Hurrikan-Apostel (Editorial WELTWOCHE Zürich)

ROGER KÖPPEL; Foto: WELTWOCHE

Warum mich «Irma» an den 
Schriftsteller Stephen King 
erinnert. Eigentlich ist es der Stoff für einen neuen Stephen-King-Roman. (Anm. der EIKE-Redaktion: Es geht in Folgendem um die durch die Hurrikane IRMA und HARVEY im September 2017 wieder eimal hoch-gespielte Klima-Hysterie, glänzend glossiert vom Chef-Redakteur der WELTWOCHE Zürich).
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von Roger Köppel  (Chefred. WELTWOCHE Zürich)*

Eigentlich ist es der Stoff für einen neuen Stephen-King-Roman. Der amerikanische Meisterschriftsteller des intelligenten Horrors hat Bücher geschrieben über das, was mit ­Menschen passiert, wenn sie mit Bedrohungen konfrontiert werden, die grösser sind als sie selbst.

Ich kann mich an einen Stephen-King-Film erinnern, da verbarrikadieren sich ein paar Amerikaner in einem Supermarkt, während draussen aus einer unheimlichen weissen ­Wolke namenlose Monstren auf die Menschheit niedergehen, langbeinige Riesenspinnen oder Käfer mit gewaltigen Giftstacheln.

King ist nun weniger an den körperlichen ­Eigenschaften der Kreaturen interessiert. Ihn fasziniert die Frage, wie sich die Menschen zur Wehr setzen, vor allem: wie sich ihre Gemeinschaft unter dem Angriff der grauenvollen, wie von einem zornigen Gott entsandten Gefahr verändert.

Im Supermarkt purzeln plötzlich die alten Hackordnungen. Der vorher auftrumpfende Lokalpolitiker verkriecht sich und wird als Feigling entlarvt. Die unscheinbare Brillen­trägerin an der Kasse entwickelt plötzlich ­un­geahnte Führungsqualitäten.

Vor allem aber mobilisiert der Angriff der Monsterinsekten den heiligen Furor eines Spinners am Hundefutter-Regal, den vorher ­niemand zur Kenntnis nahm, der aber in der neuen Situation zum unverhofften Charisma­prediger, zur religiösen Autorität, avanciert. Er gewinnt die Menschen, indem er die Monstren als göttliche Strafe, als moderne Heuschreckenplage gegen die frevelnden Sterblichen, beschreibt.

Der Trick funktioniert. Bald folgen die ­Supermarktleute dem neuen Moses blind,­ ­vielleicht ist es auch eine Frau, der Film liegt lange zurück. Seine Botschaft verlangt bedingungs­losen Gehorsam. Wer sich widersetzt oder die Deutungen des Sehers bestreitet, muss den ­Supermarkt verlassen: ein sicherer Tod.

So geht das gute neunzig Minuten lang. Als Zuschauer wissen wir nicht, was es mit dieser weissen Wolke und den Killerinsekten auf sich hat. Ist es womöglich doch eine Strafe des Allmächtigen? Mumpitz: Es handelt sich um Züchtungen der US-Armee, die aus Versehen ins Freie gelangten. Am Schluss führen Polizisten den Prediger ab, der wieder ein Spinner ist.

Was will uns King mit dieser Story sagen? ­

Erstens: Hört auf, auf Menschen zu hören, die euch in schwierigen Situationen erzählen, sie seien die Sachwalter höherer Wahrheiten oder göttlichen Willens. Das sind Verrückte, Be­trüger oder beides.

Zweitens: Bezieht nicht jede Katastrophe, die ihr nicht auf Anhieb versteht, automatisch auf euch selbst. Diese Schuld­egozentrik ist ein Steilpass für das Böse.

Warum komme ich jetzt auf Stephen King und seine Theorie des religiösen Katastrophenscharlatans?

Weil uns diese Scharlatane wieder auf allen Kanälen genau das einreden, was King in seiner Monsterparabel so treffend in eine spannende Geschichte packte: dass die jüngsten Stürme, Felsstürze und Gletscher­abbrüche die gerechten Strafen für unsere Sünden seien, keine Insektenmonster, aber ­andere Heimsuchungen, die von oben aus der Wolke kommen.

Nehmen wir Bundespräsidentin Doris Leuthard. Zwischen den Felsmassen von Bondo ­predigte sie kürzlich in ihren Designerkleidern und Designergummistiefeln, dass wir alle ­selber schuld seien am Unheil, denn der Berg sei abgebrochen wegen des «menschengemachten Klimawandels», den es endlich entschlossen zu bekämpfen gelte, selbstverständlich mit der Klima- und Energiepolitik der Bundespräsidentin.

Gegenfrage: Übernimmt Frau Leuthard eine Garantie, dass es in der Schweiz keine Felsstürze mehr gibt, wenn ihre Energiestrategie einst durchgekommen ist?

