Nach dem ,Katastrophen­signal‘ – als die Wissen­schaft das politische Treib­haus betrat

Bernie Lewin
Ein neues Buch über die Ursprünge der Globale-Erwärmung-Bewegung beschreibt, wie das IPCC zum ersten Mal gezwungen wurde, Beweise zugunsten politischer Vorgaben zu fabrizieren.
Es war eine einzige Zeile in einem der Berichte mit den Worten [übersetzt] „Die Gesamtheit der Beweise zeigt einen erkennbaren menschlichen Einfluss auf das globale Klima“.
Diese Worte im 2. Zustandsbericht des IPCC können jetzt als Dreh- und Angelpunkt in der Historie der Wissenschaft von der globalen Erwärmung betrachtet werden.


Wie zaghaft auch immer die Wortwahl sein mag, dies war das erste Mal, dass ein offizieller Bericht eine positive ,Erkennungs‘-Behauptung aufgestellt hatte.

Der Durchbruch wurde weit verbreitet gefeiert und dann als Rechtfertigung für eine Änderung der Politik der USA herangezogen, nämlich hin zu einer Unterstützung bindender Ziele hinsichtlich der Emission von Treibhausgasen.

Aber dies erfolgte erst nach Protesten gegen das, was man mit dem IPCC-Bericht gemacht hatte, um den Weg für dieses Statement frei zu machen. Nur Tage vor der Verkündung der Änderung der US-Politik beschrieb ein Op-Ed des führenden US-Wissenschaftlers Frederick Seitz das späte Entfernen skeptischer Passagen als einen ,grundlegenden Betrug‘ und eine ,verstörende Korrumpierung des Begutachtungs-Prozesses‘, wobei Politiker und die Öffentlichkeit in den Glauben fehlgeleitet worden sind, dass ,wissenschaftliche Beweise belegen, dass menschliche Aktivitäten eine globale Erwärmung verursachen‘.

Für Seitz und Andere war der Verantwortliche für den Betrug schnell ausgemacht: Ben Santer, der koordinierende Autor des ,Betrugs‘-Kapitels. Obwohl es tatsächlich Santer war, der diese Änderungen vorgenommen hatte, ist inzwischen klar, dass er nicht allein gehandelt hat. Stattdessen scheint es eine konzertierte Kampagne gegeben zu haben, wissenschaftliche Ergebnisse zu ändern, so dass sie als Rechtfertigung für die Änderung der US-Politik herangezogen werden konnten.

Am deutlichsten wird dies belegt durch die offizielle Unterwerfung der US-Regierung unter das IPCC. Eigentlich sollten damit nur Änderungen der Ausdrucksweise der Summary des Reports bewirkt werden, aber die Unterwerfung zeigt, dass Washington Druck auf das IPCC ausgeübt hatte, das zugrunde liegende wissenschaftliche Kapitel zu ändern. Mit dem Druck wurden jüngste Ergebnisse gefordert hinsichtlich der Auswirkungen von Sulphat-Aerosol-Emissionen, welche die Behauptung der Entdeckung dieser ,smoking gun‘ rechtfertigen sollten, und für die Entfernung der Aussagen bzgl. der Unsicherheiten, die dem im Wege standen.

Die Unterwerfung wurde von Robert Watson geschrieben, einem britischen Chemiker, der kurz zuvor eine Stellung im Weißen Haus bezogen hatte. Zuvor war er noch bei der NASA und stand dort im Zentrum einer früheren Angsterzeugung – nämlich der Zerstörung der Ozonschicht – wo er eine geschickte Hand bzgl. Public Relation an den Tag legte, Angst erzeugende Stories in den Schlagzeilen zu halten, um Druck auszuüben hinsichtlich eines kompletten Verbots von CFCs. Bis zum Jahr 1989 hatten sich die Bedenken hinsichtlich eines Ozon-,Loches‘ über der entfernt liegenden Antarktis bereits verflüchtigt, aber unmittelbar vor einer ,Rettet-die-Ozonschicht‘-Konferenz erklärte Watson, dass das arktische Ozon während der nächsten Tage ,an der Schwelle einer großflächigen Zerstörung‘ stehen würde.

Watson wusste nur zu gut, dass es praktisch keine Chance auf ein ,Loch‘ im Norden gab, aber seine Warnung zeitigte den gewünschten Effekt. Sie fand sich in den Schlagzeilen auf der ganzen Welt und beeinflusste zweifellos die Entscheidung der Europäer, die gesamte Produktion von CFCs einzustellen.

