FACTFULNESS: Eine Buchre­zension

Kip Hansen
Das Buch von Hans Rosling mit dem Titel [übersetzt] „FACTFULNESS: Zehn Gründe, warum wir die Welt falsch beurteilen – und warum alles besser ist als man denkt“ [Originaltitel siehe oben und noch deutlicher am Ende!] ist derzeit der Bestseller Nr. 1 bei Amazon in der Kategorie Probability & Statistics. Die Buchabteilung von Walmart listet es in den Top 100 Non-Fiktion für Erwachsene.

Es enthält fabelhafte Übersichten:

„Inspirierend und aufschlussreich sowie angefüllt mit lebendigen Anekdoten und bewegenden Stories ist Factfulness ein eindringliches und grundlegendes Buch, welches die Art und Weise, wie man die Welt sieht, ändern wird, und welches einen in die Lage versetzt, auf die Krisen und Gelegenheiten in der Zukunft zu reagieren“.

In Factfulness bietet der Professor für Internationale Gesundheit und das globale TED-Phänomen* Hans Rosling zusammen mit seinen vieljährigen Mitarbeitern Anna und Ola eine radikal neue Erklärung, warum dies passiert. Sie enthüllen die zehn Instinkte, welche unsere Perspektive verzerren – von unserer Neigung, die Welt in zwei Lager zu teilen (normalerweise irgendeine Version von uns und denen) bis hin zu der Art und Weise, mit der wir Medien konsumieren (wo Angst regiert) und wie wir Fortschritt aufnehmen (indem wir glauben, dass es mit den meisten Dingen immer schlechter wird).

[*TED = Technology, Entertainment and Design. Daraus wurde das hier angesprochene weltweite TED-Phänomen. Mehr zu TED hier. Anm. d. Übers.]

Unser Problem ist, dass wir nicht wissen, was wir nicht wissen, und selbst unsere Vermutungen basieren auf ungewissen und vorhersehbaren Verzerrungen.

Es stellt sich heraus, dass die Welt mit all ihrer Unvollkommenheit in einem viel besseren Zustand ist als wir denken. Das heißt nicht, dass es keine realen Probleme gibt. Aber wenn wir uns die ganze Zeit über alles Sorgen machen anstatt eine auf Fakten basierende Weltsicht zu begrüßen, können wir unsere Fähigkeit verlieren, uns auf die Dinge zu konzentrieren, die uns am meisten bedrohen“.

Hans Rosling, der vor seinem Tod im Februar 2017 ein vielgefragter Mann in den TED-Gesprächskreisen war, sagte: „Dieses Buch ist mein letzter Kampf in meiner lebenslangen Mission, verheerende Ignoranz zu bekämpfen“.

FACTFULNESS erregt viel Aufmerksamkeit und viele Hinweise auf dasselbe an vielen bedeutenden Stellen. Bill Gates hat einen You-Tube-Film produziert, in welchem das Buch empfohlen wird. (Ich gebe zu, dass die Empfehlung ausgerechnet von Bill Gates mich zunächst davon abgehalten hat, das Buch überhaupt anzuschauen).

Es ist ein wunderbares Buch – meine Frau und ich haben es gemeinsam gelesen. Wir sind seit 45 Jahren Lebensgefährten – und vertreten dennoch immer noch erheblich voneinander abweichende Standpunkte bzgl. der Welt um uns herum. Wir beide jedoch empfinden das Buch übereinstimmend als informativ und – ja, dass die Lektüre einfach auch Spaß macht.

Rosling war sein Leben lang Pragmatiker – er sieht und trachtet nach pragmatischem Verständnis und pragmatischen Lösungen. Er sieht, dass alles besser wird, nicht schlechter. Sein Hintergrund ist der eines Profis für öffentliche Gesundheit in weltweitem Maßstab – er bekämpft Epidemien und katastrophale endemische Krankheiten an weit entfernten Stellen.

