Mit Strom vom Fahrrad in die nächste Nahrungskrise

Stefan Bayer / Pixelio

Horst-Joachim Lüdecke
Grün-Unsinn nachgerechnet ist für jede Menge Humor gut. Der Journalist Christian Weiss hat nachgerechnet und zwar die Fahrrad-Aktion der grünen Prominenz im Bundestagswahlkampf „Strom für die Kaffee-Maschine“. Fahrradfahren lieben wir alle. Aber wie sieht die Bilanz der Stromerzeugung damit aus? Der Beitrag erschien zuerst im Blog „Nuklearia“. Mit freundlicher Genehmigung von Christian Weiss und der Nuklearia wird er hier unverändert wiedergegeben. Es wird lustig, das sei schon jetzt verraten.


Mit Strom vom Fahrrad in die Nahrungskrise

Von Christian Weiss

Video-Snapshot: Katrin Göring-Eckardt und weitere Grüne strampeln für heißen Kaffee. Quelle: Facebook

Katrin Göring-Eckardt und weitere Grüne strampeln für heißen Kaffee. Quelle: Facebook

Im Endspurt des vergangenen Bundestagswahlkampfes trat die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen am 22. September in Erfurt kräftig in die Pedale.

Mit Man- bzw. Woman-Power strampelten die Vorreiter für »alternative Energien« auf festmontierten Drahteseln, um mit der gewonnen Energie eine Kaffeemaschine zu betreiben. Gute Idee, könnte man meinen. Radfahren ist ja so gesund und umweltfreundlich. Aber: Taugt das Rad auch für die umweltfreundliche Energieproduktion?

Wie wäre es eigentlich, wenn da nicht wackere Kämpferinnen und Kämpfer für eine Zukunft ohne Atome, Gene und chemische Verbindungen, aber eben doch nur Freitzeitradler in die Kurbeln träten, sondern muskelstarke Berufspedaleure mit Radsportvollzeitpensum?

Wie viel Strom können Radsportler erzeugen?

Weltklassefahrer erreichen Spitzenleistungen von über 400 Watt. Wenn sie acht Stunden lang im Sattel sitzen, reduziert sich die Durchschnittsleistung natürlich deutlich. Ein Profiradrennfahrer, der in einer Flachetappe im Feld bei 40 km/h mitrollt und dabei im Windschatten knapp 40% Kraftaufwand einspart, leistet konstant etwa 200 Watt.

Säße da also nicht nur das Bündnis 90 auf dem Hobel, sondern acht kräftige und durchtrainierte US-Postal- oder Team-Telekom-Sportler, dann könnten die, wenn sie jeden Tag acht Stunden lang auf dem Rad säßen, täglich 12,8 Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren. Im ganzen Jahr – inklusive Wochenenden, Feiertage und ohne Urlaub – macht das 4672 kWh.

Leistung hat ihren Preis: Anbauflächen für erhöhten Nahrungsbedarf gesucht

Der Haken an der Sache: Es wird zwar in den Freundeskreisen des »Öko«-Stroms gerne erzählt, dass uns die Sonne keine Rechnung schicke, aber von nichts kommt nichts. Die 4672 kWh Strom gehen mit einem erhöhten Nahrungsverbrauch einher. Nun denken wir natürlich nachhaltig und ressourcenschonend, darum ernähren wir die Radsportler mit dem effizientesten Nahrungsmittel überhaupt: mit Mais. Kein Nahrungsmittel hat ein so gutes Verhältnis von Kalorien zu Anbauflächenbedarf.

100 Gramm Mais geben 374 Kilojoule (kJ) Energie her. In guten Jahren erntet man in Deutschland rund 10 Tonnen Körnermais pro Hektar. 4672 kWh entsprechen 16,8 Millionen kJ. Um diese Energie mittels Mais aufzubringen, wären demnach 0,45 Hektar Anbaufläche nötig. Leider ist der Mensch aber kein Wunderwerk der Effizienz, sondern die Muskeln geben neben der Bewegungsleistung vor allem Wärme ab. Nur rund 20 Prozent der investierten Energie können beim Radfahren in Bewegung umgesetzt werden. Das achtköpfige Radsport-Ökostrom-Team brauchte für diesen Mehraufwand eine zusätzliche Anbaufläche von 2,25 Hektar. Nun reichen die 4672 kWh gerade mal für einen durchschnittlichen Haushalt. Deutschland hat aber einen Stromverbrauch von 525 Terawattstunden (TWh), sprich: 525.000.000.000 kWh. Um diese Energiemenge mit austrainierten Profiradfahrern bereitzustellen, brauchte man nicht deren acht, sondern 900 Millionen.

