Umfragen: Die einen sagen so – die anderen so!

Vorgefasste Meinung? Bild Urheber:Fotolia Urheber Daniel Berkmann

Von Michael Limburg
Umfragen“ von Emnid und Pew Center behaupten eine große Klimafurcht der Deutschen festgestellt zu haben – lässt man die Leute frei entscheiden, was sie für wichtig halten, gehört die Klimafurcht nicht dazu.


Zugegeben, den größten Teil dieser schönen Schlagzeile habe ich von Henryk M. Broder auf ACHGUT geklaut. Und der entnahm sie vermutlich einem uralten, etwas delikatem Witz[1]. Doch uns beiden fiel wohl gleichzeitig einige Berichte über Umfragen auf, die zum Nachdenken Anlass geben.

Bei Broder liest sich das so:

Von Henryk.M. Broder.

Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der BamS ergab, dass nur 29% der Bundesbürger das Thema „Zuwanderung“ als „äußerst oder sehr wichtig“ für ihre Wahlentscheidung halten. Eine Woche später ergab eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, dass kein anderes Thema die Deutschen so sehr umtreibt „wie die Zuwanderung und Integration von Ausländern“. Seltsam, nicht wahr? Der Unterschied könnte mit der Methodik der Umfragen zu tun haben. Während Emnid einer wie immer „repräsentativen Auswahl“ von Bügern die Frage stellte „Wie wichtig sind Ihnen für Ihre Stimmabgabe bei der Bundestagswahl die folgenden Aufgabenbereiche?“ und die Bereiche auflistete, waren bei der GfK-Umfrage keine Antworten vorgegeben. Die Teilnehmer der Umfrage konnten „frei antworten, in Worte fassen, was sie am meisten besorgt“. – So einfach kann eine Erklärung für das Unerklärliche sein. Und wie einfach es ist, das Ergebnis einer Umfrage durch die Art der Fragestellung zu manipulieren.  / Link zum Fundstück

Bei mir war die Ausgangslage etwas anders. Es ging – natürlich- um die vermeintliche Klimaangst der Deutschen. Da behauptete z.B. die Berliner Morgenpost – eine Zeitung der Funke-Mediengruppe- dass, …die Mehrheit der Deutschen denkt laut einer jüngsten Umfrage des Kantar Emnid Instituts, dass Klimawandel das dringendste Problem der Gegenwart ist.“

Diese Erkenntnis des jetzt Kantar Emnid Institutes wurde recht breit auch in anderen Medien und nicht nur von Funke verbreitet.

Im Einzelnen findet man im Beitrag der Morgenpost:

Danach sagen 71 Prozent der Befragten, die Veränderung des Weltklimas bereite ihnen persönlich besonders große Sorgen. 65 Prozent führen neue Kriege als beherrschende Furcht an. Bei 63 Prozent sind es Terroranschläge, 62 Prozent nennen Kriminalität, und 59 Prozent ängstigen sich vor Altersarmut. Mit einigem Abstand folgt die Zuwanderung von Flüchtlingen (45 Prozent). Arbeitslosigkeit ist mit 33 Prozent die geringste der genannten Sorgen.

Weil mir diese Reihenfolge angesichts der täglichen Berichte in allen Medien komisch vorkam, nicht nur in Bezug auf das Klima, rief ich bei Kantar Emnid an, und bat um die Nennung der Fragestellung, die dieser Umfrage zugrunde lägen.

Man beschied mich abschlägig, da diese Eigentum der Funke Mediengruppe seien, und sie nicht darüber verfügen dürften. Und auch aus mehreren Artikeln anderer Medien konnte man nirgends entnehmen, wie und was gefragt wurde. Da gab ich auf.

Aber fast zeitgleich wurde eine Studie des PEW Centers mit 1000 Befragten in Deutschland (z.B. hier) veröffentlicht, die transparenter ist, und bei welcher der Klimawandel nur auf Pos. 3 der Besorgnisse landete. Aber immerhin noch von 63 % der Befragten angegeben wurde.

Und nun die Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK)!

Überraschung: Darin taucht die Angst vor Klimawandel überhaupt nicht auf.

Stattdessen steht die Furcht vor Zuwanderung/Migration deren Belastung und Kosten ja gerade erst beginnen sich in unserem Alltag zu verfestigen, an prominent erster Stelle.