Er warnt uns vor zehn geistigen schlechten Gewohnheiten oder „Instinkten“:

10 „Daumenregeln“ in FACTFULNESS:

  1. Gap Instinct [Gap = Lücke, Graben]

  2. Negativity Instinct

  3. Straight Line Instinct

  4. Fear Instinct [Fear = Angst, Furcht]

  5. Size Instinct

  6. Generalization Instinct

  7. Destiny Instinct [Destiny = Schicksal]

  8. Single Instinct [single = einzig, {einzigartig}]

  9. Blame Instinct [Blame = Schuld]

  10. Urgency Instinct [Urgency = Dringlichkeit]

Ich habe hier bei WUWT viele Beiträge zu den gleichen Themen gepostet – in welchen ich die Fallstricke beim Ausweiten von Trends über die Daten hinaus beschrieb, ebenso wie den Missbrauch von Mittelwerten (und von Mittelwerten der Mittelwerte); ich habe die Neigung beklagt zu versuchen, komplexe Dinge in eine einzige Zahl zu pressen; wie Äpfel und Orangen mit einander verglichen (und gemittelt!) werden; ich habe gegen die Instinkte der Medien angekämpft, „Fake News“ zu verbreiten und die guten Nachrichten zu ignorieren, und auch den Trugschluss, grob vereinfachte Lösungen für komplexe Probleme anzubieten.

Rosling erzählt interessante Anekdoten aus der Zeit seiner Reisen und der Untersuchung von gesundheitsbezogenen Dingen auf der ganzen Welt, was die Lektüre so interessant macht.

Die Al Gore-Story

Hans Rosling war zur gleichen Zeit im TED-Gesprächskreis aktiv wie unser Freund Al Gore. Rosling erzählt die folgende interessante Story in seinem Buch (in der Erstausgabe auf Seite 229):

Eine bequeme Dringlichkeit

Wir müssen Angst erzeugen!“ Genau das sagte Al Gore zu mir gleich zu Beginn unserer ersten Unterhaltung darüber, wie man den Klimawandel unter die Leute bringt. Das war im Jahre 2009, und wir befanden uns hinter den Kulissen einer TED-Konferenz in Los Angeles. Al Gore forderte mich auf, ihm zu helfen und Gapminder’s bubble graphs zu verwenden, um den Worst Case einer zukünftigen Auswirkung steigender CO2-Emissionen an die Wand zu malen …

Ich stimmte mit ihm völlig überein, dass rasche Maßnahmen bzgl. Klimawandel erforderlich seien, und ich war begeistert von dem Gedanken, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Aber ich konnte mich nicht dem anschließen, was er gefordert hatte.

Ich mag keine Furcht … Furcht plus Dringlichkeit führen zu dummen, drastischen Entscheidungen mit unvorhersehbaren Nebeneffekten. Klimawandel ist dafür zu wichtig. Dafür braucht es systematische Analysen, durchdachte Entscheidungen, inkrementelle Entscheidungen und sorgfältige Evaluierungen. Und ich mag keine Übertreibungen, unterminiert diese doch die Glaubwürdigkeit gut belegter Daten: in diesem Falle, dass die Daten zeigen, dass der Klimawandel real ist, dass er großenteils durch Treibhausgase infolge menschlicher Aktivitäten verursacht ist und dass die Ergreifung rascher und umfassender Maßnahmen jetzt billiger wäre als zu warten, bis ein kostspieliger und inakzeptabler Klimawandel da ist. Ist die Übertreibung erst einmal entdeckt, wenden sich die Leute vollständig ab.

Sieh mal an, trotz all der Lügen der AGW-Aktivisten-Bande lag Michael Crichton nicht verkehrt mit seinem Buch State of Fear. Wir haben hier einen direkten Beweis dafür, dass Al Gore aktiv Hilfe und Zusammenarbeit suchte bei der Erzeugung eines Zustands der Angst in der allgemeinen Öffentlichkeit mittels der Verbreitung übertriebener Worst Case-Szenarien.

