Windenergie in der NRW-Politik: Unvereinbarkeit der Standpunkte

Pixabay, mattysimpson

Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke
Ein Antrag der Fraktionen CDU und FDP des Landtags Nordrhein-Westfalen vom 5.9.2017 (Drucksache 17/526) hat zum Ziel den „Windenergieausbau in NRW wieder in geordnete Bahnen zu lenken und die Akzeptanz für die Windenergie zu sichern“. Zur Anhörung der Sachverständigen am 13.Dez.2017 war auch der Autor geladen. Hier sein Bericht und seine Einschätzung zum Gesetzentwurf.

Allgemeines

Um die Energiewende steht es nicht gut in Deutschland, um die Windenergie, als Säule dieser Wende, noch schlechter. Der Autor leistete daher einer Einladung der Landesregierung von NRW Folge, als Sachverständiger im Landtag zum Gesetzentwurf über die Installierung von Windkraftanlagen angehört zu werden. Zwar war klar, dass seine Anhörung nichts im Geringsten ändern würde, aber die Neugier, welche Standpunkte die zahlreichen Spieler der Anhörung sich zu Eigen machten, gab den Ausschlag.

Das Anhörungsverfahren sah eine (nicht verpflichtende) Stellungnahme sowie eine ebenfalls nicht verpflichtende Anwesenheit vor. Dies erklärt die weit größere Anzahl von schriftlichen Stellungnahmen im Vergleich zur immer noch stattlichen Anzahl der persönlich anwesenden „Sachverständigen“, die gefragt werden sollten.

Die Befragung war infolge der großen Anzahl von Beteiligten formal eng geregelt. Es sollte nur auf die von den Landtags-Abgeordneten gestellten Fragen geantwortet werden. Bereits erfolgte Antworten anderer Sachverständiger waren nicht zu kommentieren. Es war also keine Diskussion vorgesehen. Ein kluger Entschluss, denn wie sich zeigte, wäre bei Diskussionen noch weniger herausgekommen als in der Befragung selber.

Zunächst die schriftlichen Stellungnahmen (hier). Die des Autors ist Nr. 17/166 ganz unten (hier). Und hier nun die Liste der erschienenen Die Sachverständigen

Einteilung der Stellungnahmen

Jeder Leser kann über den oben angegebenen Link alle schriftlichen Stellungnahmen selber einsehen. Man könnte die Stellungnahmen etwa wie folgt einteilen:

  1. Absolute Befürworter der Windenergie, die sich über die offensichtlichen Hindernisse gegen ihre Ausweitung beschweren, wie sie etwa von  Bürgerinitiativen aufgetürmt werden. Man pocht auf „Planungsklarheit“ oder fordert die Überarbeitungen des Windenergie-Erlasses usw. Oft sind es reine Profiteure der Windenergie, 17/188, 17/179, 17/174, 17/171, 17/168
  2. Naturschützer, die sich zwar der Naturzerstörungen durch Windräder bewusst sind und sie zum Teil sogar in ihrer Stellungnahme ansprechen, aber gar nicht daran denken, konsequente Beseitigung zu fordern. Allenfalls werden Milderungsmaßnahmen angemahnt. Man könnte diese Gruppe vielleicht zu den ungewollten Naturschädigern unter der Maske von Naturschützern zählen: 17/182, 17/180, 17/175, 17/173. Ein besonders eklatanter Fall ist hier der BUND hier und hier. Wer solch einem Verein angehört und sich ehrlich dem Naturschutz zugehörig fühlt, sollte konsequenterweise besser austreten.
  3. Naturschutz-Vereine, die ihre Aufgabe ernst nehmen, aber entweder immer noch meinen, Windräder trügen zum Klimaschutz bei und Kohlekraftwerke seien klimavernichtende Dreckschleudern. Oder die zwar eine in die richtige Richtung gehende Stellungnahme abgeben, aber sich um die Konsequenz, nämlich die generelle Aufgabe der Windkraftnutzung, herumdrücken. Oder die z.B. ein Moratorium fordern u.ä.m.:17/193, 17/190, 17/194
  4. Ingenieure, Naturwissenschaftler und Bürgerinitiativen, die auf den volkswirtschaftlichen Unsinn von Energiewende und insbesondere von Windrädern hinweisen, die Naturzerstörung klar benennen und daher die ganze Windenergie-Aktion sachlich begründet ablehnen: 17/198, 17/166, 17/170, 17/195.
  5. Übrige: 17/184, 17/189, 17/178.

Einschätzung zum Gesetzentwurf

Um höflich zu sein, sei die Bezeichnung „kompletter Unsinn“ für den Gesetzentwurf vermieden. Beim Windradausbau ist die „Akzeptanz für Windenergie“ heute definitiv nicht mehr zu sichern und von „in geordnete Bahnen lenken“ kann schon gar keine Rede sein. Durchwursteln geht nicht mehr und macht alles nur noch chaotischer. Die Politik muss sich zu einem klaren Schnitt durchringen und der ist sogar logisch. Man braucht sich dazu nur die Fakten über die Windenergie und die Akzeptanzentwicklung in der Bevölkerung anzusehen.

