Januar: Immer milder und schnee­ärmer in Deutsch­land?

Schnee- im Flachland nur selten im Januar 2018 anzutreffen. Foto: Stefan Kämpfe

STEFAN KÄMPFE
Nach dem sehr milden Januar 2018 könnte man meinen, der erste Monat des Jahres werde immer milder und schneeärmer. Doch ganz so einfach ist es nicht- wie ein Blick in die Vergangenheit und auf andere Regionen zeigt. Der Januar 2018 schaffte es nicht unter die fünf wärmsten, die teilweise schon etwa einhundert Jahre oder länger zurückliegen.

Die Entwicklung der Januartemperaturen in Deutschland

Zunächst lohnt ein Blick auf die langfristige Entwicklung der Januartemperaturen. Diese lassen sich, wenngleich mit gewissen Genauigkeitseinbußen in den ersten 120 Jahren, bis 1761 zurück ermitteln. Seitdem erwärmte sich der Januar in Deutschland um stattliche 3,1 Kelvin (1 Kelvin = 1°C), wofür man bei flüchtiger Betrachtung die steigende CO2- Konzentration verantwortlich machen könnte:

Abb. 1: Der Januar wurde in Deutschland zwar langfristig wärmer, doch der vermutlich auch industriell bedingte CO2- Anstieg begann erst deutlich nach 1850, und seriöse, durchgehende Messungen der CO2- Konzentration gibt es erst seit 1959 (Mauna- Loa- Observatorium, Hawaii). Für die Zeit davor existieren zwar Messungen, aber nie länger an einem festen Ort, und mit größerem zeitlichen Abstand zu heute immer seltener werdend. In der vorindustriellen Zeit lag die CO2- Konzentration bei etwa 290 ppm und dürfte nur wenig geschwankt haben.

Doch richtig spannend wird die Entwicklung der Januar- Temperaturen erst dann, wenn man sie abschnittsweise, in jeweils 50 Jahre langen Intervallen, betrachtet. Diese sind für signifikante (überzufällige) Änderungen lang genug und zeigen frühe Erwärmungszeiträume ganz ohne CO2- Konzentrationszunahme. Und während der CO2- Konzentrationszunahme gab es eine markante Abkühlungsphase:

Abb. 2a bis 2e: Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen CO2- Konzentration und Januartemperaturen, denn eine merkliche Erwärmung gab es auch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ganz ohne zunehmende CO2- Konzentration. Und im 20. Jahrhundert, als die CO2- Konzentration lange nach Beginn der Industrialisierung schon merklich stieg, war zwischen 1911 und 1960 gar eine markante Abkühlungsphase zu beobachten; die strenggenommen sogar bis zum Beginn der 1970er anhielt; erst mit den extrem milden Januarmonaten 1974 und 1975 traten plötzlich gehäuft sehr milde Januarmonate auf.

Seit dem sprunghaften Anstieg zur Mitte der 1970er Jahre verharren die Januar- Temperaturen in Deutschland auf einem sehr hohen Niveau und steigen nur noch wenig, und das, obwohl sich die CO2- Emissionen seitdem enorm vergrößert haben:

Abb. 3: Seit Mitte der 1970er Jahre wuchs die CO2- Konzentration um fast 80 ppm (das sind fast 18 ppm je Jahrzehnt; von 1961 bis 2010 wuchs diese nur um knapp 15 ppm je Jahrzehnt); doch die Januartemperaturen stiegen kaum noch.

Aber wenn die CO2- Konzentrationen die Entwicklung der Januartemperaturen nicht befriedigend erklären können, was sind dann die wirklichen Ursachen, und wie könnten sich die Januartemperaturen künftig verändern? Eine einfache Erklärung wäre, dass sich die Erholungsphase der Temperaturen seit der „Kleinen Eiszeit“, welche spätestens um 1900 endete, noch immer fortsetzt, dabei aber ungleichmäßig verläuft (ausgelöst wurde das Ende der „Kleinen Eiszeit“ hauptsächlich von der zunehmenden Sonnenaktivität). In naher Zukunft dürfte diese Erholungsphase enden- verzögert mit der schon wieder deutlich geringeren Sonnenaktivität. Auch die zunehmende Bebauung und geänderte Landnutzung wirkten nach 1850 erwärmend (Wärmeinseleffekte im weitesten Sinne). Speziell im Januar besteht für Mitteleuropa außerdem ein enger Zusammenhang zwischen der Luftströmung und der Lufttemperatur, denn wir liegen im Grenzbereich zwischen dem in diesem Monat relativ warmen Atlantik und dem sehr kalten eurasischen Festland. Im milden Januar 2018 wehte der Wind bei uns fast ausschließlich aus Westen und brachte milde Atlantikluft mit. Die Häufigkeitsverhältnisse dieser „Westlagen“ lassen sich leider nur bis 1881 zurückverfolgen und zeigen seitdem folgende Entwicklung in Relation zu den Lufttemperaturen:

Abb. 4: Die Häufigkeit der Großwetterlagen mit westlichem Strömungsanteil (violett) nahm von 1881 bis etwa 1920 zu; um danach zunächst abzunehmen. Seit der Mitte der 1970er Jahre traten sie dann so häufig auf, wie nie zuvor seit 1881. Anhand der blauen Kurve erkennt man sehr schön den massiven Einbruch der Januartemperaturen zur Mitte des 20. Jahrhunderts; siehe auch Abb. 2d. 49 Prozent der Variabilität der Januar- Temperaturen lassen sich allein mit den Häufigkeitsverhältnissen der Westwetterlagen erklären; nur in den anderen Wintermonaten ist dieser Zusammenhang ähnlich positiv eng, weil wegen der schwachen Wintersonne nur der Atlantik als Wärmequelle dienen kann (im Sommerhalbjahr können ursprünglich kalte Luftmassen bei sonniger Witterung stark erwärmt werden, während dann die wolkenreiche Atlantikluft ehr zu kühl bleibt). Großwetterlagenklassifikation nach HESS/BREZOWSKY; zur besseren Darstellbarkeit in einer Grafik wurden Temperaturen und Wetterlagenhäufigkeit in Indexwerte umgerechnet.

Immer weniger Januar- Schnee in Deutschland?

Im Zuge der angeblichen Klimaerwärmung soll es immer weniger Schnee geben, was sich anhand der mangelhaften Datenlage aber nur schwer überprüfen lässt. In Potsdam wird jedoch die Anzahl der Schneedeckentage seit 1893 gezählt; für den Januar zeigt sich bislang keine Abnahme:

Abb. 5: Schneelose Januarmonate gab es im Flachland schon immer – ebenso wie schneereiche. Bislang ist kein Trend zu weniger Schneedeckentagen erkennbar; eher das Gegenteil ist der Fall.

Die Entwicklung der Januar- Temperaturen in anderen Regionen

Die so inbrünstig kolportierte CO2-Erwärmungstheorie muss man auch in Zweifel ziehen, wenn man die Entwicklung der Januartemperaturen außerhalb Deutschlands betrachtet. Denn auch dort finden sich neben längeren Phasen mit Temperaturanstiegen solche mit Stagnation oder gar mit Abkühlung, teilweise langfristig oder auch gerade während der letzten 30 Jahre, in denen die CO2- Konzentration besonders rasch anstieg:

Abb. 6a bis 6e: Mehr oder weniger lange Stagnations- oder gar Abkühlungsphasen im Januar finden sich überall auf der Nordhalbkugel- von Schweden über Russland bis nach Nordamerika und Zentralengland. An der wärmeinselarmen Station Dale Enterprise (westlich von Washington/USA gelegen), hat sich der Januar, ganz anders als in Deutschland, seit fast 140 Jahren überhaupt nicht erwärmt.

Fazit: Der milde Januar 2018 in Deutschland ist kein Menetekel für immer mildere, schneeärmere Winter. Die Januartemperaturen schwankten auch in der Vergangenheit stark, was unter anderem durch die sich ständig ändernde Häufigkeit der milden Westwetterlagen verursacht wird. Überall auf der Nordhalbkugel mehren sich erste Anzeichen für eine mögliche bevorstehende Abkühlungsphase.

Stefan Kämpfe, unabhängiger Natur- und Klimaforscher

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9 Kommentare

  1. „Deutschland wird keine Winter mehr erleben“. Das hat doch einer dieser von den Medien hofierten Klimaclowns vor 19 Jahren gesagt. Dieses Jahr trifft das zufälligerweise in den Städten und im Flachland auch noch zu. Aber die Grafiken zeigen eindeutig, dass diese Vorhersage falsch war. Entweder haben wir gar keine Erwärmung oder innerhalb der letzten 30 Jahre sogar leichte oder gar starke Januarabkühlungen. Die CO2-Konzentration ist seitdem überall auf der Welt gleichmäßig gestiegen. Im Januar verhalten sich die CO2-Trendlinie und die Temperaturtrendlinie genau gegensätzlich. Es gibt aber auch Monate, wo wir eine zufällige Übereinstimmung feststellen. Allein die Grafiken zeigen, dass CO2 nichts oder fast nichts mit den Temperaturen zu tun hat. Neutrale Klimawissenschaftler fragen sich deshalb, welche Faktoren tatsächlich für das Kälterwerden der Januartemperaturen verantwortlich sind. CO2-Erwärmungsgläubige stellen keine wissenschaftliche Fragen, für solche Leute wird es per Glaubensdekret wärmer. Die angebliche Mehrheit entscheidet das per Abstimmung. Was heißt Bolschewiken auf Deutsch?

  2. http://www.wetter-by.de/Internet/AM/NotesBAM.nsf/bamweb/1900d4314c9a3b62c1257392004a2462?OpenDocument&TableRow=3.1.2%2C3.6#3.1.