Verzeihung, ich sehe keinen Unterschied zwischen dem Spinnerprediger im Supermarkt von Stephen King und den Journalisten und Bildschirm-Existenzen, die seit Wochen, beispielsweise in der wissenschaftlichen Tages­zeitung Blick, fuchtelnd die These verkünden, die Hurrikane von Florida und Texas seien die Quittung für alle, die sich weigern, einen Tesla zu kaufen oder das Pariser Klimaabkommen gut zu finden.

Ich bin sicher, diese Leute würden am liebsten den neuen US-Präsidenten vor ein Nürnberger Klimaverbrecher-Tribunal zerren, wovon sie vorläufig nur deshalb absehen, weil sie tief in ihrem Innersten ahnen, dass die Nichtunterzeichnung dieses ohnehin unverbindlichen Klimavertrags durch Trump so kurz vor den Sommerferien doch noch nicht die Kraft ­zweier Tropenstürme entfesseln konnte. Spätestens im nächsten Jahr allerdings, wenn ­irgendwo an der Atlantikküste im Spätsommer bei einem Unwetter eine Palme umgeblasen wird, sind die Beweisketten lückenlos.

Jedoch: Genauso wenig, wie es im Roman von Stephen King fruchtete, dem katastrophengläubigen Endzeitprediger ein paar Fakten entgegenzuhalten, ist es heute aussichtsreich, durch Argumente den Klima-Apokalyptikern den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen.

Ich versuche es trotzdem.

Nach dem neusten Klimabericht des IPCC, «Executive Summary», Tabelle Seite sieben, gibt es weltweit «low confidence» (kaum Anzeichen) für langfristige Veränderungen bei Zahl und Heftigkeit von Tropenstürmen.**

Einzig im Nordatlantik habe es seit 1970 «virtually certain» (fast sicher) mehr Stürme gegeben, kaum aber im frühen 21. Jahrhundert. Erwarten uns in den nächsten hundert Jahren stärkere Orkane? Auch dafür gebe es höchstens schwache Belege. Dasselbe gilt für den Zusammenhang zwischen menschlichem Verhalten und Sturmintensität.

Man darf das so lesen: Selbst der hehre Weltklimarat, der ausdrücklich dafür geschaffen wurde, die Menschheit vor dem menschen­gemachten Klimawandel zu warnen, muss zugeben, dass es keine eindeutigen Belege für ­gefährlichere Tropenstürme gibt.

Kratzt das irgendjemanden von diesen Hurrikan-Aposteln da draussen? Natürlich nicht, aber schon Stephen King wusste: Das menschengemachte schlechte Gewissen ist der wertvollste Rohstoff, den es gibt, und erst noch beliebig erneuerbar. Nichts ist süsser als die Macht, die sich daraus ziehen lässt.

)* Anmerkung der EIKE-Redaktion : Dieser Artikel ist zuerst erschienen in WELTWOCHE Zürich :

Hurrikan-Apostel | Die Weltwoche, Nr. 37/2017 | 14. September 2017  : http://www.weltwoche.ch/

EIKE dankt der Redaktion der WELTWOCHE und dem Autor Roger Köppel für die Gestattung des ungekürzten Nachdrucks.

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)**  Original-Zitat mit Quelle hier :

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21 Kommentare

  1. Mein allergrößter Respekt für und an Roger Köppel und Glückwunsch an die Schweiz, daß sie noch ein Medium hat was noch nicht wie alle anderen komplett bekloppt ist.
    Leider macht EINE Schwalbe keinen Sommer…

  2. 1950 bis 1999: in 50 Jahren 14 Kategorie 5 Hurrikane
    2000 bis 2017 in (knapp) 18 Jahren 11 Kategorie 5 Hurrikane

    Irgendwie ist der Artikel zeitlich doch etwas daneben, oder nicht?

          • Diese einschränkende Bedingung „landfallenden Wirbelstürme“ bringen nur Sie hier in die Diskussion.
            Aber um mein Argument zu stützen: Alle Cat5 hurricanes (im nördlichen Atlantik) seit 2000 hatten einen Landfall.

          • Nein, denn „landfallend“ ist die entscheidende Einschränkung als Zusatzinformation. Es gibt viel mehr Hurricanes, auch hoher Stärke die jedoch nicht landfallend sind. Darum dreht sich die ganze Diskussion. Merkwürdig, dass Ihnen das bisher noch nicht aufgefallen war. Hier eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse, mit der treffenden Überschrift New book: ‘Why Hurricanes Can’t Be Blamed On Global Warming ‘ und der Einleitung (Ihr Name fehlt dort noch):

            Partly in response to the crazy claims of the usual global warming experts (Stevie Wonder, Beyoncé, Jennifer Lawrence, Mark Ruffalo, Bill Nye the Science Guy, Neil deGrasse Tyson, Pope Francis), I decided to write another Kindle e-book. This one is entitled, Inevitable Disaster: Why Hurricanes Can’t Be Blamed On Global Warming.

