Warum uns seit 144 Jahren bald das Öl ausgeht

von Wolfgang Röhl
Zu einer gut geölten Schrottpresse gehören die verlässlich wiederkehrenden Warnungen vor dem Weltuntergang. Oder wenigstens solche vom Untergang der Welt, wie wir sie kannten. Im zeitgenössischen Hausmärchenschatz nimmt der Eisbär, dem es nun aber endgültig an den flauschigen Kragen geht, dabei die Pole Position ein.

Als Kronzeuge für die Klimakatastrophe tapert er seit vielen Jahren in medialer Endlosschleife über schmelzende Schollen. Er ist der traurige Star der Symbolbilder aus dem Photoshop, Kategorie Erderwärmung. Eigentlich dürfte er längst nur mehr im Zoo zu finden sein. Zum Glück trotzt Meister Petz dem ihm zugeschriebenen Schicksal auf recht robuste Art. Was den Trauermarsch seiner Totsager natürlich nicht aufhalten kann. Stirbt ursus maritimus nicht heute, dann stirbt er eben morgen.

Mit dem sogenannten „Peak Oil“ verhält es sich ähnlich. Die Botschaft, dass die Ölförderung demnächst ihr historisches Maximum erreichen werde, danach unumkehrbar zurückgehe und folglich die ölbasierte Wirtschaft zum Kollaps brächte, ist ein sogar noch betagterer Bär. 1956 hatte ein US-Geologe prophezeit, die amerikanische Ölproduktion werde in den frühen 1970ern an ihren Höhepunkt (Peak) gelangen und danach immer weiter sinken, wegen der Endlichkeit der Ressource.

1974 setzte er den Peak der weltweiten Ölförderung auf das Jahr 1995 an. Dieser Apostel generierte zahlreiche Jünger, etwa unter den Mitgliedern des für seine ökonomische Treffsicherheit berühmten „Club of Rome“.

Dabei war der Erdwissenschaftler keineswegs der erste Ölstandswarner. Schon 1874 hatte ein Kollege, Chefgeologe im US-Bundesstaat Pennsylvania, Alarm geschlagen. Würde Erdöl weiterhin rasant als Lampenbrennstoff verbraucht, wären die Vorräte der damaligen USA in vier Jahren erschöpft, hatte er errechnet. Sozusagen in der Tradition von Thomas R. Malthus, Begründer der Hochrechnung ohne lästiges Wenn und Aber.

Das Warnen & Raunen läuft wie bei Jehovas Zeugen

Vorhersagen über das nahe Ende der Öl-Flut gab es auch in den 1920ern. Von da an schafften sie es alle paar Jahre prominent in die Gazetten. Zwar blieb die befürchtete Öl-Ebbe regelmäßig aus (es gab allerdings kriegsbedingte Tiefstände), doch ging das Warnen & Raunen unverdrossen weiter. Es lief wie bei Jehovas Zeugen. Knallte es nicht am festgesetzten Doomsday, so wurde Armageddon einfach neu kalkuliert. Immer wieder spannend!

Die „Ölkrise“ von 1973, die Deutschland an einigen Sonntagen leere Autobahnen bescherte, aber nichts mit der Peak Oil-Theorie zu tun hatte (es handelte sich vielmehr um den Versuch des Ölkartells OPEC, den Westen durch ein teilweises Embargo von seiner ehedem noch soliden Unterstützung Israels abzubringen), dieses Krislein hat sich fest ins deutsche Gemüt gebuddelt. Es schuf einen Gründungsmythos der keimenden Öko-Partei.

Letztere wird niemals müde, dem Öl mittels diverser Auftragsstudien das Sterbeglöcklein zu bimmeln. Hängt doch das weiterhin üppige Gedeihen des ökologisch-industriellen Komplexes und seiner Subventionsabgreiferszene maßgeblich auch daran, dem Steuerzahler immerfort das angebliche Finale der Ölvorräte einzubläuen. Wenn schon das Satansgas CO2 manche Bürger*Innen vielleicht nicht mehr jede Nacht im Bett rotieren lässt – der dräuende Zusammenbruch der Ölversorgung müsste es doch schaffen, oder?

Vor genau einem Jahr machte Peak Oil mal wieder Schlagzeilen. Interessanterweise kam die Tatarenmeldung nicht aus dem Grünbereich, sondern von der Internationalen Energieagentur IEA. Sie wurde 1974 von 16 Industriestaaten als Reaktion auf die kurz zuvor stattgefundene OPEC-Erpressung gegründet.

