Naturschutz : Basis gegen den Coup der Lobbyisten*

Windrad-Schlagopfer Kranich ; Bild : Gegenwind Vogelsberg

Dagmar Jestrzemski (Red.PAZ)*

NABU-Chef, Grüne und Energiewirtschaft wollten für Windparkausbau den Artenschutz opfern.

Im November 2019 rückte Jörg-Andreas Krüger (52) als Nachfolger von Olaf Tschimpke (63) an die Spitze des Naturschutzbunds Deutschland (NABU). Krüger, zuvor Mitglied der Geschäftsleitung des WWF, nahm alsbald Kontakt zur Partei- und Fraktionsspitze der Grünen in Berlin auf.

Monatelang verhandelte ein kleiner Kreis um den neuen Präsidenten mit Grünen-Parteichef Robert Habeck und dem Vize-Chef der Grünen-Bundestagsfraktion Oliver Krischer über ein abgestimmtes Strategiepapier zum schnelleren Ausbau der Windenergie. Anfang Dezember 2020 meldete die „Süddeutsche Zeitung“ den ausgehandelten Schulterschluss zwischen der einflussreichen Umweltschutzorganisation und den Grünen. Deren erklärtes Ziel ist 100 Prozent „Ökostrom“ bis 2030.

Schulterschluss für Ökostrom

In einem vierseitigen Positionspapier „zur Beschleunigung eines naturverträglichen Ausbaus der Windenergie“ erläutern die Vertragspartner ihre Vorstellungen von einem „besseren Klimaschutz“ im Einklang mit dem Naturschutz. Dass fast nichts an diesen Plänen „Öko“ ist, empört zahllose NABU-Aktive im ganzen Land.

Auf seiner Internetseite wirbt der NABU visuell für eine zukünftige Normalität in den ländlichen Gegenden, wie sie den tonangebenden Parteifunktionären vorschwebt. Ein Foto zeigt eine von Hecken umsäumte Agrarlandschaft mit einem angrenzenden Windpark. 16 Windräder ragen hoch in den blauen Himmel auf. Die Atmosphäre ist friedlich. Bilder wie dieses können jedoch die tiefe Spaltung auf allen Ebenen des NABU mit seinen über 800.000 Mitgliedern nicht kaschieren.

Mit seinem Coup hat Krüger den Naturschutzverband ohne Rücksprache mit der Basis und ohne formellen Beschluss auf einen Kurs umgesteuert, der eine Zerreißprobe nach sich ziehen könnte. Mit den Grünen und der Energiewirtschaft fordert jetzt auch der NABU, zwei Prozent der Landfläche Deutschlands für den Bau von Windparks freizugeben. De facto liefe dies auf eine Verdopplung der jetzt schon mit Windkraftanlagen besetzten Fläche hinaus.

Da der Platz für neue Windräder immer knapper wird, kann ein Zubau von weiteren Anlagen auch in bereits belasteten Regionen ermöglicht werden, sofern diese als „Vorranggebiete“ ausgewiesen sind. Nach dem Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ sollen Bundesländer, die ihre Ziele übererfüllen, finanziell belohnt werden. Wer sie nicht erreicht, muss einen Ausgleich schaffen.

NABU droht Zerreißprobe

In dem Papier finden sich weitere Vorschläge, die auf eine erhebliche Stärkung der Windkraftinvestoren abzielen. Der stärkste Tabubruch aus Sicht der Kritiker: Lange Planungs- und Genehmigungsverfahren mit Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Belangen des Artenschutzes könnten in Zukunft verhindert werden, wenn für die Interessen der Windenergiewirtschaft der Ausnahmegrund der „öffentlichen Sicherheit“ angewendet wird.

Damit plädieren Grüne und NABU für die Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen vom Tötungsverbot. Nur Gegenden, in denen besonders viele windenergiesensible Vogelarten heimisch sind, sollen zu Ausschlussgebieten erklärt werden. Übrig bleibt von der behaupteten Aufwertung der Naturschutzbelange in dem Strategiepapier einzig der Ausschluss von weiteren Windparks in nicht dafür ausgewiesenen Flächen.

Bislang war der NABU eine der letzten großen Naturschutzorganisationen, die bei den zahllosen lokalen Konflikten wegen geplanter Windparks noch den Vogel- und Artenschutz ins Feld führte. Kein anderer Umweltverband klagte so häufig gegen die Windindustrie. Unterschätzt wurde von der NABU-Leitung der Widerstand von Tausenden mit Herzblut engagierten Mitgliedern vor Ort, aber auch von einigen Vorsitzenden einflussreicher Landesverbände. Nicht alle wollen namentlich zitiert werden.

Protest medial wenig beachtet

Von einem Kampf gegen den Vogelschutz ist die Rede. Statt ein Stoppschild gegen den Ausverkauf der Natur aufzurichten, der in den ländlichen Gegenden seit Jahren läuft, gebe nun nach Maßgabe der Bundesspitze auch der letzte Anwalt der Umwelt grünes Licht für immer mehr Windräder in den Gemeinden und weitere Rodungen in den Wäldern. Man werde sich „bis zum letzten Hemd gegen diese Nummer wehren“. Bezeichnenderweise wurde den Stimmen zorniger Aktiver gegen ein aus dem Ruder gelaufenes Verständnis von Klimaschutz lediglich von dem wenig bekannten Online-Magazin Riffreporter/Flugbegleiter Gehör verschafft, einer Genossenschaft von freien Journalisten.

