Das ist ein guter Tag für alle Stromver­braucher – um noch einmal zu feiern, weil es der letzte (gute) war

Helmut Kuntz
Die ersten Windparkausschreibungen onshore wurden vergeben und erzielten Preise von 5,25 … 5,78 ct / kWh. Das ist gegenüber der bisherigen Ökostrom-Förderung weniger und wird seitens der EEG-Lobby und unserer Politik als großer Ökostrom-Kosten-Durchbruch gefeiert.

Einmal von unserer SPD-Umweltministerin, welche überzeugt ist, dass Ökostrom bald keine Rechnungen mehr stellt, indem sie einem Moderator unwidersprochen die Aussagen zubilligte:
EIKE 27.03.2017: Nee, bei uns gibt´s keine Klimaleugner
Moderator: Warum überzeugt man die Bevölkerung nicht damit, dass man ihnen sagt: Hey .. wenn wir das jetzt, wenn wir einmal bei 100 % sein sollten, dann braucht man für Strom gar nichts mehr zu bezahlen, weil sich das dann irgendwie selbst ergibt durch die Erneuerbaren und das Einzige was dann irgendwie kostet sind die Instandsetzung. Warum wird das Argument nie gebracht. Eh Leute, irgendwann braucht man für Strom nie mehr bezahlen …
Aber auch durch die Fachpersonen der anderen Parteien, welche (wieder) belegen, dass Unkenntnis in Berlin schon länger nicht mehr parteigebunden ist, weil wie bei Abstimmungen [7] nur noch eine „Einheitskenntnis“ herrscht.

Energiebeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Bareis, Diplom-Betriebswirt:
SZ, Nr. 116: „Das ist ein guter Tag für alle Stromverbraucher
Sprecherin für Energiepolitik GRÜNE, Julia Verlinden, Umweltwissenschaftlerin:
SZ, Nr. 116: „Die Aussschreibung habe bewiesen, dass Windenergie „längst wettbewerbsfähig ist“ … „folglich sei es unsinnig, die Menge des grünen Stromes zu deckeln“.

Anmerkung: EIKE ist kein politischer Blog. Wer von den Lesern das hier aufs EEG bezogene allgemeinpolitisch lesen möchte, schaue noch dort hinein: THE EUROPEAN: Achtung Satire: SPD nominiert Merkel

Das Fachpersonal der Parteien

Über die Klima- und Energiekenntnisse des Herrn Bareis lässt sich wenig recherchieren. Er ist aber Mitglied im Rat von Agora Energiewende, in dessen Vorsitzendem-Gremium der ehemalige Minister und PIC Gründungsdirektor Klaus Töpfer ebenfalls Mitglied ist.
Seine Informationen zum EEG sind teilweise diametral, so dass man nicht weiß, welche seiner Andeutungen Wissen, und welche der Absicherung gegen politisch „unschickliche“ Fehlmeinungen entspringen.

[1] Thomas Bareiß, der Vorsitzende der Untergruppe Energie im Bundesfachausschuss, erläuterte die Formulierung aus dem Entwurf auf Nachfrage. „Die Kosten für erneuerbare Energien sinken schnell, andererseits werden die CO2-Zertifikatepreise aufgrund unserer hohen Reduktionsziele in den nächsten Jahren schnell steigen“, sagte der CDU-Abgeordnete. Dadurch werden erneuerbare Energien aus seiner Sicht „automatisch konkurrenzfähig“.

Von Frau Verlinden kann man es jedoch in ihrer Dissertation nachlesen.

Danach wird man Umwelt- und Energie- und sonst noch alles Wissenschaftler*in durch das Fach Philosophie:
Dissertation zur Doktorin der Philosophie: Energieeffizienzpolitik als Beitrag zum Klimaschutz Analyse der Umsetzung der EU-Gebäude-Richtlinie in Deutschland (Bereich Wohngebäude).
Geleitwort
Die deutsche Energieeffizienzpolitik hat Frau Verlinden anhand der EU-GebäudeRichtlinie und deren Umsetzung in Deutschland untersucht. Die Veröffentlichung ihrer Dissertation passt hervorragend zu einem der diesjährigen Schwerpunkte des Umweltbundesamtes: „Bauen und Wohnen“ und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur politikwissenschaftlichen Forschung, die sich bisher kaum mit dem Politikfeld Energieeffizienz beschäftigt.
Die vorliegende Arbeit ist zwischen 2008 und 2012 in Kooperation mit dem UBA entstanden.
Die Dissertation von Julia Verlinden ergänzt auf hervorragende Art und Weise die aktuelle UBA-Forschung zu Techniken, Hemmnissen, ökonomischen Anreizen und der Weiterentwicklung von Rechtskonzepten zur Gebäudesanierung und dem Ziel des klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050.

