Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht das gleiche!

Die Waldbesiedlung um das PIK vor der Rodung.

Waldschlag durch RWE auf Privatgrund im Hambacher Forst -> Geschrei! Waldschlag durch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf Landesgrund -> Stillschweigen!
von Michael Krüger

Kürzlich hatte ich darüber berichtet, dass das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf dem Telegrafenberg in Potsdam in histosich und denkmalgeschützten Gebiet auf Grund des Landes/ Bundes rund 5.000 m² Waldbiotop mit alten Buchen und Eichen fällte, um ein neues Gebäude samt Parkplätzen für rund 200 Mitarbeiter errichten zu können. Eine Ausnahme wurde dafür auf Antrag hin vom zuständigen Forstamt erteilt.

Gebäudekomplex des Institut Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) e. V. im Ortsteil Teltower Vorstadt in Potsdam im Bundesland Brandenburg

Telegrafenberg_PIK

Normalerweise ist es strengstens verboten in Waldbiotopen zu bauen, oder diese baulich zu verändern. Eine solche Ausnahme kann nur erteilt werden, wenn dies dem Gemeinwohl dient und ein entsprechender Ausgleich geschaffen wird. Auf Anfrage beim Forstamt wurde mir nach zwei Wochen mitgeteilt, dass für 4.000 m² der gefällten alten Buchen und Eichen im Waldbiotop auf den Telegrafenberg als „Ausgleich“ 6.700 m² in der Gemarkung Grube in Westpotsdam neu aufgeforstet wurden. Die PIK-Pressestelle, darunter aktive Menschenrechtler und Klimaschützer, konnten mir bis heute keine Informationen darüber geben, welcher Ausgleich geschaffen wurde. Gemäß den Planungen des PIKs war vorgesehen den Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zu den vorhandenen lnstitutsgebäuden auf den Telegrafenberg mitten ins Waldbiotop zu setzen und die externen Standorte aufzugeben und mit externen Standorten auch nicht neu zu planen. Im Gemeinwohl liegt eine solche Planung eigentlich nicht und rechtfertigt somit auch nicht die Beseitigung von 5.000 m² Waldbiotop. Der Neubau wurde trotzdem genehmigt, warum auch immer? Die Reaktionen der Klima- und Umweltaktivisten, auch der am PIK, waren bisher Null.

HambacherForst

Im Hambacher Forst in NRW regt sich hingegen seit Jahren der militante Widerstand. Der Hambacher Forst war einst 5.500 ha groß. Der Großteil wurde bereits während des Mittelalters abgeholzt. Verblieben sind heute 200 ha Wald. Davon möchte RWE 100 ha Wald fällen, um Braunkohle aubbauen zu können, um damit Strom und Wärme für die Allgemeinheit produzieren zu können. Es handelt sich dabei um Wald, der seit 1978 im Besitz der Rheinbraun, bzw. RWE AG ist. Der Hambacher Forst wird seit 1978 durch die Rheinbraun AG bzw. die RWE AG mit Fortschreiten des Tagebaus Stück für Stück gerodet. Nachdem die für den Bergbau in NRW zuständige Bezirksregierung Arnsberg den Hauptbetriebsplan 2018 bis 2020 genehmigt hat und eine Klage abgewiesen wurde, will die RWE AG im Hambacher Forst nun anfangen dort Kohle abbauen. Aus Gründen des Naturschutzes ist dies erst ab 1. Oktober 2018 wieder möglich. Der Hambacher Forst gilt allerdings inzwischen als Symbol des Widerstands der Anti-Kohlekraft-Bewegung gegen die Umweltzerstörung durch die Kohleindustrie. Somit wird er seit Jahren illegal besetzt. in Baumhäusern wird der Forst besetzt und militant gegen Räumungen verteidigt.

