Spurensuche im Solar Valley, oder wie fährt man die KfZ-Industrie auch noch an die Wand?

Leicht aus der Kurve zu tragen! Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

An der A9 zwischen Leipzig und Dessau steht, ein wenig verloren, das schöne Hinweisschild „Solar Valley“. Erinnert an „Silicon Valley“. Soll es wohl auch, sehr englisch und more »

An der A9 zwischen Leipzig und Dessau steht, ein wenig verloren, das schöne Hinweisschild „Solar Valley“. Erinnert an „Silicon Valley“. Soll es wohl auch, sehr englisch und irgendwie Zukunft verheißend. Aber auch ein bisschen großmäulig. Kein Wunder, denn Politiker glaubten hier, was sie immer glauben, nämlich ganz viele „Arbeitsplätze schaffen“ zu können. 

Dafür machten sie einen Plan. Und griffen tief in die Staatskasse, um die deutsche Solarzellenindustrie zu kreieren. Eine leuchtende Bastion politisch korrekter Wertschöpfung im Herzen des bösen Braunkohletagebau-Gebietes. Dafür nahmen Sie hunderte Millionen Euro von braven Steuerzahlern, um sie weniger braven Steuerzahlern hinterher zu werfen. 142 Millionen in Brandenburg, 120 Millionen in Sachsen-Anhalt und 143 Millionen Euro in Thüringen flossen aus den Fördertöpfen der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ vor allem in die Solarindustrie. 

Inzwischen ist die Kohle weg – nur die gute alte Braunkohle liegt noch in der Gegend rum. Death Valley statt Solar Valley. Die Solar-Windbeutel haben sich aus dem Staub gemacht, von den versprochenen Arbeitsplätzen ist kaum noch einer vorhanden. Ganz einfach, weil sie in China Solarzellen viel billiger bauen können. Auf dem Umweg über Energiewende-Subventionen schuf der deutsche Steuerzahler durchaus Arbeitsplätze, aber nicht, wie geplant, in Bitterfeld, sondern in so schönen Städten wie Guangzhou, Hangzhou oder Xi’an. Wie sagt Bert Brecht in der Ballade „Von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“:

 Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ‚nen zweiten Plan. Gehn tun sie beide nicht.

Fahren wir ab morgen rückwärts?

Nun ist der Mensch nach einer solchen Pleite meist klüger. Allerdings nicht unbedingt in Deutschland. Und schon gar nicht, wenn es sich um Amtsinhaber handelt. So hat der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) der FAZ gestern ein Interview gegeben, in dem es um die Zukunft der Autoindustrie geht. Weil meint zunächst mal, man möge es mit verschärften Abgas-Grenzwerten nicht übertreiben, weil Volkswagen & Co sonst aus der Kurve getragen werden könnten. Das klingt eigentlich ganz vernünftig, schließlich lebt Niedersachsen nicht zuletzt von Steuerzahlungen, die von Volkswagen oder seinen Mitarbeitern geleistet werden.

Wer das Interview liest, muss sich aber dennoch sehr wundern. Denn da stehen sehr merkwürdige Sätze drin, von denen ich einige mal zitieren möchte. Zum Beispiel:

„Wir müssen mit der Verkehrswende ambitioniert weiter machen. Dazu gehört vor allem auch eine Transformation der Automobilindustrie“.

Wen meint der Mann mit „Wir“? (Mich kann er jedenfalls nicht in sein Gebet mit einbeziehen). Und was meint der Mann mit Verkehrswende? Fahren wir ab morgen rückwärts? Und was heißt „ambitioniert weitermachen?“ Ambitioniert rückwärts fahren? Was haben wir unter einer „Transformation der Autoindustrie“ zu verstehen? Fahrräder können die Chinesen doch billiger. Oder denkt er etwa an die „Große Transformation“, also eine Lichterscheinung, die nur Ökopäpste sehen können, während alle anderen merken, dass es dunkel wird. Und vor allem: Wie kommt ein Politiker darauf, einer florierenden Industrie eine Transformation verpassen zu wollen? Hat er nichts wichtigeres zu tun? Gibt’s sonst nix zu transformieren? 

Offenbar nein, denn Stephan-„Wir“-Weil sagt: „Wir müssen diese Industrie auf dem Weg in eine umweltgerechte Zukunft begleiten“. Begleiten ist wirklich ein sehr schönes Wort. So wie er das sagt, muss man aber davon ausgehen, dass die Autoindustrie demnächst ins Hospiz wechselt, zwecks verständnisvoller Sterbebegleitung durch Stephan Weil. Denn „die Autos sind zwar effizenter geworden, aber es gibt mehr Autos und sie sind größer geworden. Das wird sich ändern müssen“. Also weniger Autos, na gut. Und kleine Autos. Auch ne prima Idee, mit denen kann man nämlich kein Geld verdienen. Einfach gesagt: Die Autoindustrie muss schlicht aufhören, die Autos zu bauen, die die Bürger kaufen wollen. Dann wird alles gut. Die „große Transformation“ ist gewissermaßen ein Fortbildungsprogramm für den deutschen Umwelt-Ignoranten, der starrsinnig massenweise Autos kauft, und dann auch noch große. Geht ja gar nicht.

