„Australien wird neue, fortschrittliche Kohlekraftwerke bauen. Der Wiederaufbau der zerstörten Grundlastversorgung.“

Sprengung Kohle Kraftwerk in Walsum 17.02.2019 Bild Tagesschau

Von Michael McLaren
Teil 1
Übersetzung und Kommentar: Günter Keil

„Genau so, als ob man versucht, etwas mit Hilfe einer Schnur anzuschieben, tragen Wind- und Solarenergie nichts zu einer zuverlässigen Kapazität der Stromerzeugung bei: Es gibt sie nicht, wenn Sie sie brauchen und oft ist sie da, wenn sie nicht benötigt wird. Wind- und Solarstrom sind deshalb ein immerwährender Ärger für die Stromnetz-Manager – also die Leute, die versuchen, die Lichter leuchten und in diesem Sommer die Klimaanlagen summen zu lassen.

Am 25. Januar (2019) waren 200.000 Haushalte und Unternehmen in Victoria (Anm: Bundesstaat im Süden Australiens) ohne Strom – und sie waren wütend darüber, was mit ihrer einst zuverlässigen und günstigen Stromversorgung geschehen war.
Victorias Premierminister Daniel Andrews und die Ministerin für die Verschrottung des Stromnetzes, Lily D’Ambrosio hatten einen Freudentanz aufgeführt, als das 1.600 MW (Megawatt) Kohlekraftwerk Hazelwood durch den subventionierten Windstrom aus dem (Energie-)-Geschäft hinausgeworfen wurde.
Wäre dieses Kraftwerk am 25. Januar in Betrieb gewesen, hätte es leicht den Absturz der Windkrafterzeugung von 833 MW ausgeglichen, der an diesem Tage in einem Zeitraum von einigen wenigen Stunden erfolgte. Als die Stromversorgung zusammenbrach, betrug die Stromerzeugung der Windkraftanlagen Victorias lächerliche 20% ihrer Gesamt-Nennleistung.
Und mehr zu diesem Ereignis: Hätte man Hazelwood und anderen vergleichbaren Kraftwerken weiterhin die Versorgung der Einwohner Victorias – und unter anderen auch Südaustraliern – überlassen, ohne die chaotische Störung durch hochsubventionierte Windkraft, dann hätte es keine Massen-Blackouts an diesem Tage gegeben. Auch wären die Stromerzeugungskosten nicht auf $14.500 pro MWh (Megawatt-Stunde) hochgeschossen.  Vor der Subventionierung von Wind und Solar lieferte Hazelwood problemlos und profitabel Strom ins Netz: Und zwar für weniger als $50 pro MWh.
Ein ähnliches Chaos spielte sich am vorhergehenden Tag im Bundesstaat Südaustralien (SA) ab, als die Windstromleistung zusammenbrach und die Strompreise durch die Decke gingen.
SA sprengte sein letztes Kohlekraftwerk im Jahre 2016 in die Luft.
Das Debakel vom 25. Januar in Victoria – und die unzureichende Stromversorgung, die bereits seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil des Lebens im Windstrom-„versorgten“ Südaustralien ist – hat jetzt den Fokus auf die Frage gerichtet, was der Begriff „Zuverlässigkeit“ eigentlich bedeutet.

Mit dem Verbot der Kernkraft durch die Bundesgesetzgebung sowie die starke Drosselung oder auch das Verhindern der Gasförderung in auf dem Festland liegenden Feldern durch die Gesetzgebung der Bundesstaaten, die zu extremen Gaspreisen führte, blieb als alleinige Möglichkeit, das Netz zu sichern und den Verbrauchern zuverlässig Strom zu liefern, der Betrieb von Kohlekraftwerken.

