Umweltbundesamt erstellt die Unstatistik des Monats – Diesel, Stickstoff und 6000 Tote

Statistik... Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen…

Die Unstatistik März 2018 sind die 6000 angeblichen Stickstofftoten im Jahr 2014 in Deutschland. Eine Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt wurde, will herausgefunden haben, dass 5996 Bundesbürger an Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzeitig verstorben seien, die sie sich durch NO2-Belastung zugezogen hätten. Die methodischen und konzeptionellen Mängel dieser Studie wurden schon an anderer Stelle kritisiert, unter anderem bei „Spiegel online“ und welt.de, sowie kabarettistisch aufgespießt bei „Nuhr im Ersten“ in der ARD (ab Sendeminute 24:40). Die Zahl 6000 ist das Produkt einer reinen Modellrechnung; es gibt zwar die Vermutung, aber keinen Nachweis, dass NOx zum Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Kaum ein Arzt hat bisher die NOx-Belastung als Todesursache angegeben.

Die Stickstoff-Debatte läuft einseitig und mit Gedächtnisverlust: Früher haben wir uns um CO2 und das Ozonloch gesorgt und deswegen den Diesel gepriesen; heute sorgen wir uns um NOx und preisen das Elektroauto. Dabei übersehen wir, dass jede Technik Vor- und Nachteile hat, wie eine frühere Veröffentlichung des Umweltbundesamtes veranschaulicht. Ein Elektroauto mit 250 km Reichweite verursacht in Deutschland derzeit weit mehr Treibhausgasemissionen als ein Diesel, vor allem wegen der Strombereitstellung und des Energieaufwands für die Produktion (in Frankreich ist das wegen des Atomstroms anders, aber dieser ist in Deutschland mehrheitlich unerwünscht). Auch ohne Elektroautos schätzt das Umweltbundesamt, dass die NOx Emission der herkömmlichen Kraftfahrzeuge bis 2030 um 56 Prozent niedriger sein wird als im Jahr 2014 und die Feinstaub-Emission sogar um 82 Prozent niedriger – alleine durch die Verbreitung der Euro-6 Norm und Partikelfilter. Sollte es 2030 sechs Millionen Elektrofahrzeuge geben, wie im Nationalen Entwicklungsplan angestrebt, dann fällt dies vergleichsweise wenig ins Gewicht, mit einer zusätzlichen Abnahme von 12 und 4 Prozentpunkten bei NOx und Feinstaub.

Belastungen durch Feinstaub und NOx sind vergleichsweise gering

Am Ende ist es hilfreich, sich die Risiken vergleichend anzusehen. Die Feinstaub-Produktion von drei Zigaretten ist zehnmal so hoch wie jene, die am Auspuff eines alten Ford Mondeo Euro-3 Diesel eine halbe Stunde lang gemessen wurde. Ein Adventskranz mit vier brennenden Kerzen kann bereits die Grenzwerte für NOx überschreiten.

Weiterhin sei betont, dass die Zahl der durch ein Risiko gleich welcher Art verstorbenen Menschen selbst bei korrekter Berechnung nur ein sehr irreführender Indikator für die Gesundheitsgefahren ist, die von dieser Risikoquelle ausgehen. Denn diese Zahl kann selbst dann zunehmen, wenn die Gefahr selber abnimmt – ganz einfach dadurch, dass andere Risiken ausfallen. Mit diesem Argument hatten wir bereits die 13 Millionen Umwelttoten der Weltgesundheitsorganisation zur Unstatistik Dezember 2017 gekürt.

Die großen Killer heutzutage sind Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und ungesundes Essen. Die von Umweltschützern immer wieder betonten Gefahren durch Feinstaub oder Pflanzengifte sind dagegen in Deutschland relativ klein. In dieser Debatte gibt es nur zwei Fakten, die von niemandem zu bestreiten sind: Die Belastung durch Umweltschadstoffe einschließlich Stickstoff nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten ab und die Deutschen leben im Durchschnitt immer länger. Diese Erfolge sollten wir würdigen, statt uns durch Schreckensnachrichten und Panikmache verunsichern zu lassen.

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Ansprechpartner:

Prof. Dr. Walter Krämer,                         Tel.: (0231) 755-3125
Jörg Schäfer (Pressestelle RWI),             Tel.: (0201) 8149-244

Siehe auch Webseite des RWI mit der Pressenotiz

Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de .

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8 Kommentare

  1. „Die großen Killer heutzutage sind Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und ungesundes Essen.“

    Ein wichtiger Faktor ist hier vergessen worden: Armut. Es ist unbestritten, dass sozial schwächere Menschen im Mittel früher sterben. Sie sind auch häufig Stress und Existenzängsten ausgesetzt.

    In den USA werden alle paar Jahre Überblickstudien zum Stand der Forschung zur Wirkung von Luftschadstoffen auf den Menschen erstellt. Ich habe mir die letzte zum Thema Stickoxide angesehen. Eine Quantifizierung eines Zusammenhangs zwischen erhöhten Stickoxidwerten und zusätzlichen Todesfällen ist bisher nicht möglich. Bewiesen wurde lediglich, dass extrem erhöhte Stickoxidwerte weit jenseits derer an stark befahrenen Straßen zu Reizungen der Atemwege führen können. Nachweisbar sind allerdings erhöhte Sterberaten unter Bewohnern von Häusern an sehr stark befahrenen Straßen. Hier wirken jedoch viele Faktoren zusammen. Denn dort wohnen überwiegend ärmere Menschen und es gibt auch viel Lärm, welcher bekanntermaßen sehr ungesund ist.

