Der Hype um die „Quantum Glass“-Batterie

Vielleicht schon bald ein alter Hut: herkömmliche Batterien. Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Dr. Klaus L.E. Kaiser
Es gibt einen Hype um einen neuen Batterie-Typ mit Termini wie „Quantum Glass“-Batterie oder sogar „die Jesus-Batterie“ sowie eine Behauptung, dass „es der globalen 3 Billionen-Dollar-Elektrofahrzeug-Revolution zum Durchbruch verhelfen wird“. Man schaue bei investorplace.com sowie bei Forbes und anderen Finanz-Informationsdiensten.

Dieser hinaus posaunte Durchbruch der Batterie-Technologie ist der Jüngste in einer Menge innovativer Ideen, worunter auch „Batterien mit Sand“, „dehnbare Batterien“, „Schaum-Batterien“, „Harn-Batterien“, „lasergestützte Mikro-Super-Kondensatoren“ und weitere sind (13 erstaunliche Batterie-Innovationen, welche die Welt verändern können).

Gerissene Investoren sind am Ball

Obwohl sie sich noch in der Entwicklungsphase von Prototypen befinden, klingt die verkündete Innovation großartig. Einige Innovationen kommen gar nicht so weit. Unnötig zu sagen, dass all die großen Zauberer Bill, Jeff, Mark, Michael, Richard usw. allesamt hinter der neuen Entwicklung stehen.

Sollte man ihnen beispringen?

Mit Schnipseln wie „Todesstoß für Lithium-Ionen-Batterien“ und „BP investiert…“ könnte man denken, dass es eine sichere Sache ist.

Und außerdem, auch nur eine dünne Scheibe dieser (vermuteten) Billionen-Dollar-Revolution könnte einem gut tun. Ist das nicht einen Einsatz wert?

Falls man jedoch immer noch nicht überzeugt ist – wie wäre es, diese neue Batterie das nächste Mal bei Zielübungen auf dem Schießplatz zu nutzen? Der Investor Matthew McCall schreibt:

Also, was passiert, wenn nicht nur eine, sondern DREI Kugeln (Kaliber .22 Remington) den neuen, welterschütternde Batterietyp treffen, welchen Fortuna den „Heiligen Gral“ der Energie-Speicherung nennt?

Nicht nur, dass diese Batterie alle drei Kugeln aufnimmt – sie erzeugt nichtsdestotrotz einwandfrei Energie – ohne einen Herzschlag lang auszusetzen“ (Dabei zeigt er ein Bild mit einer von einer Kugel getroffenen Batterie).

Aber es gibt noch ein weiteres Wunder dieser Innovation, nämlich die Geschwindigkeit, mit der die Batterie wieder aufgeladen werden kann:

McCall weiter:

Insidern der Automobilbranche zufolge kann ein Fahrzeug, welches mit der „Quantum Glass“-Batterie angetrieben wird, ein Elektrofahrzeug innerhalb von 60 Sekunden aufladen“.

Das geht dann schneller als das Auffüllen eines Benzintanks“.

Noch andere behaupten, dass eine volle Ladung ausreicht, mit einem Auto 1000 Meilen weit zu fahren. Rechnen wir das einmal schnell durch. Selbst ein Leichtgewicht-Auto würde auf ebenem Grund eine Minimalenergie von 120 kWh für diese Distanz benötigen. Bei einer vollen Wiederaufladung der verbrauchten Energie innerhalb von 60 Sekunden muss die Energie-Übertragungsrate 2 kWh pro Sekunde betragen (oder 7200 kWh pro Stunde). Ein normal großes Heizelement (Energieverbrauch 1500 W) verbraucht diese Energiemenge innerhalb 1 Stunde. Folglich wäre jene Energie-Übertragungsrate von 2 kWh pro Sekunde äquivalent zu einem Energieverbrauch von etwa 4000 derartiger Elemente. Setzt man die typischen (120/240 V) Haushaltsstrom mit einer Kapazität von 200 amp an, beträgt die maximal daraus entnehmbare Energie 50 kWh pro Stunde (oder 0,012 kWh pro Sekunde). Folglich würde man also zusätzlich weitere Paneele und viel mehr herkömmliche 12-Gauge-Kabel [?] benötigen, um diese Batterien zu hause aufzuladen oder eine deutlich längere Aufladezeit als 60 Sekunden in Kauf zu nehmen.

Und außerdem

Industrie-Insidern zufolge ist die Technologie hinter der Quantum Glass Battery ausgesprochen preiswert zu erzeugen. Sie könnte den Autobauer Kosten von lediglich 30 Dollar pro Kilowattstunde verursachen mit der Weiterentwicklung dieser Technologie“.