STT hat erfahren, dass der Bundes-Energieminister, Angus Taylor, intensiv an Vereinbarungen arbeitet, die zu einer Investitionswelle in neue Kohlekraftwerke mit hohem Wirkungsgrad und niedrigen Emissionen führen werden, und die ebenso die Sanierung und Modernisierung bestehender Anlagen unterstützen.
Nennen wir es eine Rückkehr zur Vernunft in der Energiepolitik.“
(Ende des Blogs von McLaren)

Kommentar von Günter Keil
„Australien befindet sich zwar auf der gegenüber liegenden Seite der Erdkugel, aber nachdem ich die auf der Webseite von STT veröffentlichten zwei Beiträge (Lit. 1 und 2) gelesen hatte, kam mir nahezu alles sehr bekannt vor – als sei die Rede von Deutschland, in dem es allerdings im Januar nicht Sommer ist. Die Parallelen zur deutschen Energiepolitik und ihren Folgen sind frappierend, doch sind sie die logischen Folgen der gleichen Ideologie, die insbesondere Südaustraliens Bürger und Unternehmen zunehmend belasten – und die eine hierzulande (bisher noch) nicht bekannte Wut erzeugen. Das Betrachten der Startseite des Web-Blogs STT – was „Stop These Things“ („Schluss damit“) bedeutet – sagt alles:
Deren Untertitel lautet: Die Wahrheit über den großen Windstrom-Betrug“
Es folgt die Zielsetzung: „Wir sind nicht hier, um über Windindustrie zu debattieren, sondern um sie zu zerstören.“
Angesichts des auch bei uns schmerzhaften Anstiegs der mittlerweile höchsten Strompreise in der EU und des gerade erst im Januar 2019 erlittenen erneuten Zusammenbruchs der Stromversorgung in Südaustralien ist eine deutliche Ähnlichkeit zu uns – die wir gerade am 10. Januar 2019 einem gefährlichen Beinahe-Blackout entgangen sind – gut erkennbar. In einer Hinsicht sind jedoch die heute führenden australischen Politiker dem Energiewende-Deutschland voraus: Der voraussichtlich in naher Zukunft vom Bundestag beschlossene Ausstieg aus der Kohleverstromung ist in Australien bereits seit Jahren Gesetz und Realität. Kraftwerke wurden zuerst in die Unrentabilität befördert und nach ihrer Schließung gesprengt. Ihr Ersatz durch Windstromanlagen wurde zwar durch die eingetretenen Versorgungsengpässe (fehlende Grundlast-Stromerzeugung), durch Blackouts – ein früherer am 28. September 2016 (Nr.3) betraf ebenfalls Südaustralien – und den Anstieg der Strompreise eindeutig widerlegt. Aber die Politiker nehmen es hier wie dort nicht zur Kenntnis:
In dem am 29.9. folgenden Artikel der gleichen Zeitschrift  über diesen „schlimmsten Sturm  der letzten 50 Jahre“ zitierte man den Premierminister von SA, Jay Weatherill, mit der Aussage, dass die Behauptungen, dass der Stromausfall die Folge des erheblichen Ausbaus der Windkraft oder der Stilllegung von Kohlekraftwerken gewesen sei, falsch wäre. Was die Zeitung dann veranlasste, in der Überschrift dieses Artikels zu betonen, dass „die Erneuerbaren an diesem Blackout keine Schuld tragen“ (4).
Leider war es diese Behauptung, die falsch war. Die Erklärung ergab sich aus der Mitteilung im gleichen Artikel, dass vom Meteorologie-Amt die Warnung verbreitet worden sei, dass ein derartiger „super cell thunderstorm“ Sturmböen von bis zu 140 km/h erreichen kann.
Wie in Deutschland und ebenso in anderen Ländern schon lange bekannt ist, müssen Windräder bei Starkwind abgeschaltet und abgebremst werden, um Schäden zu vermeiden. Ausführliche Angaben macht die deutsche Firma Enercon, die für die Sturmregelung ihrer Typenreihe durchweg eine „Abregel-Windgeschwindigkeit“ von 28 bis 34 m/sec nennt, in der die Anlagen linear heruntergefahren werden. Ab 34 m/sek wird abgeschaltet – das entspricht 122 km/h.
Bei deaktivierter Sturmregelung stoppt die WKA bereits, wenn die Windgeschwindigkeit im
3-Minuten-Mittelwert 25 m/sec bzw. im 15-Sekunden-Mittelwert bei 30 m/sec liegt – das sind 91 km/h.
Daher sind bei einem derartigen Sturm sämtliche Windturbinen längst abgeschaltet und die Rotoren blockiert. Mit anderen Worten:  Auch die besonders geförderten, zahlreichen Windparks in Südaustralien produzierten während dieses Sturms: Nichts.
Kohlekraftwerke hätten – intakte Hochspannungsleitungen vorausgesetzt – sehr wohl mit ihrer wetterunabhängigen Leistung zur Stabilisierung der Stromversorgung beitragen können. Jedoch nur die noch nicht stillgelegten und gesprengten Anlagen.

Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass diese Erfahrungen zu einer Revision der deutschen Energiepolitik führen. Wie es aber endet, können wir am australischen Beispiel lernen. Und dann wird es nicht allein um den Neubau moderner Kohlekraftwerke gehen.

Hinweis: Die Beiträge 1.) und 2.) wurden zusammen von STT erst am 5.2.2019 veröffentlicht.
Der Artikel Nr.1 (Teil 1) bezieht sich auf den Blackout in Victoria am 25. Januar 2019.
Der Beitrag Nr.2 präsentiert das Interview vom 22. Januar 2019, das 3 Tage vor dem Blackout gesendet wurde, in dem Einzelheiten des bevorstehenden Neubauprogramms für moderne Kohlekraftwerke erläutert werden.
Teil 2  (Nr.2) wird separat veröffentlicht.

Quellen:
1.) Webseite STT (s.o.); „Reliable Power Rewind: Australia Rebuilds Baseload With New High Efficiency Low Emission Coal Plants”, vom 5. Februar 2019. Teil 1
2.) Webseite STT (Stop These Things): “The Search for Energy Investors to help the Coal Fire Industry” , Interview des Abgeordneten Craig Kelly, MP, durch Michael McLaren, 2GB, vom 22.Januar 2019. Teil 2

3.) Elle Hunt: „South Australia blackout: entire state left without power after storms“, The Guardian, 28. 9. 2016;  https://www.theguardian,com/australia-news/.
4.) Michael Slezak: “South Australia’s blackout explained (and no, renewables aren’t to blame”, The Guardian, 29.9.2019; Website s.o. bei Quelle Nr.3.

 

Dr.-Ing. Günter Keil
Sankt Augustin

  1. Februar 2019
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6 Kommentare

  1. Negative Preisereignisse haben ein Rekordniveau erreicht auch in teilen von Australien, da Solarenergie und Windkraft die Kohle stark belastet.
    Die Kohlekraftwerksbetreiben müssen auch noch lernen das man nur noch in den Nachtstunden Geld verdienen kann.

    In Südaustralien ist in den drei Monaten bis Ende September ca. 8,4% negative Preise zu verzeichnen.
    (In Deutschland sind das um die 0,5%)
    Die negativen Spotpreise senkten die durchschnittlichen Vollstrompreise in Südaustralien um 8,22 USD / MWh und in Queensland um 2,74 USD.

    https://reneweconomy.com.au/negative-pricing-events-hit-record-levels-as-solar-takes-big-bite-out-of-coal-70728/

    Das Australien neue, fortschrittliche Kohlekraftwerke baut ist eigentlich unrealistisch.

  2. „Australien wird neue, fortschrittliche Kohlekraftwerke bauen.“

    Das zieht sich aber irgendwie mit den fortschrittlichen Kohlekraftwerken bis das gebaut ist in Australien.

    Ist nicht die Solarstromherstellung in 2018 gegenüber dem Vorjahr extrem gestiegen ?

    https://cleantechnica.com/2019/02/08/grid-scale-solar-power-tripled-in-australia-in-2018-as-renewables-met-20-of-energy-output/

    Da kommen die Leute mit dem Kohlekraftwerk wenn das dann in ca. 10 Jahren Fertiggestellt ist zu spät, so meine Einschätzung.

