Deutschland – ein Wintermärchen

Prosit Winter: Wenn’s in diesen vermurksten Corona-Zeiten sonst nix zu feiern gibt, dann wenigstens ein Hoch auf den Schnee. Foto: Stefan Kämpfe

Stefan Kämpfe
Die lang vermisste „vierte Jahreszeit“ ist in Deutschland angekommen – hier folgen ein paar Anmerkungen zum Winter in Deutschland und in Eurasien.
Anders als im Vorwinter, konnten sich im Januar 2021 Kälte und Schnee zeitweise bis in tiefere Lagen durchsetzen. Edel-Katastrophisten wie Hans Joachim Schellnhuber oder Mojib Latif hatten uns zur Jahrtausendwende zwar das baldige Ende von Schnee und Kälte angedroht – aber eine knappe Generation später gibt es sie doch noch. Um Missverständnissen vorzubeugen – ja, Deutschland erwärmte sich insgesamt in den letzten etwa 150 Jahren, was verschiedenste Ursachen jenseits der CO2-Hysterie hatte. Doch der Winter erwies sich in den letzten gut drei Jahrzehnten fast als Erwärmungsverweigerer, und diese Tendenz scheint sich mit dem aktuellen, insgesamt (noch) recht milden Winter 2020/21 auch fortzusetzen. Im Folgenden ein paar Anmerkungen zum Winter.

Ab 2021 gilt eine neue Klima-Normalperiode, die von 1991 bis 2020

Auch wenn es Klima-Erwärmungsgläubigen schwerfällt – ab sofort wird auf Beschluss der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die alte, kalte und schon reichlich angestaubte Normalperiode von 1991 bis 1990 durch die aktuelle, wärmere von 1991 bis 2020 ersetzt. Das hat Konsequenzen – künftig liegt die Messlatte für warme Jahre und Jahreszeiten viel höher. Für den Winter im Deutschland-Mittel bedeutet es Folgendes: Von 1961 bis 1990 (Abkühlungsphase) betrug das Vergleichs-Wintermittel +0,3°C, von 1981 bis 2010 +0,9°C, 1991 bis 2020 aber +1,4°C. Betrachtet man nun aber die Entwicklung der Winter-Temperaturen im Deutschland-Mittel seit dem „Klimasprung“ von 1987/88, als es letztmalig plötzlich im Winter merklich wärmer wurde, so zeigt sich fast Stagnation; die weitere Erwärmung war gering und nicht signifikant. Der aktuelle Winter wurde dabei vom Verfasser dieses Beitrages eher optimistisch auf +2,0°C geschätzt, diese muss er erst einmal erreichen:

Abbildung 1: Seit Anfang 1987/88 erwärmte sich der Winter in Deutschland kaum noch; auch der aktuelle, recht milde wird wohl etwas kühler ausfallen, als die Winter von 1988 bis 1990. Der extrem milde Rekordwinter von 2006/07 mit fast +4,4°C liegt nun auch schon fast anderthalb Jahrzehnte zurück.

Immer weniger Arktisches Meereis im Winter?

Auch den flächen- und volumenmäßigen Rückgang des arktischen Meereises bestreitet niemand, doch sieht dieser weitaus dramatischer aus, als er tatsächlich ist, denn eine quantitative, kontinuierliche, relativ zuverlässige Erfassung war erst mit der Weiterentwicklung der Satelliten-Technik ab dem Jahre 1979 möglich – aber damals war gerade der Höhepunkt einer Abkühlungsphase erreicht; es wurden schon Wetten abgeschlossen, ob man bald über das Eis von Grönland nach Island laufen könne – und es kam dann ganz anders: Wegen der um 1990 einsetzenden AMO-Warmphase wurde viel Wärme in die Arktis eingetragen; das Eis zog sich zurück. Allerdings gab es derartige Rückzugsperioden auch schon während der AMO-Warmphase um 1930, und wie hätten die Wikinger im frühen Mittelalter Island, Grönland und Neufundland erreichen können, wenn es damals viel Eis gegeben hätte? So zeigt sich auch die aktuelle, winterliche Entwicklung der Meereisbedeckung nur leicht unterdurchschnittlich und keineswegs dramatisch:

Abbildung 2: Flächenentwicklung des Arktischen Meereises bis zum 4. Januar 2021 (hellblaue Linie). Noch im Oktober gab es, gemessen am Mittelwert von 1981 bis 2010, viel zu wenig Eis, doch in den vergangenen 10 Wochen verringerte sich dieses Defizit merklich. Bildquelle

Mehr Schneebedeckung in Eurasien?

