Subventio­nierung der Öpokalypse

Benzin: Stärker subventioniert als Bildung? Wohl kaum! Bild: PicturePoint.biz / pixelio.de

Willis Eschenbach
Gegenstand dieses Beitrags ist eine Behauptung, welche im Forbes Magazine aufgetaucht war, nämlich: „Die USA geben zehn mal mehr Geld zur Subventionierung fossiler Treibstoffe aus als für Bildung“.
Wie bitte?! Sämtliche Warnlampen in mir bzgl. offizieller Lügen flammten grellrot auf ob jener Behauptung, dass wir uns auf dem direkten Weg [primrose path] in die Epokalypse befinden.

Nun will ich immer direkt zu der tatsächlichen Studie gehen anstatt mich auf Medien-Interpretationen zu verlassen. In diesem Falle stammt die zugrunde liegende Studie vom Internationalen Währungsfonds IWF. Dieser benutzt eine höchst ungewöhnliche Definition von „Subvention“. Normalerweise werden Subventionen unterteilt in direkte und indirekte Subventionen.

Bei einer direkten Subvention wird einem Erzeuger oder Verbraucher tatsächliches Geld gezahlt.

Bei einer indirekten Subvention jedoch fließt kein Geld, obwohl sie einen definierten Geldwert hat. Indirekte Subventionen sind beispielsweise Steuernachlässe.

Die IWF-Definition nun ist dagegen ziemlich bizarr. Mir sind schon viele Studien zum Thema Treibstoff-Subventionen untergekommen, aber diese hier ziehen wohl nur Menschen mit einem ganz speziellen Eigeninteresse heran:

Diese Studie aktualisiert Schätzungen der Subventionen fossiler Treibstoffe, definiert als Treibstoffverbrauch multipliziert mit der Lücke zwischen bestehenden und effizienten Preisen (d. h. Preise, die auch Zusatz- und Umweltkosten sowie Profit-Überlegungen enthalten) für 191 Länder.

Lassen Sie mich Ihnen ein kristallklares Beispiel dafür geben, was der IWF als eine Subvention für „Umweltkosten“ für die bösen Ölindustrien betrachtet … aber zuerst sehe ich mich genötigt, Sie zu warnen, dass dieses Zeug nichts für Laien oder Schwachköpfe ist. Für die verbleibenden harten Seelen, eine der vielen Umweltsubventionen des IWF sind:

Die Kosten für die Reparatur der Schlaglöcher auf dem Weg zu meiner bescheidenen Hütte.

Wirklich, ich übertreibe nicht. Die Reparatur von Schlaglöchern ist Teil ihrer umweltlichen „Subventionen“, von denen behauptet wird, dass sie der Ölindustrie zufließen.

Und was sind „Umwelt-Subventionen“, wenn sie zu Hause sind? Auch dafür geben sie Beispiele wie dieses hier:

Sterblichkeit durch lokale Luftverschmutzung, breiter gefasste Kosten des Verbrauchs fossiler Treibstoffe in Fahrzeugen und der globalen Erwärmung.

In dem seltsamen Parallel-Universum des IWF werden die Kosten für diese Dinge als eine SUBVENTION AN EXXON UND SHELL betrachtet. Reparatur von Schlaglöchern als Subvention für Energieunternehmen! Hat man so etwas Albernes schon einmal gehört?

Hier möchte ich einen Moment innehalten. Sie sagen, dass man „breiter gefasste Kosten des Verbrauchs fossiler Treibstoffe“ einbeziehen sollte. Damit ist der Straßen- und der Brückenbau gemeint sowie der Unterhalt von beidem.

Aber wenn man das mit einbezieht, was ist dann mit den „breiter gefassten Kosten des Verbrauchs fossiler Treibstoffe beim Bau von Gebäuden?“ Bauwerke sind wie Straßen mittels fossiler Treibstoffe errichtet worden und werden mit diesen betrieben. Warum also die Einbeziehung der Kosten von Bauwerken wie Straßen und keine Einbeziehung von Kosten für den Hausbau?

Diese Art von Kosten werden allgemein als „Externalitäten“ bezeichnet. Das GEWALTIGE Problem dabei ist, dass wenn man erst einmal anfängt, derartige Kosten anstatt der direkten Kosten einzubeziehen … wo hört man dann auf? Warum werden die Kosten für Straßenbau und deren Unterhalt einbezogen, nicht aber die Kosten für den Hausbau und deren Unterhalt?