Das steht im Vergleich zu etwa 200 Dollar pro kWh Speicherkapazität der gegenwärtig erhältlichen Lithium-Ionen-Batterie, welche in Elektrofahrzeugen und in vielen batteriegetriebenen Einrichtungen im Einsatz sind.

Mann, wenn einen das nicht überzeugt – was dann?

Könnte es sein, dass einen gerade dieses erstaunliche Ausmaß des Hypes zurückhält?

Link: https://canadafreepress.com/print_friendly/the-quantum-glass-battery-hype

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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15 Kommentare

  1. Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten: 29. Januar 2019
    Die Bundesregierung will Chinas Dominanz bei Batterien brechen.
    Milliarden an Investitionen.
    Bundesregierung investiert (angeblich) Milliarden in Batteriezellenforschung.

    Haben Vorgängerregierungen die Batterieforschung in grauer Vorzeit, nach dem 2. WK, nicht aus diesem Land vertrieben, aus Hochmut?

    Regierungen sind dumm.
    Sie wissen immer weniger als der Gesamtmarkt. Wahre, unangreifbare Aussage.
    Vgl. Friedrich A. Hayek.

    Regierungen lieben es, das Geld anderer zu verschleudern.

  2. Überzeugen tut mich die Sache nicht. Denn dann hätten die Erfinder mal eben die elektrochemische Spannungsreihe neu erfinden müssen.

    Es steht aber auch im Original nichts davon, wie das Ganze funktionieren soll, bzw. woraus es besteht.

    Auch der Link zu den „Batterie-Innovationen“ enthält m.e.  nur oder fast nur Blödsinn.

    Lustig auch immer, dass es noch Dumme gibt, die man mit „berührungslosem Aufladen“ beeindrucken kann. Herr Tesla (nicht das Auto) kann noch immer nicht widerlegt werden, auch wenn Fraunhofer es schon lange angekündigt hat (solche Übertragung schluckt viel, sehr viel Wirkungsgrad)

  3. Solche Batterien braucht das Land, denn sonst müssten die Österreicher noch mehr für die Stabilität im Netz sorgen. (Ironie aus)

    Die Instabilität des deutschen Stromnetzes fordert die Linz AG. Weil der unregelmäßig erzeugte Windstrom aus Norddeutschland wegen mangelnder Leitungskapazitäten nur schwer zu den großen Abnehmern der Industrie im Süden transportiert werden kann, müssen südliche Stromerzeuger immer kurzfristiger “dagegenhalten”.

    Die Linz AG musste im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017/18 an exakt 100 Tagen einspringen und die Gasturbinen anwerfen, um die Netzstabilität in Europa aufrechtzuerhalten. Das waren 18 Tage mehr als im Jahr davor. “Ohne unsere flexiblen Gaskraftwerke wären die Netze nicht aufrechtzuerhalten gewesen”, sagte Vorstandsdirektor Wolfgang Dopf gestern bei der Präsentation der Bilanz.

    https://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/wirtschaftsraumooe/jeden-dritten-tag-hilft-linzer-kraftwerk-den-deutschen-aus;art467,3096930

  4. Das ist natürlich ganz schlimm, wenn da wirklich jemand einen genialen Einfall hätte und würde hier einige Kartenhäuser zusammenstürzen lassen, wenn das wirklich gehen sollte.

    „…muss die Energie-Übertragungsrate 2 kWh pro Sekunde..“
    Wer war das gleich mit dem Gigabits im Stromnetz? Energie pro Zeit ist immer noch Leistung und Strom kommt nie digital.

    • Lieber Hr. Schubert,
      hatten Sie hier mal nicht behauptet, Sie hätten E-technik studiert?
      Ich war bisher davon ausgegangen, dass 1 kWh (auch zu lesen als 1000 VA * 1h)
      eine Energiemenge ist. Wenn Sie eine Quelle haben, welche diese kontinuierlich über eine Stunde abgeben kann, dass hat diese eine Leistung von 1kW. Wenn Sie die doppelte Energie in 1 Sekunde liefern kann, dann hat sie eine Leistung von 7200 (60 min * 60 s ) kW.
      Habe ich da etwas falsch verstanden?
      Mfg

  5. Zitat…

    „Industrie-Insidern zufolge ist die Technologie hinter der Quantum Glass Battery ausgesprochen preiswert zu erzeugen. Sie könnte den Autobauer Kosten von lediglich 30 Dollar pro Kilowattstunde verursachen mit der Weiterentwicklung dieser Technologie“.