In den vergangenen zwei Wintern hatten Schneefans in Mitteleuropa wenig Freude; die „weiße Pracht“ war, wenn überhaupt, nur im höheren Bergland zu bewundern. Doch Europa ist nur das bedeutungslose Anhängsel des Riesen-Kontinents Eurasien. Betrachtet man dessen Ausdehnung der Schneebedeckung zu verschiedenen Jahreszeiten, so zeigt sich folgendes Bild:

Abbildung 3: Seit 1978, dem Beginn der regelmäßigen Erfassung, hat sich die von Schnee bedeckte Fläche in Eurasien im Herbst deutlich und im Winter leicht vergrößert; im Frühling nahm sie, vermutlich durch längere und intensivere Besonnung, ab.

Beeinflusst die AMO die Wintertemperaturen in Deutschland?

Die Atlantische Multidekaden-Oszillation (Abkürzung AMO; engl. atlantic multidecadal oscillation) ist die Bezeichnung für eine zyklisch auftretende Zirkulationsschwankung der Ozeanströmungen im Nordatlantik. Sie bringt eine Veränderung der Meeresoberflächentemperaturen des gesamten nordatlantischen Beckens mit sich, wodurch Einfluss auf die Atmosphäre ausgeübt wird. Gegenwärtig befinden wir uns in einer AMO-Warmphase, die um 1990 begann und möglicherweise bald enden wird. Doch während für die Jahreszeiten Sommer und Herbst sowie für den April eindeutige, positive Einflüsse bestehen (in AMO-Warmphasen sind diese in Deutschland tendenziell wärmer), konnten für den Winter keine eindeutigen Zusammenhänge gefunden werden:

Abbildung 4: Fast Gleichlauf zwischen der schwarzen Kurve (NAO) und der violetten (Westlagen-Häufigkeit) im meteorologischen Winter. Deren langfristige Entwicklung erklärt recht gut die Entwicklung der Deutschen Wintertemperaturen (hellblau). Zur grünen Kurve (AMO) besteht mit r= 0,146 nur ein geringer, nicht signifikanter positiver Zusammenhang. Weil die vier Größen sehr unterschiedliche Werte haben, wurden sie zur besseren Veranschaulichung in einer Grafik in Indexwerte umgerechnet.

Tendenziell treten in AMO-Phasen mehr Süd- und Südwestlagen auf; doch bringen gerade Südlagen im Winter nicht immer deutlich übernormale Temperaturen. Trotzdem könnte es bei sehr hohen AMO-Werten, wie gegenwärtig, im Einzelfall zu verstärkten, gebietsweisen Warmluft-Einbrüchen im Winter kommen. Der sehr milde Dezember 2020, in dem Westlagen aber eher selten waren, deutet in diese Richtung. Er wies am Monatsanfang und am Monatsende zwei markante Troglagen über West- und Mitteleuropa auf. Dabei standen sich zeitweise ein Tief über dem südlichen Mitteleuropa und ein Russland-Hoch gegenüber; zwischen beiden strömte über Westpolen extrem milde Mittelmeer-Luft nordwärts, während in West-und Mitteleuropa sonst nasskaltes Wetter mit gebietsweisen Schneefällen in den Mittelgebirgen und extrem starken Schneefällen in den Alpen herrschte:

Abbildung 5: Winterlicher, räumlich eng begrenzter Warmlufteinbruch über den Balkan, Böhmen und Westpolen am 6. Dezember 2020. Dort wurden noch abends zweistellige Plusgrade gemessen, während es über Südrussland schon frostig kalt und in Mittel- und Westeuropa nasskalt war. Bildquelle

Winter und Energiewende – das passt nicht gut zusammen

Der Dezember 2020 zeichnete sich, ganz anders als seine beiden Vorgänger, durch viele Flauten aus; auch die Sonnenscheindauer blieb gering:

Abbildung 6: Während die Solarenergie im Dezember 2020 praktisch keinen nennenswerten Strom lieferte, war auch Windstrom bis zur Monatsmitte und am Monatsende Mangelware. Braun- und Steinkohle, Kernkraft und zunehmend Erdgas verhinderten, dass in Deutschland die Lichter ausgingen.

Und in den ersten Januartagen sah es für die „Erneuerbaren“ Energien auch alles andere als rosig aus:

Abbildung 7: Fehlstart der „Erneuerbaren“ bis zum 5. Januar 2021: An den ersten zwei Januartagen kaum Wind, auch danach unterdurchschnittliche Windausbeute. Und die Sonne lieferte praktisch Nichts – zum Glück gibt es (noch) Kohle- und Kernkraftwerke; bei deren Abschaltung werden wir wohl künftige Winter in Kälte und Dunkelheit verbringen müssen.

Im Winter steigt der Stromverbrauch tendenziell an, weil mehr Licht benötigt und die meisten Heizungsanlagen zwar mit Erdgas oder Öl befeuert, aber mit Strom gesteuert werden. Anders als in den übrigen Jahreszeiten, nahm im Winter die Anzahl der unbestimmten, schwachwindigen XX-Lagen nur geringfügig zu; dennoch sind die Produktionsergebnisse des Windstroms trotz weiteren Ausbaus gerade der Offshore-Anlagen unbefriedigend. Sollte sich der Trend zu mehr schwachwindigen Wetterlagen künftig auch im Winter beschleunigen, was durchaus zu erwarten ist, so dürfte das endgültige Scheitern der Energiewende nicht mehr zu verhindern sein.

