Klimawissen­schaft und der Prozess orthodoxen Verstärkung

Bild: Screenshot aus dem Video (Ausschnitt)

Francis Menton
Jüngst gab es auf einige meiner Artikel – einschließlich des jüngsten mit dem Titel In Climate Science, Predictions Are Hard, Especially About The Future – viele Kommentare. In den meisten davon wurden meine Ansichten gestützt, aber viele waren auch kritisch – was keine Überraschung ist. Unter den kritischen Kommentaren wurden in den Nachdenklicheren dieser Kommentare ähnliche Fragen gestellt, etwa von der Art: Falls wirklich nichts hinter der Globale-Erwärmungs-Angst steckt, warum und auf welche Weise haben dann viele Menschen, die sich Klimawissenschaftler nennen, konspiriert, um diese Story der Öffentlichkeit zu verkaufen? Und schließlich, wie könnte eine solche Konspiration funktionieren? Haben hunderte von ihnen Geheimtreffen abgehalten, wo sie sich gegenseitig mit irgendeinem geheimen Handschlag zu erkennen geben?

Als Beispiele relativ ausgewogener Kommentare zu diesem Punkt möchte ich hier zwei von einem Mann namens Steven Wangsness hervorheben. Auszüge:

Ich würde gerne wissen, warum 95% oder mehr der Klimawissenschaftler weltweit, von denen die meisten Benzinfahrzeuge fahren und möglicherweise Ölaktien besitzen, in eine massive, weltweite Konspiration verwickelt sind, um das Narrativ der globalen Erwärmung voranzutreiben. Welchen Anreiz gibt es für all diese vermutlich ganz normalen, gut gebildeten Leute, um sich in einem solchen verderblichen Betrug zu engagieren? …

Sie schreiben außerdem, dass Tausende von Ph.D.s auf der ganzen Welt in eine massive Konspiration verwickelt sind und dass nicht einer von ihnen ausgebrochen ist und den Betrug offengelegt hat.

Es scheint für Mr. Wangsness – und auch viele andere – einfach unvorstellbar zu sein, dass eine solche „Konspiration“ überhaupt zustande kommen kann. Aber dann denke man einmal an die Prozesse, mittels welcher Orthodoxien erzeugt und verstärkt werden. Es gibt viele, viele Beispiele unter den Menschen mit einer großen Anzahl von Menschen – sogar bis zu Milliarden – die bis ins Detail einem komplexen Glaubenssystem folgen, allgemein Orthodoxie genannt. Eindeutig ist, dass der Prozess auch spezielle Belohnungen oder Bestrafungen vorsieht, verhängt von den Betreibern der Orthodoxie. Aber ich habe den Eindruck, dass ein weit größerer Teil dessen, was Orthodoxien am Leben hält, der universelle Wunsch der Menschen ist, einfach akzeptiert zu werden. Wenn man nicht mit unserem offiziellen Glaubenssystem konform geht, werden wir Sie ächten!

Man denke einmal über das nach, was unzweifelhaft ein archetypisches Beispiel eines strikt durchgesetzten Orthodoxie-System ist, nämlich die katholische Kirche. Hier sollte ich erwähnen, dass ich als Katholik aufgewachsen bin. Ich habe nach wie vor viele Freunde, die praktizierende Katholiken sind, und ich respektiere sie sowohl als Mensch als auch für ihren Glauben. Ich habe auch Hochachtung vor der katholischen Kirche als Institution (nicht so sehr jedoch für das derzeitige Oberhaupt). Ich halte Katholiken nicht für dumm oder böse, nur weil sie sich der Orthodoxie der Kirche verschrieben haben. Aber hier haben wir – was absolut eindeutig ist und dem man zustimmen muss – eine irgendwie eigenartige Orthodoxie, der sich rund 1,2 Milliarden Menschen bis ins Detail verschrieben haben.

Die Bischöfe der Anfänge der katholischen Kirche kamen im Jahre 325 in Nicäa zusammen und vereinbarten etwas, das man Glaubensbekenntnis nennt und dass die fundamentalen Glaubensgrundsätze der Religion festlegt. Mit einigen kleinen Modifikationen in späteren Jahren (zumeist im Jahre 384) rezitiert jeder Katholik diese Liste der Glaubensgrundsätze in jeder Messe unter der Leitung eines Pfarrers. Glauben all diese Menschen wirklich jedes Detail dieser Festschreibung? Sie sagen mit Sicherheit, dass sie das tun, mindestens einmal pro Woche. Es ist eine grundlegende Erfordernis, wenn man praktizierender Katholik ist.