Nun folgt Politik selten sachlichen Argumenten, und Lobbyismus ist mächtig. Dennoch sollte die aktuelle NRW-Politik noch einmal gut nachdenken. Jeder weitere Ausbau der Windenergie, deren Beitrag zum Primärenergieverbrauch Deutschlands immer vernachlässigbar bleibt, wird nämlich den Verantwortlichen später auf die Füße fallen. Steht man kurz vor der Pensionierung, ist das kein Thema. Ein nicht ganz auf den Kopf gefallener junger Landtagsabgeordneter sollte dies aber schon anders sehen – es sei denn, er profitiert persönlich vom Windradausbau. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst nämlich stetig. Da es auch noch gute Sachargumente gibt, diesen Ausbau sofort zu beenden, wäre die aktuelle NRW-Koalition gut beraten, dies zu tun.

Schließlich gibt es zwei während der Anhörung erwähnte „sanfte“ Methoden, um die Wind-Profiteure von ihren üppigen Krippenplätzen zu vertreiben, die Stromversorgung von NRW sicherer zu machen und schließlich wieder zu akzeptierbaren Landschaften und zum Naturschutz zurückzukehren. Die erste Methde wurde von Prof. Appel erwähnt: Man braucht nur den heutigen Wirkungsgrad von NRW-Kohlekraftwerken auf den technologisch möglichen Stand von rund 45% zu heben und hätte damit ausreichend Energie gewonnen, um jeden Windrad-Neuausbau in NRW obsolet zu machen. Ein schönes und schlüssiges Argument! Chapeau, lieber Herr Kollege Appel.

Das zweite Argument wurde vom Autor selber vorgebracht, der zum Schutz der gesundheitlichen Unversehrtheit von Windradanrainern 15H – Abstand in seiner Anhörung forderte, d.s. bei 200 m hohen Anlagen 3 km Mindestabstand. Dieser mindestens notwendige, aber in ungünstigen Fällen immer noch zu geringe Mindestabstand (gesundheitliche Unversehrtheit ist grundgesetzlich geschützt) hat nämlich den positiven Nebeneffekt, dass damit jeder weitere Windrad-Ausbau praktisch zum Erliegen kommt.

Nun muss die CDU/FDP-Koalition nur noch vernünftig handeln. Unterstützung wird sie hier sicher bei einer neuen Partei im Landtag finden.

 

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12 Kommentare

  1. Guten Tag Foristen und EIKE

    ein pro-Wind Freund hat mir als Diskussionsbeitrag folgenen SPON-Artikel geschickt:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/energie-windkraft-ueberholt-atomenergie-und-steinkohle-a-1184247.html.

    Daraus zitiert:

    „Der Vorsprung beim Wind ist so groß, dass er nicht mehr eingeholt werden kann“, sagte Fraunhofer-Professor Bruno Burger. Bis einschließlich dem 18. Dezember hätten die Rotoren an Land und auf See 97 Terawattstunden Strom erzeugt. Steinkohle kam netto auf 81 Terawattstunden, Kernenergie auf 69. Vorn lag den Daten zufolge weiterhin die Braunkohle mit etwa 130 Terawattstunden.“

    Wurden die erzeugten 97 TWh Windstrom auch alle verbraucht oder includiert dies die ungenutze Überkapazität bei Starkwind etc.. Wurde da wieder die reine Stromerzeugung (Wind) mit sinnvoller bedarfsgerechter und voll verbrauchter Grundlast plus normalem Bedarf vermischt?

    Könnte jemand den SPON-Artikel kommentieren? Vielen Dank.

    ML

    •  
      Typisch SPON grünsprech-Artikel! Zuerst einmal sollte man die Kohlekraftwerke addieren, macht dann 81 + 130 = 211 Twh. Zu dem haben diese Zahlen nicht die suggerierte Aussagekraft, da nicht der Energieertrag (Wh) sondern die gesicherte Leistung (W) maßgebend ist. Die Energie ist das Integral der Leistungskurve über die Zeit. Da Windräder nur stochastisch Strom einspeisen, liegt deren gesicherte Leistung bei < 10% der installierten Leistung, also praktisch bei Null! Windstrom ist Zufallsstrom nach Wetterlage und kann keine herkömmlichen Kraftwerke ersetzen.
       
      https://www.agora-energiewende.de/de/themen/-agothem-/Produkt/produkt/76/Agorameter/
       
      Man muss nur einmal in der Graphik über 1 Jahr alles wegklicken außer Kernkraft und Wind. Dann erkennt man sofort, dass die Windräder in der Summe mehr Strom eingespeist haben, aber während ~ 50% der Jahresstunden die wegfallende Kernkraft nicht ersetzen konnten! Leistungskurven sieht man daher nie bei SPON und Co, man berauscht sich an Energieerträgen und unterschlägt die systemimmanente Netzunverträglichkeit des Windstroms. Nennt sich Lügen durch weglassen, etwas was unsere „Journalisten“ bestens beherrschen. Lügenpresse eben, man muss es nur bemerken. Aber da > 85% der Bevölkerung das nie verstehen werden, lebt sie weiter, die Lüge von der erfolgreichen „Energiewende“. Wir schaffen das….
       