    Das ist eine von vielen ländlichen Wetterstationen des Agrar-Messnetzes in Bayern. Diese steht in Neuherberg auf 380 Meter Höhe,  Wärmeinsel sollte da auszuschließen sein. Man kann sich durch die Daten dieser (und vieler anderer) Stationen klicken und sieht fast nur Temperaturausreißer nach oben. Der Link zeigt die Jahresmitteltemperaturen seit 1990: Von 27 jahren waren nur 3 kühler als das Mittel 1961 – 1990: 1991 (-0,4 K), 1996 (-1,6 K) und 2010 (-0,1 K), 24 Jahre waren wärmer, 2014 etwa + 2,4 Grad, 2015 + 2,2 Grad …. das gilt so oder ganz ähnlich auch für die allerallermeisten anderen Stationen in diesem Messnetz, und die Monatsbilanzen sehen nicht anders aus. Nun sind 27 Jahre kurz, aber wenn ein Trend so eindeutig ist, muss man nicht mehr groß debattieren. Es wird wärmer. Punkt. Ich finds schön, ich liebe den Sommer und hasse den Eiskratzer.

  3. Es ist doch völlig egal, was passiert, ob mild oder kalt, trocken oder nass, windstill oder stürmisch, es ist weitaus schlimmer, als es befürchtet (erhofft) war! Die Klimakatastrophe ist doch schon längst da! Die Laienprediger der Grünen lassen das ja pausenlos vom Stapel!

    Die Umverteilung und das Geschäft muss laufen!

  4. Wenn ich mir die Temperaturdaten von Schwerin ansehe, stelle ich fest, dass in 17 Jahren seit 1890 die durchschnittliche Januartemperatur höher war als 2018. Wenn man nur die letzten 30 Jahre betrachtet, zeigen die durchschnittlichen Januartemperaturen eine deutliche absteigende Tendenz.

    • Man kann davon ausgehen, dass die Schweriner Daten „brauchbar“ sind- wenngleich sicher mehr oder weniger WI- beeinflusst (DWD- Stations- ID von Schwerin 04625, auf der DWD- Seite mit etwas Geschick abrufbar). Eine leichte Januar- Abkühlung seit gut 30 Jahren zeigt sich auch im DWD- Mittel; Beitrag dazu von KOWATSCH/KÄMPFE erscheint in Kürze.

      • Aufgrund der umfangreichen Bebauung der Umgebung der Meßstelle in Schwerin mit Wohn- und Gewerbegebieten in den vergangenen Jahrzehnten, besonders in nordwestlicher Richtung, kann man von einem Wärmeinseleffekt ausgehen.

        • Keine deutsche Stationen ist wärmeinselfrei, natürlich auch Schwerin nicht. Es gibt keinen Ort, der sich in der Umgebung nicht wärmend verändert hätte. Vor allem in meinem Heimatort hat sich in den letzten 30 Jahren die bebaute Fläche nahezu verdoppelt, vor allem der Straßenanteil hat zugenommen. Die Straßen sind wie Wärmebänder in der Landschaft. Der DWD kann nichts dafür, dass seine Messstationen durch menschliche Wärmezugabe wärmer werden. Umso erstaunlicher ist es, dass der Januar sich über längere Zeiträume in Deutschland kaum erwärmt hat. Nach der leichten Abkühlung der DWD-Stationen seit 30 Jahren – siehe Artikel demnächst- sind wir wieder auf dem Stand von etwa 1920 angekommen, natürlich im Vergleich zu den Messstationen damals an den viel kälteren Standorten, weil sie noch stärker ganz außerhalb der Ortschaften bzw. in viel kleineren Städten und Ansiedlungen waren. Unter Berücksichtigung dieses keineswegs vom globalen CO2-Klima stammenden Wärmeinseleffektes hätte Deutschland sogar eine  Januarabkühlung seit 100 Jahren erfahren, genauso wie es die noch einsame Virginia Station in Dale-Enterprise in den USA anzeigt. Die seit über 150 Jahren behauptete CO2-Erwärmung – durch keinen Versuch nachweisbar- ist in Wirklichkeit eine Wärmeinselerwärmung. Das Wort Treibhauseffekt ist eine Propaganda-Worterfindung. Eine CO2-Bekämpfung aus Temperturgründen ist deswegen sinnlos. Wir sind doch froh, dass es durch unseren Wohlstand und die Flächenausweitung wärmer wurde in Deutschland, ganze Wärmeregionen sind inzwischen entstanden. Wärmeinselarme Stationen zeigen wie auch Schwerin oder Düsseldorf zeigen keinerlei Januarerwärmung in den letzten 30 Jahren. z.B. Düsseldorf mit negativer Trendlinie y = – 0,037. Das macht über 1 Grad Januarabkühlung in den letzten 30 Jahren. Soweit ich weiß, steht diese Klimastation am Flughafen. Frage: Welche negative Steigungsformel hat Schwerin? Und wieder der Aufruf an die Leser, diese guten Grafiken von Herrn Kämpfe zu kopieren und zu verbreiten. Steter Tropfen höhlt den Stein.

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