Neue Studie: Selbst eine moderate Kohlenstoff­steuer würde die nächsten zwei Genera­tionen schädigen

Jetzt also auch noch Besteuerung der Lebensgrundlage unseres Planeten – wo soll das bloß noch hinführen? Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Robert P. Murphy, Mises Institute
Vorbemerkung des Übersetzers: Gibt es also alles schon! Eine Kohlenstoffsteuer dürfte sich in Deutschland kaum anders auswirken als wie hier in den USA beschrieben – selbst wenn man wie der Autor die CO2-Erwärmung nicht in Frage stellt.
Ein neues Arbeitspapier einer Gruppe bedeutender Ökonomen weist nach, dass selbst eine moderate Kohlenstoffsteuer uns, unsere Kinder und Enkel insgesamt schädigen würde.

Eines der Hauptthemen meiner Artikel bzgl. Klimawandel am IER [= Institute for Energy Research] ist die Warnung an die Öffentlichkeit, dass die „Konsenswissenschaft“, mit welcher sie durch Medien, ,Experten‘ und gewisse politische Gestalten bombardiert wird, oftmals von der tatsächlich veröffentlichten Literatur abweicht. Und zwar vor allem dann, wen es zur ökonomischen Analyse der Regierungspolitik kommt. Eine neue Grundlagenstudie von einigen Ökonomen mit großen Namen – darunter Laurence Kotlikoff und Jeffrey Sachs – bestätigt meinen Punkt.

In diesem Falle lautet die schockierende Tatsache, die ihre Studie zu fassen versucht: Selbst mit einer relativ moderaten Kohlenstoffsteuer wird der Anstieg der Energiepreise so gravierend sein, dass die Vorteile eines langsameren Klimawandels einfach hinweg gespült werden – und das gilt auch für unsere Kinder und Enkel. Erst unseren Urenkelkindern ist es vorbehalten, Vorteile aus einer heute eingeführten moderaten Kohlenstoffsteuer zu ziehen. Wenn man also das nächste Mal jemanden sagen hört „Wir müssen einschneidende Maßnahmen bzgl. Klima ergreifen, um zukünftige Generationen zu schützen“, dann kann man klarstellen, dass „diese Vorschläge in Wirklichkeit die nächsten beiden Generationen schwer schädigen werden. Man möchte uns, unsere Kinder und unsere Enkel schädigen, um unseren Urenkeln und darüber hinaus zu helfen – die übrigens im Vergleich zu uns ohnehin phantastisch reich sein dürften“.

Die Studie von Kotlikoff et al. ist ziemlich fachlich geschrieben, weshalb ich die wesentlichen Punkte für eine Laien-Öffentlichkeit zusammenfassen möchte. Zum Ende des Beitrags werde ich auch erklären, was deren vorgeschlagene Lösungen für dieses dornige Problem sind. Um Konfusion zu vermeiden, möchte ich klar sagen: Die Autoren dieser neuen Studie sind pro einer (moderaten) Kohlenstoffsteuer. Aber sie warnen, dass die gegenwärtige Diskussion, selbst unter Ökonomen, dazu neigt, auf das zu schauen, was „das Beste für die Menschheit von jetzt an bis zum Ende aller Zeiten“ ist, anstatt zu forschen, wie man sicherstellen kann, dass jede Generation durch eine neue Klimapolitik gewinnt. Wie wir sehen werden, haben Kotlikoff et al. einen massiven fiskalischen Transfer im Sinn, welcher es heutigen Generationen erlaubt, gewaltige (zusätzliche) Schulden der Regierung anzuhäufen, die unsere Nachkommen dann im Endeffekt nach und nach mit höheren Steuern abtragen müssen, um die Probleme ihrer Vorfahren durch höhere Energiepreise infolge einer Kohlenstoffsteuer zu kompensieren.

Ich möchte diesen Beitrag nicht als Einverständnis mit den Empfehlungen von Kotlikoff et al. verstanden wissen. Zusammen mit Klimawissenschaftlern am Cato habe ich eine umfassende Kritik des Eintretens der üblichen Ökonomen für eine Kohlestoffsteuer verfasst (hier). Vielmehr möchte ich den neuesten Stand der Literatur über die Besteuerung von Kohlenstoff beleuchten. Ich möchte, dass der Leser einfach sieht, wie abgehoben die tatsächliche Diskussion unter den Experten derzeit abläuft, von den windigen Behauptungen, dass „uns noch 12 Jahre bleiben, um unsere Kinder zu retten“, die wir von ,Experten‘ und politischen Funktionären hören.

