Grüße aus Frankreich: Emmanuel Macrons Klimagesetz

Präsident Macron bei einer Klimarede, Bild Screenshot Tagessschau vom 29.6.2020

Von Edgar L. Gärtner
Der noch immer jung aussehende französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat Großes vor. Das ist bekannt. Vor allem will er die tiefe Spaltung der französischen Gesellschaft in „Links“ und „Rechts“ überwinden.

Macron hat sich offenbar in den Kopf gesetzt, bei der Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens von 2015 nachhaltigen Ruhm zu erwerben. Gilt doch das Pariser Vertragswerk als Meisterstück französischer Diplomatie. Deshalb kündigte er schon bei seiner Wahl im Jahre 2017 ein umfassendes Klimaschutzgesetz (loi sur le climat) an. Dieses soll sowohl die verschiedenen Formen der Energiegewinnung als auch des (sparsamen) Energieeinsatzes regeln. Um ein solches Gesetz auf den Weg zu bringen, war der Rat von Fachleuten offenbar zunächst wenig gefragt. Um dem Ruf der „Gelbwesten“ und anderer Bürgerbewegungen nach etwas mehr direkter Demokratie in der nach wie vor überzentralisierten Republik zumindest formal nachzugeben, berief die Regierung stattdessen eine „Convention citoyenne sur le climat“ ein. Diesem Bürger-Komitee gehörten 149 angeblich nach dem Zufallsprinzip ausgewählte einfache Franzosen an.

Wie man sich denken kann, stellten diese Menschen eine nicht zuletzt durch den Medienstar Greta Thunberg beeinflusste Wunschliste zusammen, in der so gut wie nichts zusammenpasst: Zum Beispiel 100 Prozent Elektromobilität und gleichzeitiger Ausstieg aus der Kernenergie-Nutzung. Viele Vorschläge waren so utopisch, dass sie bei der Abfassung eines Gesetzesvorschlags durch ein Redaktions-Komitee von vornherein nicht berücksichtigt werden konnten. Der in der zweiten März-Woche einem Ausschuss der Nationalversammlung vorgelegte Gesetzentwurf umfasst 79 Artikel, die in sechs Kapitel unterteilt sind. Der Ausschuss muss sich mit mehr als 5.000 Änderungsvorschlägen herumplagen. Am Ende wird wohl niemand mit dem gewählten Prozedere glücklich sein.

Emmanuel Macron selbst repräsentiert im Grunde nicht mehr Franzosen als die, die ihn 2017 im ersten Wahlgang gewählt haben, das heißt 24 Prozent der Wähler. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass er in der Zwischenzeit mehr Franzosen überzeugen konnte. Bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 wurde Macrons Bewegung „La République en Marche (LREM)“ gar von der Splitterpartei der Grünen überrundet. Seither versucht Macron noch deutlicher als zuvor, den Grünen durch Anbiederung Wind aus den Segeln zu nehmen. Für die energetische Zukunft Frankreichs bedeutet das nichts Gutes.

Barbara Pompili, Macrons Ministerin für die ökologische Wende, übt sich schon jetzt fleißig in Anti-Kernkraft-Propaganda und macht Reklame für 100 Prozent erneuerbare Energien. Nur so sei das Ziel, die Energieversorgung bis zum Jahre 2050 CO2-frei zu machen erreichbar. Sie „vergisst“ dabei, dass die französische Elektrizitätsversorgung dank des hohen Anteils von Kernkraftwerken von über 70 Prozent und eines beachtlichen Beitrags von Wasserkraftwerken schon jetzt deutlich über 90 Prozent CO2-frei ist. Durch die Ausweitung des Beitrags von Wind- und Solarkraftwerken würde die Kohlenstoff-Intensität der Energiegewinnung unweigerlich wieder steigen. Denn während Kernkraftwerke über ihren gesamten Lebenszyklus nur 6 Gramm je Kilowattstunde ausstoßen, sind es bei der Windenergie 15 und bei der Solarenergie sogar 50 Gramm. Noch ungünstiger fällt der Vergleich des Flächenbedarfs aus: Je erzeugter Terawattstunde sind es bei der Kernenergie 8 Hektar, bei der Solarenergie jedoch 1.600 und bei der Windenergie gar 14.000 Hektar. Wer oder was treibt die französische politische Klasse, ihren Trumpf, die Kernenergie so leicht aus der Hand zu geben?

