stemed.info/engineer_tackles_confusion.html For over 100 prior articles for CFACT see http://www.cfact.org/author/david-wojick-ph-d/ Available for confidential research and consulting.

Link: https://www.cfact.org/2021/04/19/ca-electric-power-chief-says-serious-problems-lie-ahead/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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16 Kommentare

  1. A.RohneAls ich heute diesen Beitrag gelesen habe, hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art.In der heutigen Märkischen Oderzeitung (23.04.2021) gibt es ein Interview mit dem ENBW-Vorstandsmitglied Georg Stamatlopoulos mit dem Titel “ Es drohen keine Blackouts!“ Allerdings müssen wir mehr erneuerbare Energien ausbauen.Darüber hinaus brauchen wir Energiespeicher wie Batterien, Pumpspeicherkraftwerke und Biomasse. Wenn wir genug Wasserstoff haben, ist die Energiewende im Grund vollendet.Es geht in diesem Interview in dieser Art weiter. Damit wird sichergestellt, das die breite Masse sich zufrieden zurücklehnt und meint es geht schon seinen (sozialistischen) Gang!   

    • Erwarten Sie etwa, daß ein EnBW-Vorstand Ahnung von Physik, von Elektrotechnik oder Chemie hat? Und vermuten Sie gar, daß so einer eigenes Denkvermogen hat? In welcher altmodichen Welt leben Sie?

      Solche Leute geben brav zu Protokoll, was ihnen ideologisch aufgetragen wurde, und wenn Blackouts ideologisch verboten sind, können sie auch nicht eintreten, so einfach ist das …

  2. Nur mal so zur Klarstellung; Strom kann man nicht speichern. Wer es nicht glaubt, kann ja in die Ladekabel zu seinem Akkumulator je ein Strom-Messgerät „hin“ und „zurück“ einschleifen. Gut Instrumente werden dann zeigen, dass der Strom zum Pluspol identisch ist mit dem Strom vom Minuspol. Was also bitte soll an Strom im Akku gespeichert sein und bleiben?—Wenn man Energie speichern will, ist das immer mit verlustbehafteten Umwandlungen verbunden, in beide Richtungen sozusagen rein und raus. Wenn wir alle Bundesbürger auf dem Verständnislevel von Annalena Baerbock und Jürgen Trittin haben, werden sich diese Probleme aber von selbst lösen. Der deutsche Michel soll sich dann schnell mit Klo-Papier eindecken, die anderen Folgen eines Blackouts sieht er erst, wenn es soweit ist. Geduld! Der Tag und die Woche sind nicht mehr so weit entfernt.

  3. Elliot Mainzer ist ein fürchterlicher, grausamer, dummer Mensch. Hoffentlich wirft man ihn bald mit einem Tritt in den Hintern hinaus. Was für ein kolossaler Blender. Yale produziert nur noch Trottel. Was haben diese bürgerlichen Schwachköpfe nur aus Kalifornien gemacht?

  4. Ich wage mal zu insestieren: Man könnte beliebig viele Potentialspeicher aufbauen. Betongewichte, die bei Bedarf raufgehieft werden, oder abgelassen werden. Wir befinden uns ja ohnehin an einem Punkt, wo Wirtschaftlichkeit keine Rolle mehr spielt.Eigentlich befinden wir uns im freien Fall.

    • Gute Idee!

      Welche Masse wollen sie verwenden und wie hoch soll sie angehoben werden? Unglaublich, daß das noch nicht in großem Stil umgesetzt wird …

      ;-))

      • Da gabs hier mal eine Rechnung „Masse Bodensee, 400 Meter hoch“. Kann mich aber nicht mehr erinnern für wie lange das dann reicht. Außerdem müßte noch geklärt werden woher die Energie kommt, um die Masse wieder nach oben zu bringen wenn sie unten ist.

  5. Wie mieserabel sind eigentlich die Rechenfähigkeiten der meisten Menschen?>>Es gibt keinen erschwinglichen Weg, ein elektrifiziertes Kalifornien ohne fossile Brennstoffe und Kernkraft zu betreiben. In der Tat ist es zu jedem Preis physikalisch unmöglich.<<Wie lange benötigt man, bis man über die Solarpanels die Energie eingefangen hat, die zu deren Herstellung, Betrieb und Beseitigung benötigt wird?Desweiteren: Wieviel Energie und Material benötigt man, um den Strombedarf für die Dunkelzeit der Nacht zu speichern?Hamburg hat so ein Ding mit 120 MW Leistung bei Geesthacht. Bereits daran kann man erkennen, daß das mit der Stromspeicherung nie funktionieren kann. Im Schwarzwald gibt es ein PSKW, das Hornbergbecken. Hat man 910  MW Leistung für 6,8 Stunden. Und dann ist Schluß. Desweiteren hat das Gerät bestenfalls 80% Wirkungsgrad. 20% der zum Pumpen benötigten Energie sind futsch.Fakt ist also: Die führende Politikerin der Grünen ist ökonomisch und naturwissenschhaftlich komplett ungebildet.

    • Das werden wir bald live erleben wenn mit Brokdorf das letzte richtige Kraftwerk im Hamburger Umland abgestellt wird. Die Stadt Hamburg hat eine Last zwischen 1000 MW und 1800 MW. Nimmt man das Mittel 1400 MW ergibt das am Tag 33600 MWh. Das nahe Hamburg gelegene Pumpspeicherwerk Geesthacht hat ein Arbeitsvermögen von 534 MWh. Um also die Stadt nur einen einzigen Tag mit Strom zu versorgen bräuchte man 63 Pumpspeicherwerke Typ Geesthacht. Mal abgesehen von den gewaltigen Kosten die das verursachen würde gibt es kaum den Platz um so viele Speicherwerke zu errichten, das wären dann von Geesthacht elbabwärts alle 2km eines.

       

      • Wobei jedes PSW streng genommen eine Energiesenke ist! Ein PSW ohne Kraftwerk zum füllen ist wie die Staumauer einer Talsperre ohne Fluß. Aber von Politikern die schon am Dreisatz scheitern kann man nicht erwarten das zu verstehen.

  6. Auch in Californien läßt sich Kälte realiv gut speichern! Klimaanlagen kühlen deshalb auch dort  noch nach Sonnenuntergang. 

  7. >>Das Prinzip ist jedoch klar. Erneuerbare Energien müssen mit planbarem Strom gepaart werden.<<Was für eine saudumme gezielt falsche Bezeichnung ist denn der Begriff „erneuerbare Energie“?Energie kann nicht erneuert werden.

  8. Solche Interviews geben ein „Sittenbild“, in welcher Zeit wir mittlerweile wieder leben. Im dritten Reich oder auch in der DDR und anderen Diktaturen war es denkunmöglich, öffentlich folgenlose Kritik am System zu äußern. Mittlerweile ist es wieder so weit, selbst in den USA. Überall nur mehr Leute, die fürchten müssen, ihren Job zu verlieren, wenn sie Klartext reden. Daher tun sie es nicht. Was ist der Grund, daß zwar alle gemeinsam wissen, daß sie Schwachsinn daherreden, trotzdem aber alle mitmachen? Da kann einem richtig Angst und Bange werden …

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