    …hier ist der letzte Halbsatz zu beachten….mit der Weiterentwicklung dieser Technologie…es handelt sich hier also um kein fertiges Produkt sondern um das Abgreifen von Investorengelder…von Subventionsgelder….

    Markt und Produktreif ist da überhaupt nichts…da ist viel Fake mit dabei…Entwicklungsphase…und jeder Techniker weiß…wie oft man in der F&E Phase scheitert….jahrelange praxistest…auf Herz und Nieren überprüfen…alles zeitaufwendig. kostenintensiv und der Ausgang…meist negativ.

     

  6. Für die erforderliche Anschlussleistung (7.200 kW = 7,2 MW) stellt am dann schnell 2 Windräder auf und fordert den Wind auf, mal eben für 60 s auf Sturm zu schalten. Wer das Klima der Erde steuern kann, kann bestimmt auch für läppische 60 s den Wind steuern. Ich denke, das wäre eine Aufgabe für Schellnhuber und Rahmstorf vom PIKH (Potsdamer Institut für Klima Hpothesen).

    • Sie und Ihre Scherze! Weil der Wind of Change ja nicht immer weht, wenn man ihn braucht, wird das Problem technisch gelöst. Wenn Sie den Ladestrom einschalten, springt zunächst eine Super-Batterie von Elon Musk ein und überbrückt die Sekunden, bis das neue Gaskraftwerk hochgefahren ist. Der Wind füllt dann später wieder den Super-Akku.

      Offen ist nur noch die Frage, ob das mit politisch unkorrektem Russengas, freiheitlichem Frackinggas oder Windgas laufen wird. Denke, Frau Kemfert wird hier für Windgas optieren.

      Eins ist aber klar, weil Wind und Sonne keine Rechnung schicken, können wir der Zukunft gelassen entgegensehen.

      • Na ja, dann muss man mal erst die Kabel von dem oder den Windrädern direkt zu der Pufferstation führen. Dann folgt ein 50 Hz Gleichrichter, ein Umrichter zum Laden des Pufferakkus mit den entsprechenden Verlusten im Gleichrichter, Umrichter und im Pufferakku mit Ladeverlusten. Danach kommt wieder ein Umrichter, vielleicht ein Chopper, mit Verlusten und Entladeverlusten des Pufferakkus und Ladeverlusten des zu ladenden Superakkus. Bei den hohen Ladeströmen für einen 60s Ladevorgang auf der Niederspannungsseite wären dann Supraleiter mit entsprechender Kühlung angesagt, was weitere Verluste erzeugt.

        Auf Ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung bin ich einmal gespannt. Außer dem Wind, der keine Rechnung schickt, sind da viele Stufen dazwischen, wo der Betreiber recht ordentliche Rechnungen schicken wird. Bitte fangen Sie an zu rechnen.

    • Nicht zu vergessen, selbst bei einer Ladespannung von 1000V wäre der Ladestrom 7.200 A. Das Ladekabel samt Isolation wäre bald dicker als das Auto. Vermutlich würde man dann in Zukunft nicht mehr ein Ladekabel einstecken, sondern mit dem Auto in die Ladegarage fahren, die gesamte Außenfläche des Autos wäre Kontaktfläche, der Ladevorgang eine mehr oder weniger kontrollierte Explosion.

  7. Das mit den Batterien muss man natürlich immer politisch korrekt betrachten. Nehmen wir das Beispiel Lithium-Ionen-Akkus. Sie sind derzeit der Standard im Bereich der Elektromobilität und werden in gigantischen Mengen verbaut vom Wunderkind Elon Musk und auch anderswo. Das ist absolut politisch korrekt und Deutschland braucht schnell eine Million solcher tollen Autos.

    Jetzt gibt es aber einen Trend zu beheizbarer Kleidung, die ich persönlich immer für völlig unnötige Geldverschwendung hielt. Die Lithium-Ionen-Akkus in den beheizbaren Jacken, Schuheinlegesohlen und Handschuhen sind naturgemäß etwas kleiner als die in den Autos. Trotzdem warnt die Verbraucherzentrale Hamburg heute Mittag im DLF-Interview vor diesem Trend, „der ökologisch nicht begrüßenswert ist“, in erster Linie wegen der Inhaltsstoffe dieser Akkus, also Lithium, Kobaltoxid und andere problematische Materialien. Außerdem verbrauchen die zum Laden Strom und das wäre auch nicht gut.

    Die Energiewende ist eben hoch komplex und man muss Vieles lernen. Merke: Akkus in Autos sind fortschrittlich, Akkus in Schuhsohlen sind eine Gefahr für die Umwelt und damit vermutlich auch nicht politisch korrekt.

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