Meinungsdiktatur vs. Rechtsstaatlichkeit in Zeiten des Klimawandels

von Horst-Joachim Lüdecke und AR Göhring
Wir leben zunehmend in Blasen. Einer, die wir als linke Blase und einer zweiten, die wir als rechte Blase bezeichnen wollen. Was ist zu tun, dass es wieder zur Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und zum Dialog kommt? Prof. Dr. Werner Münch, Ministerpräsident a.D. Sachsen-Anhalt, erklärt es uns ausführlich.

Die in der linken Blase fühlen sich als die Guten, zumindest als Zeitgenossen mit der richtigen (nicht „rechten“) Gesinnung und Haltung. Die in der rechten Blase fühlen sich zwar nicht unbedingt als die Guten, sie meinen aber, die Fehler der Bewohner in der linken Blase erkennen und benennen zu können. Die in der linken Blase haben das gar nicht mehr nötig. Allmählich haben sich beide Blasen so verfestigt, dass es keine mit der anderen mehr zu tun haben möchte. Man hat seine Meinung und seine Mitstreiter. Die unterschiedlichen Welten jeder der beiden Blasen für sich scheinen in Ordnung zu sein. Man redet nur noch übereinander. Die linke Blase spricht über die rechte als „rechtsextrem“, wenn nicht gar „naziaffin“, wobei denen, die locker den letztgenannten Begriff verwenden, gar nicht mehr wissen, was er unglaublich Schreckliches bedeutet. Die rechte Blase spricht in Richtung der linken von „linken Spinnern“, „verkappten Kommunisten“ oder Ähnlichem.

Ein Unterschied zwischen den beiden Blasen ist freilich erkennbar: Die Bewohner der linken Blase weigern sich mit denen der rechten Blase auch nur zu sprechen, während dies umgekehrt meist nicht der Fall ist. Das kann sich die linke Blase (noch) leisten, da nach dem Marsch der 68er durch die Institutionen der Kultur und Politik die Erzählungen und Mythen der (extremen) Linken zum hegemonialen Zeitgeist geworden sind. Und die Zeitgeistritter wollen den Status quo konservieren, statt ihn mit realistischer Kritik zu verwässern. Früher wollte man angeblich den herrschaftsfreien Diskurs, heute will man die diskursfreie Herrschaft. Die Bewohner der rechten Blase hingegen sind die „Underdogs“ und wollen den Status quo ante wiederherstellen, in dem sie dominierten. Dazu müssen sie die Lebenslügen der Linken, ihr Versagen und ihre Betrügereien auf den Punkt benennen und in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen.

Die Eigenschaft der Kommunikationsverweigerung teilen die Linken, um es noch komplizierter zu machen, sogar mit bestimmten Leuten der rechten Blase. Wir haben also das interessante Paradox, dass bestimmte Angehörige der rechten Blase sogar mit Bewohnern derselben Blase nicht sprechen, ja nicht einmal einen Kaffee trinken dürfen (so Markus Söder von der CSU zu Kontakten mit einer hier nicht genannten „Schwefelpartei“).

Inzwischen werden sogar mehr oder weniger neutrale Vermittler zwischen den beiden Blasen gleichermaßen von Bewohnern der linken Blase als auch von bestimmten Bewohnern der rechten Blase nicht mehr angehört. Ihr Vergehen besteht darin, sich auf Diskussionen oder Vorträge mit der schon erwähnten „Schwefelpartei“ eingelassen zu haben; man denke an den Chef der hessischen Filmförderung, der sich mit Prof. Jörg Meuthen traf und daraufhin von Dutzenden Kulturschaffenden aus dem Amt gejagt wurde. In welcher Welt und welchen Zeiten leben wir eigentlich, mag man angesichts von Gesprächs- und Diskussionsverweigerung fragen. So etwas kann niemals zu etwas Gutem führen; vor allem nicht in einer Demokratie, die von einer möglichst breiten Diskussion lebt. Alles andere ist Postdemokratie, die langfristig nicht lebensfähig ist und letztlich auch den Elitären das gute Leben unmöglich macht. Inzwischen hat nämlich auch unser Rechtssystem auf Grund der beiden Blasen Sprünge bekommen.

Genau um die oben beschriebene, immer prekärer werdende Situation dreht sich der Vortrag des ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, der in seinem Vortrag auch auf die Klima-Greta Affaire FFF eingeht. Der Vortrag fand beim Forum Wissenschaft und Politik der Metropolregion Rhein-Neckar (FWP)  in Ludwigshafen statt. H.-J Lüdecke war anwesend.