Die Anbaufläche für den zusätzlichen Energiebedarf dieser wahrscheinlich indischen oder chinesischen Radsport-Armada betrüge über 2,5 Millionen Quadratkilometer. Angesichts dessen, dass Deutschland nur über eine Fläche von 357.000 Quadratkilometern verfügt, ergibt sich ein gewisses Problem. Es wäre zu klären, welche Länder den Gürtel enger schnallen und Agrarflächen zur Verfügung stellen müssten, damit sich der Traum vom »umweltfreundlichen« Zweiradstrom erfüllen liesse.

Teurer Strampelstrom

Ach ja, noch ein Gedanke zum Strompreis (die Kosten für die Fahrräder und die Arbeitgeberbeiträge lassen wir mal weg): Wenn die 900 Millionen Pedaleure den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde kriegen, wären dafür über 2600 Milliarden Euro jährlich nötig. Die Kilowattstunde würde dann 44 Euro kosten.

Fragen, die jetzt noch zu klären wären:

  1. Wie viele Liter Diesel wird für die Bewirtschaftung der Anbaufläche benötigt?
  2. Welche Auswirkungen hätte die enorme Abwärme der 900 Millionen Radsportler auf das Klima?
  3. Könnte man diese Abwärme nutzen, um im Winter »erneuerbar« zu heizen?
  4. Wäre im Sommer ein erhöhter Stromverbrauch für Klimaanlagen in Kauf zu nehmen?
  5. Wie hoch wäre der Wasserverbrauch des Radteams im Vergleich zu den von den Grünen so geschmähten Rindvieheinheiten?
  6. Wie viel Anbaufläche ginge für Bio-Kettenöl drauf?

Christian Weiss

Christian Weiss ist Journalist und war einige Jahre bei einer Schweizer Regionalzeitung mit den Themenschwerpunkten Energie (Atomendlagerung Zürcher Weinland) und Landwirtschaft angestellt. Inzwischen steht er kurz vor Abschluss seiner Ausbildung zum Primarlehrer.

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12 Kommentare

  1. Hallo,
    Gestern kam auf dem Sender „phoenix“ eine relative gute Dokumentation mit dem Titel: Wir tanken Regenwald – Die Lüge vom Öko-Diesel
    Anscheinend gibt es doch noch einige Journalisten, die „heiße Eisen“ öffentlich machen.
    Mfg
    Werner Holtz

  2. Die Hoffnung stirbt zuletzt
    Wenn sogar ein Gründungsmitglied der Grünen und jetziges SPD-Mitglied gegen das EEG eintritt, ist vielleicht doch noch nicht alles verloren: https://bazonline.ch/schweiz/standard/energiepolitischer-fehler/story/21856097. Und hier noch der Brief: https://files.newsnetz.ch/upload//1/2/123432.pdf. Otto Schily schreibt sogar: „Schließlich hat sich Deutschland mit der Energiewende von der technischen Weiterentwicklung der Nukleartechnik und damit von den sich in dieser Hinsicht bietenden vielversprechenden Perspektiven abgekoppelt.“ Die jetzigen Grünen sollten mal auf ihren Gründungspapa hören.

  3. Die Frau Göring-Eckardt sollte den Strom nicht nur für den eigenen Kaffee erzeugen sondern auch für andere Stromverbraucher und für die Metallindustrie. Irgendwie muss ja ein Fahrrad hergestellt werden. Den Mais oder andere Nahrungsmittel muss sie auch selbst anbauen, pflegen und ernten. Dazu muss sie die Stromerzeugung abbrechen. Mit dem Kühlschrank und der Waschmaschine hat sie dann ein Problem. Aber die Wäsche kann sie mit der Hand in der Badewanne selbst waschen.
    Vielleicht setzt sie wieder ihre anderen Forderungen durch. Vor der Wahl hatte ich mal bei Wikipedia geguckt. Die Frau Göring-Eckardt findet Hartz IV als „mutig“, „notwendig für das Gemeinwohl“ und als „Frühling der Erneuerung“. Die Leistungskürzungen durch das Jobcenter empfindet sie als „Bewegungsangebote“ für die Betroffenen.

