Warum der „grüner-Wasserstoff“-Hype in Europa wahrschein­lich ein Flop wird

Der Report von John Constable (Link siehe unten!)

John Constable, Global Warming Policy Forum
Die Europäische Kommission wird demnächst ihre neue Wasserstoff-Strategie vorstellen. Mit dem Versickern der Erneuerbaren im thermodynamischen Sand heben verzweifelte Null-Emissions-Befürworter Wasserstoff als die Lösung aller Probleme der EU-Agenda grüner Energie auf den Schild.

Wasserstoff ist gefährlich; Wasserstoff ist sicher; Wasserstoff ist billig; Wasserstoff ist sehr teuer; Wasserstoff ist ein alter Hut; Wasserstoff ist die Zukunft. Wasserstoff ist… alles für alle Menschen, und jede dieser widersprüchlichen Behauptungen ist aus irgendeiner Perspektive mehr oder weniger wahr. Was auch immer Wasserstoff ist, es ist ein sehr starkes Gas und sorgt für den perfekten klimapolitischen Fußball. In der Tat wird das eigentliche Versprechen von Wasserstoff schnell zum Opfer einer verfehlten grünen Politik.

Da die erneuerbaren Energien weltweit im thermodynamischen Sand versickern, vertuschen verzweifelte Befürworter ihre katastrophal schlechten Ratschläge, indem sie noch ehrgeizigere Netto-Null-Emissionsziele fordern. Um diese extremen Forderungen plausibel erscheinen zu lassen, wird Wasserstoff als Energieträger für jene Sektoren angeführt, in denen es am schwierigsten ist, den Anschein einer Dekarbonisierung zu erwecken.

Das Vereinigte Königreich ist ein gutes Beispiel für den im Entstehen begriffenen europäischen Ansatz. Das Vereinigte Königreich plant, zur Stromerzeugung Wasserstoff statt Erdgas zu verbrennen, um das instabile Wind- und Solarsystem auszugleichen und zu sichern, das durch Subventionen in Höhe von 12 Milliarden Dollar pro Jahr geschaffen wurde. Wasserstoff wird Dieselkraftstoff für landwirtschaftliche Zugmaschinen und Lastwagen ersetzen und fast die gesamte industrielle Prozesswärme liefern. In Ammoniak umgewandelt, wird Wasserstoff Bunkertreibstoffe für den Schiffsverkehr ersetzen. Und um sicherzustellen, dass Privathaushalte nicht auf elektrische Widerstandsheizungen zurückgreifen, wenn ihre Boden- und Luftwärmepumpen an den kältesten Tagen des Jahres ausfallen, wird jedes Haus mit einem mit Wasserstoff betriebenen Reservekessel ausgestattet.

Für Klimapolitiker, die unter Net Zero-Kopfschmerzen leiden, ist Wasserstoff das universelle Aspirin. Nehmen Sie so viele, wie Sie brauchen, und legen Sie sich in einen abgedunkelten Raum, bis der Nachrichtenzyklus weitergeht.

Aber diese verzweifelte, gesichtswahrende Eile bedeutet, dass Wasserstoff durch zwei relativ unkomplizierte Verfahren der Rohstoffproduktion erzeugt werden muss, nämlich durch die Elektrolyse von Wasser und die chemische Umwandlung von Erdgas unter Verwendung von Dampf (Steam Methane Reforming SMR). Beide Verfahren sind akzeptabel, wenn Wasserstoff für Nischen- und nicht-energetische Zwecke benötigt wird, aber es ist schlichtweg töricht, vorzuschlagen, sie für die Herstellung von Wasserstoff als allgemeinem Energieträger einzusetzen. Es gibt vier Hauptnachteile.

Erstens werden die Kosten gigantisch sein. Dampfmethan-Reformer und Elektrolyse-Apparate sind teuer in Bau und Betrieb, und letztere haben zumindest keine lange Lebensdauer, was einen kurzen Kapitalauffrischungszyklus bedeutet. Hinzu kommen der Austausch von Endumwandlungsgeräten und die Einrichtung einer Wasserstoffinfrastruktur, von Pipelines und Speichersystemen, die von Tanks bis zu Salzkavernen reichen.

