Hurrikane: Weder immer größer noch immer stärker noch immer gefährlicher

Hurrikan DORIAN. Bild: NOAA

Roger Pielke & Forbes
Vor einigen Tagen hat die National Academy of Sciences eine Studie veröffentlicht von einem Autorenteam unter der Leitung von Aslak Grinsted. Dieser Wissenschaftler erforscht Eisschilde an der University of Copenhagen. Er hatte behauptet, dass „die Häufigkeit der die meisten Schäden anrichtenden Hurrikane mit einer Rate von 330% pro Jahrhundert zugenommen hat“ (hier)

In der die Studie begleitenden Presseerklärung heißt es: „Hurrikane auf dem US-Festland werden größer, stärker und gefährlicher“ und dass die neue Studie „jedweder Zweifel beseitigt“.

Falls das stimmen sollte, würde die Studie (die ich hier mal nur als G19 bezeichnen möchte) Jahrzehnte lange Forschungen und Beobachtungen über den Haufen werfen, welche gezeigt haben, dass es keinen Aufwärtstrend im vorigen Jahrhundert gibt bzgl. der stärksten Stürme, die auf das Festland übertreten. Diese Schlussfolgerungen sind bestätigt worden durch die Zustandsberichte des IPCC, des U.S. National Climate Assessment und jüngst von der World Meteorological Organization.

Tatsächlich jedoch weist die PNAS-Studie massenhaft grobe Fehler auf. Die Schlussfolgerungen der grundlegenden wissenschaftlichen Forschungen bleiben gültig. Wie ich gleich zeigen werde, enthält G19 viele grundlegende Fehler und sollte infolgedessen zurückgezogen werden.

Das erste große Problem bei G19 ist, dass sich die Studie angeblich über so etwas wie klimatologische Trends bzgl. Hurrikane auslässt, aber tatsächlich werden keinerlei aktuelle Klimadaten dazu genannt. Das stimmt, stattdessen werden Daten bzgl. ökonomischer Verluste durch Hurrikane bemüht, um Schlussfolgerungen bzgl. Klimatrends zu ziehen. Die bemühten ökonomischen Daten in der Studie basieren auf Forschungen, welche ich selbst mit Kollegen seit über zwei Jahrzehnten durchgeführt habe. Daher bin ich befugt, die Fehler in G19 genau hervorzuheben. Man vergleiche die Anzahl von Hurrikanen in G19 mit der Anzahl von Hurrikanen in den Klimadaten der NOAA.

Von 1900 bis 1958, der ersten Hälfte des untersuchten Zeitraumes, listet die NOAA insgesamt 117 Hurrikane, welche auf das US-Festland übergetreten waren. Im Gegensatz dazu nennt G19 nur 92. Es sind also 25 davon einfach weggelassen worden. In der zweiten Hälfte des Datensatzes, also von 1959 bis 2017 zählte die NOAA 91 Hurrikane, G19 dagegen 155. Es wurden also einfach 64 Hurrikane dazu erfunden.

AP gab die falschen Informationen einfach weiter, hatte die Agentur doch berichtet, dass die neue Studie „247 Hurrikane untersucht, welche die USA seit dem Jahr 1900 betroffen haben“ (hier). Der NOAA zufolge wurden in Wirklichkeit jedoch nur 197 Hurrikane gezählt.

Zum Teil kann diese Differenz erklärt werden durch die Tatsache, dass sich G19 auf ökonomische Daten konzentriert und nicht auf Hurrikane. Falls nach einem Hurrikan zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine Schäden bekannt geworden waren, dann hat ein solcher Hurrikan laut G29 gar nicht existiert. Das ist einer der Gründe, warum wir gerade nicht ökonomische Daten herangezogen hatten, um Schlussfolgerungen bzgl. Klima zu ziehen. Ein zweiter Grund für die Unstimmigkeiten ist, dass in G19 viele Hurrikane gezählt werden, die gar keine Hurrikane waren, und das unverhältnismäßig in der zweiten Hälfte des Datensatzes.