    Sie soll angeblich ihre Meinung geändert haben. Ob das so ist, wird niemand nachweisen können. Vielleicht vertuscht sie das nur noch. 2013 hat sie auch gesagt, dass sie den Monatsbetrag für Minijobs von 450 Euro kürzen will. Ab 100 Euro Monatseinkommen sollen die Minijobber Steuern und Gebühren zahlen.

    Wenn man das liest, kommt der Gedanke, dass sie als Strom-Radfahrer mehr Hartz-IV-Empfänger einsetzen will.

    Es ist besser, wenn sie selbst dazu verpflichtet wird, den Strom mit dem Fahrrad auch für andere zu erzeugen. Das sollten die anderen Grünen auch tun. Die haben dann keine Zeit mehr im Bundestag zu sitzen.

  4. Die Entsorgungskosten für das was „hinten raus kommt“ fehlen noch. Von tausenden Indern oder Chinesen kommt einiges zusammen. Das stink zum Himmel.

  5. In Brokdorf gab es einen Bereich für Besucher des KKW. Dort stand ein Fahrrad mit dem man Strom erzeugen konnte, jeder konnte dort testen, wieviel Strom er erzeugen konnte. Die meisten schafften für kurze Zeit (so für 5 Minuten) 150 W, dann ließ es deutlich nach. so daß wenn ein ungeübter 15 Minuten oder mehr strampelte die Leistung deutlich unter 100 W lag.

  6. Die Nahrung ist das eine….das andere ist der erhöhte CO2 Ausstoß bei körperlicher Betätigung durch das Radfahren (Sport).

    • Werter Herr Hofmann, vielleicht haben die Grünen ja die Studie von Zachub Zhu et.al gelesen. Danach ist die Erde in den letzten 33 Jahren um soviel grüner geworden wie es der Fläche der USA ohne Alaska entspricht und das im Wesentlichen durch den höheren CO2-Gehalt der Atmosphäre. Jetzt wollen die Grünen mit verstärkter körperlicher Anstrengung auch dazu beitragen. Wäre doch lobenswert (ironie Ende).

      • @H.Urbahn
        Nichts für schwache Herzen/Kreisläufe dieser Radfahr-Stromerzeugungssport 😉
        Man könnte somit auch gleich der Übervölkerung der Erde entgegenwirken….durch eine Erhöhte Todesrate bei Strom-Radfahrern.
        Das Galeeren- und Sklavenzeitalter lässt schon grüßen.
        Die Deutsche Gesellschaft lässt sich mehr und mehr ihren geschaffenen, industriebasierenden, kraftwerksbasierenden Wohlstand von der Grün-Sozialistischen Merkel Medien-Politik vom Brot nehmen…..was bleibt…eine neue-alte Mangel- und Armutsgesellschaft.

    • Außer der lebenslangen Medikation mit Psychopharmaka können auch die besten Psychiater Patienten mit religiösen Wahnvorstellungen nicht wirklich helfen!

      Allein der Zusammenbruch bei der Kollision mit der Wirklichkeit kann aus diesem – nicht nur (!) – geistigen Gefängnis befreien. Einschlägige Demonstrationen konnten wir in unseren Lebzeiten gleich mehrfach miterleben, z.B. :

      Sozialismus/Kommunismus :=: DDR-1, Sowjetunion + Satelliten;
      Rassenwahn :=: Nazideutschland;
      Genderwahn/Öko-Wahn/Klimawahn :=: DDR-2 ???
      Regulierungswahn/Europa-Wahn :=: Brüsseler Oligarchen ???

      Daß die Wirklichkeit sich durchsetzt ist sicher. Die Frage ist – wie immer – nur wann.

      Rainer Facius

      PS: Wenn ich Menschen bedauere, die unter religiösen Wahnvorstellungen leiden, auch bedauere, so tue ich das als überzeugter Christ, der den Unterschied zwischen beidem kennt: Jesus. 🙂

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  3. Bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Gehen Sie in Diskussionen mit Bloggern anderer Meinung auf deren Argumente ein und weichen Sie nicht durch Eröffnen laufend neuer Themen aus. Beschränken Sie sich auf eine zumutbare Anzahl von Kommentaren pro Zeit. Versuchte Majorisierung unseres Kommentarblogs, wie z.B. durch extrem häufiges Posten, permanente Wiederholungen etc. (Forentrolle) wird von uns mit Sperren beantwortet.
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