WAZIRISTAN UND ANGEWANDTE MATHEMATIK

Windkraftanlagen im Wald; Bild: fotomontage_Quelle_BI_Ulfenbachtal

Tarek al Wazir (Bündnis 90/Grüne) ist Stellvertreter des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Kabinett Bouffier II.(Wikipedia). Gelegentlich teilt er seine Überzeugungen dem Volke mit. Zum besseren Verständnis muss auch manchmal gerechnet werden. Autor Tilmann Kluge kommentiert diesen Versuch des Ministers


Kapitel 1Das Ministerium von Tarek Al Wazir versucht sich unter dem 19.05.2016 in einem Flyer, daselbst Nr. 5, an der höheren Mathematik.

Oft hilfreich: Das kleine Einmaleins, Bild Fotolia #62775127 | Urheber: Sauerlandpics

Auf die angeblich mythische (weil windkraftnutzungskritische) Behauptung „JEDES WINDRAD BRINGT TAUSENDE LITER GEFÄHRLICHER STOFFE IN DEN WALD!” präsentiert das Ministerium den ebenso angeblichen Fakt „Jeder vollgetankte Traktor bringt potenziell mehr gefährliche Stoffe in den Wald als ein Windrad.”

Nein, es ist keine Polemik, zu behaupten, daß dieser vermeintliche Fakt erst recht ein Mythos ist und daß in Waziristan die Windmühlen wohl auf dem Jahrmarkt beschafft werden, getriebefrei und umweltverträglich. Denn bewegte sich die Heeresleitung im Hessischen Wirtschaftsministerium näher an den Realitäten, lägen ihm die folgenden Gedanken nicht fern.

Kapitel 2

Vergleichen wir nun einen Traktor mit einer WKA, die über ein Getriebe verfügt.

Als Traktor wählen wir den Fendt 312 Vario (120 PS).


Abb.1 Fendt 312 Vario (Ádám Bánki TRakodó Import gépek 2017)

Als WKA nehmen wir die Vestas 126 (mit Getriebe, sorry, liebe Fa. Enercon)


Abb.2 V-126 Hainhaus (Tilman Kluge 2016)

Wichtig ist, daß der Vergleich auf einer gemeinsamen Grundlage, hier sinnvollerweise und realistisch auf der Fläche eines Windparkes, erfolgt.

Kapitel 3

Der Traktor enthält etwa 130 l Betriebsöle für Getriebe, Kühlung, u. Hydraulik, dazu 200 l Sprit (Diesel), der jedoch, da der Traktor nicht immer vollgetankt ist, nur zur Hälfte angerechnet wird. Wir gehen also von 230 Litern einschlägiger Betriebsmittel aus.

Eine WKA Vestas 126 enthält insges. ca. 2000 l Betriebsöle für Getriebe, Kühlung u. Hydraulik, Selbst bei Substitution der Hydraulikmotoren durch E-Motoren (Azimut, Pitch) und damit einer Einsparung dünnflüssiger Hydrauliköle, bliebe es immer noch bei 1800 l.

Nun verlangt die Realität nach weiteren Faktoren, z.B. nach dem Faktor „Anzahl” und auch nach dem Faktor „Zeit”.

Die Anzahl der WKA liegt in einem Windpark nicht bei 1, sondern bei idR › 3 Stück, also mit Betriebsölmengen von › 8000 l. Und die WKA halten sich 24 Stunden am Tag im von ihnen bestandenen Waldsegment auf. Ein Traktor bringt es dort im Jahr auf weit weniger Stunden, lassen wir es 200 im Jahr sein.

Das Risiko in dem Vergleich „Gefahr durch Traktor ./. Gefahr durch WKA” in einem Windpark errechnet sich vergleichsweise weiter wie folgt:

Kapitel 4

Wir rechnen [(Betriebsöl von 4 WKA 8.000 Liter) × (8766 Stunden) ÷ (Betriebsstoffe v. 1 Traktor 230 Liter) × (200 Stunden)] = 1.524 : 1, im Ergebnis also „gerundet” 1.500 : 1. Das Risiko liegt also für den Traktor 1.500 mal niedriger als bei einem Windpark mit 4 WKA oder 375 mal niedriger als bei einer WKA.