    • Zwischen Armut und Krankheit gibt es eine Korrelation. Ob es auch eine Kausalität gibt, ist schwer nachweisbar. Es ist halt auch ein Multifaktorenproblem. Ein asketischer Mönch, der fleißig im Garten arbeitet, lebt wahrscheinlich ewig.

  2. 1. Die Luft wird immer sauberer.

    2. Die Autos werden immer sauberer.

    3. Feinstaub ist nirgendwo mehr ein Problem.

    4. Der Grenzwert für Stickoxid ist absurd niedrig.

    5. Würde EU konform gemessen, würde er trotzdem eingehalten.

    Die Grüne Kampagne gegen das Auto ist der pure Wahnsinn. Leute wehrt euch!

  3. Warum eigentlich verklagt keiner diese Leute im Umweltbundesamt und alle anderen z, B. von der DUH, die Ähnliches oder Schlimmeres in die Welt setzen, ohne die Spur eines Beweises. Wo sind unsere wirklichen Wissenschaftler in den Universitäten, Instituten, wo die Epidemiologen, Mediziner, Statistiker? Warum schweigen sie? Warum kein Aufschrei ob der offensichtlich falschen Behauptungen?

    Wenn diese falschen Alarmisten wüssten, wie schwierig es ist, auch nur bei einem einzigen  Verstorbenen zu wissen, woran er starb, würden sie die Klappe halten – oder auch nicht. Denn das Ganze dient doch wohl offensichtlich dazu, Wirtschaft und Gesellschaft top- down (Umweltbundesamt) in Richtung Deindustrialisierung zu lenken.

    Warten wir mal ab, wie Deutschland seine Migranten alimentieren will, wenn die Auromobilindustrie am Boden liegt. Die Atom- und Energiewirtschaft hat es schon erwischt.

     

    • Bei einer Klage gegen Greenpeace hat es schon funktioniert.

      Aus den 1990er Jahren hatten die Meeresgebiete gewählt  und die Zahl der Delphine pro km2 Meeresfläche genommen. Nach 2000 wollte Greenpeace Geld, Geld, Geld und noch mehr Geld (selbstverständlich steuerfrei, weil die sich als „gemeinnützig“ bezeichnen). Deshalb hat Greenpeace nach 2000 die Meeresgebiete hinzugerechnet, wo es niemals Delphine gab. Damit ist die Zahl der Delphine pro km2 gesunken. Greenpeace war so der Verursacher des  Aussterbens der Delphine.  Aber dann wurde Greenpeace verklagt und hat verloren.

      Das ARD-Video gibt es noch:

      https://tinyurl.com/ybwck6oq

    • Die diskutierte Studie wurde vom Helmholtz-Institut München erstellt. Die verantwortlichen Epidemiologinnen haben in der Studie fleißig, aber selektiv die solidere und umfangreiche Meta-Studie der EPA (US-Umweltbehörde) von 2016 zitiert.

      Unterschlagen wurde aber das Summary der EPA-Studie: There is more uncertainty as to whether short-term or long-term NO2 exposure is related to cardiovascular effects, diabetes, reproductive and developmental effects, total mortality, and cancer.

      Dies stützt nicht die vom UBA verbreiteten Schlagzeilen. Unterschlagen wurde auch die Schlussfolgerung der EPA: Thus, this ISA updates the state of the science that was available for the 2008 ISA, which informed decisions on the primary NO2 NAAQS in the review completed in 2010. In 2010, the U.S. Environmental Protection Agency (EPA) retained the existing annual average (avg) NO2 NAAQS with a level of 53 parts per billion (ppb) to protect against health effects potentially associated with long-term exposure. The U.S. EPA established a new 1-hour (h) NAAQS at a level of 100 ppb NO2 based on the 3-year (yr) avg of each year’s 98th percentile of 1-h daily maximum (max) concentrations.

      Das heißt, die EPA bleibt bei ihren bisherigen Grenzwerten von umgerechnet 100µg/m³ NO2 für die Langzeitexposition (gg. 40µg/m³ der EU) und 200µg/m³ Kurzzeitexposition (wie EU)!

       

       

       

    • Wann wird endlich mal ein Straftatbestand der „Offensichtlichen Lüge“ mit unmittelbarer Aufhebung der Immunintät für Angehörige des Parlamentes und eine „Regreßpflicht“  gegen Angehörige von Behörden wegen bewußter Irreführung der Bevölkerung eingeführt?

       

      • „Wann wird endlich mal ein Straftatbestand der „Offensichtlichen Lüge“ mit unmittelbarer Aufhebung der Immunintät für Angehörige des Parlamentes und eine „Regreßpflicht“  gegen Angehörige von Behörden wegen bewußter Irreführung der Bevölkerung eingeführt?“

        Wenn Sie aufhören das Blockparteiengesindel zu wählen.

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