          • Folgender Link zeigt die Zahl der Hurrikane im Nord-Atlantik zwischen 1878 und 2015:
            https://www.epa.gov/climate-indicators/climate-change-indicators-tropical-cyclone-activity

            Es wird unterschieden zwischen Gesamtzahl und Zahl derer die die USA erreicht haben. Außerdem wird unterschieden zwischen angepasster und nicht angepasster Anzahl. (Eine Anpassung ist notwendig da es in den frühen Jahren keine Flugzeug- und Satelliten-Messungen gab.)

            Die Häufigkeit der Ereignisse schwankt stark wie bei den Starkregen-Ereignissen in D. Trendaussagen sind somit mit großen Unsicherheiten behaftet. Man muss sich schon bemühen, die Mechanismen zu verstehen, die zu Wirbelstürmen auf dem Atlantik führen.

    • Sie sind doch zu 100% befangen – lassen Sie es doch einfach, hier zu stänkern, und liefern Sie einen experimentellen Beweis, dass CO2 zu einer Erwärmung führen kann und Ursache bspw. für diese Stürme ist. Dann nehme ich Sie vielleicht ernst.

          • Weil er uns in die Irre führen will? Vielleicht auch, weil er nicht weiß, wie man sich sachkundig macht. Aber wie man querschießt, das weiß er.

          • Er schießt doch nicht quer, er sagt seine Meinung gemäß seinem Weltbild.
            Wobei, seine Meinung darf er immer sagen. Wenn das Toleranzgesetz, danke an Frau Süßmuth, wirkt, sage ich eine Meinung nicht mehr.

          • Darauf kann ich nur mit Karl Valentin antworten: „Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“ Man kann zwar alles sagen (innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit garantiert durch das Grundgesetzt) muss aber wohl nicht jedem zuhören.

          • Hört ma auf, auf dem armen Ketterer rum zu hacken:
            Seine Kumpane (Baecker, Heß, Innerhofer etc., etc.) haben sich alle aus dem Staub gemacht.
            Nur er hält noch das Fähnlein der Ökotrolle und Klimabetrüger hoch.
            Seien wir dankbar, daß es ihn noch gibt – ist doch damit viel unterhaltsamer hier.
            Also Ketterer:
            Sie haben recht!
            Auf gehts…

      • Sehr geehrter Herr Heinzow,
        Danke für den Link.
        Ihnen ist nicht aufgefallen, dass dies nur Hurrikane sind, die Ihren „Landfall“ in den „Contiguous 48 States“ (deutsch: dem „US-Festland“) hatten?
        Fehlende „tracks“:
        Emily Cat 5 Hurrikan Landfall als Cat 4 Hurrikan in Mexiko.
        Oder Felix 2007 Landfall als Cat5 Hurrikan (Nicaragua)

        • Der Link beinhaltet mehr, als nur diese Darstellung, sondern im Prinzip alle Zugbahnen (und Entwicklungsstufen) der erfaßten Hurrikane in verschiedenen Zusammenfassungen.
          Wer sich streitet, sollte erst einmal die verfügbaren Datensätze kennen.

  3. Die Weltwoche von Roger Köppel ist in der Schweiz das einzige Medium, welches die von unserer Regierung propagierten Klimalüge mit wissenschaftlich fundierten Fakten wiederlegt. (Dank dafür an Roger Köppel und auch an EIKE.)
    Ich habe inzwischen mit verschiedenen Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Gebieten diskutiert. Es sind sich ausnahmslos alle darüber einig, dass der Mensch rein gar nichts bewirkt. Die 28% Landmassen der Erde reichen dafür einfach nicht aus, um soviel Energie freizusetzen. Schon gar nicht über 16 antropogene Moleküle.
    Wie kann eine Bundesrätin das eigene Volk dermassen verraten und in die Irre führen? Gibt es in der Bundesverfassung keinen Artikel, bei dem ein Bundesrat oder eine Bundesrätin abgestraft werden können, wenn diese vorsätzlich und arglistig das Volk in die Irre führen, nur um sich im Ausland und in der eigenen Partei zu profilieren? Verdiehnt Frau Leuthard eventuell nebenbei an der Energiewende kräftig mit Firmenbeteiligungen oder anderen Mandaten mit? Dann wäre dies zumindest ein Teil-Vorsatz. Wenns ums Geld geht, könnte der versprochene Wille, dem Wohle des Volkes zu dienen, vollständig aussetzen. Das ist bei Frau Merkel nicht anderst, mit dem Unterschied, dass Frau Merkel als Physikerin sehr genau über CO2 bescheid weis.
    René Funk

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