Für alle Nicht-Katholiken möchte ich hier einige Beispiele aus dem Glaubensbekenntnis nennen. Ich nenne auch den relevanten lateinischen Text ebenso wie die englische Übersetzung [die im Folgenden durch die deutsche Übersetzung ersetzt wird, Anm. d. Übers.]:

Ich glaube an den einen Gott“ (Credo in unum Deum). Das ist eine monotheistische Religion.

Oh, es ist aber ein Gott in drei Manifestationen, Heiligen Dreieinigkeit – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ist das ein Widerspruch? Wir alle stimmen überein, dass das nicht der Fall ist.

Der Sohn war ursprünglich „geboren von dem Vater (ex patre natum) zu einer Zeit „vor allen Zeiten“ (ante omnia saecula) durch einen Prozess beschrieben als „ohne Zeugung“ (genitum non factum).

Später wurde der Sohn „Fleisch“ ([flesh] incarnatus est) durch einen Prozess, in welchem der Heilige Geist eine Jungfrau befruchtet (de Spritu Sanctu ex Maria Virgine).

Der Heilige Geist „geht nicht nur vom Vater aus“, sondern auch vom Sohn. (Et in Spiritum Sanctum … qui ex Patre Filioque procedit). Das Diktum über den Heiligen Geist, der „auch vom Sohn“ ausgeht, ist die Grundlage der Spaltung zwischen der römisch-katholischen und der ost-orthodoxen Kirche. Der Osten besteht darauf, dass der Heilige Geist nur vom Vater „ausgeht“.

Es gibt noch viele andere Dinge. Versteht und glaubt jeder Katholik in vollem Umfang jeden dieser Grundsätze? Es spielt eigentlich keine Rolle. Als Belohnung, diesem Glauben regelmäßig Ausdruck zu verleihen, dürfen sie an dieser Religion teilhaben, einschließlich Mitglied in einer Gemeinschaft von Familien, Freunden und Gönnern zu sein, an Zeremonien und Sakramenten teilnehmen zu dürfen und des Versprechens eines glücklichen Daseins im Jenseits.

Die Belohnungen sind fast ausschließlich mentaler und geistiger Natur, nicht materiell. Und auf dieser Basis folgen ihr etwa 1,2 Milliarden Menschen. Im Falle der Pfarrer wird die Befolgung der Orthodoxie verstärkt durch eine Hierarchie, welche Zugang zu Arbeitsplätzen ebenso wie Beförderungen zu Bischöfen, Erzbischöfen usw. kontrolliert. Falls man eine Änderung des Glaubensbekenntnisses fordert, kann man kein Pfarrer sein. Punkt!

Die katholische Kirche ist ja nur ein Beispiel einer detaillierten Orthodoxie, der eine riesige Menschenmenge folgt. Der Islam ist ein anderes Beispiel vergleichbarer Größenordnung, aber ich kenne nicht die Details, welche die Muslime als ihre Orthodoxie festgelegt haben.

Jetzt wollen wir einmal die Prinzipien der Orthodoxie, nämlich Schöpfung und Durchsetzung [enforcement] auf den Bereich „Klimawissenschaft“ übertragen. Ein Kommentator zu Wangsness brachte es so auf den Punkt: „Die Antwort ist einfach. Man folge dem Geld!“ Ich sage nicht, dass da nichts dran ist, aber man beachte, dass im Falle der katholischen Kirche (und in dieser Hinsicht auch des Islam oder jeder anderen Religion) Geld wenig oder gar nichts damit zu tun hat, warum die Menschen ihr folgen, und das in riesigen Massen. Die Hauptfaktoren sind reiner Druck und Akzeptanz; ein weiterer Hauptfaktor ist der zwangsweise Ausschluss von Häretikern. Also überlege man sich, was einen umgibt, wenn man sich heute im Bereich „Klimawissenschaft“ tummelt:

Um überhaupt anfangen zu können, muss man einen Job an einer akademischen Institution bekommen. Falls dieser Institution bekannt wird, dass man auch nur geringfügig skeptisch bzgl. der „Klimawissenschaft“ ist, wird man als Häretiker gebrandmarkt und aller Wahrscheinlichkeit nach nie eine Anstellung bekommen.