Der in der Studie angeführte Grund für Einbeziehung der Straßenbaukosten ist:

Die Umweltkosten sind ebenso real wie die Kosten der Versorgung, und ihre unzureichende (wenn auch unsichere) Schätzung ist gleichbedeutend mit einer Unterbewertung der wahren sozialen Kosten des Konsums.

Nun … nein, und zwar aus vielen Gründen. Erstens, Kosten der Versorgung gehen mit einer tatsächlichen Summe Geldes einher. Bei „Umweltkosten“ ist das aber nicht der Fall – man kann einfach irgendeine Zahl nennen.

Und: falls die Schätzung „unsicher“ ist, woher in aller Welt soll man dann wissen, ob sie „unverzerrt“ [unbiased] ist?

Und: Es gibt keine Regel oder auch nur eine grobe Richtlinie dafür, was man einbezieht. Straßen? Brücken? Oder nur Schlaglöcher? Der Möglichkeiten sind unendlich viele.

Und: falls man ein noch klareres Beispiel dafür haben will, wie lächerlich und grotesk dieses Verfahren ist, der führe sich die absolute Unmöglichkeit vor Augen, den letzten Punkt auf ihrer Liste geldlich zu beziffern: globale Erwärmung. Meinen sie das ernst?

Und schließlich gibt es hier die wirkliche Schwierigkeit: bei der Berechnung der „Externalitäten“ umfassen sie nur die externen KOSTEN, die mit fossilen Treibstoffen verbunden zu sein sie behaupten. Sie ignorieren aber vollständig den externen NUTZEN der fossilen Treibstoffe. Ja, Straßenausbesserung kostet, aber er hat auch Nutzen.

Dieser Nutzen lässt sich natürlich genauso wenig in Geldsummen pressen wie die externen Kosten. Wie viel ist es wert, eine gute Straße vorzufinden, wenn man nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus expediert werden muss? Wenn es nach mir geht … ist es massenhaft wert. Das gesamte Problem, Externalitäten preislich zu bewerten, habe ich hier beschrieben.

Und deswegen sollte man m. E. NIEMALS reale Kosten und „monetarisierte Externalitäten“ vermischen. Das Eine ist real und leicht messbar. Das Andere ist „dehnbar wie ein Akkordeon“, dass man so breit und so schmal machen kann wie man will.

Kurz gesagt, die IWF-Studie hat nichts, aber auch gar nichts mit tatsächlichen Subventionen zu tun. Das IWF:

berechnet ein imaginäres „effizientes“ Preisniveau, von dem die Autoren glauben, dass Treibstoff dieses Niveau auf irgendeiner Art eines Ideal-Planeten hat.

fügt den Preis von allem und jedem hinzu außer vielleicht einer Küchenspüle, d. h. sie haben die Kosten von „Verkehrsüberlastung“, die Reparaturkosten von Schlaglöchern und sogar die imaginären Kosten der „globalen Erwärmung“ hinzugefügt.

subtrahiert von dieser gigantisch aufgeblähten Zahl den tatsächlichen Preis und

nennt die Differenz eine „Subvention“.

Tja, wenn man all diese hoch suspekten geschätzten Zusatzkosten den fossilen Treibstoffen zuschlägt, bekommt man eine wirklich, wirklich große Zahl. Und mit dieser großen Zahl kann man dann hausieren gehen – sie ist Vieles: beeindruckend, alarmierend – und sie ängstigt Kinder.

Aber es ist keine Subvention, weder direkt noch indirekt. Es ist ein Morast monetarisierter Externalitäten, aber nur die Kosten, nicht der Nutzen.

Betrachten wir zum Vergleich reale Zahlen. Die EIA der USA archiviert tatsächliche Subventionen (hier). Sie decken sowohl direkte als auch indirekte Subventionen ab, als da wären:

● Steuerausgaben: die Höhe der Steuervergünstigungen oder -präferenzen, die die Steuerzahler erhalten und auf welche die US-Bundesregierung verzichtet

Direkte Auszahlungen an Empfänger (d. h. sowohl Erzeuger als auch Verbraucher): Die Höhe von Zuwendungen oder anderer finanzieller Unterstützung für bestimmte Empfänger.

Unterstützung von Forschung und Entwicklung: Die Höhe der dafür aufgewendeten Mittel

Darlehen des Energieministeriums DOE: finanzielle Unterstützung seitens des DOE für innovative Technologien sauberer Energie, die normalerweise keinerlei konventionelle private Finanzierung erhalten aufgrund ihrer hohen Technologie-Risiken.