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17 Kommentare

  1. „Wer oder was treibt die französische politische Klasse, ihren Trumpf, die Kernenergie so leicht aus der Hand zu geben?“
    Prima, informativer Artikel und ich weiß die Antwort: Die Franzosen, schon immer schlau, denken nicht daran und wissen, dass sie die Dümmsten aller Dummen an ihrer Ostgrenze zum Nachbarn haben. Und dieser Plan Macrons kann, wenn er nicht von allen guten Geistern verlassen ist, nur eines zum Ziel haben: Seine unendlich Klima-verblödeten deutschen Nachbarn in ihrem Irrweg zu bestärken, der sie in die gesicherte Bedeutungslosigkeit führt. Ein französischer Urtraum steht kurz davor, in Erfüllung zu gehen. Und zwei Klima-hysterische Dummfrauen an der Spitze helfen nach Kräften mit. Die NATO erledigt sich derzeit von selbst. Die Franzosen haben Atomwaffen und die Deutschen, dann im Mittelalter angekommen, stellen Fußtruppen und Kavallerie zur Verteidigung der französischen Ostgrenze. Wir schaffen das…

  2. Dieser Westentaschen-Napoleon (wobei Napi auch eher klein war) wird sein Waterloo, besser Belle alliance, auch noch erleben, keine Sorge.

    • Manchmal frage ich mich, von wem die Politdarsteller fremdgesteuert werden.
      Googln Sie mal nach Atlantikbrücke und Bilderberger.

      Wer mehrere Milliarden sein eigen nennt, richtet sich doch sowieso nicht nach den Politikern (meine Meinung). Medien werden gekauft

  3. „Wer oder was treibt die französische politische Klasse, ihren Trumpf, die Kernenergie so leicht aus der Hand zu geben?“
    Es gibt nur eine politische Macht, die das machen könnte und das ist die kommunistische Partei Chinas.
    Die ganze Geschichte mit den erneuerbaren Energien ist der Kampf gegen Petrodollar. Deswegen macht die EU da mit wobei China seine Kernkraftwerke und Kohlenkraftwerke ausbaut, um mehr Strom erzeugen zu können. Das braucht sie um eine digitale Wirtschaft mit 5G und 6G Technologie, lauter Robotern, die ohne Bezahlung arbeiten (noch weniger Produktionskosten als mit Dumping Löhne, KI sowie Big Data (große Rechenzentren) zu installieren.
    Das gehört zu der neuen Weltordnung.

  4. Aus dem Manager-Magazin vom 28.02.2018:

    https://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/edf-frankreichs-stromkonzern-in-der-krise-a-1192441.html

    „Es ist im Grunde eine Farce: Den CO2-Helden kann Macron nur mit der hochriskanten Kernkraft mimen, also mithilfe von EDF. Dem Konzern droht eine mehrfache Überforderung. Um die maroden Meiler zu modernisieren, sind laut EDF 45 Milliarden Euro nötig; 60 Milliarden kosten Rückbau und Entsorgung. Obendrauf kommen 25 Milliarden Solarinvestitionen – mit Aussicht auf neue Schulden. Schon jetzt drücken den Stromer mehr als 30 Milliarden Euro Nettoverbindlichkeiten.“

    EDF baut in GB das teuerste Kraftwerk der Welt:

    FR vom 03.02.2021:

    „Der Beschluss zum Bau des neuen AKW in Englands Südwesten mit einer Leistung von 3200 Megawatt fiel 2016. Damals wurden die Kosten auf umgerechnet 21,5 Milliarden Euro geschätzt, inzwischen, nach mehreren Anpassungen, taxiert EDF das Projekt auf 27 Milliarden Euro.“

    Das ist die Antwort auf die Frage „Wer oder was treibt die französische politische Klasse, ihren Trumpf, die Kernenergie so leicht aus der Hand zu geben?“

    Das hat hier nichts mit grün oder nicht grün zu tun. Das hat was mit Gewinn und Verlust zu tun.

    Besser kann man sich nicht ins Knie schießen. In der Strombranche in Frankreich herrscht Sozialismus in Reinkultur.

