Verlegung der Torpfosten: Klamm­heimlich definiert das IPCC um, was ,Klima‘ ist

Muss ständig heimlich, still und leise überwacht werden: das IPCC. Bild: Bredehorn.J / pixelio.de

Dr. David Whitehouse
Aus der Abteilung „die Erbse unter den Matratzen“ kommt, dass das IPCC klammheimlich die Definition geändert zu haben scheint, was ,Klima‘ ist, indem existierende und nicht existierende Daten vermengt werden.
Die von der WMO festgelegte Definition von ,Klima‘ ist der Mittelwert eines spezifischen Wetterparameters über 30 Jahre. Diese Definition wurde im Jahre 1934 auf einer Konferenz der International Meteorological Organisation (Vorgänger der WMO) in Wiesbaden eingeführt, weil man Daten erst nach dem Jahr 1900 als zuverlässig genug erachtete und daher den Zeitraum 1901 bis 1930 als die Grundlage zur Beschreibung von Klima festlegte. Das war in gewisser Weise willkürlich, es hätten auch 25 Jahre sein können.

Für seine jüngste Angabe von 1,5 Grad hat das IPCC die Definition von ,Klima‘ verändert zu etwas, das man lose als „das Klima, in dem wir uns befinden“ bezeichnen könnte. Es zieht immer noch den 30-Jahre-Zeitraum für seine Abschätzung der globalen Erwärmung heran und nennt das folgerichtig Klima – aber jetzt sind es die 30 Jahre um den heutigen Tag.

Es gibt einige offensichtliche Probleme mit dieser heimlichen Verschiebung der Torpfosten. Wir haben gemessene Temperaturdaten aus den letzten 15 Jahren, aber natürlich keine einzige Messung aus den kommenden 15 Jahren. Allerdings kann man nun wirklich nicht sagen, dass fehlende Daten irgendein Problem für erfinderische Klimawissenschaftler sind.

Globale Erwärmung wird vom IPCC jetzt als eine spekulative globale Mitteltemperatur über 30 Jahre gehandelt, welche einerseits auf gemessenen globalen Temperaturdaten aus den letzten 15 Jahren beruht, und andererseits auf den vermuteten globalen Temperaturen der nächsten 15 Jahre. Dieser Vorschlag wurde vor dem jüngsten IPCC-Treffen in Incheon, Korea, auf den Tisch gelegt. Er wurde zustimmend als eine vernünftige Sache angesehen, um Klimatrends besser zu kommunizieren. Erstaunlicherweise vermengt diese neue IPCC-Definition reale und empirische Daten mit nicht existenten und spekulativen Daten – und geht dann einfach davon aus, dass sich ein kurzfristiger 15-Jahre-Trend auch während der kommenden 15 Jahre fortsetzen wird.

Allerdings ist diese neue Definition von Klima und globaler Erwärmung nicht nur philosophisch bedenklich, sondern sie ist auch offen für Spekulation und Manipulation. Es ist eine Sache zu spekulieren, wie das zukünftige Klima aussehen könnte; aber es ist eine ganz andere Sache, wenn das IPCC das Klima aufgrund von Daten definiert, die noch gar nicht existieren und nur Erwartungen darüber zur Grundlage hat, dass das Zukünftige einfach nur mit Gefahren befrachtet ist.

Diese Strategie betont die Temperatur der letzten 15 Jahre gleich doppelt, welche keine Extrapolation der Daten aus den 15 Jahren zuvor ist, und deren Verlauf war auch anders als prophezeit. Seit dem Jahr 2000 nämlich hat die Natur uns eine Lektion erteilt, welche das IPCC immer noch nicht gelernt hat.

Mit dieser neuen Definition von Klima sind sämtliche Daten aus der Zeit vor den letzten 15 Jahren irrelevant, sind sie doch Teil des Klimas zuvor. Schauen wir mal auf die vergangenen 15 Jahre nach HadCRUT4. Die erste Abbildung zeigt den Zeitraum 2003 bis 2017:

Es ist eine allgemein bekannte Graphik, die keinen Erwärmungstrend zeigt – außer man fügt am Ende den El Nino hinzu, welcher aber natürlich ein Wetterereignis ist und nichts mit Klima zu tun hat. Die Auswirkung des El Nino auf den Trend ist signifikant. Mit Hinzufügung desselben nämlich beträgt der Trend der letzten 15 Jahre etwa 0,15°C pro Jahrzehnt, das liegt nahe dem derzeit mit 0,2°C pro Jahrzehnt angegebenen dekadischen Trend. Vor dem El Nino-Ereignis hatte der Erwärmungstrend jedoch lediglich 0,02°C pro Jahrzehnt betragen, was statistisch völlig insignifikant ist.