Dies ist die Standarddefinition von Subventionen. Kein Unsinn hinsichtlich Externalitäten. Keine lächerlichen Versuche, die Phantasiekosten der „globalen Erwärmung“ einzubeziehen.

Aus Tabelle 3 in dem oben verlinkten Artikel geht hervor, dass sich die direkten und indirekten Gesamt-Subventionen für Öl und Gas auf etwa 2 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen. Für Kohle sind es 1,15 Milliarden pro Jahr … ein sehr, sehr müder Abklatsch ihrer behaupteten 649 Milliarden Dollar.

Die Schlagzeile des Beitrags, den ich hier analysiere, in welcher Subventionen mit Ausgaben für Bildung verglichen werden, ist sehr trügerisch. Zuerst, ihre berechnete „Subvention“ (die nichts dergleichen ist) beläuft sich auf 649 Milliarden Dollar pro Jahr. Das ist eine gewaltige, monumentale und völlig unglaubwürdige Übertreibung … aber tun wir mal einen Moment so, als sei es real. Dann ist die Summe wirklich etwa zehn mal größer als die Ausgaben für Bildung seitens der [US-]BUNDESregierung.

Aber was zu erwähnen sie sich nicht die Mühe machen ist, dass die Regierung nur einen sehr kleinen Teil der US-Ausgaben für Bildung trägt, nämlich nur etwa 59 Milliarden Dollar.

Die meisten Ausgaben fließen seitens der einzelnen US-Staaten und auf lokalem Niveau. Addiert man diese Ausgaben auf allen Ebenen, ergeben sich Bildungsausgaben in Höhe von 1,23 BILLIONEN Dollar, also etwa doppelt so viel wie selbst in ihrer betrügerischen Behauptung. Details dazu hier.

Und das finale Problem der IWF-Analyse? Es besteht darin, dass man nicht einfach auf Roh-Summen von Subventionen schauen darf, so wie sie es tun. Noch einmal, es ist immer ein „Kosten/Nutzen“-Deal, und noch einmal: den Nutzen haben sie vollständig außen vor gelassen. Man überlege: was ist besser – 100 Dollar auszugeben, um Massen an Energie zu erzeugen, oder 10 Dollar auszugeben, um ein Unternehmen wie Solyndra zu subventionieren, welches sich dann in Schall und Rauch aufgelöst hat?

Offensichtlich ist die 100-Dollar-Option der 10-Dollar-Option eindeutig vorzuziehen. Roh-Zahlen von Subventionen sind bedeutungslos.

Und hier nun eine EIA-Graphik der gleichen, oben diskutierten direkten und indirekten Subventionen, aber diesmal ausgedrückt in Barrel Öl-Äquivalent erzeugter Energie:

Wie man sieht, geben wir pro Einheit erzeugter Energie hundertmal so viel an Subventionen für Erneuerbare aus als an Subventionen für Erdgas und Öl.

SUMMARY:

Die Gesamt-Subventionen der USA, sowohl direkte als auch indirekte Subventionen, belaufen sich auf etwa 3,2 Milliarden Dollar. Die IWF-Behauptung von 649 Milliarden Dollar ist blanker Unsinn.

● Die gesamt-Ausgaben der USA für Bildung auf allen Ebenen zusammen belaufen sich auf 1,23 Billionen Dollar oder auf 500 mal so viel wie die Subvention für fossile Treibstoffe. Die IWF-Angabe von 59 Milliarden Dollar sind lediglich 5% aller Ausgaben.

● Pro Einheit erzeugter Energie sind die Subventionen für Erneuerbare (Solar, Wind, Biomasse) etwa 100 mal so hoch wie die Subvention für Öl.

CONCLUSION:

● Epocalypse fällt aus, keine Rückerstattung der Preise.

Link: https://wattsupwiththat.com/2020/01/01/subsidizing-the-epocalypse/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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8 Kommentare

  1. „Und: Es gibt keine Regel oder auch nur eine grobe Richtlinie dafür, was man einbezieht. Straßen? Brücken? Oder nur Schlaglöcher? Der Möglichkeiten sind unendlich viele.“

    Hat man auch berücksichtigt dass durch die geringere Zahl der Frosttage die Kosten für Schneeräumung, Schlaglöcher-Beseitigung und Korrosion-Schäden an Fahrzeugen geringer werden?

  2. Diese Sichtweise ist fest im Melonen-Denken verankert.
    Krankenkassen Beiträge steigen wg. Klima Wandel (ALB). Kosten für Versicherungen steigen. Kosten für Migration steigen. Nutzen? Fehlanzeige! Es sterben weniger Menschen infolge von Naturkatastrophen, Hunger u. Armut. Die apostrophierten Kosten sind nur Prognosen u. keineswegs real o. gesichert, werden aber so dargestellt. Der Nutzen ist bewiesen.
    Könnte, würde, schätzen… Wen interessiert das schon! Angst ist real u. damit kann man arbeiten.