      • „Denn während Kernkraftwerke über ihren gesamten Lebenszyklus nur 6 Gramm je Kilowattstunde ausstoßen“
        Ob das alles so passt, was Sie da schreiben, gibt es berechtigte Zweifel.

        Jacobson, M.Z., 100% Clean, Renewable Energy and Storage for Everything, Cambridge University Press, New York, 427 pp., 2020

        Die Angaben sind mit Quelle hinterlegt: hier 78 to 178 g CO2/kWh

        Sind Sie Kernphysiker/Betriebswirt o.vgl. ?

        • „Sind Sie Kernphysiker/Betriebswirt o.vgl. ?“ Man kann alles schönrechnen, nur die eigene private Stromrechnung nicht. Verbrauch geht runter, Kosten gehen nach oben.

        • Ich bin kein Kernphysiker, sondern Biologe, der sich als Wissenschaftsjournalist auch eingehend mit Ökobilanzen beschäftigt hat. Es ist ja bekannt, dass Ökobilanzierungen je nach ihren Aufraggebern zu recht unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Deshalb gibt es im Rahmen der DIN-ISO 14000 zumindest den Versuch der Normierung. Leider werden diese Normen nicht konsequent angewandt. So erklärt es sich z.B., dass das E-Auto einmal als Klima schonend, ein andermal als eine der größten Umweltbelastungen dastehen kann. Ich halte mich an offizielle Angaben von EDF und RTE (franz. Netzbetreiber). Wie weit diese Angaben geschönt sind, kann ich nicht beurteilen.

          • Da haben Sie Glück. Sie sollten den Anwendungsbereich der Normenreihe 14001 bis 14005 durchlesen. Die Normen sind Richtlinien und keine nationalen Gesetze.
            Interessant ist aber, dass Sie die Angaben von EDF und RTE nicht hinterfragen.
            „Ich halte mich an offizielle Angaben von EDF und RTE (franz. Netzbetreiber.“
            Eike rühmt sich doch selbst immer für kritische Hinterfragungen. Es finden sich bei Eike jede Woche mögliche E-Auto Artikel die von der Fußmatte bis zu E-Auto-Akku alles hinterfragen und beschimpfen.
            Wenn also VW in einem ihrer Prospekte die „Reinheit“ des E-Autos bewirbt, halten Sie sich dann auch an die offiziellen Angaben des Herstellers ?
            Da könnte man sich es ja auch sehr einfach machen…

          • @Torsten Schramm: Ich halte die Zahlen von EDF und RTE vor allem deshalb für aussagekräftig, weil beide Konzerne die Kernenergie längst nicht mehr vorbehaltlos verteidigen, sondern in ihren Verlautbarungen für „Erneuerbare“ werben. Man muss die Wahrheit im Kleingedruckten suchen.

          • @Edgar Gärtner: Wenn Sie einen „wissenschaftlichen“ Artikel schreiben, wären ja Ihre Quellenangaben ein Mindestmaß an Standard. Sollte der vorgenannte Artikel lediglich Ihre eigene Meinung reflektieren wäre das auch in Ordnung. Allenfalls sollte das aber so gekennzeichnet sein. Denn der ADMIN weißt ja den einen oder anderen Kommentator auf Nachfrage auch darauf hin, dass sich Eike an bei seinen „Aufsätzen“ an wissenschaftliche Standards der Publizierung hält.

  5. Was macht der Grüne Ideologe eigentlich, wenn sich das „Klima“ nicht an das Gesetz hält?
    Wird es dann sanktioniert oder eingesperrt?
    Klima kann man weder „retten“ noch „schützen“… man kann sich Klimaschwankungen nur anpassen!

  6. „Der noch immer jung aussehende französische Staatspräsident Emmanuel Macron“
    Der ist ja auch nur 77 geboren und ist dementsprechend als „jung“ einzustufen. Nicht seine Mutter sondern seine Frau ist 53 geboren. Seine Frau ist (um es politisch korrekt auszudrücken) erfahrener als er.

  7. Was solls? Die Dummheit der meisten menschen ist grenzenlos. Als ob der Mensch das Klima beeinflussen kann. Das sog. Klima wird von der Sonne gemacht. Das Einzige was er kann, ist Wälder abholzen und so das Klima negativ beeinflussen. Und nicht vergessen, was er mit den unsinnigen umweltschädlichen Windmühlen anrichtet.

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