Zweitens kann Wasserstoff aus Elektrolyse und SMR aufgrund von Umwandlungs- und Speicherverlusten prinzipiell nie wirtschaftlich mit den eigenen Einsatzbrennstoffen konkurrieren. Der Verbraucher wird immer besser bedient sein, wenn Strom und Erdgas direkt genutzt werden. Folglich wird es erhebliche Wettbewerbsvorteile für Volkswirtschaften geben, die sich nicht selbst mit Wasserstoff Hindernisse in den Weg legen.

Drittens werden bei SMR große Mengen Kohlendioxid freigesetzt, wodurch jedes Netto-Null-Ziel gefährdet wird, es sei denn, die SMRs sind mit einer Kohlenstoffabscheidung und -sequestrierung (CCS) ausgestattet, was teuer und derzeit in großem Maßstab nicht verfügbar ist. Was der aktuelle Hype um Wasserstoff zeigt ist, dass die globalen Netto-Null-Ziele in der Tat entscheidend von Methan abhängen – Großbritannien plant, 80% seiner jährlichen 270 TWh Wasserstoff aus KMRs zu gewinnen – und daher ein Risiko für die Kohlenstoffabscheidung darstellen. Aber wenn CCS rentabel wird, was möglich ist, wird es effektiver sein, das Methan direkt in Gas- und Dampfturbinen mit CCS zu nutzen und den Verbraucher mit Elektrizität zu versorgen, und es gäbe keinen Grund, Wasserstoff herzustellen, mit all den damit verbundenen Kosten, Problemen und Gefahren.

Schließlich werden bei der Herstellung von Wasserstoff sowohl durch Elektrolyse als auch durch SMR große Mengen sauberen, frischen Wassers verbraucht. Das derzeitige Wasserstoffziel Großbritanniens würde den nationalen Wasserverbrauch um 1 bis 2 Prozent erhöhen, und das zu einer Zeit, in der klimapolitische Berater selbst eine eingeschränkte Frischwasserversorgung vorhersagen, mit Defiziten in einem Viertel der Ressourcenzonen des Landes gegen Mitte des Jahrhunderts.

Dies ist eindeutig schlechter Wasserstoff. Gibt es einen guten Wasserstoff? Vielleicht. Bereits Anfang der 70er Jahre überzeugte der Physiker Cesare Marchetti, damals EURATOM, die japanische Regierung, dass Wasserstoff eine Zukunft als universeller Energieträger haben könnte, wenn er aus einer sehr hochwertigen Energiequelle, wie z.B. Hochtemperatur-Kernreaktoren, und durch die thermische Zersetzung von Meerwasser in Gegenwart eines geeigneten Katalysators erzeugt wird. Japan arbeitet weiterhin in aller Stille daran. Aber die nuklearen und chemisch-technischen Probleme sind von erster Ordnung, und Ergebnisse werden nicht schnell kommen. Aber zumindest hat das Konzept eine authentische physikalische Perspektive.

Tatsächlich ist es vielleicht die einzige Zukunft ohne fossile Energieträger, die auch das menschliche Wohlergehen bewahrt. Diejenigen, die diese Zukunft gefährden, indem sie eine rasche und suboptimale Einführung des Wasserstoffs erzwingen, um die derzeitige, von Fehlkonstruktionen geprägte Farce der erneuerbaren Energien zu verlängern, sollten sich schämen, ihren Kopf hängen zu lassen.

Weitere Informationen über Kosten, Nutzen und Grenzen von Wasserstoff finden Sie im neuen Bericht von John Constable Hydrogen: The Once And Future Fuel (pdf).

Link: https://www.thegwpf.com/europes-green-hydrogen-hype-is-likely-to-flop/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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17 Kommentare

  1. „Warum der „grüner-Wasserstoff“-Hype in Europa wahrschein­lich ein Flop wird“

    Was heißt hier „wahrschein­lich“???