Hambacher Forst: Umweltschützer wappnen sich

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Gegen den fortschreitenden Abbau wenden sich inzwischen verschiedene lokale Interessengruppen, Umweltverbände, kirchliche Gruppen und Aktivisten. 2004 protestierten Aktivisten von Greenpeace erstmalig mit aufsehenerregenden Aktionen gegen das weitere Abbaggern des Waldes. 2009 erhob der BUND erstmals Klage gegen RWE. Von Mitte April bis Mitte November 2012 hielten rund 50 Umweltaktivisten der Anti-Kohlekraft-Bewegung einen kleineren Teil des Walds besetzt, um so gegen die Abholzung und für einen Kohleausstieg zu protestieren. Ab 1. September 2013 wurde der Wald erneut besetzt. Die Besetzung wurde am 27. März 2014 mit großem Polizeiaufgebot geräumt. Nur vier Wochen später wurde der Wald an gleich drei Stellen wiederbesetzt. Im Oktober 2014 wurde das Lager erneut geräumt. 14 Aktivisten wurden festgenommen, die sechs RWE-Mitarbeiter mit Pfefferspray, Blendgranaten, Feuerwerkskörpern und Knüppeln angegriffen haben sollen. Dabei fanden Polizisten in der Nähe der Barrikaden zwei intakte Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg und eine weitere im sogenannten „Klimacamp“. Ein Kriminalbeamter vermutete, die Waffen hätten womöglich als Sprengfallen dienen sollen. Seit 2016 finden neben der andauernden Besetzung auf Baumhäusern und Zelten immer wieder teils gewalttätige Aktionen von einem Teil der Waldbesetzer statt, bei denen mit brennenden Barrikaden, Steinwürfen auf RWE-Mitarbeiter und Polizisten und weiteren Sachbeschädigungen massiv gegen die Rodung des Waldes vorgegangen wird. Mit brennenden Barrikaden und Krähenfüßen versuchte man teilweise, die Arbeiten zu behindern. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG Münster) vom Dezember 2016 ist das „Wiesencamp“ am Hambacher Forst illegal. Im November 2017 entschied das Verwaltungsgericht Köln gegen einen Antrag des Landesverbands NRW e. V. des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) auf die Fortführung des Tagebaus und die anstehenden Rodungen in dem Waldgebiet. Der BUND erhob direkt anschließend Berufung vor dem zuständigen OVG Münster. Am 28. August 2018 durchsuchte die Polizei zum wiederholten Mal das Widerstandscamp, sie stellte dabei verschiedene Gerätschaften (Spraydosen, Farbtuben, Kartoffelmesser, Gabeln usw.). Am 3. September 2018 präsentierte die Polizei den Medien ein buntes Arsenal an beschlagnahmten Waffen der Aktivisten. Neben einigen Zwillen handelte es sich vor allem um forstliches Gerät (Beile, Äxte, Macheten). Am 5. September 2018 begann RWE damit, Hindernisse und Blockaden der Aktivisten aus dem Wald zu entfernen. Zum Schutz der Arbeiter waren mehrere Hundertschaften der Polizei im Einsatz. Am 9. September nahmen 1.100 Bürger an einer Führung durch den Wald teil. Am 12. September wurde die Räumung für den nächsten Tag angekündigt. Heute wird mit massiven Widerstand und Ausschreitungen seitens der Aktivisten bei der geplanten Räumung gerechnet.

Klimaaktivisten in freier Wildbahn.


Hintergrundinformationen zur Renaturierung und Rekultivierung im Tagebau Hambach

Bergbaubetriebe sind dazu verpflichtet, die Landschaft wiederherzustellen. Das Bundesberggesetz schreibt vor, dass die durch den Abbau genutzten Flächen wiederhergestellt werden müssen. Und zwar so, dass sie, sofern gewünscht und zumutbar, auf die gleiche Art genutzt werden können wie vor Beginn des Abbaus. Die Flächen müssen entsprechend renaturiert und rekultiviert werden.

Der Tagebau Hambach liegt im rheinischen Braunkohlerevier, zwischen Jülich und Elsdorf. Das Loch ist zurzeit ungefähr 350m tief. Ein Teil des Abraums wurde und wird zu einem künstlichen Berg von ca 200m Höhe aufgehäuft, der fortlaufend rekultiviert wird – der Sophienhöhe. So genannter Forstkies, eine Mischung aus Kies und Lösslehm wurde möglichst locker in Wellenform aufgeschichtet. Die Oberfläche ist durch Hügel und Mulden gegliedert. Zerkleinerte Baumwurzeln und auf kleinen Flächen auch Waldboden aus dem Hambacher Forst wurden untergemischt, um die biologische Artenvielfalt zu erhöhen.

Im Zuge der Rekultivierung wurden von RWE im gesamten Rheinischen Revier bislang mehr als 8.000 Hektar aufgeforstet. Mehr als 22.000 Hektar ehemaliges Tagebaugelände wurde bis heute rekultiviert. Insgesamt wurden im Umfeld des Tagebau Hambach bereits mehr als 1.500 Hektar Wald neu angepflanzt. Allein auf der Sophienhöhe – einem künstlich angelegten, dicht bewaldeten Hügel an der Nordwestflanke des Tagebaus Hambach – haben RWE-Mitarbeiter bislang mehr als zehn Millionen Bäume gepflanzt. Die ältesten Bäume dort sind mehr als 40 Jahre alt. Dadurch wurde die Sophienhöhe nicht nur zu einem beliebten Naherholungsziel für Menschen aus der Region, sondern auch zur Heimat für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Artenvielfalt ist nachweislich hoch. Unter den fast 3.000 heimischen Tier- und Pflanzenarten finden sich auf der Sophienhöhe und damit unmittelbar am Tagebau Hambach derzeit 429 Arten, die auf der sogenannten Roten-Liste verzeichnet sind.

Der Beitrag erschien zuerst bei ScienceSceptical

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10 Kommentare

  1. @ Stefan Törns: Sie haben Recht, der Vergleich hinkt:

    Die 5000qm werden völlig nutzlos gerodet !

    Die 100ha hingegen liefern so viel Braunkohle, dass man dafür den Bau von weit über 1000 Windräder einsparen kann. Und da verbraucht jede Windmühle rund  1 Hektar Waldfläche.