Das Missverhältnis der Zählung von Hurrikanen in G19 im Vergleich zur NOAA stellt bereits die ganze Studie in Frage. Aber es wird noch viel schlimmer.

Der von G19 benutzte Datensatz ökonomischer Verluste, aus welchem die Autoren ihre führenden Schlussfolgerungen ziehen, basiert auf meinen Forschungen. Jener Datensatz ist zusammen gestellt worden von einem Unternehmen namens ICAT mit Sitz in Colorado. Der ICAT-Datensatz wurde ursprünglich vor etwa einem Jahrzehnt von einem ehemalige Studenten und Mitarbeiter von mir Joel Gratz erstellt, welcher vollständig unseren Datensatz bzgl. Hurrikan-Verlusten aus dem Jahr 2008 zur Grundlage hat (den ich hier P08 nennen möchte).

Während der folgenden Jahre hat ICAT einige signifikante Änderungen am Datensatz vorgenommen. An erster Stelle ist dabei der Ersatz von Verlust-Schätzungen in P08 durch Verlust-Schätzungen aus der „Milliarden-Dollar-Katastrophen“-Tabelle des NOAA National Centers for Environmental Information (NCEI). Die Ersatzdaten beginnen im Jahre 1980 zu Beginn des NCEI-Datensatzes.

Dieses Verfahren erzeugte einen neuen Hybrid-Datensatz, wobei der ICAT-Datensatz von 1900 bis 1980 auf P08 basiert und von 1980 bis 2018 auf NCEI. Dies ist extrem problematisch für G19, weil man sich offensichtlich dieser Details des online gefundenen Datensatzes nicht bewusst war.

In unserer im vorigen Jahr veröffentlichten umfassenden Aktualisierung von P08 (Weinkle et al. 2018, oder W18) erklärten wir, dass in das NCEI-Verfahren zur Berechnung von Verlusten viele Faktoren eingegangen waren, die historisch gar nicht in den Auflistungen des U.S. National Hurricane Center enthalten waren, Z. B. „Katastrophenhilfen der öffentlichen Hand, Versicherungs-Auszahlungen, nationale und internationale landwirtschaftliche Beeinträchtigungen sowie andere makro-ökonomische Auswirkungen“.

Das bedeutete, dass man nicht, wie ICAT es getan hat, einfach den NCEI-Datensatz ab 1980 an den P08-Datensatz mit Beginn im Jahre 1900 anhängen kann. Man vergleicht nicht Äpfel mit Äpfeln. Tatsächlich machte ein Großteil unserer Arbeit bei der W18-Aktualsierung von P08 aus sicherzustellen, dass die Daten wirklich Äpfel mit Äpfeln über den gesamten Datensatz waren. Dazu haben wir viele statistische Konsistenz-Checks durchgeführt, um ganz sicher zu sein.

Die neue PNAS-Studie G19 benutzt unwissentlich den ICAT-Datensatz, welcher P08 und NCEI zusammen schustert. Auf Twitter habe ich mit vielen Graphiken belegt, warum das wichtig ist: Vor 1940 sind die Verlust-Schätzungen von G19 und W18 für individuelle Stürme in etwa identisch (hier). Nach dem Jahr 1980 jedoch sind die G19-Verlust-Schätzungen für individuelle Stürme um etwa 33% höher als die von W18. Das Ergebnis ist eine Daten-Inkonsistenz, welche falsche Trends in den Datensatz einbringt.

Der gesamte Artikel steht hier.

Link: https://wattsupwiththat.com/2019/11/16/no-hurricanes-are-not-bigger-stronger-and-more-dangerous/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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7 Kommentare

  1. Irgendwie verstehe ich nicht, dass das Thema immer wieder aufkommt. Man hat doch in der Thermodynamik gelernt, dass die thermische Energie bei einem (idealen) Gas E = 0,5*f*N*k*T beträgt (N: Teilchenzahl, f: Zahl der Freiheitsgrade). Dabei ist T die absolute Temperatur. Wenn jetzt die Temperatur um 1 Grad zunimmt, bedeutet das ungefähr 1/300 oder 0,3% mehr Energie im System. Es widerspricht doch völlig dem gesunden Menschenverstand, zu behaupten, dies hätte eine merkliche Zunahme der Stärke und Häufigkeit von Stürmen zur Folge.