Kapitel 5

Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß es sich eigentlich bei dem perversen Vergleich „Traktor ./. WKA” schon vom Grunde her verbietet, hier nachzurechnen. Doch die hier vorgenommene Berechnung ist der Tatsache gezollt, daß es zum einen immer noch Menschen gibt, die an die Korrektheit derlei perverser Vergleiche glauben und daß diesem Mißstand abgeholfen werden muß. Zum anderen ist das dem Fakt gezollt, daß einige Rechenübungen noch niemandem, zumal verbunden mit zweifellos gegebenem Unterhaltungswert, geschadet haben. Denn wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.

Tilman Kluge, Steinhohlstrasse 11a, 61352 Bad Homburg (6/2016)

 

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11 Kommentare

  1. Unabhängig von den Berechnungen ist es doch so, dass die Traktoren den Wäldern Nahrung in Form von CO2 zukommen lassen die Windräder hingegen das Mikroklima für den jeweiligen Wald beeinflussen in dem diese dem Wind seine Eigenschaften (durchlüften, säubern) umleiten bzw. aus der Landschaft nehmen.

  2. Wieso, folgender Vergleich geht doch auch: So wie man sich mit Bier bei einem Alkoholgehalt von 0,04% nicht betrinken kann, wird CO2 bei einem Anteil von 0,04% oder 0,05% in der Luft das Klima nicht erwärmen.

  3. Es wird nicht lange dauern, da sind die Leserbriefspalten der hessischen Lokalzeitungen mit den alternativen Fakten des grünen Wesirs voll. Neulich hat so ein Schlauberger in der Oberhessischen Presse frohlockt, dass die Energiewende die Gelddrucklizenz der Energiekonzerne zerschlagen hätte. Naja, die Stromrechnung zeigt sich davon unbeeindruckt. Man hat es offenbar mit einer Sekte zu tun, deren Mitglieder an den Lippen des jeweiligen Gurus kleben.

    Wozu eigentlich eine Fotomontage? So sieht es bei uns in Hessen doch mittlerweile wirklich aus.

  4. Merke:
    1. Den Brand eines Traktors kann der Fahrer (oder die Feuerwehr ) löschen. Das Windrad brennt aus!
    2. Das von Trump beschleunigte Aus der Grünen kann auch die Klimakanzlerin nicht verhindern!
    3. Wenn die Grünen weg sind werden sich (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) andere Deppen einfinden!

    • Das Problem wird sein, bzw. ist schon vorhanden, dass die Grünen andere Parteien unterwandern, genau so geschehen beim schweizerischen Verkehrsklub. Wir nennen diese Pappnasen Verkehrsverhinderer! Ist zwar ein Verein, aber was bei einem Verein möglich ist, kann auch in der Politik ermöglicht werden. Da kommt mir gerade in den Sinn, wechselte nicht eine Grüne urplötzlich in eine andere Partei?
      Zu welchem Zweck? Aus welchem Grund?
      René Funk

  5. Der Ausdruck „Äpfel mit Birnen vergleichen“ wäre noch geschmeichelt für diese krude Argumentationskette des Technik-Ministers. Er vergleicht ein äußerst nützliches Gerät, ohne das Waldwirtschaft nicht mehr möglich wäre, mit absolut wertlosen, die Landschaft verschandelnden, Menschen und Tiere gefährdenden Maschinen, die die Stromversorgung gefährden, nichts zu einer Verminderung von CO2-Emissionen beitragen (wie sinnvoll das auch sein mag) und dazu Unmassen an Geld kosten, das dann den Stromverbrauchern abgenommen wird.
    Hier wird also Sinnvolles mit Unsinnigem verglichen, wie es derzeit in Politikerkreisen allgemein üblich ist.

  6. Die Behauptungen der GRÜNEN kann man gar nicht so schnell zerpflücken wie sie neue Dummheiten in die Welt posaunen. Erschreckend dabei ist nicht daß sehr viele junge Menschen darauf reinfallen, sondern daß auch noch zu viele aus der Generation Ü50 dabei sind. Und das sind beileibe nicht gerade die „Klasse der Mindergebildeten“.

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