  2. Eine Lambdasonde ist eine einfache galvanische Zelle, die Elektroenergie aus der Potentialdifferenz zwischen einem sauerstoffreichen Gas (Luft) und einem sauerstoffarmen Gas (Rauchgas) mit Hilfe eines sauerstoffionenleitenden Festelektrolyten gewinnt. Die Potentialdifferenz, d.h. der Energiegewinn, kann durch den Einsatz von Stickstoff und Sauerstoff gesteigert werden. Kehrt man das Prinzip der Lambdasonde um und steckt elektrische Energie und Luft hinein, produziert solch eine Zelle reinen Sauerstoff und Stickstoff bleibt übrig. Die Gase sind im Vergleich zu Wasserstoff einfach handhabbar. Der Rohstoff steht überall kostenlos zur Verfügung und muss nicht einmal vorbehandelt werden, so dass eine Anlage entsprechend der Idee ein echter Akkumulator wäre. Alle anderen Techniken, die zum Betrieb einer solchen Anlage notwendig wären, sind vorhanden. Die Verwirklichung und großtechnische Anwendung der Idee würde die Wasserstofftechnologie wirklich zu einer Nischentechnologie degradieren, könnte aber zu meinem Leidwesen eine Stütze grüner Phantasien sein.

  3. Also ich bin für eine Kombination aus Atomkraft, Erneuerbaren und Wasserstoff.

    Wobei ich gerne auch mehrere Atomkraftwerke im BN-2000 Style gebaut sehen möchte um a) Strom zu erzeugen und um b) den langlebigen Abfall zu vermindern.

    Die Windkraft würde ich gerne als Energie für die Herstellung von Wasserstoff für den Verkehr mit benutzen.

    Sonnenkraft würde ich gerne als lokale Energiequelle auf allen Dächern sehen welche dann die Energie liefern, welche im Keller dann in Wasserstoff umgewandelt wird und so die Energie speichern und dann als Strom/Heizleistung wieder abgeben kann. Dieses Prinzip gibt es ja schon lange, wird aber inzwischen durch Weiterentwicklung der Elektrolyse, z.B. AEM Elektrolyse, immer billiger – und besser. Damit hat dann jedes Haus seinen eigenen All-Inklusive Strom/Heizung/Warmwasser-Generator im Haus und brauch nur noch ergänzend Strom aus dem öffentlichen Stromnetz.

    Ja, Kernspaltung, Erneuerbare und Wasserstoff ist der richtige Mix. Bis dann endlich die Kernfusion läuft, welche ja auch im Moment auch auf Wasserstoff basiert…

      • Ach, Herr Heinzow. Sie wissen es mit Sicherheit nicht wenn ich ihre oberflächliche Art als Maßstab nehme. Da steht „Scheicher“, und nicht „Schleicher“.

        • Und? Wissen Sie es jetzt oder nicht? Warum sich an einem Tippfehler aufhängen? Sie haben selbst einen im Text: „brauch“ statt braucht.

          • Aber sicher doch Herr Fuxxxxxxxx!

            Ist ja nur ein Tippfehler (bei mir war es ein Krümel in der Laptop-Tastatur).

            Und zur Sache: Niemand weiß es. Sie, Herr Fuxxxxxxx, wissen es nicht. Der Herr Hitzoff weiß es auch nicht. Und ich selbst habe keine Zeit Insekten zu zählen…

  4. Tja, sie brauchen aber dringend eine Speichertechnologie – nach fast 30 Jahren Dauerschlaf. Die Kohle läuft planmäßig aus. Zusätzlich hat man sogar vorfristig die AKW´s über Bord gewuppt. Sie haben sich gesonnt und gefönt in immer tolleren Marktanteilen von Wind und Sonne – bis sie irgendwann irgendwie erfahren haben, daß die nicht stabil liefern…sowas aber auch.
    Selbstverständlich wird jede Volkswirtschaft, die ihren Energiebedarf über Kohlenstoff, oder Kohlenwasserstoffe umwandelt hoffnungslos überlegen sein, solange es diese gibt.
    Das ist der letzte Strohgriffel der Energiewendler. „Wir müssen, weil es bald nix mehr gibt“. Und trotzdem wurden sie von China links und rechts überholt und überfahren und Solarmodule kommen von dort.
    Zölle? Wie bitte will die EU einen Handelskrieg mit China führen, während fast alles inzwischen aus China kommt? Das ist keine Drohkulisse – das ist Abhängigkeit. Nun gut unsere Lumpen kommen aus Südostasien.