Um in der Akademia voranzukommen, muss man Artikel in angesehenen akademischen Journalen veröffentlicht haben. Die prestigeträchtigsten Journale im Bereich Wissenschaft sind Science und Nature. Während der letzten Jahre wurden diese beiden Journale kontrolliert von Zeloten der globalen Erwärmung, die es sich zur zentralen Aufgabe gemacht haben zu verhindern, dass auch nur geringfügig skeptische Artikel im Bereich Klima veröffentlicht werden. Von 2013 bis 2016 war die Wissenschafts-Redakteurin von Science eine gewisse Marcioa McNutt. Sie veröffentlichte 2015 in ihrem Magazin ein Editorial, worin es über Klimawissenschaft heißt: „Die Zeit für Diskussionen ist zu Ende. Maßnahmen sind dringend erforderlich … Entwickelte Nationen müssen ihre Pro-Kopf-Emissionen aus fossilen Treibstoffen noch weiter reduzieren …“. Im Jahre 2016 wurde Mc Nutt zur Leiterin der National Academies of Science gewählt. Wie will man als junger, skeptischer Klimawissenschaftler gegen so etwas ankommen?

Weitere Beispiele einer rücksichtslosen Durchsetzung der Orthodoxie bzgl. Klimawandel in der akademischen Welt finden sich in einem Beiträgen hier und hier.

Aber an dieser Stelle kommt etwas Erstaunliches ins Spiel: Angesichts des unablässigen immensen Drucks, mit der Klimawissenschaft konform zu gehen und dem rücksichtslosen Ausschluss von Häretikern von Veröffentlichungen und von Auszeichnungen und Anerkennung in dem Bereich liegt das Level der Nachfolge der Klima-Orthodoxie unter den Menschen in relevanten Bereichen weit unter den 95%, die Wangsness erwähnt. Die immer wieder zu hörende Behauptung über einen „97%-Konsens“ unter den Klimawissenschaftlern hat seinen Ursprung in einem Artikel von Cook et al. 2013, was aber gleich darauf an vielen Stellen widerlegt worden ist, beispielsweise hier und hier.

Wenn Wangsness sagt, dass „keiner von ihnen ausgebrochen ist und den Betrug offengelegt hat“, dann hat er unrecht. Es gibt viele Top-Wissenschaftler in relevanten Bereichen wie atmosphärischer Physik und Meteorologie, welche ausgebrochen sind und täglich so laut es ihnen möglich war gerufen haben, dass hinter diesem Alarm gar nichts steckt. Erst im vorigen Oktober war ich involviert, einen Brief an die EPA zu schicken, unterschrieben von 65 Top-Wissenschaftlern, in welchem wir forderten, das „Endangerment Finding“ der EPA zu überarbeiten, und zwar wegen des Fehlens jeder wissenschaftlichen Grundlage für Klima-Alarm. Die Liste der Skeptiker unter den Spitzenleuten der Physik enthält u. A. die Namen Freeman Dyson („Meine erste Häresie lautet, dass all das Tamtam um die globale Erwärmung erheblich übertrieben ist. Hier stehe ich gegen die heilige Bruderschaft der Klimamodell-Experten und gegen die Masse der irregeführten Bürger, welche den von den Computermodellen prophezeiten Zahlen glauben“), sowie Will Happer von Princeton, Richard Lindzen vom MIT und Ivar Giaever vom RPI. Es ist unglaublich im Bereich Journalismus, dass ein relativ gut informierter Bürger wie Mr. Wangsness das nicht weiß.

Übernommen von: http://manhattancontrarian.com/blog/2018/1/14/climate-science-and-the-process-of-orthodoxy-enforcement

Video Michael Crichton:

https://youtu.be/MDCCvOv3qZY (wegen unklarer Urheberrechte hier nicht eingebettet)

Link des ganzen Beitrags incl. Video: http://icecap.us/index.php/go/new-and-cool vom 26. Januar 2018

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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4 Kommentare

  1. „Die katholische Kirche ist ja nur ein Beispiel einer detaillierten Orthodoxie, der eine riesige Menschenmenge folgt.“

    Das ist seit dem Tod des letzten Papstes (Pius XII. i.J. 1958) eine exorbitante Falschaussage. Es gibt kaum sog. „Sedisvakantisten“, und die Katholiken (also die echten Katholiken) sind nur eine mikroskopisch winzipe Teilmenge der Sedis.