  3. Ich erinnere an einen früheren Beitrag hier:

    Wer aktiv etwas tun möchte, sollte sich die Anfrage an die Bundestagsparteien unter klimafragen.org
    anschauen, diese Aktion unterstützen und unterschreiben.
    Bis Ende Januar ist noch Zeit dafür!

  4. Es ist einfach erschütternd, wo der Irrsinn inzwischen überall grassiert. Auch der IWF ist nur noch ein rotgrün ideologisierter Scheuklappenhaufen – wie andere, uns wohlbekannte UN-Einrichtungen auch. Typisches Beispiel, wie es Lord Monckton bei der EIKE-Konferenz sehr zu recht angeprangert hat: Der IWF vergibt keine Kredite an Drittweltländer für Errichtung und Modernisierung von Kohlekraftwerken – natürlich wegen des schrecklichen CO2-Phantoms! Wie soll es dort aber einen industriellen Aufschwung geben?
    Die fanatische RotGrün-Ideologisierung ist für mich heute die Geißel der Gegenwart. Sie betrifft nicht nur Politik und Medien, sondern wird bereits in den Universitäten den heutigen Schmalspur-Eliten fest in deren Köpfe verankert – Meinungsfreiheit war dort einmal und gilt heute nie und nimmer für abweichende Ansichten! Alle Kräfte sind dort in dem großen Kampf gegen Rechts und den Kapitalismus gebündelt, der alles Übel der Welt auf sich vereint, Klima-Weltuntergang eingeschlossen.
    Sollte sich ein vermeintlich Rechter tatsächlich dorthin verirren, erwartet ihn bereits ihm Vorfeld ein wild entschlossener, geradezu hysterischer Abwehrkampf – es traut sich gar keiner mehr hin. Weil man solche akademischen „Eliten“ nirgendwo gebrauchen kann, werden eigens dafür immer neue staatliche Stellen geschaffen. Über die sich dann – ein Lichtblick!- ein Nuhr im Fernsehen zurecht mokiert. Immerhin, er darf es – muss man die ÖRR noch nicht vollständig abschreiben?
    Während der 68er hatte ich diese extreme Links-Orientierung auch an der TU eher als skurriles Theater angesehen. Heute geben sich die Ehemaligen gebläht vor Stolz auf ihre 68er-Vergangenheit. Und an den heutigen Unis geht es vor allem in den Nicht-MINT-Fächern schlimmer zu denn je! Leider setzt sich auch immer mehr eine Ideologie-gesteuerte Forschung durch. Wer es nicht glaubt: TE hat in der letzten Ausgabe überzeugend, absolut nachvollziehbar und authentisch darüber berichtet!
    Von den etablierten Parteien ist in diesem Zusammenhang nichts, aber auch rein gar nichts zu erwarten. Sie überbieten sich stattdessen in Anpassungspirouetten – siehe Söder, Merkel, von der Leyen & Co. – SPD sowieso.

  5. Danke, und die Moral: den Öffentlichen Medien kann man nichts mehr glauben, nicht das Schwarze unterm Fingernagel. Wenn so ein Staatsdiener erzählt: „Es ist 20.05 Uhr“ müßte der Blick reflexartig zur eigenen Uhr gehen. Früher hieß es: Wer einmal lügt …, und heute, nach Tausenundeiner Nacht, erzähl‘ uns bitte das Tausenundzweite Märchen.

  6. „Die Kosten für die Reparatur der Schlaglöcher auf dem Weg zu meiner bescheidenen Hütte.

    Sterblichkeit durch lokale Luftverschmutzung, breiter gefasste Kosten des Verbrauchs fossiler Treibstoffe in Fahrzeugen und der globalen Erwärmung.“

    Das geile daran ist ja, das wenn die Energien ‚erneuerbar‘ sind, diese angeblichen Subventionen ja auch den erneuerbaren zugerechnet werden müssten. Die Schlaglöcher entstehen ja unabhängig davon, wie die Fahrzeuge angetrieben werden. Und die Sterblichkeit der Kinder in den Kobaltminen sind ja auch nicht weg zu schweigen.

    Manche Leute sind sich echt nicht zu blöd den größten Mist in einer Studie zu veröffentlichen. Danke für diesen Artikel.

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