Die Fähigkeit der Wissenschaftler, politische Maßnahmen zu katalysieren, blieb nicht unbemerkt. Zum Zeitpunkt des ,Erdgipfels‘ von Rio im Jahre 1992 hatte sich die politische Aufmerksamkeit der Regulierung fossiler Treibstoffe zugewandt, und viele Delegierte der Länder hatten sich hinter George Bush Senior gestellt, um eine Konvention zu unterzeichnen, genau das zu tun. Immer noch warteten die USA auf bindende Verpflichtungen hinsichtlich Emissionsziele. Im folgenden Jahr lag die Änderung mit dem Einzug von Bill Clinton in das Weiße Haus in der Luft.

Die einzigen Probleme gab es noch mit der Wissenschaft. Es gab immer noch keine belastbaren Beweise, dass Emissionen die Auswirkungen hatten, welche die Modelle zeigten. Tatsächlich hatte sich das IPCC immer weiter zurückgezogen, ein ,Nachweis‘-Ergebnis zu erzeugen. Im ersten Zustandsbericht 1990 fand sich die Warnung, dass ein solcher Nachweis auch in Jahrzehnten nicht geführt werden könnte. Ein Sonderbericht für den Rio-Gipfel war sogar noch skeptischer. Bis zum Jahr 1995 erklärten die Wissenschaftler, dass ,sie nicht wüssten‘, wann ein solcher Nachweis erbracht werden könne. Dies kann kaum drastische Klima-Maßnahmen rechtfertigen.

Der erste Schritt, diese Lage zu verbessern, involvierte eine Behauptung, der zufolge Emissionen von Sulphat-Aerosolen die Erwärmung während der letzten Jahrzehnte gedämpft hätten. So konnten die Klima-Modellierer das Fehlen von Erwärmung erklären, während sie nach wie vor eine zukünftige Katastrophe prophezeiten. Aber immer noch war die Argumentation für einen Nachweis schwach.

Aber dann, zur elften Stunde, machte Santer eine dramatische neue Entdeckung. Die Auswirkung der Aerosole verzerrte die erwartete geographische Verteilung der Erwärmung, und er behauptete, genau diese Verteilung in den Klimadaten gefunden zu haben. Allerdings kam diese Behauptung erst, nachdem sein Kapitel im IPCC-Bericht bereits begutachtet und durchgewunken worden war. Während man zustimmte, die neuen Ergebnisse einfließen zu lassen, gab es scharfe und nachhaltige Kritik seitens seiner Begutachter, und dies erklärt, warum er eine sehr skeptische Schlussfolgerung beibehielt.

Alles, was jetzt noch zu tun übrig blieb war, dass die Delegierten der Länder den Report der Wissenschaftler akzeptieren und einer Zusammenfassung auf einem Treffen in Madrid zustimmen. Aber auf dem Weg zu diesem Treffen sagten die USA in ihrem Kommentaren zu der Summary, dass der Report Änderungen bedarf. Watson unterbreitete spezifische Vorschläge, wie man Santers neue Erkenntnisse für ein Statement bzgl. eines Nachweises gebrauchen könnte. Der Leitbrief des State Department war weniger spezifisch, aber beharrlicher, und forderte, ,dass die Autoren des Kapitels dazu gebracht werden müssen, ihren Text zu modifizieren‘.

In Madrid wurde Santer erneut eingeladen, seine Entdeckung zu erläutern. Als er erklärte, dass sein Kapitel überholt war und Änderungen bedurfte, protestierten die Saudis und die Kuwaitis, dass die neuen Erkenntnisse nur vorläufiger Natur seinen, und sie stellten auch die Redlichkeit der nationalen Delegationen in Frage, den Text des Reports der Wissenschaftler zu ändern. Aber dies wurde als Krittelei und Blockade-Strategie eigennütziger Interessen verworfen; die von den USA gewünschten Änderungen wurden vorgenommen.

Viele Jahre später veröffentlichte Houghton eine Reflektion des Treffens in Madrid unter der Rubrik ,Treffen, welche die Welt veränderten‘. Seiner Ansicht nach hätten globale Maßnahmen bzgl. des Klimawandels ohne diesen Triumph der Wissenschaft über die Öl-Lobby kaum Eingang gefunden in den Klimavertrag von Kyoto zwei Jahre später. Houghton zufolge rettete die Passage des berühmten ,erkennbaren menschlichen Einflusses‘ den Vertragsprozess. Deren Auswirkungen auf spätere Ereignisse ist kaum zu übersehen. Aber was nicht so bekannt ist: diese von der Politik vorgegebenen Ergebnisse retteten auch das IPCC.

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Das Buch von Bernie Lewin über die Ursprünge der Globale-Erwärmungs-Angst mit dem Titel [übersetzt] „Auf der Suche nach dem Katastrophen-Signal“ [Searching for the Catastrophe Signal] wird von der Global Warming Policy Foundation veröffentlicht.

Link: https://wattsupwiththat.com/2017/11/24/after-the-catastrophe-signal-when-science-entered-the-policy-greenhouse/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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