Kinder in die Schlacht!

von Henryk M Broder

Ich liebe Greta. Nicht wegen ihrer Zöpfe, nicht wegen ihres Mondgesichts, nicht weil sie an Asperger leidet und auch nicht, weil sie das Schulschwänzen zu einem moralischen Imperativ erhoben hat. Ich liebe Greta, weil sie es – wenn auch ungewollt – geschafft hat, die westliche Gesellschaft als das zu entlarven, was sie ist: abergläubisch, dekadent, dumm, hysterisch, infantil und süchtig nach Erlösung.

Eine beachtliche Leistung für eine 16-Jährige aus einer schwedischen Mittelstandsfamilie, die wahrscheinlich keine Zeile von Max Weber, Karl Marx, Sigmund Freud oder Theodor W. Adorno gelesen hat. Wozu auch?

Greta hat alle hinter sich gelassen. Über keine Person des öffentlichen Lebens ist so viel in einer so kurzen Zeit geschrieben und berichtet worden. Sie hat vor dem Europa-Parlament gesprochen, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und der Klimakonferenz in Katowice. Jean-Claude Juncker hat sie umarmt, der Papst auf dem Petersplatz begrüßt. Und sollte sie demnächst den Friedensnobelpreis bekommen, wäre das nur ein weiterer Schritt auf dem Wege zu ihrer Seligsprechung zu Lebzeiten.

Natürlich ist Greta ein Artefakt, ein „von Menschen hergestellter Gegenstand“, in der Sprache von Archäologen, ein „unechtes, durch Eigenschaften der Methode hervorgerufenes Ergebnis“, wie es ein Zauberer sagen würde, der einen vollbesetzten Bus von der Bühne verschwinden lässt.

Ein Eimer für alle

Bevor sie an Bord einer Rennyacht zu einer klimaneutralen Atlantiküberquerung aufbrach, wurde sie auch gefragt, ob ihr eine eigene Toilette zur Verfügung stehen würde. Worauf Greta einen Plastikeimer ins Bild rückte, der sowohl ihr als auch den Mitreisenden als Sickergrube dienen sollte. Bei jedem normalen Menschen würde eine solche Aussicht für sofortige Konstipation sorgen, Greta allerdings fand das lustig und versicherte, der Verzicht auf den letzten Rest einer Privatsphäre mache ihr nichts aus. Die Frage, ob der Eimer, den Greta benutzt hat, nach der Reise bei Sotheby’s versteigert oder in den Räumen der Schwedischen Akademie der Wissenschaften ausgestellt wird, kann derzeit nicht beantwortet werden. Ebenso unklar ist, wie sie nach ihrer Amerika-Tournee nach Schweden heimkehren will, mit einem Paddelboot, einem Passagierschiff oder einem Heißluftballon. Es hängt vom jeweiligen CO2-Ausstoß ab.

So, wie man das Licht nur mit dem Wellen- oder dem Korpuskelmodell erklären kann, wobei das eine das andere ausschließt, gibt es auch für Greta nur zwei Auslegungen. Entweder ist es eine Produktion, mit der die Monty Python-Truppe ein Comeback feiern möchte oder ein Experiment, was alles von einer Gesellschaft goutiert wird, die sich von jeder Rationalität verabschiedet hat. Die nur noch durch den Gedanken an den eigenen Untergang erregt wird und ein verhaltensgestörtes Mädchen wie eine Heilige verehrt, die über Wasser wandeln kann.

Eine durch und durch infantile Gesellschaft geht vor einem infantilen Wesen in die Knie. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Infantilität, die sowohl in der Politik wie in der Kultur prägend geworden ist.

Erwachsene Menschen nennen ihre Kanzlerin „Mutti“, Kinder, die noch mit ihren Teddybären kuscheln, protestieren dagegen, dass man ihnen die Zukunft raubt, und die sogenannten Erwachsenen können vor Begeisterung kaum noch stehen. Eine Prophezeiung von Herbert Grönemeyer wird endlich wahr: „Die Armeen aus Gummibärchen, die Panzer aus Marzipan, Kriege werden aufgegessen einfacher Plan, kindlich genial…“

Propheten des Untergangs

Aber die Begeisterung für die Jungen und Mädchen, die sich auf einmal „politisch engagieren“, ist reine Heuchelei. Kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, würde sich von einem 16-Jährigen, dem die Eltern zu Weihnachten einen Anatomieatlas geschenkt haben, den Blinddarm rausnehmen lassen. Kein Mensch, der für sich und seine Familie ein Haus bauen will, würde einen 16-jährigen Architekten anheuern, der bis jetzt nur Sandburgen gebaut hat. Und kein Mensch, der einen Hedgefond von einem Bausparvertrag unterscheiden kann, würde einem 16-Jährigen sein Vermögen anvertrauen. Aber wenn es um das Klima und die Welt, in der wir leben, geht, mutieren lärmende Kinder plötzlich zu geschätzten Propheten eines bevorstehenden Untergangs.

Schnell noch einen neuen Audi gekauft und eine Reise auf die Malediven gebucht. Morgen könnte es schon zu spät sein. Und gegen die Flugscham hilft eine kleine Spende an Greenpeace oder die Umwelthilfe.