    • Das Thema ist leider zu belastet, als das die kleine rechnerische Wahrheit irgend jemand interessiert.
      Man sollte es aber immer mal wieder wiederholen:

      1 Grad mehr bei der derzeitigen gemittelten Temperatur sind nur 0.3 % mehr Energie im System.

  2. Dauerbeschuss auf Phönix, der mich beschießt, während ich am PC Excel Tabellen bearbeite. In Endlosschleife läuft das Untergangsszenario, wenn wir nicht …
    Die Arktis schmilzt im „Rekordtempo“, alles ist im Rekordtempo, im Negativtrend.
    Gestern Abend: Hr.Plasberg, die Rolle des Hr. v. Storch ist mir nicht ganz klar, auch kam nicht heraus, ob Öko-Revolution nun angesagt ist o. nicht. Der Herr von XR u. die GRÜNEN würden gerne, dann aber doch nicht … Hauptsache alles ist ganz schlimm!
    Oder wie es in der „Ruhlaer Zeitung“ stand (unser Orts-Wochenblatt): „… wir müssen Einmütigkeit in der Beurteilung zukünftiger Krisen erlangen …“! Na dann, hätte auch im „Neuen Deutschland“ stehen können. Übrigens habe ich auf den Artikel hin, einen Leserbrief geschrieben. Sie haben noch nicht mal den Empfang bestätigt, sie haben ihn aber nachweislich bekommen. Stattdessen erschien ein Artikel einer Schülerin der 8a des Ruhlaer Gymnasiums über Greta u. was sie uns sagen will. Den Rest kennen wir u. Tilo Jung lässt grüßen.

  3. Schlimm ist, dass sowas von der National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, die in den USA offenbar fest in Alarmistenhand ist. Wie bei uns in Mainstream-Medien und Politik ist auch dort jedes Mittel recht, um während der Weltklimakonferenz auf bewährte Weise Klimapanik zu schüren! Frau Schulze wird es bestimmt ebenfalls begierig aufgreifen. Danke für die überzeugend kompetente Widerlegung des Schwachsinns!

  4. Was soll das ? Es ist doch völlig unerheblich ob Hurrikane stärker werden oder nicht, völlig nebensächlich. Die Menschen in den USA haben gelernt damit zu leben. Wem es nicht passt der zieht eben weg. Florida ist aber nun mal nicht menschenleer. Den Anwohnern dort gefällt es dort. Seit diese dort siedelten
    gab es Hurrikane. Es wird zerstört und wieder aufgebaut. Das wird auch künftig so weitergehen. Jedes Jahr das selbe Wehklagen. Hurrikan kommt, übergewichtige Polizisten sperren Straßen, Reporter steht im 45° Winkel auf der Straße und sagt, dass es regnet und der Wind stark weht. Der Sturm räumt einiges weg, Präsident sagt Hilfen zu, Versicherung zahlt und der amerikanische Einwohner kann weiterhin kalorienhaltige Nahrungsmittel und medialen Konsum genießen. Es bleibt alles beim alten.

    • Für unsere Panikamcher ist es wichtig, wenn sie wieder eine „Studie“ vorweisen können die besagt, daß es immer schlimmer wir, schlimmer wie gedacht. Und durch die verschwurbelte Zusammensetzung der Daten in der Studie, kann man auch niemanden erklären wie es sich richtig verhält, höchstens, daß die NOAA (wenn jemand weiß wer die NOAA ist) Daten was anderes aussagen.
      Ksnn mir schon vorstellen mit welch süffisantem Gesicht Frau Schulze dieses „schwer wiegende“ Panikargument in die Runde wirft.

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