Zu seinen Gunsten und obwohl er kein Klimawandel-Leugner ist (wie ich auch) oder in seinem Falle nicht einmal ein Klimaskeptiker ist, besteht Hans Rosling darauf, dass …

er niemals ein Worst Case-Szenario beschwören würde ohne auch ein mögliches Best Case-Szenario darzulegen. Verbreitet man nur Worst-Case-Szenarien und – noch schlimmer – geht man damit über wissenschaftlich basierte Vorhersagen hinaus, würde das außerhalb der Gapminder-Mission liegen, den Menschen zu helfen, die grundlegenden Fakten zu verstehen. Al Gore machte unermüdlich weiter, seine Angstblasen jenseits der Experten-Vorhersagen durchzudrücken. Das kam in vielen Gesprächen zum Ausdruck, bis es mir zu viel wurde und ich die Diskussion beendete: „Mr. Vizepräsident. Keine Zahlen, keine Blasen“.

Hans Rosling selbst wies darauf hin, dass obwohl in der Ich-Form geschrieben, dieses Buch tatsächlich im Wesentlichen die Arbeit seines Sohnes und seiner Schwiegertochter war. Die Autoren stützen sich schwer auf „Experten-Meinungen“ und „von Experten genannte Statistiken (Zahlen)“. Das tat er trotz seines Ratschlags, sich vor Experten in Acht zu nehmen und euphemistisch feststellte: „Manchmal sind ,Experten‘ nicht einmal Experten auf ihrem eigenen Gebiet. Viele Aktivisten gerieren sich als Experten. Ich habe auf allen möglichen Konferenzen Vorträge gehalten, weil ich glaube, dass gebildete Aktivisten absolut entscheidend sein können, die Welt zu verbessern … Fast jeder Aktivist, den ich je kennen gelernt habe, übertreibt das Problem, dem sie sich verschrieben haben, ob nun freiwillig oder – wahrscheinlicher – unwissentlich“.

Meiner Ansicht nach hat das Team von Rosling, welches viele Jahre lang direkt mit Gesundheits-Organisationen der UN gearbeitet hatte, nicht erkannt, dass das UNFCCC und das IPCC selbst zu „Aktivisten“-Gruppen geworden sind und genau so agieren, wie er es oben beschrieben hat. Kleine Sache: nach den Faustregeln von Roßling in FACTFULNESS müssten die IPCC-Forderungen absolut und vollständig zurückgewiesen werden, und zwar als „törichte, drastische Entscheidungen mit unvorhersehbaren Nebeneffekten.

Unter dem Strich

Das ist ein großartiges Buch, leicht zu lesen und aufklärend – man wird es genießen, während man gleichzeitig einige neue Erfahrungen bzgl. kritischem Denken erfährt (oder auffrischt). Mit weniger als 15 Dollar ist es gutes Geschäft für die Wohnung, und ein noch besserer Handel ist es, wenn man sich das Buch „absolut gratis“ in der öffentlichen Bücherei vor Ort ausleiht.

Schlussbemerkung des Autors

Ich empfehle dieses Buch, aber man werfe mir nicht vor, mit allem einverstanden zu sein, was Roßling darin schreibt.

Link: https://wattsupwiththat.com/2018/11/14/factfulness-a-book-review/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Anmerkung von Michael Limburg: Ich habe mir das Buch auch sofort gekauft und auch in einem Zug durch gelesen. Deshalb kann ich die Meinung des Rezensenten – ungeachtet der Meinung von Hans Rosling zum Klimawandel nur voll bestätigen.

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Ein Kommentar

  1. „Ich habe hier bei WUWT viele Beiträge zu den gleichen Themen gepostet – in welchen ich die Fallstricke beim Ausweiten von Trends über die Daten hinaus beschrieb, ebenso wie den Missbrauch von Mittelwerten (und von Mittelwerten der Mittelwerte);…….“

    ———————————–

    Jetzt aber an die Erfindung des „Treibhauseffektes“ denken, der aus solchen falschen Mittelwerten entstanden ist und bis Heute von vielen (auch klugen) Köpfen als Realität angenommen wird!

    Das mittelalterliche Denken wird wohl erst mit dem Aussterben der Menschheit, verschwinden

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