Es wird oft behauptet, dass Techniker „nicht über ihren Schreibtisch hinaus schauen“ würden. Bei einer „Philosophin“ scheint dies aber auch nicht anders zu sein. Jedenfalls gilt auch dort der Glaube an das was andere (oder der Arbeitgeber, oder die Partei) sagen, als ausreichende Begründung:
Dissertation: … Doch um die Klimaschutzziele zu erreichen, ist…
… Ein Blick in vorliegende Technologiestudien und Weltenergieszenarien zeigt, dass ‚Effizienz + Erneuerbare‘ in der Tat die einfachste und vom technischen Potential her prinzipiell ausreichende Formel für die Lösung des Klimaproblems darstellt … (Hennicke 2010: 9) … Unsere Gesellschaft benötigt also eine „Effizienzrevolution“ (Hennicke 2010, vgl. zur „Energierevolution“ auch Hennicke et al. 2010) mit einer klaren politischen Strategie – und dafür ist nicht mehr viel Zeit

Ansonsten ist die Dissertation (nach rein persönlicher Meinung des Autors) im Wesentlichen reine Fleißarbeit an Recherchen, die umso leichter gefallen sein dürfte, als der Arbeitgeber die Möglichkeiten dazu (an)bot. Über das im Dissertationsthema angegebene Thema „Klimaschutz“ ist in der Dissertation inhaltlich, geschweige als Gegenstand einer Forschungsarbeit, nichts zu finden.
Wenn man abschreibt, verliert man schnell die „Doktor-Würde“, wenn man nichts (dazu) schreibt, behält man sie und steigt politisch auf.

Die unendliche EEG-Geschichte in Wiederholung

Aktuell macht die Windkraft am Strom Gesamtmix 12,3 % aus. Den Offshoreanteil kann man in den Betrachtungen vernachlässigen, beziehungsweise abziehen, womit noch ca. 10 % Anteil am Gesamt-Strommix verbleiben.

Bild 1 Strommix Deutschland 2016

Auch ohne viel zu rechnen, erkennt man, dass dieser „Durchbruch“ an „Kostenminimierung“ am Gesamt-Kostenbild wenig verändert. Wenn also eine „Fachperson“ Bareiß mitteilt: „Die Kosten für erneuerbare Energien sinken schnell“,

und im aktuellen Nachspann meldet: Das ist ein guter Tag für alle Stromverbraucher
zeigt es nur, dass Fake-News durch Fehleinschätzungen gerade bei Politikern weit verbreitet sind.

Ist man GRÜN und zugleich durch eine Betrachtung zur Umsetzung der Gebäuderichtlinie promoviert, darf man noch eines drauf setzten und sagen: „folglich sei es unsinnig, die Menge des grünen Stromes zu deckeln“.

Wobei diese „Fachfrau“ vergaß, eher: Es gar nicht weiß, dass man beim Strom zwischen Preisgefüge und technischen Notwendigkeiten unterscheiden muss.

Zum Preisgefüge

Anhand der EEG-Vergütungswerte – das ist der Nettopreis, den der private Stromkunde dem EE-Lieferanten immer bezahlen muss – sieht man, wie die anfangs teils exorbitanten Vergütungen ganz langsam abnehmen. Wegen der 20-Jahre Garantie aber eben mit einer riesigen Verzögerung.

Bild 2 Mittlere Vergütungszahlungen an Betreiber für EEG-Strom (in Cent pro kWh) gemäß Jahresabrechnungen. Vom Autor zusammengesetzt. Quelle: WIKIPEDIA

Was es konkret im Geldbeutel bedeutet, zeigt das folgende Bild. In der EU ist Dänemark Spitzenreiter, gefolgt von Deutschland – weil es später mit dem Wahnsinn angefangen hat. Frankreich, welches weiterhin auf Atomkraft setzt, ist gleichzeitig ein Vorbild an (unsinniger, aber für extrem wichtig gehaltener) CO2-Vermeidung und gleichzeitig geringen Stromkosten.