    Das halbe Hektar ist also nutzlos gerodet, weil die Privatperson Schnellnhuber das gerne so möchte, während die 100 Hektar tatsächlich 900 Hektar Waldrodung für sinnlose da Zappelstrom erzeugende Windräder EINSPAREN. Das nenne ich mal eine sinnvolle Einsparung. 900 Hektar Wald können fortbestehen!

  2. Die Verlogenheit und Scheinheiligkeit der „Klimaaktivisten“ ist nicht mehr zu toppen.

    Für ein Windrad wird 1 ha Wald einfach mal so gerodet. Für 100 Windräder also genau so viel wie im Hambacher Forst, mit dem großen Unterschied, dass der am Stück gerodete Wald wesentlich weniger anfällig ist gegen Windbruch wie hunderte in den Wald geschlagene Löcher plus hauptstrassenähnlich geschlagene und befestigte Zufahrten zu diesen Baustellen.

    Dazu kommt, dass diese Windräder einen gewissen Abstand voneinander haben müssen, um sich nicht gegenseitig den Wind wegzunehmen, die real geschädigte Waldfläche incl. gestörtem Waldwasserhaushalt liegt deshalb bei einer WKA mit 10 Windrädern bei mehreren Quadratkilometern.

    Berücksichtigt man noch, dass ein Braunkohlekraftwerk die Energieerzeugung von mehreren tausend Windrädern übernimmt und das zuverlässig, dann wird einem die Größenordnung dieser Klimaretter-Idiotie erst richtig klar.

  3. Das erste Bild im Beitrag zeigt den Telegrafenberg nach der Rodung. Links unten das neue Gebäude des PIK. Haus im Wald/ dreiblättriges Kleeblatt mit den Klimaanlagen auf den Dach. Zur Kühlung des Supercomputers im Gebäude, im Sommer. Im Winter wird es mit der Abwärme des Supercomputers beheizt. Über den Neubau des PIKs findet sich in 100-150 m Entfernung die Wetterstation des DWD. Die natürlich durch die Abwärme des PIK-Neubaus beeinflusst wird. Rechts neben den PIK-Neubau findet sich ein Altbau, der abgerissen wurde, dort sind inzwischen überdachte PKW-Parkplätze entstanden. Direkt darunter wurde ein offener PKW-Parkplatz für die PIK-Arbeiter des Neubaus geschaffen. Vor wenigen Jahren war dort überall noch Waldbiotop des Landes.

    Die Dame von der PIK-Pressestelle für Öffentichkeitsarbeit hat mir übrigens immer noch nicht, nach über 2 Wochen, meine Frage nach den Ausgleichsmaßnahmen beantwortet. Sie wollte diese an die Verwaltung weiterleiten. Die haben angeblich gerade viel zu tun.

    https://www.pik-potsdam.de/members/schodder

    Die Dame war vorher in der Presseabteilung von Pro-Asyl.

    Gemäß BbgUIG §2 Abs. 2 ist das PIK informationspflichtig, drückt sich aber anscheinend vor Antworten. Das Rathaus Potsdam will mir auch keine weiteren Auskünfte geben, da ich angeblich nicht berechtig bin. Was nicht der Fall ist. Jeder Bürger ist auskunftsberechtigt, nach oben genannten Gesetzt.

    P.S.: Anscheinend hatte das PIK zuerst sogar doppelt so groß geplant, mit rund 8000 qm Waldschlag.

    Empfehlenswert auch dieser Kommentar zum Hambacher Forst:

    MfG

    Michael Krüger

     

    • Diese Station des DWD ist vermutlich die Potsdamer Säkularisation. Gegründet 1892 oder 1893. Sozusagen der Goldstandard von Potsdam – von dem es nur sehr wenige in Deutschland gibt. Wir können uns also schon auf einen heftigen Klimawandel in Potsdam freuen. In diesem Falle sogar wirklich menschgemacht. Vielen Dank Herr Krüger für diese gute Arbeit.

    • „Das erste Bild im Beitrag zeigt den Telegrafenberg nach der Rodung.“

      Warum steht dann in der Unterschrift „vor der Rodung“? Soll da faelschlicher Weise suggeriert werden, es wurde noch weiteres abgeholzt?

       

    • Auf dem Telegrafenberg wird seit 1993 für Neubauten zur Klimaforschung/ Klimafolgenforschung gerodet. In städtischen Landesbiotopen. Da ist der PIK-Neubau mit Parkplätzen nur der Gipfel. Vom Hambacher Forst wurden bereits über 5.000 ha gerodet, dagegen sind die 100 ha, um die es jetzt geht lächerlich. Zumal dafür neu aufgeforstet wird. Genau wie beim PIK. Nur beim PIK protestiert keiner! Öko-logisch halt!

      • Klar wurden 5000 ha gerodet nur das das meiste davon nicht RWE war , sondern das dies bereits im Mittelalter geschah. Na wenn ihr so schlau seid : Wieviel  ha Wald und Seenfläche hat denn Rheinbraun/ RWE neu geschaffen? Das wird mal eben totgeschwiegen. Übrigens: Die halbe Wahrheit ist auch eine Lüge!!

         

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