    Ist nicht die australische Solarindustrie im Jahr 2018 geradezu in die Höhe geschossen, als 1,5 Gigawatt (GW) Solar online gingen.
    Dies entspricht etwa dem Zehnfachen der Menge an Solarenergie, die 2017 online ging (rund 150 MW).

    Okay, ein Plus von 1,5 GW in nur einem Jahr und das bei nur ca. 25 Millionen Einwohnern.
    Da kommt auf jeden ein Plus von ca. +60 Wp in Deutschland sind das in 2018 nur ca. +40Wp.

    Jetzt kommen die „Spezialisten“ und Nachts …………..

    In Australien werden die meisten PV-Anlagen mit speicher ausgestattet um auch die vorhanden Netzausfälle zu vermeiden.
    Nichts schlimmeres als 40°C und der Kühlschrank und Gefriertruhe ist für einen oder zwei Tage ohne Strom, kannst dann die Lebensmittel entsorgen.

    Die Australier haben verstanden das man wenn man eine sichere und zuverlässige Stromversorgung möchte und brauch man sich nicht nur auf Netzstrom verlassen sollte.

  3. Thilo Sarrazin hatte recht mit seinem Buch Deutschland schafft sich ab, er hat nur nicht das ganze Ausmaß gesehen.

    Man stellt sich ein Winterperiode vor die kalt ist und wenig Wind hat. Das Ausland kann oder will nur ein wenig Strom abgeben mit dem Gedanken der deutschen Wirtschaft zu schaden. Nun kann sich Deutschland entscheiden, Laden wir die E-Autos das die Leute zur Arbeit kommen aber keine Arbeit haben da kein Strom, z.B. Aluminium Produktion oder Stahlhütten Va Produktion usw. mehr vorhanden. Oder aber umgedreht, Produktion aber keine Arbeitskräfte. Das schlimme daran ist die Lächerlichkeit die sich Deutschland hingeben muss. Aus was für einen Grund begibt man sich ohne zwingenden Grund in einer desolaten Stromversorgung obwohl man eine günstige, stabile Versorgung hat / hatte ?

    Es kann nur einen Grund dafür geben, es sind Leute die in der Regierung sitzen die von nichts eine Ahnung haben und wenn ich mir Merkel anschaue, angeblich Physikerin, muss ich sagen sie zieht die Energiewende mit dem Wissen das Deutschland geschwächt wird einfach blindlinks durch, oder sie hat sich die Physikerin auf der Kirmes geschossen.

  4. Australien greift auch zu kreativen Mitteln und modernisiert ein Kohlekraftwerk mit Mitteln eines Klimafonds, indem es die Modernisierung als Politik der „Klimalösungen“ verkauft.
    The Guardian

    Andererseits sind die Menschen im Land wegen der zurückliegenden Hitzeperioden sehr verunsichert, was das Thema Klimawandel betrifft.
    Hier ein Bericht über die außergewöhnlich heißen Tage im Januar in Australien.

  5. Unser Problem ist, im Gegensatz zu Australien, wir haben Nachbarn die uns vor einem Blackout zuverlässig und gegen Geld retten werden! Und so könnte unsere EEG Glückseligkeit noch ewig so weiter gehen. Denn der Michel wird auch weiterhin für die Fantastereien  einiger weniger  zahlen.

  6. Hier wäre noch zu ergänzen, dass Australien auf Grund seiner Insellage seine Versorgungsprobleme nicht mit Hilfe seiner Nachbarn lösen kann und deshalb die Auswirkungen seiner verfehlten Energiepolitik direkt zu spüren bekommt!

    Deutschland hingegen hängt zunehmend am Tropf des europäischen Verbundnetzes, exportiert seine Probleme (=unplanmäßiger Stromüberschuss) zu negativen Preisen und importiert die Lösung (=zuverlässige Stromversorgung).

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