Bild 3 Stromkostenvergleich verschiedener Länder

Beide Fachperson*in-en (Frau Hendricks gehört natürlich auch noch dazu, doch als Person deren Wissen über EEG und Klima nicht identifizierbar ist, übersieht man sie leicht) erwähnten in ihrem Überschwang nicht, dass die relativ geringen Gesamt-EEG-Vergütungsänderungen inzwischen wenig vom Strompreisverlauf bestimmen.

Dies erfolgt durch das parallele Bevorraten der Backup-Kraftwerke, dem Leitungsausbau und was noch stark unterschätzt wird, den Steuerungsausbau, angefangen vom Smart-Grid Zähler bis zu dem, was man modern „intelligentes Netz“ nennt und riesige Investitionen im unteren bis Mittelspannungsbereich erfordert.

EIKE 01.01.2016: Die neuen Energien im Jahr 2015 und im Jahr 2050 für Dummies Teil 2 intelligente Versorgungsnetze,
dazu eine massive Erhöhung der CO2-Zertifikatekosten und natürlich den Kosten für den noch nicht im Ansatz begonnenen Speicherausbau.

Was alleine die Speicherkosten beim Strompreis für eine Explosion verursachen, wurde gerade anschaulich an einem innogy-Angebot dargestellt:
EIKE 18.05.2017: Rechnerisch lohnt sich die solare Eigenversorgung nicht

Fazit

Der geringfügige Rückgang der EEG-Einspeisevergütung wird in Zukunft durch die enormen Investitionen und den Speicherkosten um ein Vielfaches aufgehoben. Fachleute munkeln, dass die kWh für den privaten Strombezieher noch die Größenordnung von 1 EUR erreichen kann.
Unsere Politik wird dies als Erfolg verkünden: Wer auf uns gehört hat, nur noch im Passivhaus wohnt, Niedrigst-Energie-Geräte verwendet, vorwiegend Fahrrad fährt und sonst nur öffentliche Verkehrsmittel benutzt, beziehungsweise sein Elektroauto beim (öffentlichen) Arbeitgeber fast umsonst laden kann, bemerkt davon praktisch nichts. Für die anderen – unbelehrbaren – wollten wir, dass es so kommt.

Der Deal zwischen Staat und Industrie

Aber es gibt trotzdem kein Zurück mehr, Grund: Inzwischen hat die gesamte Industrie (und nicht mehr nur einzelne Interessensverbände) das Volumen erkannt. Und wie bisher immer in der deutschen Geschichte beim Krieg gegen böse Kräfte will sie an den immensen Beschaffungsvolumen für das Kriegswerkzeug verdienen. Dazu ist ihr jeder Deal (und Gedächtnisverlust) willkommen.

Ruhrkultour: Die Energiewende ist ein industrielles und gesellschaftliches Umbauprojekt
… “Die Energiewende ist ein groß angelegtes industrielles und gesellschaftliches Umbauprojekt”, heißt es in der Präambel der “Charta für eine EnergiewendeIndustriepolitik”. “Es geht um nichts weniger als darum, die Energiebasis der deutschen Wirtschaft innerhalb einer Generation, also in gut 30 Jahren, komplett umzustellen – weg von Kohle, Öl und Erdgas, hin zu Erneuerbaren Energien. Dies ist für den Industriestandort Deutschland Chance und Risiko zugleich.” …
… Damit die Idee zur Schaffung einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung funktioniert, darf Deutschland seine Industrie allerdings nicht verlieren. Ohne sie wäre eine Transformation nach grünen Ideen nicht möglich. Natürlich haben die grünen Planer beobachtet, dass die Investitionen in Deutschland fast zum Stillstand gekommen sind. Und daher scheint der richtige Zeitpunkt für sie jetzt gekommen zu sein, sich den Industrieunternehmen, die sie zunächst an den Rand der Existenz gedrängt hatten, als Retter anzubieten …