Wie sich eine „optimale“ Kohlenstoffsteuer schädigend bis in die Dritte Generation auswirken kann

Zunächst wollen wir die eigene Beschreibung der Autoren ihrer Ergebnisse zitieren. Der Titel der Studie lautet [übersetzt] „wie man eine Kohlenstoffsteuer zu einem Generationen übergreifenden Win-Win machen kann“. Hier folgt ein Auszug aus dem Abstract:

[Anm. d. Übers.: Im Original folgt hier dieser in der Tat sehr fachlich geschriebene Auszug, der hier nicht mit übersetzt wird. Der Autor selbst „übersetzt“ diesen Auszug in normale Sprache:]

Ich sehe, wie fachlich und für Laien schwierig zu verstehen dieser Text ist. Die Autoren sagen damit Folgendes: Falls wir in dieser Literatur den „goldenen Standard“ zugrunde legen und die Modell-Kalibrierung von Nordhaus 2017 anwenden, werden wir eine „optimale Kohlenstoffsteuer“ empfehlen, welche ein vernünftiges Gleichgewicht schafft zwischen Reduktion von Emissionen und Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Wachstums. Dies geht aus der Standard-Wirtschaftstheorie und den Best Estimates der Klimaforschung hervor.

Allerdings – und das ist eine gewaltige Schwäche – geht das Verfahren von Nordhaus davon aus, dass es einen wohlwollenden, allumfassenden „sozialen Planer“ gibt, der die gesamte Menschheit in einen Topf wirft und nur eine technische Berücksichtigung zulässt für einen (moderaten) Rabatt des Wohlergehens zukünftiger Generationen in Übereinstimmung mit der Standard-Wirtschaftstheorie.

In der Praxis, so schreiben die Autoren, würde Nordhaus‘ „optimale Kohlenstoffsteuer“ tatsächlich bedeuten, dass heute lebende Menschen jetzt und in naher Zukunft geschädigt werden, weil sie wirtschaftliche Schäden hinnehmen müssen durch höhere Energiepreise – und zwar mehr geschädigt als durch eine Ersparnis bzgl. Klima infolge reduzierter Emissionen. Erst viele Generationen in der Zukunft wird Nordhaus‘ „optimale Kohlenstoffsteuer“ es den Menschen besser gehen lassen im Vergleich zum Status Quo.

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Der ganze Beitrag steht hier.

Link: https://www.thegwpf.com/new-study-admits-even-modest-carbon-tax-would-hurt-the-next-two-generations/

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3 Kommentare

  1. Ich würde sogar behaupten, das eine CO2 Steuer den CO2 Ausstoß noch erhöht.

    Die reichen Menschen, welche viel CO2 ausstoßen, werden sich dadurch nicht einschränken sondern ihr Bankvermögen anzapfen. Die Steuer die diese bezahlen, wird dadurch von anderen zusätzlich in Konsum gesteckt.

    Man kann sich das ganz einfach vorstellen, wenn man darüber nachdenkt, was passieren würde, wenn man das gesamte geparkte Bankvermögen der reichen an die ärmere Bevölkerung oder den Staat verteilen würde. So würde ein Großteil dieses Geldes von der ärmeren Bevölkerung bzw. dem Staat direkt in CO2 ausstoßenden Konsum gehen und nur ein Teil des umverteilten Vermögens wieder auf der Bank landen.

  2. Wer soll denn die Steuer bezahlen(weltweit?)? Wer steckt das Geld ein?Wie kann man den Menschen einreden,das sie ins „Mittelalter“zurück sollen?Energie so zu verteuern,das es ein Luxusgut ist und bei -20 C° 50% der Bewohner erfrieren.Dieser Wunsch der Grünen Faschisten wird so nicht gehen,da vorher der Bürgerkrieg im vollen Gange ist.Es werden „Eingreiftruppen“ dagegen Aufgestellt,um schnell Aufstände nieder zu schlagen.
    Ich denke aber,das der Finanz-Zusammenbruch vorher zum Bürgerkrieg führen wird!

  3. Ich habe nur diese Seite hier – nicht den ganzen, verlinkten Artikel – gelesen. Das brauche ich jedoch nicht, um folgende Kritik anzuführen. C02-Steuer, welcher Art und Höhe auch immer, hin oder her – sie wird nur der Schwächung der „Dummen“ Selbstkasteier“ dienen. Glaubt wirklich einer dieser Super-Ökonomen, das sich China, Indien oder der Rest der Welt dazu überreden lassen, auch nur eine Rupie oder was auch immer dafür zu zahlen? Das ist bar jeder Realität. Ergo stärkt sie andere. Und ich wseiß nicht, was unser Ur-Enkel dann sagen, wenn sie unter der Fuchtel der dadurch zum Weltenherrscher Aufgestiegenen aus dem Lande Chin stehen. Danke für die Schulden und die Unfreiheit?

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