Diese zweite Graphik zeigt den Verlauf über die 15 Jahre vor dem jüngsten El Nino, also von 2000 bis 2014. Der Trend über diesen Zeitraum wird beeinflusst durch den Startzeitpunkt, bei welchem es sich um ein starkes La Nina-Jahr handelt. Ohne diesen beträgt der Trend 0,03°C pro Jahrzehnt – statistisch ebenfalls völlig insignifikant. Man beachte, dass es schwächere El Ninos und La Ninas im Verlauf dieses Zeitraumes gegeben hat, aber insgesamt zeigt sich dabei nur ein geringer Gesamteffekt.

Was also soll man heranziehen? Die El Nino-Version, welcher eine Erwärmung von 0,6°C über die letzten 30 Jahre bis heute zeigt, oder die Nicht-El Nino-Version, die keine signifikante Erwärmung zeigt? Nun, die Letztere natürlich! Trends sollten frei sein von einer Kontamination durch kurrzzeitige Wetterereignisse – ebenso wie sie frei sein sollten von Abnahmen aufgrund von Aerosolen durch Vulkanausbrüche, welche durch Abschirmung des Sonnenlichts eine gewisse Zeit Abkühlung bewirken.

Das gleiche Problem erkennt man in dem 1,5°C-Report des IPCC, wenn dieses das Jahrzehnt 2006 bis 2015 analysiert, was es extensiv tut. In diesem spezifischen Jahrzehnt ist es signifikant wärmer als in den anderen Jahren, und zwar um etwa 0,2°C. Die NOAA sagt dazu: „Die globalen Temperaturen des Jahres 2015 waren stark beeinflusst durch starke El Nino-Bedingungen während jenes Jahres“. Der Temperaturtrend einschließlich des El Nino 2015 beträgt 0,2°C, wieder jene Zukunft. Ohne den El Nino ist der Trend statistisch nicht signifikant.

Um die zukünftige Temperatur und das Klima zu sehen, welche das IPCC in seinem Report ins Auge fasst, betrachte man die Abbildung 1 in ihrer Summary for Policymakers:

Der Versuch des IPCC, die Torpfosten zu verschieben, ist höchst fragwürdig. Nicht existierende Daten, extrapoliert über vermutete Temperaturtrends während der nächsten 15 Jahre sollten nicht formaler Bestandteil dessen sein, was Klima konstituiert.

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Aktualisierung: Im befindet sich auf Seite 4 eine Fußnote, welche den falschen Denkansatz des IPCC darstellt:

Link: https://wattsupwiththat.com/2018/10/29/moving-the-goalposts-ipcc-secretly-redefines-what-climate-means/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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10 Kommentare

  1. Der aktuelle (Zwischen)bericht des IPCC will nur durch einen neuen Trick die falsche These vom AGW bestätigen. Das reiht sich in die unselige Methode des IPCC ein, klimatische  Vorgänge aus dem Zusammenhang zu reißen. Die üblichen Temperaturvergleiche mit 1850 oder 1900 usw. sind weitgehend gaga. Der zeitlliche Betrachtungshorizont müsste (mindestens) das Holozän, also die letzten 11-12.000 Jahre sein. Philosophisch gesprochen: Wer eine Sache nicht in ihren Zusammenhängen kennt, kennt sie gar nicht.

  2. Wenn man dem IPCC die Deutungshoheit über alles, was mit Klima zu tun hat, überlässt… Da das Ergebnis „AGW“ immer von vornherein feststeht, ist praktisch alles erlaubt. Bin in einer ganz anderen Branche tätig. Stelle mir jetzt vor, man vermischt die Umsatzzahlen der letzten Jahre einer Firma mit den wahrscheinlichen der kommenden Jahre (und die werden schwer, da sich durch höhere Frachtraten fast alles verteuert) und baue darauf alle Investitionen auf, ohne kritische Nachfragen zuzulassen. Würde das außer Lehmann Brothers jemand ernsthaft tun?

    Gestern im TV Hr. Habeck kommt in Jeans und Used-Look Sacko und sagt: „…die Inhalte müssen RADIKALER werden…“ Und meint damit das Parteiprogramm der Grünen! Man stelle sich vor irgendein AfD Mitglied würde das sagen! Und ich bin beileibe kein Anhänger der AfD. Aber der „volksnahe“ Gutmensch darf das. Er rettet uns ja. Vor der KLIMAKATASTROPHE. Und da ist jedes Mittel Recht..!!?? Gott bewahre uns!