    • @Mark

      Energie/Strom ist ein „Just in time“ Produkt…will sagen…damit Sie eine Stromversorgung/Netz aufrecht erhalten wollen benötigen Sie beim Produkt Energie/Strom eine Grundlast….also eine „Just in time Lieferkette“….das Netz muss immer unter Hochspannung stehen damit eine Stromversorgung ohne Blackouts funktioniert.

      Wind und Sonne können diese Grundlast nicht liefern, weil diese Energieträger zu LAUNISCH sind! Deshalb hat sich der moderne Mensch von den Launen der Natur unabhängig gemacht und mit seinen Verstand eine Technik entwickelt, die diese Voraussetzung mit sich bringt…diese Technik heißt schlicht und einfach Kraftwerkstechnik…auf Basis der ständig verfügbaren Energieträgern von Kohle, Gas und Uran. Diese Energieträger sind unendlich vorhanden und von Menschen organisatorisch jederzeit = Just in time abrufbar. Vor allen ist dies bei den Energieträger Uran und Thorium der Fall…die Kernenergie ist somit die Schlüsselindustrie für die Zukunft und das weiterbestehen des modernen Leben…ein Leben, dass nicht mehr vom Überleben (Mangel und Armut) sprechen muss sondern sich ganz beruhigt auf die Zukunft konzentrieren kann. Mit Wind und Sonne haben wir diese ruhige Zukunft…dieses Leben in Wohlstand nicht…mit Wind und Sonne haben wir mit dem täglichen Überleben zu kämpfen…dem Überleben mit einer lückenhaften Strom-Energieversorgung.

      Ich verlgeiche ein Kohle, Gas oder Kernkraftwerk immer gerne mit unseren Herz….damit unser Herz-Kreislaufsystem funktioniert und wir überhaupt erst leben können, benötigt dieses System eine verlässliche Energiequelle die uns die Grundlast zur Verfügung stellt damit wir uns am Leben halten können.

      Das Herz schlägt jede Sekunde in unseren Leben und versorgt unseren Körper (Volkswirtschaft/Geist und Verstand) mit Energie/Strom. Jetzt ersetzen Sie das Kraftwerk Herz einfach mal durch eine Windmühle oder Solarpark….bei der nächsten Windstille oder Dunkelheit würden Sie unweigerlich dem Tod ins Auge blicken.

       

  2.  
    Der Weltenergiebedarf ist derzeit 40mal größer als der deutsche; somit umfasst die Stromproduktion der deutschen 30000 Windkraftanlagen ca. 0,05% davon. Bezogen auf das Ziel der Klimakonferenz von Paris, die globale Erwärmung auf 1,5-2°C zu begrenzen, bewirken die deutschen Windanlagen eine Einsparung von 0,000008°C pro Jahr oder in 100 Jahren 0,0008°C.
     
    Dieser Wert entspricht einer jährlich in Deutschland eingesparten CO2-Emission von 17 Millionen Tonnen (0,05% von 34 Milliarden t des jährlichen weltweiten Ausstoßes).
     
    Der weltweite Ausstoß führt in der Atmosphäre zu einem jährlichen CO2-Anstieg von 2 ppm (Millionstel Volumenanteile). Unsere jährliche Einsparung von 17 Megatonnen CO2 – dank der gelobten Windenergie, bringt also gerade mal eine Absenkung des CO2-Gehalts um 0,001 ppm. 400 ppm Zuwachs führen nach der manipulierten Rechnung der Klimainstitute zu einer Erderwärmung von 3°C. Unsere Einsparung von 0.001 ppm macht also in Wirklichkeit in 100 Jahren nur 0,0008°C aus. Dieser Wert ist sogar noch um das 6-fache zu hoch, wie namhafte deutsche Wissenschaftler nachgewiesen haben.
     
    Nicht berücksichtigt wird dabei, dass der Ausbau der Windenergie gegen das Grundgesetz Artikel 20a GG verstößt, wie in einem Beitrag von Rechtsanwalt Große Hündfeld auf der Webseite
     
    https://www.gegenwind-greven.de/ zu lesen ist.
     
    Mit der zweifelhaften Begründung, das Klima zu schützen, werden Kulturlandschaften verschandelt, Vögel getötet, die Gesundheit von Bürgern beeinträchtigt und Kapital sowie Arbeitsplätze im fossilen Kraftwerksbetrieb vernichtet.
     
    Was muss geschehen, dass die zum Umweltschutz verpflichteten Politiker den Bürgern sagen, weshalb immer mehr Anlagen gut sein sollen?
     

     

    • „Nun muss die CDU/FDP-Koalition nur noch vernünftig handeln. Unterstützung wird sie hier sicher bei einer neuen Partei im Landtag finden.“ Die CDU/FDP-Koalition wird es fertigbringen, nur deshalb unvernünftig zu handeln, um von der genannten neuen Partei nicht unterstützt zu werden.

       

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