Spätestens seit 2007 warnt die IEA regelmäßig vor „Engpässen“ bei der Ölversorgung, welche ebenso regelmäßig nicht eintreten. Höchstens schlägt der Preis mal Kapriolen, aus sehr unterschiedlichen Gründen. Im Finanzkrisensommer 2008 zum Beispiel schoss das Barrel der Sorte Brent auf 145 Dollar hoch, nur um sechs Monate später auf 34 Dollar abzustürzen. Versorgungstechnisch eng wurde es auf den Ölmärkten damals ebenso wenig wie in den Jahren 1861 bis 1877, einer frühen Hochpreisphase. Nur ungewohnt teuer war der Stoff geworden – für ein Weilchen.

Kein Peak Oil, sondern ein Peak Demand

Wie kam es, dass Ökos und supranationale Ölverweser scheinbar ins selbe Horn stießen? Möglicherweise aus einem simplen Grund. „Das globale Ölangebot wird es nach 2020 sehr schwer haben, mit der Nachfrage Schritt zu halten, wenn nicht neue Förderprojekte sofort genehmigt werden“, zitierte die „Welt“ den IEA-Chef Fatih Birol. Daher also wehte der Wind.

Die IEA-Prognose von 2017 besagte, ab 2022 könnte Öl teuer und knapp werden. Grund: In der vergangenen Niedrigpreisphase hätten die ölproduzierenden Länder zu wenig Geld eingenommen, um in die Erschließung neuer Förderfelder zu investieren. Dieser Umstand werde, bei vorausgesetzt steigendem Verbrauch etwa durch Länder wie China und Indien, den Ölnachschub verringern und folglich den Preis nach oben treiben – jedenfalls temporär.

Klingt zunächst mal logisch. Doch nur, wenn man die Rolle der höchst flexiblen amerikanischen Schieferölproduktion ignoriert, die letzthin immer wieder als Preisstabilisator auf den Ölmärkten fungierte. Rohstoffanalysten wie der Goldman Sachs-Experte Jeff Currie beziehen das Fracking ausdrücklich in ihre Betrachtungen ein. Doch auch aus anderen, ziemlich plausiblen, geopolitischen Gründen glaubt Currie nicht, dass sich der Ölpreis mittel- und langfristig auf ein hohes Niveau einpendeln werde.

Kommt hinzu, dass nicht wenige Beobachter der Ölmärkte davon ausgehen, es werde in voraussehbarer Zukunft keinen Peak Oil bei der Förderung geben, sondern einen Peak Demand, eine geringere Nachfrage. In westlichen Industriestaaten, ja sogar in China sinkt der Ölverbrauch allmählich. Im ersten Fall wegen neuer Technologien, im zweiten aufgrund konjunktureller Abkühlung. Chinas bislang enormer Ölverbrauch wird von manchen Ökonomen als „Anomalie“ betrachtet, geschuldet einem überhitzten, inzwischen durch den Pekinger Staatskapitalismus etwas gezügelten Wirtschaftswachstum.

Könnte also sein, dass uns noch sehr lange einigermaßen erschwingliches Öl angeboten wird. Was die Fans von schnittigen Elektroautos und preiswerten Holzschnitzelheizungen grämen mag. Den Rest der Welt wohl eher nicht.

Was nun den Peak Oil-Glauben betrifft, so haben sich seine Anhänger einen neuen Zeitpunkt ausgeguckt, an dem der allerletzte Tropfen aus der Pipeline rinnen wird. Anfang 2016, als das Barrel Brent bei lächerlichen 30 Dollar stand, schleuderte ein „Taz“-Redakteur den Ölisauriern diese Worte trotzig in ihre fossilen Fratzen: „Freut euch nicht zu früh“. Weil:

„So ist die Endlichkeit der Ressource Öl eine Tatsache, die der gegenwärtige Ölpreiskollaps zwar verdeckt, die aber ihre eigene Gesetzmäßigkeit entfalten wird. Die Förderung wird zurückgehen, auch wenn sich das ein halbes Jahrhundert hinziehen wird“.

Ja, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Pflegte meine liebe Mutter (*1906, vier Kinder, lebenslang Hausfrau) zu scherzen. Zugegeben, ihr Wissen um globale Ökonomiezusammenhänge war vielleicht limitiert. Aber für einen Job im Peak Oil-Alarmistenbiz hätte es gelangt.

PS: Anfang März 2018 stand Brent bei etwas über 65 Dollar. Ganz okay für die Beteiligten. Weshalb Sie alle Prognosen zum Öl und dessen Preisentwicklung sowieso vergessen können, erklärt dieses Stück.

Der Artikel erschien zuerst in ACHGUT hier

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10 Kommentare

  1. Bei all den Kriegen um das Oel, geht es nicht darum sich die Oelfelder

    anzueignen, sondern nur darum, Diese zu kontrollieren. Es darf nicht sein,

    das Das Zeug zu Billig angeboten wird,weil es ja in Wirklichkeit in

    rauen Mengen vorhanden ist. Es wird von Denen Die es kontrollieren

    künstlich knapp gehalten, damit der Gewinn immer gesichert ist.