Der Greta-Hype wird noch eine Weile weitergehen. Er wird erst vorbei sein, wenn ein Film namens „GRETA“ in die Kinos kommt, der alle Stationen ihres Lebens dokumentiert. Wenn alles gutgeht, wird die Klimakatastrophe kurz nach der Premiere eintreten. Wenn nicht, sollte Gretas Eltern wegen Missbrauchs von Abhängigen der Prozess gemacht werden.

Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche und auf der Achse des Guten. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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11 Kommentare

  1. „DIE GESELLSCHAFT geht ja nicht in die Knie. Es ist rein nur die veröffentlichte Meinung in den MSM.“

    Natürlich geht sie in die Knie.
    Sehen Sie sich die letzten Wahlergebnisse an:
    76,5 bzw. 72,5% haben das Betrügergesindel gewählt

  2. „…die westliche Gesellschaft als das zu entlarven, was sie ist: abergläubisch, dekadent, dumm, hysterisch, infantil und süchtig nach Erlösung.“

    Broder bringt es wieder mal auf den Punkt!

  3. Greta ist nicht das einzige Kind, das wegen Politik missbraucht wird. Den Menschen wird ein Weltuntergang erzählt und sie glauben tatsächlich daran. Schaut euch die Wahlen im Osten an. Die ganzen Medien zelebrieren den Erfolg der Ausgrenzung einer neuen Volkspartei der AFD. Sie erzählen man hätte den Osten gerade noch vor Nazis gerettet. Alle Politiker und Medien wissen aber, dass es eine Lüge ist. Sie wissen alle ganz genau, dass die AFD keine rechtsextremistische Partei ist. Sie lügen die Menschen also bewusst an.

    Man erzählt von Aufbau des Ostens. Osten wäre unter entwickelt. Es gäbe Probleme mit Ärztemangel, Bildung in den Schulen, Verkehr und fehlende Investitionen/Produktivität oder Infrastruktur und Internetzugang.

    Es sind alles nur Lügen und die Menschen glauben tatsächlich an diese Politiker und Medien. Da bin ich mir sicher.
    Es geht hier nur um Eins und dies ist die Gelder aus den neuen
    Bundesländern nach Berlin zu transferieren hauptsächlich für die EU
    Rettung und selbstverständlich für den Kampf gegen die AFD bzw. gegen eine patriotische oder nationalistische Politik.
    Es geht nur um Geld und alle Menschen glauben an diese erfundenen Märchen.

    Wenn die AFD mit in Regierung wäre, dann würde das
    Spiel nicht mehr funktionieren. Das Geld würde vor Ort für den Osten ausgegeben werden. Deswegen ist jede Variante (Links oder rechts spielt keine Rolle) ohne die AFD in Ordnung und deswegen haben die etablierten Parteien absolut kein Problem mit diesem Ergebnis.
    Die wollen die Kuh (den Osten) noch melken bis sie umfällt.

    • „Es gäbe Probleme mit Ärztemangel, Bildung in den Schulen, Verkehr und fehlende Investitionen/Produktivität oder Infrastruktur und Internetzugang.“ Sie werden es nicht glauben, trotz vieler Lügen gibt es diese Probleme im Osten tatsächlich. Und genau diese Probleme sind ein wesentlicher Grund für die schlechte Stimmung in den NBL. Ihre epochalen Ausführungen sind ein eiskalter Schlag ins Gesicht der betroffenen Bevölkerung.

      • Ich weiß es, dass es diese Probleme gibt.
        Aber das interessiert doch die Politiker gar nicht. Sie erzählen nur davon und tun so als würden sie diese Probleme lösen wollen. Schauspielerei mehr nicht !!!
        Aber sie übernehmen diese Posten nicht deswegen. Es ging niemals um diese Probleme. Verstehen Sie das?
        Es geht darum die Gelder aus den einzelnen Bundesländern nach Berlin zu übertragen bzw. die Finanzen zu kontrollieren.

    • „…Sie wissen alle ganz genau, dass die AFD keine rechtsextremistische Partei ist…“
      …wären da nicht Leute wie beispielsweise Höcke und (Fliegenschiss-) Gauland.

      Auch wenn die AfD die einzige Partei ist, die nicht der „Klimakirche“ beigetreten ist, so gibt es für mich keinen Grund, sie zu mögen.
      Schließlich stellt sie sich nicht gegen Aufrüstung und NATO – die logischerweise zeitgleich mit dem Warschauer Pakt hätte aufgelöst werden müssen.
      Aber der Zug ist weg, dank dem naiven Gorbatschow, der 1990 wohl meinte, dass wir uns ab jetzt alle ganz doll lieb haben werden…

  4. Bei 100% Werbung und Propaganda staatlich organisiert ist Greta zum „Gott“ aufgestiegen.Die grünen Faschisten haben sich in der Medien und Institutionen
    fest gesetzt.Bis auf die AfD wagt keiner mehr den Grünen zu widersprechen.

  5. DIE GESELLSCHAFT geht ja nicht in die Knie. Es ist rein nur die veröffentlichte Meinung in den MSM. Die Greta-Geschichte ist einfach ein Teil des großen Märchens, das die herrschende Klasse der arbeitenden Klasse zu erzählen versucht.

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