  3. Deutlicher kann man es nicht darstellen: Der IPCC hat sich total von der Wissenschaft verabschiedet. Man kann es auch so deuten, dass der IPCC tatsächlich nie an
    wissenschaftlicher Auseinandersetzung interessiert war. Die gesamten Klimaspekulanten benutzen darüber hinaus noch nicht einmal eine wissenschaftlich exakte Terminologie. Bei nahezu jeder Veröffentlichung wird Temperatur beliebig mit Wärme verwechselt und so getan, als ob das dasselbe wäre. In Wirklichkeit ist Temperatur ein Parameter, der einem Potential gegenüber dem absoluten 0-Punkt entspricht, Wärme hingegen beschreibt einen energetischen Zustand. Ohne die betrachtete Masse zu kennen und deren thermischen Parameter c kann durch Mittelung einer sog. globalen Temperatur niemals auf energetische Veränderungen geschlossen werden. Es sei denn, man nimmt an, dass für die betrachteten Zeiträume das System in allen seinen Parametern konstant ist. Nur wer das in einem chaotischen System mit Sonnenaktivitäten, Taumeln der Erdachse, Änderungen des Sonnen- und Erdmagnetfelds völlig unzutreffend als unwichtig oder unveränderlich annimmt, kann über gemittelte Temperaturen Alarmismus betreiben.

    Man stelle sich vor, die Welt bestünde aus Millionen Kondensatoren unterschiedlicher Kapazität und man würde deren einzelne Spannungen mitteln (=> globale Spannung), was zwar mathematisch möglich, aber vom Informationsgehalt sinnlos ist. Wenn man dann glaubt, man würde daraus einen Schluss auf Veränderung der darin insgesamt gespeicherten Energie ohne Kenntnis der einzelnen Kapazitäten (Masseräume der Atmosphäre) schließen können, dann bewegt man sich außerhalb jeglicher physikalischen Kenntnisse.

    Solche Überlegungen würden jedoch die heutige Temperatur-Mittelung, oft sogar nur durch einen Tages-Maximalwert und Tages-Minimalwert (wohl noch aus der Zeit von mechanischen Schleppzeiger-Messgeräten) völlig ungeeignet erscheinen lassen, wenn man parallel dazu auch noch von Treibhauseffekten (also reflektierter Energie, Temperaturen als Parameter kann man nicht reflektieren) spricht. Solche Ergebnisse lassen sich nur für Klimaalarmismus missbrauchen.

    Was bleibt, ist offensichtlich ein Geschäftsmodell von Leuten wie Al Gore, Mann, Schellnhuber usw., die damit vorzüglich ihren Lebensunterhalt erwirtschaften und große Institutionen betreiben können.

    Wenn man es nachsichtig formuliert, dann wollen diese Leute nur mit ihren Rechnern spielen. Dabei ändern sie die vielen angenommenen und nicht erfassbaren Parameter und deren Wechslewirkungen mit allen anderen Parmetern des äußerst komplexen Klimageschehens im Rahmen vieler Programmläufe so, dass ein Ergebnis herauskommt, welches ihren Erwartungsvorstellungen entspricht. Wie sagte Schellnhuber selbst: Wir machen keine Prognosen sondern erstellen Projektionen. Projektionen sind nicht der Wissenschaft verpflichtet, sie sind eher wie Filmprojektionen näher an Hollywood anzusiedeln.

  4. Inkonsequent!
    Wieso definiert man Klima nicht gleich nur aufgrund von angenommenen Prognosewerten? Dann könnte man alles behaupten und die Belege dazu gleich mitliefern!
    ;-))

  5. Im Artikel wird gefragt: „Was also soll man heranziehen? Die El Nino-Version, welcher eine Erwärmung von 0,6°C über die letzten 30 Jahre bis heute zeigt, oder die Nicht-El Nino-Version, die keine signifikante Erwärmung zeigt?…“

    Anwort: Zum Vergleich braucht man solche Stationen, deren weite Umgebung sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert hat, in den USA, in Deutschland und überall. Ob mit El-Nino oder ohne, sie zeigen keine Erwärmung in den letzten 30 Jahren, aber viele sogar eine leichte Abkühlung.

  6. Wenn ich in meiner Diplomarbeit geschrieben hätte:

    „Der jetzt gemessene Spannungsanstieg ist definiert als das Mittel von gestern, heute und morgen, wobei angenommen wird, dass es morgen so weiter geht wie heute.“

    wäre ich heute Taxifahrer, Pizzabäcker oder Politiker!

     

    • Politiker – wie Annalena Baerbock. Überlegen Sie mal – da hätten Sie aber munter Einfluss, im Gegensatz zu jetzigen Situation, nur hätten Sie vorher Ihr Ge-/Wissen abgeben müssen. Macht das was? Für Sie schon. Generell? Niente. Das macht Macht.

  7. Genial, so wollen sich die Klimaforscher wohl einen ständigen Aufwertstrend erhalten. Wie dämlich ist das denn? Aber die meisten Deutschen Grüne werden das wohl gerne fressen!

    Unglaublich wie „kriminell“ so manche sind.

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