Woher kommt der Strom? Sonnenstromerzeugung nicht befriedigend für Hochsommer

Nachdem Tierrechtler gegen die Stromerzeugung mittels unseres Teddyhamsters Crecita protestierten, haben wir wieder auf Netzversorgung im Büro umgestellt. Daher nur ein Symbolbild: Ein Hamster-Kraftwerk. Deutschlands Zukunft? Th. Reinhardt / pixelio.de, Hamster im Rad

von Rüdiger Stobbe

An drei Tagen der 34. Woche war die Windstromerzeugung – unerwartet? – schwach. Die Sonnenstromerzeugung war auch nicht befriedigend für Hochsommerzeiten. Die Folge waren zum Teil sehr hohe Preise, die Deutschland für den Import fehlenden Stroms an seine Nachbarn bezahlen musste. Dafür waren die Exportpreise über die Mittagsspitze, wenn Deutschland einen Stromüberschuss erzeugte, niedrig. Was unsere Nachbarn gerne zu rentablen Preisdifferenzgeschäften nutzen.

An drei Tagen der 34. Woche (Abbildung, bitte unbedingt anklicken, es öffnen sich alle Abbildungen und mehr) war die Windstromerzeugung – unerwartet? – schwach. Die Sonnenstromerzeugung war auch nicht befriedigend für Hochsommerzeiten. Die Folge waren zum Teil sehr hohe Preise (Abbildung 1), die Deutschland für den Import fehlenden Stroms an seine Nachbarn bezahlen musste. Dafür waren die Exportpreise über die Mittagsspitze, wenn Deutschland einen Stromüberschuss erzeugte, niedrig. Was unsere Nachbarn gerne zu rentablen Preisdifferenzgeschäften nutzen (Abbildung 2).

Der Überschuss ist kein rein regenerativ erzeugter Strom. Der Überschuss besteht unter dem Strich immer aus dem Strommix, den Deutschland insgesamt erzeugt. Einen echten, rein mittels erneuerbarer Energieträger erzeugten Stromüberschuss hat es in Deutschland noch nicht einmal für eine einzige Stunde gegeben. Auch Windräder werden manchmal abgeschaltet. Auch wenn dem nicht so wäre, würde der Strom nicht reichen (Abbildung 3).

Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart finden Sie unter Abbildung 4. Unter Abbildung 5 sind die Im- und Exportdaten des aufgelaufenen Jahres 2020 und der 34. Woche abgelegt.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 16.8.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 47,32 Prozent, davon Windstrom 11,61 Prozent, Sonnenstrom 22,32 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,39 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Strompreise des heutigen Tages liegen zwischen 20 und 40 €/MWh. Bemerkenswert ist, dass die Niederlande und auch Frankreich über Tag günstig Strom an Deutschland verkaufen, um ihn am Abend relativ teuer einzukaufen. Die Schweiz und Österreich hingegen, machen es – wie immer – umgekehrt.

Montag, 17.8.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 36,29 Prozent, davon Windstrom 9,68 Prozent, Sonnenstrom 13,71 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,90 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute beginnt die dreitägige Windstromflaute, kombiniert mit recht geringer Sonnenstromerzeugung. Am Morgen kann Deutschland den fehlenden Strom noch zum Preis von um die 40 €/MWh zukaufen. Am Abend müssen hingegen über 60 €/MWh hingelegt werden. Vor allem die Schweiz und Frankreich liefern den fehlenden Strom. Österreich macht kluge Preisdifferenzgeschäfte.

Dienstag, 18.8.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 34,29 Prozentdavon Windstrom 6,40 Prozent, Sonnenstrom 15,20 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,80 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Ein ähnliches Bild wie gestern. Allerdings muss Deutschland am Morgen und am Abend in der Spitze weit über 50 €/MWh für den Stromimport bezahlen. Als über Mittag etwas Stromüberschuss erzeugt wird, fällt der Preis. Österreich profitiert.

Mittwoch, 19.8.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung Über WordPress 36,22 Prozentdavon Windstrom 4,72 Prozent, Sonnenstrom 18,90 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,6 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Tag 3 der Flaute.

Auch heute werden morgens und abends wieder Spitzenpreise aufgerufen. Nur in der Nacht bis 5:00 Uhr ist der Strompreis verhältnismäßig moderat. Die Nachfrage ist insgesamt gering. Wer profitiert von der Preisachterbahn? Zum Abend deutet sich das Ende der Windstromflaute an.

Donnerstag, 20.8.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 43,28 Prozent, davon Windstrom 14,93 Prozent, Sonnenstrom 16,42 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,94 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

In der Tat. In der Nacht zum Donnerstag zieht die Windstromerzeugung an. Um über Tag wieder abzusinken. Doch in der Nacht zum Freitag erholt sich die Windstromerzeugung nachhaltig. Bevor es allerdings soweit ist, zahlt Deutschland für den am Abend fehlenden Strom noch fast 64 €/MWh. Das macht um 19:00 Uhr gut 458.000 €. Wäre es da nicht wirtschaftlicher, den Strom selber zu erzeugen?