Der Deal zwischen Staat und Industrie
Ab Ende 2017 soll zwischen Staat und Industrie ein Wirtschaftspakt vorbereitet werden, in dessen Mittelpunkt die beschlossenen Klimaziele, die Rahmenbedingungen für die Industrie und die zentralen Instrumente, stehen sollen. Der Deal zwischen Staat und Industrie besteht laut Dialogpapier aus folgender nicht verhandelbarer Vereinbarung:
Der “Zukunftspakt für eine Energiewende-Industriepolitik” sieht vor, dass die Industrie von der Politik die Garantie erhält, dass sie, “insbesondere die im internationalen Wettbewerb stehenden energieintensiven Branchen, auch während der Transformation verlässliche Investitionsbedingungen und wettbewerbsfähige Energiekosten vorfinden wird.”
Die Industrie verpflichtet sich ihrerseits für dieses Entgegenkommen des Staates, “dass sie sich mit dem Pariser Klimaschutzabkommen identifiziert und die Politik bei dessen Umsetzung in Deutschland durch die Klimaziele von Bundesregierung und Bundestag, insbesondere für die Zieljahre 2030, 2040 und 2050, unterstützt.”
… “Aus der energieintensiven Industrie kommt kein Widerstand, weil diese von der Umlagegebühr befreit ist – Stahl, Chemie, Kupfer, Aluminium profitieren sogar von den tiefen Großhandelspreisen. In Wirklichkeit ist das System aber insgesamt viel teurer. Die Privathaushalte und die übrige Industrie sowie das Gewerbe zahlen einfach die Zeche.” …

Der Verein NAEB e.V. (WEB-Adresse www.naeb.de) hat zu diesem Thema ebenfalls eine Information auf ihrem aktuellen Newsletter verbreitet. Obwohl der Autor mit ein paar technischen Angaben nicht einverstanden ist, ist der kommerzielle Tenor eindeutig:
NAEB e.V. Newsletter (Auszug): CPQM Consumer Power Quality Management – oder zurück zur Strom-Autarkie?
Jeder Besucher in Entwicklungsländern und industriell unterentwickelten Ferienregionen kennt den ohrenbetäubenden Lärm der Notstrom-Aggregate, wenn das Netz ausgefallen ist – die ultima-Ratio des CPQM. Davor liegen die intelligenteren Maßnahmen des CPQM wie Kurzzeit USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung), Strom-Verbauchermanagement (was man uns unter dem Namen intelligenter Zaehler verkaufen will) und das eigentliche Monitoring bis hin zur Qualitätsüberwachung der drei einzelnen Phasen des Netzes.
Bezogen auf die rund 1.000 lokalen Stromversorger und die vielen 100-tausend größeren Stromverbraucher entsteht ein riesiger völlig neuer Markt durch den Einsatz der EE. Bisher lag die Funktion des PQM bei den meinetwegen 250 jeweils aktiv an der Versorgung beteiligten Strom (Power)-Produzenten. Die gehen nun aus dem Markt, zumindest sind die Kessel kalt, in jedem Fall nicht bei 75% Last (wo das Granersche Patent optimal wirken kann)
Stellen Sie sich vor, wie der beginnt zu boomen, wenn wir die ersten 5 Blackouts in Deutschland hatten. Insofern ist auch die These unserer Freunde falschen, wir bräuchten nur einen Blackout, und die EE-besoffenen Deutschen (und Franzosen, Schweitzer, Kalifornier und und…)kämen zur Vernunft. Das ist zumindest meine Einschätzung, ich freue mich aber über Ihren Kommentar!
Entscheiden dazu ist, wie man die Blackouts marketingmäßig aufbereitet: Ich wollte mich auf der Industriemesse bei ABB darüber informieren, wie man sich vorstellt, mit der Anforderung des Rückganges der „rotierenden“ Massen bei weiterem Ausbau der EE und Behinderung des Stromabflusses ins Ausland durch Querregler fertig zu werden. Umso überraschter war ich, als der mir auf Grund meiner Terminanfrage zugeteilte Referent mit tiefster Überzeugung eröffnete, dass man das Problem auf diesem Wege angehen würde (er nannte den Begriff CPQM nicht sondern beschrieb den Weg). Es traf mich wie ein Blitz!
Dann aber leuchtete es mir ein. Mache einen 1.000 fach größeren Markt (statt 250 Stromerzeuger 250.000 Großverbraucher und Stadtwerke), indem der erstere einfach über das von unserem Pressesprecher Prof. Dr. Appel immer wieder kritisierte Strompreisdumping zerstört wird.