Die Autoindustrie einem finalen Crashtest unterziehen

Der Plan des VW-Aufsichtsrates Weil sieht so aus:

„Der Witz ist ja, dass das schönste Elektroauto für die Ökobilanz völlig unbedeutend ist, wenn es mit Kohlestrom betrieben wird. Der zielstrebige Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine notwendige Bedingung dafür, dass wir eine erfolgreiche Verkehrswende schaffen.“

Nachdem wir mit der Energiewende bereits gegen die Wand laufen, holen wir jetzt also turbomäßig Schwung, um auch die Autoindustrie einem finalen Crashtest zu unterziehen.

Wie sagt Stephan Weil so schön zur Energiewende: „Das Schüsselproblem ist damals gewesen, dass der Atomausstieg aus guten Gründen angeordnet worden ist. Mit der Frage der Umsetzung hat man sich erst später befasst. Umgekehrt wäre es klüger gewesen, wir hatten und haben deshalb erhebliche Probleme“.

Ich versuche diesen Gedankengang jetzt mal zu ordnen: Nachdem wir mit der Energiewende gegen die Wand gefahren sind und „erhebliche Probleme haben“, brauchen wir jetzt noch mehr Windrädchen und chinesische Solarzellen, um auch die Autoindustrie gegen die Wand fahren zu können und noch mehr erhebliche Probleme zu haben. Und damit das auch zuverlässig klappt, machen wir sicherheitshalber die Kohlekraftwerke platt. Auf diese geniale Weise bringen wir den Bürger dazu, sehr kleine Elektroautos zu kaufen, die zwangsläufig deutlich billiger in China produziert werden können. Nachdem die Arbeitsplätze dann erfolgreich nach China transformiert wurden, steigen wir aufs Fahrrad um und machen einen Ausflug von Bitterfeld ins Saale-Unstrut-Solar Valley, um uns mit einem guten Tropfen die Kante zu geben. 

Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier

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6 Kommentare

  1. Es müßte inzwischen eigentlich jedermann klar sein, daß die oberen Politiker blöd oder geldgierig für Roßtäuscher sind:

    „Der Witz ist ja, dass das schönste Elektroauto für die Ökobilanz völlig unbedeutend ist, wenn es mit Kohlestrom betrieben wird. Der zielstrebige Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine notwendige Bedingung dafür, dass wir eine erfolgreiche Verkehrswende schaffen.“

    Daß der Mann ökonomisch und physikalisch saudumm ist ergibt sich aus der Tatsache, daß das Laden eines Autoakkus lange dauert. Für den Tesla Modell S sind das beim CEE-Blau-Stecker 7,4 kW – 230V 32A 1-phasig (AC) = 11,5 Stunden. Die Reichweite beträgt maximal 470 km. Breits die 7,4 kW notwendige Stromleistung sind nicht möglich. Die maximale Leistung aus der Steckdose eines Haushaltes beträgt 3,6 kW.

    Heißt schlichtweg und einfach: Ohne extremen Netzausbau und damit verbundenen Straßen- und Bürgersteigaufrissen läuft gar nichts. Oder man muß wieder dicke Stromkabel mit Hilfe von Strommasten in den Städten ziehen.

     

  2. Gestern fuhr ich auf der A5 an Frankfurt vorbei Richtung Süden und mußte den Schildbürgerstreich der Oberleitung zur Kenntnis nehmen, die dort gerade installiert wird. Ich hielt das seinerzeit für einen Aprilscherz. Aber nein, der lustige Obus – den wir in den frühen 70ern in meiner Heimatstadt Leipzig hatten – und der immer mal mangels Kontakt liegenblieb – der kommt ganz groß wieder. Vorwärts nimmer, Rückwärts immer.

  3. Also weniger Autos und kleinere. Na dann legen wir den Trabbi wieder auf und die Politpromilenz fährt Westauto – das waren noch Zeiten. Und mein Cousin war so glücklich, als er, kurz vor der sogenannten Wende, einen Wartburg zugeteilt bekam. Seufz

    Herr Weil, den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!

  4. Spiegel online hat schon 2009 von den Forschungsergebnissen eines Prager Evolutionsbiologen berichtet, nach denen Toxoplasma gondii, ein Parasit in Katzendärmen, sich unter anderem (als Zwischenwirt) im Gehirn von Menschen einnistet. Die Durchseuchungsrate soll beängstigend groß sein. Der Parasit verändert den Stoffwechsel und das Verhalten von Menschen. Möglicherweise gibt es noch andere Parasiten, die Ähnliches bewirken. Alles noch keine Verschwörungstheorie. Böse Zungen behaupten jetzt, unsere „Elite“ könnte zu einem großen Teil infiziert sein…

  5. Das mit dem „Schüsselproblem“ ist vermutlich ein Schreibfehler, paßt aber zu dem Sprung, den der Herr Weil in der Schüssel hat. Wie man so schön sagt bei solchen Leuten.

  6. Daß es nicht möglich ist, ein nicht differenzierbares Standardprodukt in hohen Stückzahlen in Blödland zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen, mußte eigentlich jedem von Anfang an klar sein.

    O.K. – nicht jedem.

    Unsere „Volksvertreter“ sind auf jeden Fall zu blöde dazu.

    Dito die nach „Öko“ geifernde Journale und der größte Teil des verdummten Volkes.

    Letzterer hat zudem ein Gedächtnis wie eine Eintagsfliege und das Ganze längst vergessen.

    Übrigens:

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