Die beiden freiheitlichen und unabhängigen Vereine FWP und EIKE stehen in freundschaftlichem Kontakt miteinander und unterstützen sich gegenseitig fachlich. Hier die Vortragsprogramme des FWP von 2019 und des kommenden 2020:

◼ 25.04.2019 Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs (Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW in Mannheim

„Europa vor der Wahl – Perspektiven zur neuen Aufgabenteilung zwischen EU und Mitgliedsstaaten“

◼ 27.06.2019 Rainer Wendt, Hauptkommissar und Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

„Innere Sicherheit in Deutschland“

◼ 29.08.2019 Prof. em. Dr. habil. Siegfried F. Franke, Wirtschaftspolitik und Öffentliches Recht

„Auf dem Wege zur Aushöhlung des Rechtsstaats? Berechtigte Kritik oder pure Übertreibung?“

◼ 19.09.2019 Prof. Dr. Werner Münch, Ministerpräsident a.D. Sachsen-Anhalt

„Sind Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in unserer Demokratie gefährdet? – Eine kritische Bilanz“

◼ 31.10.2019 Dipl.-Ing.Wirtschaftsingenieur Jochen K. Michels, Experte alternative Energien

„Zukunftschancen der Energiepolitik“

◼ 28.11.2019 Rainer Wieland, Vizepräsident des EU-Parlamentes

„Europapolitik“

◼ 30.01.2020 Prof. Dr. Eduard Schmäing, Theoretischer Physiker

„Komplexität – die Vielfalt in Politik + Wirtschaft“

◼ 26.03.2020 Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, Physiker und emeritierter Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes

„Klima – Hypothesen im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs“

◼ 28.05.2020 Günther Öttinger (geplant), EU-Kommissar und Ministerpräsident a.D.

Thema noch offen

◼ 27.08.2020 Prof. Dr. Bernhard Vogel, Ministerpräsident a.D.

„30 Jahre Deutsche Einheit – was bleibt?“

◼ 22.10.2020 Prof. Dr. Paul Kirchhof, Richter des Bundesverfassungsgerichtes a.D.

Thema noch offen

◼ 26.11.2020 Prof. Dr. Jürgen Strube, Ehemaliger BASF-Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender

Thema noch offen

Die Veranstaltungen finden jeweils um 16:00 Uhr im Vortragsraum der IHK Pfalz, Ludwigsplatz 2-4 in 67059 Ludwigshafen statt.

Und hier nun der Vortag von Ministerpräsident a.D. Münch in voller Länge.


 

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8 Kommentare

  1. „Demokratie“, so lernte ich in den letzten Jahrzehnten, ist, wenn alle Parteien im Parlament die gleichen Meinung wie die Regierung vertreten, alle Medien gleichgeschaltet sind und jeder Abweichler nieder gemacht wird, der von der konzessionierten „Wahrheit“ abweicht. Im ersten Regime, in dem ich lebte, hatten wir einen Führer – da war alles klar:“Führer befiehl, wir folgen dir“. Im zweiten hatten wir die „Diktatur des Proletariats“ (wer das auch immer war) – ebenso unverfälscht und ehrlich eine Diktatur. Jetzt nähert sich die sog. Demokratie, die wir zu haben glauben, immer mehr den durch mich erlebten Vorgängersystemen an. Die Führerin – respektive Bundeskanzlerin – herrscht und beschließt zu Lebensfragen des Volkes ohne das Parlament zu fragen (obwohl das aus Erfahrung jedem Unsinn zustimmen würde). Die Medien, die außerparlamentarischen Macht- und Meinungsinstrumente der Regierung (von ARD bis PIK), z.T. sogar die manche Arbeitgeber, versuchen alle Abweichler zu vernichten bzw. ruhig zu stellen. Man dreht sich um – für mich, wie schon seit meiner Geburt – wenn man seine Meinung sagt und befürchtet, daß mitgehört wird (s. auch §130 StGB). Die gesamte Kommunikation wird abgegriffen und gespeichert, eben Orwell. Die Ansätze für bewaffnete Auseinandersetzungen der Demokraten – wie um das Jahr 1930 herum – haben wir auch schon. Die Organisation der Stoßtrupps und deren Bewaffnung ist allerdings erst nur in Ansätzen vorhanden. Alles wie gehabt! Noch haben wir im wesentlichen „nur“ eine demokratisch verbrämte Meinungsdiktatur, allerdings schon ziemlich rabiat. Wie geht es weiter? Vorbilder haben wir ja seit 90 Jahren!

  2. Klasse. Hervorragend – aber in Merkel-Deutschland nicht erwünscht – euphemistisch formuliert. Ja, dieses Bundestag-Parlament verdient seinen Namen nicht: Nicht einmal hat es gegenüber der Regierung sein Recht auf Beteiligung eingefordert. Nicht ein einziges Mal! Merkel-Autokratie! Und alle unterwerfen sich. Unglaublich, aber wahr. Grund: Die sind nur am Erhalt des sehr, sehr gut bezahlten „Arbeitsplatzes“ interessiert.
    Ganz wunderbar auch der Schluss mit dem Orwell-Zitat.