    • @ Eulitz
      Bei allem Verständnis, die Lumpen kommen eben nicht aus Südsostasien. Schon rein geografisch nicht. Wenn China gemeint ist, so liegt das in Ostasien.
      Die Lumpen, die mit aller Kraft unser Land zerstören, sitzen in Berlin und den deutschen Länderhauptstätten. Die geben Ziel, Plan und Maßnahmen vor.
      Dass die Chinesen das ausnutzen und an der Blödheit des deutschen Volkes verdienen, veranschaulicht deren Schlau- und Klugheit. Schlau und klug ist eben Derjenige, dar Subventionen abfasst, die Idioten wie in Deutschland ausloben, um ideologische Ziele zu erreichen.
      In diesem Zusammenhang sehe ich auch das Geschenk der 5m hohen Marx-Statue an Trier. Damit werden wir tagtäglich an die Blödheit unseres Volkes erinnert, was für große und wichtige Zerstörer der eigenen Existenz schon vor über 150 Jahren in Deutschland tätig waren.

      • Aber, aber, Herr Blaschke, Karl Marx war doch der tollste Deutsche … . Wo schrieb der noch seine genialen Werke? Und wurde nicht mal eine Stadt nach ihm benannt? Ach ja, der Staat, der das machte ging in die Pleite und die Stadt heißt jetzt wieder wie? Nur die Deutschen waren so blöd und machten ihre politische Verehrerin zur Kanzlerin …

  5. Vergangenes Jahr konnten wir hier bei EIKE noch etwas lesen:
    „Bildungsministerin: Klima-Wasserstoff soll jetzt aus Afrika kommen “

    Bildungsministerin: Klima-Wasserstoff soll jetzt aus Afrika kommen

    Wasserstoff wird aus Wasser hergestellt. Also verbrauchen wir hier das Wasser aus Afrika. Die haben dort zuviel Trinkwasser?

    Die „Kobolde“ kommen ja auch schon aus dem Kongo. Dafür wird eine Menge Kohle verbrannt.

    „Erneuerbare Energien“ sind die moderne Form des Kolonialismus. Oder wie soll man das nennen?

  6. Mal abgesehen davon, dass erhebliche Mengen mehr Wasserdampf in die Atmosphäre geblasen werden. Das KLIMAGAS NR.1, da werden werden wir wohl erst so richtig einen Klimawandel erleben!

  7. „Folglich wird es erhebliche Wettbewerbsvorteile für Volkswirtschaften geben, die sich nicht selbst mit Wasserstoff Hindernisse in den Weg legen.“
    Deshalb plant Katastrophen-Ursula bereits EU-Zölle, um diesen Nachteil auszugleichen. Ist sie nicht genial? Und dann nochmals dreimal soviel WKAs in D – jedermann soll sich überall in D an dem Anblick von WKAs erfreuen dürfen! D als vogel- und insektenfreie Zone! Und oftmals stehen die WKAs still – ist doch mit dem Infraschall gar nicht so schlimm! Wir schaffen das!

    • Ich empfehle die genialen PolitikerInnen zu befragen wieviel Windstrom eine 3 MW-Windmühle bei 3, 6, 9 und 12 m/s mittlere Windgeschwindigkeit in Nabenhöhe verursacht, wenn die Höchstleistung bei 15 m/s erreicht werden. Und wer wissen möchte wie stark der Wind in Hamburg war und ist, der schaue unter wettermast.uni-hamburg.de nach. Der weiß dann auch wieviel die extrem vielen Windmühlen in und um Hamburg verursachen und verursacht haben.
      Ich wünsche viel Vergnügen …

        • Und wie stark weht der Wind jetzt in HH? Zwischen 50 und 270m zwischen 5 und 7 m/s. Macht so was um die 200 kW. Und wieviel war das zwischen 15 und 19.7. diesen Jahres? Da war es fast die ganze Zeit noch viel weniger.
          Und in den letzten 8 Tagen wurde gerade mal für ein paar Minütchen der Windwert von 12 m/s erreicht.
          Wer es für die letzten zwei Jahrzehnte wissen möchte, der kann sich ja in die Betreiber der Uni-Meßanlage wenden. Die verkaufen bestimmt gerne ihre Meßwerte … . Das schöne an denen ist, daß die Werte für ganz Norddeutschland incl. Nordsee gültig sind. Man muß nur wissen welche Höhe z.B. für Helgoland umzu zu verwenden ist.

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