Zusammengestellt von Stefan Kämpfe, unabhängiger Klimaforscher, am 05. 01. 2021

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12 Kommentare

  1. Hallo Herr Kämpfe,wie ist denn jetzt das zu erklären?

    +++ 14.18 Uhr: 2020 stellt Wärmerekord auf der Zugspitze ein +++Das Jahr 2020 hat auf Deutschlands höchstem Berg den bisherigen Wärmerekord eingestellt. Wie die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus mitteilte, lag die Durchschnittstemperatur auf der 2962 Meter hohen Zugspitze im vergangenen Jahr 2,1 Grad über dem langjährigen Mittelwert. „Betrachtet man das gesamte vergangene Jahr, so lässt sich feststellen, dass innerhalb des 120 Jahre langem Messzeitraumes das Jahr 2020 zusammen mit dem Jahr 2011 das wärmste überhaupt war“, erklärte Inga Beck von der Forschungsstation. In dem bisherigen Wärmerekordjahr 2011 sei bereits einmal der Mittelwert um 2,1 Grad überschritten worden. Der Deutsche Wetterdienst zeichnet auf der Zugspitze seit dem Jahr 1900 die Temperaturdaten auf. Der Spitzenwert 2020 war 15 Grad Celsius am 6. August, der historische Sommerhöchstwert wurde mit 17,9 Grad im Juli 1957 gemessen.

    • Deswegen wird gerade ein Gesetz vorbereitet, dass den zwangsläufigen und willentlich herbeigeführten Strommangel zur Tugend erklärt und für Massenabschaltungen von Stromverbrauchern die gesetzliche Grundlage legen soll.Nur heißt das dort beschönigend „Spitzenglättung“.

    • Tja so ist es: Je mehr von dem irren Flatterstrom, der mit gigantischem Landschafts- und Umweltruin einher geht, desto größer die grüne Begeisterung! Aber bei Grünen darf man keinerlei Restspuren von Denkvermögen erwarten. Der ohnehin geringe Verstand wurde nahtlos durch grüne Scheuklappen-Ideologie ersetzt – das ist die Tragik der deutschen Gegenwart. Jedes Zeitalter war schon immer von irgendeinem Irrsinn geplagt, der das Land ruinierte – eine gesicherte deutsche Gesetzmäßigkeit. Und heute ist es der grüne Klima-Irrsinn! Am deutschen Wesen… Oder in Grün-Sprech: Wir sind die „Vorreiter“… 

    • „Und wie ist der Trend bei der Windkraft? … 2002 nur ca. 16TWh und 2020 ca. 132TWh Strom aus der Windenergie.“

      Sehr geehrter Herr Frank,

      Sie sind offenbar auch ein begnadeter Demagoge; bewerben Sie sich doch mal bei ARD oder ZDF. 2002 standen in Deutschland nur etwa 11.000 Windräder, davon viele kleinere, und Off-Shore- Anlagen gab es gar nicht. Heuer haben wir gut 30.000, oft viel größere WKA – da musste die erzeugte Strommenge natürlich stark steigen. Und die angeblich so tollen 132 TWh sagen gar nix darüber, ob der Strom bedarfsgerecht produziert wurde – von den gigantischen Umwelt- und Flurschäden (Insekten-, Fledermaus- und Vogelsterben, Landschaftszerstörung) mal abgesehen… .

  2. Die Stromimporte steigen in Deutschland auch wieder, da EE nicht liefern und AKWs und Kohle vom Netz genommen werden. Vor allem Atomstrom aus Frankreich wird importiert und der EE-Strom nach Österreich verklappt und dort die Wasserspeicher billig befüllt und der Strom dann teuer bei Dunkelflaute verkauft. 

  3. “ Sollte sich der Trend zu mehr schwachwindigen Wetterlagen künftig auch im Winter beschleunigen, was durchaus zu erwarten ist, so dürfte das endgültige Scheitern der Energiewende nicht mehr zu verhindern sein.“———————-Das Scheitern können wir noch verkraften, wir Menschen können ja einiges verkraften, siehe Coronapolitik!Aber ob wir die Folgen eines Black Outs so einfach verkraften werden, wage ich zu bezweifeln – es wäre an der Zeit, diese grauenvollen Folgen endlich zu thematisieren!!!Wenn in eienem Hochindustrieland wie Deutschland, der Strom über mehrere Wochen ausfält, wird die Anarchie siegen – dann geht es ums nackte Überleben – Glasscheibenzertrümmerung in großen Ausmaß – THE hin oder her!Was würden wir wohl in diesen Zeiten erleben, wenn plötzlich der Strom ausfällt???

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