Warum?

Weil die Befragten – oder soll man besser sagen- die beeinflussten Probanden diesmal- „frei antworten konnte, in Worte fassen, was sie am meisten besorgt“.

Die zu beantwortende Frage lautet: „Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Aufgaben, die heute in Deutschland zu lösen sind?“

Und da liegt das Thema Zuwanderung/Migration mit ca. 63 %, also Riesenabstand, weit, weit vorn.

Die Angst vor Klimawandel kommt einfach nicht vor.

Die einen sagen eben so, die anderen so.

Wobei man zu Annahme kommen könnte, dass die einen die Meinungsmacher – genannt Umfrage-Institute- sind, während die anderen, die Leute von der Straße sind, also wir!

Und es drängt sich die Frage auf: Ist die Beeinflussung der Befragten nicht auch bei anderen Umfragen gängige Praxis?

Seufz! Fragen über Fragen.

Die weise Aussage eines Staatmannes „glaube keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast“ bestätigt sich eben immer wieder.

 

[1] Der Witz geht so: Fragt ein Freund den anderen: „Na, wie ist denn Deine Frau so im Bett?“ Darauf der Andere: „Die einen sagen so, die andern so!“

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10 Kommentar(e)

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1

Solange der Deutsche Bürger und Wähler nicht lernt im Detail (zwischen den Zeilen) zu lesen und sich nur an den Überschriften (Schlagzeilen) sein Weltbild zusammen zimmert, solange wird der Deutsche Wähler/Bürger NIEMALS der Herr über sein eigenes Leben sein...wird er niemals selbstebstimmt und eigenverantwortlich sein Leben in der Hand halten sondern immer nur eine ferngesteuerte Wahlmarionette der Politiker und Medien....der selbsternannten Eliten/Propaganda sein....als ein Schaf, dass seinen eigenen Metzger wählt.

2

Frau Merkel soll 1995 gesagt haben: "Der Treibhauseffekt ist in der Lage, die Menschheit auszulöschen." Na ja, sie ist Kanzlerin, und wenn sie etwas sagt, dann gehen alle Hände der Abgeordneten im Bundestag zur Zustimmung in die Höhe. Das nennt man Demokratie. Aber warum hat sie kann unsere Kernkraft gekillt???? Um das zu verstehen, sind wir als Bürger offenbar zu dumm.

3

@Lutz Niemann
Merkel hat doch Recht....oder wo sehen Sie noch eine Zukunft für die Menschheit in einer kernenergie- und CO2 freien Welt (Gesellschaft)...?

4
Andreas Demmig

Viele Apps am Handy, bringen automatisch Werbung mit. Ganz neu, "Informationen zur Bundestagswahl" von UBS Deutschland, ein Finanzdienstleister,
Umfragen der Bundesbürger: Angst vor Klimawandel - ein ganz großes Thema, ... mit den üblichen alarmistischen Aussagen.
https://www.ubs.com/global/de/wealth-management/chief-investment-office/german-elections-2017.html

"Gemeinsam mit Forschern des Social Media Labs der Technischen Universität Lausanne haben wir mehr als 30'000 Tweets und ungefähr 8'000 online Artikel ausgewertet."

Das unsere "Elite" zunehmend nervös wird, tröstet etwas, aber na ja...

5

Ihr Beitrag wurde wegen Regelverletzung gelöscht. Bitte hier nur unter vollem Klarnamen posten.

6

Danach sagen 71 Prozent der Befragten, die Veränderung des Weltklimas bereite ihnen persönlich besonders große Sorgen.

Nun , unter dem Begriff "Weltklima" könnte letztendlich der ein oder andere auch die Spannungen der Gesellschaft bzw. Großmächte missverstanden haben.

7

Nun ja, man muss sich aber im Gegenzug auch mal ansehen, zu welchem Ergebnis das statistische Bundesamt kommt:
https://goo.gl/MFj6op
Klimawandel an 10. Stelle mit 14%

8

Herr Kohler: es gilt immer noch, nur unter vollem Klarnamen posten.

Ansonsten eine hübsche Bestätigung.

9

Gute Frage - wo kann ich das ändern?

10

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