    Trotzdem ist dieser Katholiken-Vergleich nicht ganz unzulässig – auch und sogar erst recht heute nicht: s. die Tatsache, dass sich nahezu niemand an den weltweit zelebrierten Gotteslästerungen der Gruppe von „Vatikanum 2“ stört. Karnevalsmessen, Rockmessen etc. sind nur einige typische Symptome der sog. „Kinderficker-Sekte“ (cf. Landgericht Berlin). Keiner kennt den katholischen Glauben, v.a. keiner interessiert sich dafür. Da tritt ein Mann in weißen Klamotten auf – also ist’s der Papst! So einfach! Und wenn er auch noch so dreist erzählt, dass es vollkommen egal sei, woran man glaubt – er ist nunmal der Papst! Steht ja auch so in der Zeitung.

    Immerhin: Der „Papst“ vertritt so manchen Glaubenssatz mit eiserner Faust, z.B., dass man gegen den Klimawandel kämpfen muss…

  2. Was mich immer schon interessieren würde, ist, ob die vielen „Konsensisten“ oder „Konsensianer“ oder wie immer man sie bezeichnen will, jene angeblichen 97% also, tatsächlich glauben, was sie predigen?

    Etwa Treibhauseffekt: Läßt man alle ausschmückenden Zusatzerklärungen weg und versucht die Basisaussage des Effektes zu formulieren, würde diese etwa so lauten: Durch das Vorhandensein von Treibhausgasen wirkt sich die Erwärmung der Erdoberfläche durch die Sonne stärker aus als ohne sie. Weil die Zufuhr von Sonnenenergie aber als konstant angenommen wird, bedeutet dies, das bloße Vorhandensein von Gasen geringster Spurenkonzentration bewirkt dauerhafte Zusatzwärme aus sich selbst heraus?! Nach dem Motto, je mehr Gas, desto mehr Zusatzwärme.

    Man frägt sich, wie Leute, die angeblich Physiker, Meteorologen od. Ähnliches sind, so ein Erwärmungsrecycling aus sich heraus für möglich halten können?

  3. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass unterschiedliche Wettervorhersagen für dieselbe Region offenbar kein Problem darstellt mit der Begründung, Wetterprognosen seien nie ganz zuverlässig möglich, weil das Wetter eben auch chaotisch sei. Ganz anders beim Klima. Da gibt es bei den Alarmisten nur eine mögliche Voraussage. Ich stelle fest, Wetter ist keine Religion, Klima schon. Weshalb ist auch klar: Das Wetter kann Hinz und Kunz selber überprüfen, das Klima liegt jedoch in den Händen von Auserwählten. Klima ist wirklich Religion – Ich aber bin Atheist.

  4. Zum Thema Orthodoxie könnte man auch die sehr bekannten Beispiele zur Aufhetzung der Bevölkerung hinzu zählen: Saddam, Gadaffi, Assad, Putin sind/waren der neue Hitler. Wie viele sind der Gehirnwäsche aus Politik und Medien erlegen? Wir wissen heute, dass all diese Kriege mit Lügen begonnen wurden. Ein weiteres Beispiel ist 9/11. Immerhin wurde jetzt von wissenschaftlicher Seite in einem angesehenen Physik-Fachjournal erklärt, alle Türme (3) seien gesprengt worden. Ein weiteres Beispiel ist der Kennedy-Mord. In allen Fällen wissen wir heute, dass die offizielle Geschichte nichts mit den Fakten zu tun hat. Aber wie viele Menschen sind diesen Narrativen gefolgt? Jeder der aus dem herrschenden Narrativ ausschert wird mit dem „Titel“ Verschwörungstheretiker, Antisemit, Rechter, oder Rassist, etc. belegt. Die meisten Menschen haben tatsächlich Angst, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, wenn das zugleich bedeutet, sich dem kollektiven Ego entgegen zu stellen. Wenn dann der Arbeizsplatz bzw. die Karriere davon abhängt, dass man dem konstruierten Narrativ folgt, entscheiden sich eben viele Menschen dafür, sich die Wirklichkeit zurecht zu biegen um sich eine Rechtfertigung für das eigene Handeln zu basteln. Vielleicht geht man auch davon aus, dass der ganze Schwindel sowieso auffliegt, es also gar nicht darauf ankommt, dass man selbst Rückgrat beweist. Und schließlich wird die Verantwortung abgewälzt auf andere, indem man anderen „aufträgt“, den ganzen Schwindel platzen zu lassen. Der ökonomische Druck bzw. die zu befürchtenden Sanktionen inklusive gesellschaftlicher Ächtung sind so groß, dass man lieber in einer kognitiven Dissonanz verharrt. Dass das auf Dauer nicht gesund kein kann, ist vollkommen klar! LG

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