Lob erntete die neue NABU dagegen vom Bundesverband Windenergie. Die Branche kann nun mit Rückendeckung des NABU gegen dessen eigene Mitglieder vorgehen, wenn sich diese mit Bürgerinitiativen vehement gegen Windparkprojekte in ihrer Region wehren.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion :

Dieser Aufsatz ist zuerst erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung;  19. Februar 2021, S.4; EIKE dankt der PAZ-Redaktion sowie der Autorin Dagmar Jestrzemski für die Gestattung der ungekürzten Übernahme, wie schon bei früheren Artikeln :   https://www.preussische-allgemeine.de/ ; Hervorhebungen im Text: EIKE-Redaktion.

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14 Kommentare

  1. Wir leben im Klima-hysterischen Irrenland mit einer ebensolchen Regierung. Man sollte nicht vergessen, wer uns den ganzen Irrsinn eingebrockt hat und noch weiter einbrockt. Ein irres Erfolgsmodell: Man verkünde den Klima-Weltuntergang und kassiere dafür…

  2. Der Wahnwitz ist doch bereits lange evident. 2020 laufen die ersten geförderten Anlagen aus der Förderung und was tut die Politik? Verlängert die Förderung. Einen klareren Beweis, daß Windkraft nicht zukunftsfähig ist, gibt es nicht. Man könnte auch argumentieren, daß die Politik gegen das Naturgesetz der Evolution verstößt. Das Bessere ist des guten Feind, es setzt sich nur das durch, was erfolgreicher, sprich effizienter oder effektiver ist. PV und Windkraft sind per se nicht überlebensfähig, das zeigt die Verlängerung der Förderung. Wahnsinn ist immer das Gleiche zu tun, aber andere Ergebnisse zu erwarten. (Einstein)

  3. „Im November 2019 rückte Jörg-Andreas Krüger (52) als Nachfolger von Olaf Tschimpke (63) an die Spitze des Naturschutzbunds Deutschland (NABU).“  Krüger ist doch nicht durch „unbefleckte Geburt“ auf diesen Posten gekommen. Wer hat ihn gewählt? Was hat er versprochen? Kann man ihn wieder abwählen? 

  4.  Der „NABU“ muss als höchst fragwürdige Institution eingeschätzt werden! Ausgerechnet diese, mit der Windkraft sympathisierende Organisation, fordert einen zweimal jährlich auf (per E-Mail), die Vögel im eigenen Garten zu zählen. Zynischer geht es kaum noch! Ich habe mittlerweile meine E-Mail-Adresse im Verzeichnis dieses Portals löschen lassen!

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    • Der seit Jahren anhaltende Konflikt zwischen großen Teilen der Nabu-Basis und den klimaverrückten und Windenergie-affinen Spitzen des Nabu zeigt, dass die Pauschaleinschätzung „Gesindel“ falsch ist. Viele Naturschützer (nicht nur im Nabu) sind ehrenamtlich engagiert und verfügen über viel Sachkenntnis. Doch je höher die Ebene bei den Grünen ist, desto dümmer und gewissenloser ist sie. Anstatt alle Nabu-Leute zu beschimpfen, ist Aufklärung gefragt und kritische Unterstützung der Basis gegen die Spitzen.

      • Der Fisch stinkt vom Kopf her, das sehen wir auch in der Politik.

        Entscheidend ist, ob und wie viele der 720.000 (!) Mitglieder Konsequenzen ziehen.

        Ich behaupte mal so gut wie keiner…

        • Trotzdem besteht der Fisch nicht nur aus dem Kopf. Damit Konsequenzen gezogen werden können, ist machmal Hilfe nötig . Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, Klimahysteriker von ihren Irrtümern abzubringen. Die Methode des Beschimpfens habe ich aber nicht verwendet.

          • Mit dieser sehr guten Einstellung sind sie leider bei Herrn Keks an der falschen Adresse.

            Ein interessanter Ansatz, den ich irgendwo, vielleicht sogar hier gelesen habe, ist, das wenn man die Politik einer Partei nicht mag, dieser beitreten sollte, um sie zu ändern.

            Mit anderen Worten man muss politisch aktiv werden, sonst überlässt man das Feld Leuten, dessen Meinung oder Politik man eben nicht mag.

            Da tun sich Langzeitforisten etwas schwer mit, weil allgemeines Beleidigen viel einfacher ist, aber nachgewiesen falsch.

          • „Mit anderen Worten man muss politisch aktiv werden“

             

            Richtig!

            Daneben gibt es aber so was wie Lebenserfahrung:

            Die sagt mir daß bestimmte Organisationen, sobald ein bestimmter Grad der Versiffung erreicht ist, nicht mehr umzubiegen sind. Daher Ausstieg und Eintritt/Gründung einer anderen Organisation.

  5. Was ist eigentlich an einem privaten Verein, der reicher Großgrundbesitzer in Deutschland  ist und der die Windstromindustrie gemeinsam mit der Grünenpartei vom Artenschutz befreien will, noch Gemeinnützig? 

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