Energiewende: Populismus der Antipopulisten

ALEX BAUR ; Foto WELTWOCHE Zürich

von Alex Baur (Red. WELTWOCHE Zürich)*
CO2 ist der grosse Renner im Wahljahr 2019. Politiker von links bis rechts setzen wieder einmal die Naturgesetze ausser Kraft und versprechen das Blaue vom Himmel.

Kürzlich rechnete derTages-Anzeiger vor, dass die Stromproduktion mit Wasser infolge verschärfter Umweltauflagen trotz dem Bau neuer Kraftwerke längerfristig sinken werde. Von den 800 im Rahmen der Energiewende geplanten Windmühlen wurden bislang 37 gebaut; neue Projekte scheitern am Widerstand von Umweltschützern und Anwohnern. Das Bundesamt für Energie musste derweil einräumen, dass die Windverhältnisse in der Schweiz schlechter sind als bisher angenommen. Bei einem miserablen Nutzungsgrad von 17,8 Prozent stehen die Räder die meiste Zeit still. Und allmählich dämmert doch dem einen oder andern, dass Solarpanels im Winter, wenn man sie am ehesten gebrauchen könnte, praktisch keinen Strom liefern. Die Geothermie, einst ein zentrales Element der Energiewende, wurde längst abgeschrieben. Gestiegen ist nur der Konsum.

Die im Wahljahr 2011 nach der Kernschmelze von Fukushima eiligst durchgepeitschte Energiewende ist gescheitert, bevor sie richtig angefangen hat. Dabei mangelt es nicht an technologischer Innovation und auch nicht am guten Willen. Das Problem liegt bei den unbestechlichen Gesetzen der Natur. Erstens: Die Energiedichte von Sonne, Wind, Erdwärme oder Biomasse ist extrem gering; der klägliche Ertrag steht in einem krassen Missverhältnis zum Verschleiss an Ressourcen (Fläche, Rohstoffe, Manpower). Zweitens: Die Energie von Wind und Sonne fällt selten dann an, wenn man sie braucht; da Speicher in der dafür benötigten Grössenordnung weder ökonomisch noch ökologisch zu verantworten wären (siehe erstens), ist der wind-solare Flatterstrom auf dem Markt faktisch wertlos.

Weg in die Abhängigkeit

Jeder, der auch nur über rudimentäre Kenntnisse der Physik verfügt, hätte das Fiasko voraussagen können. Tatsächlich steckt hinter der Energiewende ein verantwortungsloser Populismus, wie man ihn in der Schweiz zuvor kaum je erlebt hat. Von links bis rechts versprachen besonders jene Politiker, die den Populismus am lautesten verdammen, ihren Wählern das Blaue vom Himmel: Die von der Natur zum Nulltarif gelieferte saubere Energie würde Innovation und Arbeitsplätze schaffen und die unheimliche Atomenergie überflüssig machen. Mit einer CO2-Steuer sollten die Leute zum Sparen gezwungen werden. Das klang so lange gut, bis die Leute merkten, dass sie selber gemeint waren.

Im März 2015 lehnte das Volk mit rekordverdächtigen 92 Prozent Nein-Stimmen eine von den Grünliberalen geforderte Energiesteuer ab. Wohlweislich vertagte Energieministerin Doris Leuthard (CVP) die CO2-Steuer auf später, um ihre Energiewende nicht zu gefährden. Doch im Jahr 2019 stehen wieder Wahlen an. Gemäss Umfragen droht, wie 2011, ein Durchmarsch der Grünen. Und plötzlich ist die FDP wieder offen für eine CO2-Steuer, die sie im letzten Jahr noch abgelehnt hat. Energieministerin Simonetta Sommaruga (SP) zeigt sich «beeindruckt» von der «Klimajugend», beschwört die «CO2-Neutralität» und einen «Schulterschluss in der Klimapolitik, damit die Umwelt, aber auch die Arbeitnehmenden und die Bevölkerung profitieren».

Bittere Realität ist aber: Will man von den fossilen Brennstoffen wegkommen, muss man mehr Strom produzieren. Ein CO2-Ablass hilft dabei nicht weiter. Denn die Elektrizität ist das Letzte, auf das die Menschen verzichten. Es braucht neue Kraftwerke. Bereits heute bestehen im Winter Versorgungslücken. Fallen auch noch die Atomkraftwerke dies- und jenseits des Rheins weg, gibt es zwei Varianten, um den Blackout zu verhindern: Kohlestrom importieren oder Gaskraftwerke bauen. Die weitgehend autarke und emissionsfreie Stromversorgung der Schweiz wird damit als Folge der Energiewende definitiv Geschichte.

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)**  Anmerkung der EIKE-Redaktion:

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der WELTWOCHE Zürich : Populismus der Antipopulisten | Die Weltwoche, Nr. 10 (2019) | 7. März 2019 ; http://www.weltwoche.ch/

EIKE dankt der Redaktion der WELTWOCHE und dem Autor ALEX BAUR für die Gestattung der ungekürzten Übernahme des Beitrages.