Freitag, 21.8.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 53,33 Prozent, davon Windstrom 26,67 Prozent, Sonnenstrom 15,56 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,11 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute pendelt sich das Preisniveau zwischen 20 und gut 40 €/MWh ein. Verkaufter Strom ist günstig, eingekaufter Strom ist teuer. Ausnahme: Frühmorgens. Die Niederlande exportieren annähernd den kompletten Tag Strom nach Deutschland.

Samstag, 22.8.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 60,33 Prozent, davon Windstrom 36,36 Prozent, Sonnenstrom 11,57 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,40 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der Einstieg ins Wochenende bringt richtig viel Windstrom. Die Strompreise fallen mit etwas über 4 €/MWh über Mittag Richtung Null-Linie. Werden sie am Sonntag negativ werden? Ja sicher! Mit Tief Kirsten wird es nächste Woche richtig knackig, was die volatile Stromerzeugung anbelangt. Es kommt zu einem echten Windstrombuckel. Und mit 90 €/MWh wird ein echter Spitzenpreis fällig. Für wen? Nächste Woche mehr dazu.

Obwohl bei richtig viel Wind- und Sonnenstrom die Strompreise regelmäßig in den Keller oder tiefer gehen, soll die Stromerzeugung mittels Windkraft und Photovoltaik weiter ausgebaut werden. Geld spielt offensichtlich keine Rolle. Es ist schließlich nicht das eigene. Geplant ist ein „Investitionsbeschleunigungsgesetz“ in Sachen Windkraftanlagen. Was das bedeutet, beschreibt Achgut-Gastautor Justus Lex in diesem Achgut.com Beitrag.

Ordnen Sie Deutschlands CO2-Ausstoß in den Weltmaßstab ein. Zum interaktiven CO2-Rechner: Hier klicken. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

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11 Kommentare

  1. Jetzt schon wird der Sonnenpeak jeden Tag in den Export verschenkt:
    https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/05.08.2020/05.09.2020/
    Aber der Irrsinn ist ja noch steigerungsfähig, so konnte man letzte Woche lesen dass die installierte PV-Leistung bis 2030 verdoppelt werden solle. Was die Versorgungssicherheit nicht verbessert, im Gegenteil, und den Mittagspeak nur noch weiter in’s Absurde ansteigen lässt. Dumm, dümmer, öko. Wir schaffen das.

  2. Unser Industriestandort wird konsequent gegen die Wand gefahren, ein weiteres Opfer der kropfunnötigen Energiewende, Gute Nacht Deutschland.

    https://www.rosswein.de/2020/09/04/schwarzer-tag-fuer-rosswein/

    Die politische Neuausrichtung der Antriebstechniken in der Automobilindustrie hat dabei schnelleren Einfluss auf die bisherige Produktionspalette des Schmiedestandortes in Roßwein genommen, als anfangs kalkuliert. Des Weiteren habe der coronabedingte Produktionsstillstand von knapp zwei Monaten dazu geführt, dass der Umsatz von 140 Mio. € auf 67 Mio. € gesunken sei. Damit wäre die Rentabilität des Unternehmens kurz- und langfristig nicht mehr gegeben und würde zu einer Insolvenz der gesamten Frauenthal Powertrain GmbH führen.

    Empört und fassungslos wurde die Nachricht von den ca. 100 Angestellten des Schmiedewerkes aufgenommen und stellt für viele Familien nun den Supergau dar.

    • @heinz otter

      Das ist noch gar nix. Sagen Sie nur: ein weiteres Schmiedewerk geht den Bach hinunter. Besser ohne den Vorgang zu werten.

      Die wirklich klugen Fragen kämen jetzt: Interessant wäre zu erfahren, wie die Leitung zur Klimalüge stünde. Wie die Angestellten immer gewählt haben. Denn, es könnte alles noch sehr viel schlimmer sein. Hoffentlich hat von den Betroffenen jetzt jeder wirklich kapiert. Aber, wahrscheinich wählen diese Leute ihre eigenen Henker weiter.

      Und Hilfe seitens der Gewerkschaften? Das sind die Dümmsten, die größten Verräter, überhaupt. Verlogener geht kaum. Inkompetent, aber immer eine große Klappe.

      Ein kluges Management hätte all diese Entwicklung längst kommen sehen müssen.

    • Ihr Hinweis auf die Rossweiner Schmiede scheint es nicht mal in die Lokalpresse („Freie Presse“) geschafft zu haben. Habs jedenfalls nicht gelesen. Daran sieht man den Stellenwert der Industrie in den Augen der Medien und kann auch das Interesse der Politik daran ablesen.
      Derweil suchen Zeitarbeitsfirmen in Plettenberg (Stammsitz) Mitarbeiter…

    • @Heinz Notter: Für die Betroffenen (Existenzgrundlage) aber auch die ganze Stadt (Gewerbesteuer, Kaufkraft) ist das natürlich ein schwerer Schlag. Es geht aber auch langjähriges Spezialwissen verloren. Leider werden solche Meldungen aus der Automobilindustrie und insbesondere von spezialisierten Zulieferern vermehrt kommen. Und die Politik hat daran maßgeblichen Anteil (Verkehrswende, Corona Lock-down).

  3. Das Beste ist immer, wenn der teure Solarzellen- und Windmühlenstrom gar nicht erzeugt wird. Und was den Importstrom betrifft, so ist der billiger, viel billiger als der teure umweltschädliche Solar- und Windmühlenstrom.

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