  3. Auch wenn man nicht jeden Einzelaspekt genauso sehen muss: Ein kompetenter und hervorragender Kontrast zu dem, was uns die schier unerträgliche rotgrüne Meinungsmache durch unfähige Anpassungsjournalisten tagtäglich bietet und was einfach nur mehr Brechreiz hervorruft! Die sich in einer Lange Warteschlange hinter unserer Bundeskanzlerin befindet, um ihr sonst wo rein zu kriechen. Zum Teufel mit so einem Journalismus, der so überflüssig ist wie ein F… gegen den Wind! Und die sich jederzeit das Recht nehmen, uns zu belehren und vorzuschreiben, was richtig oder falsch ist.
    Ein prima Forum, ein prima Beitrag, gut das es sowas noch gibt! Prof. Lüdecke, bitte unbedingt dranbleiben!

  4. Greta Thunberg als Heiland? Philipp Möller warnt vor quasireligiösen Zügen beim Klimaaktivismus

    Weil ihn seine Tochter damit beauftragte, die Welt zu retten, ging der Autor Philipp Möller als Praktikant in den Bundestag. Eines seiner Themen war der Umgang mit dem Klimawandel. Bei seinen Recherchen kam er aber auch zu einer anderen Erkenntnis: dass der Klimaaktivismus teilweise quasireligiöse Züge hat. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er, warum er das für problematisch hält.

    Wenn der Herr Möller auch dem CO2 Schwindel aufsitzt….

  5. PS

    Und ein Dialog zwischen mir und Herrn Rahmstorf ist auch nicht mehr möglich. Er löscht alles von mir in seinem Blog.

    Immer und immer wieder habe ich ihn auf Stellen in den IPCC-Berichten und in der Fachliteratur hingewiesen, wo genau das Gegenteil steht, von dem was er so schreibt.

    Das konnte er nicht mehr ertragen. An Anfang hat er noch seine Leserschaft auf mich losgelassen und meine Antworten darauf nicht mehr freigeschaltet. Jetzt kommt seit 1-2 Jahren gar kein Kommentar von mir mehr durch.

    Und seine Frau hat gar dem ScSk-Blog mit Klage gedroht. Wegen Bildrechte.

    Das zeichnet auch die Leute in der linken Blase aus. Sie möchten ihre „Gegner“ mit allen Mitteln mundtot machen und zum Schweigen bringen. Das zeugt nicht von Stärke und Souveränität, sondern von Schwäche.

  6. Ich versuche immer wieder mit den Leuten in der linken Blase einen Dialog zu führen. Das ist aber nicht möglich! Diese verweigern schlichtweg den Dialog mit Leuten/ Skeptikern, die mehr Ahnung haben, als sie selbst. Obwohl sich diese Leute als offen, tolerant und dialogbereit darstellen. Das Gegenteil ist der Fall. In Schulungen und Aktionstrainings von XR und der IL bekommen die Leute sogar beigebracht mit Skeptikern, die sich nicht überzeugen lassen und die mehr Ahnung haben als man selbst nicht zu sprechen. Bei FFF-Demos gibt es dazu sogar „Ordner“, die Interviews von Skeptikern, etc. verhindern! Und Stände von Skeptikern „überfallen“.

    Den Leuten geht es auch nichts ums Klima, sondern um einen System Change und Klassenkampf! Die haben nur auf eine Bewegung gewartet, der sie sich anschließen können, um diese Ziele durchzusetzen.

    Die meisten dieser Leute leben im urbanen Umfeld und nicht in und mit der Natur. Grünenwähler sind Stadtmenschen. Im urbanen Umfeld haben sie ihren Lebensmittelpunkt und wenig Bezug zur Natur.

    Diese Leute hassen alles, was anders denkt und lebt als sie selbst. Ein Dialog ist daher nicht möglich.

    Das schlimme ist, dass sich diese Menschen mit ihrer Ideologie sich anderen überlegen fühlen und meinen andere Menschen zwangsbeglücken zu müssen.

    An unseren Wesen soll die Welt genesen.

    Und richtig, die Leute in der rechten Blase sind da weitaus offener und dialogbereiter.

  7. Weimar läßt grüßen! Noch(!) schießt man nur verbal aufeinander.

    Sobald die materiellen Folgen der seit Jahrzehnten betriebenen Verelendungspolitik nicht mehr länger abzuwenden sind, wird das „noch“ nicht mehr zutreffen. Ob diemals der rote oder der schwarze Terror obsiegen wird, ist schwer einzuschätzen. Sollte die deutsche Mentalität sich durchsetzen, dann werden die Rääächten wieder die Oberhand behalten.

    Rainer Facius

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