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8 Kommentare

  1. Am 13.03.19 in Focus:
    Dort bestreitet Patrick Moore, Gründer von Greenpeace, den Zusammenhang von sogenanntem menschengemachten Klimawandel und Co2! Er sieht offensichtlich ein Riesengeschäft in diesem von den Globalisten betriebenen Hype.
    Übrigens geht mir die Erwähnung von dem offensichtlich kranken und für Klimazwecke mißbrauchten schwedischen Backfisch fürchterlich auf den Senkel. Ich möchte sie und ihren Namen nicht noch weiter publiziert sehen. Es lohnt nicht…

  2. Früher, in besseren Zeiten, witzelte man gelegentlich, wenn man die Steurerfindungsfantasie der Politiker bespötteln wollte, „Eines Tages werden sie uns noch die Luft zum Atmen besteuern!“, wohlwissend, daß dies unmöglich wäre.
    Welch ein Irrtum!
    Mit der CO2-Besteuerung ist ihnen dies auf einem Umweg gelungen.

    Nun habe ich manchmal den Verdacht, daß dies auch im Interesse der Ölindustrie wäre, die befürchten muß(te), daß sich die Theorie der „abiogenen Erdölentsehung“ verbreiten und das Märchen von der angeblichen Knappheit der „fossilen“ Herkunft entzaubern könnte. Dann könnte der Pöbel fragen, warum macht ihr dann das Erdöl so teuer, wenn es doch nahezu unbegrenzt in der Erde vorhanden ist?
    Ist also das CO2-Märchen nicht ein sinnvolles Ersatzargument, „Aber wegen der Erderwärmung müssen wir dennoch sparsam damit umgehen.“, hilfreich?

    Daß also nicht die „Atom-Industrie“ die CO2-Spinner befördert hätte, wie manche mutmaßen, sondern die Erdölwirtschaft? Jedenfalls tun die lieben Amis so ziemlich alles, um die Konkurenz am Zugang zu den Ölquellen zu hindern und von der Überflutung mit zuviel günstigen Kohlenwasserstoffen abzuhalten …

  3. Manchmal falle ich dem Gedanken anheim, dass das gesamte Gerede und der Aktionismus um die “Erneuerbaren“ nur einem Zeck dient, nämlich möglichst schnell möglichst viel Kohle und Erdöl vorerst aufzusparen, um für ein noch nicht medial thematisiertes Thema in den kommenden Jahrzehnten gewappnet zu sein – wie zum Beispiel eine Kältezeit, der besonders intensiven Art. Was indes würde geschehen, wenn man eine solche bevorstehende Herausforderung schon jetzt thematisieren täte, um sich global darauf vorbereiten zu können?

    • Da trauen Sie den Politikern aber sehr viel zu an Vorsorgedenken.
      Ich glaube eher, es ist wirklich so, wie es scheint: Die Regierenden wollen halt bei jeder Hype dabeisein, wenn sie sehen, die Bevölkerung fährt daruf ab. Und diese Hype ist es derzeit nun mal, weiter angefeuert durch kleine bezopfte Mädchen aus dem Norden, der Kohle alles Schlechte anzudichten, was auf der Welt passiert und sie demnach so schnell wie möglich verschwinden zu lassen.
      Die derzeitige Energiepolitik ist genau das Gegenteil von Vorsorge für die nächsten Generationen, sie verbaut diesen Generationen eine lebenswerte Zukunft, ausser man sieht das Modell des chinesischen „Großen Sprung nach vorne“ mit Millionen Hungertoten als zukunftsträchtig an. Der ähnelt nämlich der angedachten „Großen Transformation“ à la Schellnhuber und Co. verblüffend stark.

      • Ich denke da eher an das globale Wirtschaftssystem, die Gigamaschinerie, die nahezu alle Politiker in Marionettenhaft hat. Ich denke da eher an jene “Mechanismen“, wie sie Franco “Bifo“ Berardi in seinem kleinen lesenswerten Werk BREATHING beschreibt.

        • Nee nee Herr Wehner,
          das passt schon! Regelmäßig wird der Nobelpreis an solch herausragende Persönlichkeiten vergeben. So haben die Terroristen Nelson Mandela und Jassir Arafat diesen Preis bekommen, Al Gore hat ihn für einen pseudowissenschaftlichen Film bekommen, Barack Obama, weil er ein Farbiger ist usw usf. Dann haben Sie sich mal nicht so, nur weil Sie gegen den Mißbrauch eines behinderten Kindes sind – ist doch für eine gute Sache (Welt retten)!
          MfG

          • Hallo Herr Langer , sie haben recht ,von dieser Seite aus habe ich die Sache noch gar nicht betrachtet! Man lernt halt nie aus .
            LG

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