    Die Öffendlichkeit wird mit Hilfe der Medien und Getürkten „Wissenschaftlichen“

    Expertiesen manipuliert um eine Breite Akzeptanz für dieses Verbrecherische

    Vorgehen zu erreichen, was ja ,wie man sieht ausserordendlich erfolgreich

    von statten geht. Dazu kommt noch die Scheinheilige und verlogene Klimahysterie

    in Verbindung mit angeblichen  Alternativen Energien, mit Elektro. Hybrid oder

    sonstigen Antriebssystemen, Die solange es Oel und Gas in rauen Mengen giebt

    Keiner von den Kontrollierenden haben will                      Und so soll es

    die Absolut sichere Einnamequelle für einige Wenige, Mächtige bleiben.

    Im übrigen werden ständig neue Oelfelder in Gigantischen Ausmaßen endeckt.

    Das ist ja auch der Grund, warum sich eine ganz bestimmte Macht mit aller

    Gewalt in die Belange der Länder einmischt wo diese Neuen Lagerstätten

    endeckt werden. Nur aus Sorge darüber die Kontrolle und Macht zu verlieren

    und natürlich die zu erwartenden Gewinne!

    Das Perfide an der Sache ist, das man die Menschheit absolut Abhängig gemacht

    hat von diesen Stoff und genau diese Akzeptanz erreicht wurde die man brauchte

    um weiter zu machen!

  2. Wir leben schon seit sehr langen Zeiten in einer Welt der Lüge,das hat den Vorteil

    sich eine Welt nach eigenen Wünschen und Bequemlichkeiten ein zu richten um

    die Meisten Menschen damit zufrieden zu stellen. Eine Welt zu zeigen die den

    Tatsächlichen Begebenheiten entsprechen würde, würde bei den Meisten Menschen

    Angst und Unverständnis auslösen, weil Wahrheiten die Unangenehme Eigenschaft

    besitzen Erschreckend zu sein.    Desshalb wird in Jeden Bereich gelogen was das Zeug

    hält. Wir bauen Uns eine Welt auf ,die Uns sehr Bald um die Ohren fliegen wird.

    Beobachtet die Natur, denn Die lügt niemals. Traut nie den sogenannten „Experten“

    und  Wissenschaftshuren denn Die werden für Ihre Lügen gut bezahlt. Traut Euren

    eigenen Verstand und Eurer Beobachtungsgabe denn da kommt Ihr der Wirklichkeit am

    Aller Nächsten!

  3. Welch ein Unsinn wird dagegen in unseren Schulen gelehrt.

    Aber alle müssen daran glauben. Das geht gar nicht anders. Keiner wird zugeben, dass man Generationen von Schülern Lügen vermittelt hat.

  4. Da gab dann mal Ölfelder in Russland, die aufgegeben waren, weil leergepumpt.

    Eonige Jahre später gab es da wieder Öl.

    Schon komisch… 🙂

     

    Ich hasse diese Klimawarner und Weltuntergangsalarmisten!

     

  5. Wie groß die fossilen Vorräte tatsächlich sind, weiß wohl niemand halbwegs zuverlässig. Unendlich sind sie aber sicherlich nicht.

    Daher wäre es eminent wichtig, vernünftige Alternativen für die Zukunft zu erforschen und zu entwickeln und nicht stattdessen absurd hohe Summen in vollkommen schwachsinnige Doppelstrukturen zu investieren, die nur beschränkte Lebensdauer haben, kein einziges Problem wirklich lösen und drohen, über kurz oder lang sich in riesige Mengen Sondermüll zu verwandeln.

    An Flüssigsalzreaktoren bzw. überhaupt an Weiterentwicklung von Nukleartechnologien forschen derzeit wie es scheint nur Rußland und China.

  6. Vor zwölf Jahren (Feb. 2006) gab es Meldungen vom sog. „Schwedischen Ölausstieg“, z.B. im „Spiegel“: Schweden will als erstes industrialisiertes Land seine Energieversorgung komplett vom Öl unabhängig machen. Schon im Jahr 2020 will die Regierung in Stockholm das ehrgeizige Ziel erreichen – ohne neue Atomkraftwerke zu bauen.“

    Na ja, wurde auch nichts draus.

    Und in der Sekte von „Vatikanum 2“ war besonders ein Buch des späteren Pseudo-Papstes v. 1978, Albino Luciani („Johannes Paul I.“), extrem populär: „Ihr ergebener“: fiktive Briefe an historische oder fiktive „Persönlichkeiten“: Luciani verkündete darin bereits vor vielen Jahrzehnten ebenfalls, dass wir „beim letzten Tropfen“ Öl angelangt seien.

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