Und das wichtigste ist, dass das Politiker-Ziel 100%EE greifbar wird – egal um welchen Preis.
Nachdem ich mich vom Schock in der Kalten Sonne (nicht der von Prof. Vahrenholt) auf dem Freigelände der Hannovermesse an diesem April-Tag 2017 erholt hatte, bin ich dann inkognito zu Siemens gegangen und fühlte mich nach etlichem Rumfragen bei vielen Exposes (die haben ja inzwischen Zeit) bestätigt. Und nun war mir plötzlich auch klar, warum in Halle 13 von Jahr zu Jahr der Anteil der Stände mit PQM-Fokus wuchs – inzwischen ca. ein Drittel. Es macht alles sehr viel Sinn:
Bedeutet dass nun zurück zur Stromautarkie wie in den ersten Dekaden der Stromnetze nach 1900? Nein, dies wird der allmächtige Moloch Staat durch entsprechende Besteuerung verhindern, indem er auch den selbsterzeugten Strom aus dem eigenen Kraftwerk so besteuert, dass es preisgünstiger ist, den minderwertigen Blackout-behafteten Strom der EE zu beziehen und sich nicht mit CPQM zu behelfen. Das Ergebnis möchte dann ein Strompreis in der Größen-Ordnung 1 EUR zwischen 2025 und 2030 sein

Der Deal wird auch von einem wichtigen Umweltverband mitgetragen:
[1] Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), brach noch einmal in aller Deutlichkeit die Lanze für den Klimaschutz – auch auf Kosten der Landschaft. Die Energie aus der Sonne oder indirekt aus der Sonne brauche Platz. Auf der anderen Seite stünden Milliarden an Folgekosten durch den Klimawandel.

Der Ökovirus hat nun auch die Schweiz erfasst – allerdings …

Eben kam die Meldung, dass die Schweizer Bürger in der Volksabstimmung der Energiewende ihrer Regierung zugestimmt haben.

BLICK: BERN – 58 Prozent für die Energiewende Das Schweizer Stimmvolk sagt Ja zur Energiestrategie. Der Bau neuer Atomkraftwerke wird verboten, die erneuerbaren Energien werden stärker gefördert

Man muss sich allerdings deren aktuellen Energiemix ansehen, um die Auswirkungen zu relativieren: Der Anteil Solar- und Windstrom beträgt 0,57 und 0,29 %, die Kernkraftwerke sind nicht verboten, neue dürfen jedoch nicht zugebaut werden.

Bild 4 Strommix Schweiz. Quelle: CH Stromkennzeichnung: Lieferantenmix Schweiz (Daten für 2016 liegen noch nicht vor)

Ansonsten aber wie überall das Gleiche:

dw.com: Finanziert wird die Schweizer Energiewende teilweise durch Zusatzabgaben der Stromnutzer. Die rechtspopulistische Volkspartei SVP hatte mit Warnungen vor horrenden Stromrechnungen dagegen Stimmung gemacht. Gegner der Strategie befürchten eine Gefährdung der Energieversorgung sowie ausufernde Kosten und kritisiert zudem, dass die Energiewende vor allem von Kleinkunden gestemmt und Großabnehmer finanziell entlastet würden.
Das Besteuern von Atemluftbestandteilen und Klimaschutz-Ablasshandel war eben auch für die Regierung der Schweiz zu lukrativ, um darauf verzichten zu wollen.

Und wie einstmals in Deutschland „wissen“ die Befürworter, dass GÜNE-Energie fast nichts zusätzlich kostet:
20minuten.ch: [5] … Auch Kathy Riklin (CVP) ist überzeugt: «Die Schweiz wird den Energie- und Stromverbrauch senken können, ohne dass die Bürger darunter leiden werden.» Der technologische Fortschritt entwickle sich rasant, so dass sich der Konsument dank energieeffizienteren Geräten und Fahrzeugen nicht einschränken müsse. «Er wird auch in Zukunft nicht auf seinen Kühlschrank oder die Kaffeemaschine verzichten müssen. Das heisst: Gleicher Lebensstandard mit weniger Energie.» Klar müsse, wer Energie konsumiere, mehr dafür zahlen. Aber: «Man kann auch mit einer geringeren Energieproduktion wunderbar leben», sagt Riklin. Einen Wäschetrockner etwa solle man massvoll einsetzen: «Das ist ein extremer Energieverschleiss. Stattdessen hängt man besser die Wäsche auf.»
Dank effizienterer Wärmeproduktion, Maschinen, Autos und besser isolierten Häusern werde man Ende Monat sogar mehr Geld im Portemonnaie haben. Zum Energiesparen trügen auch neue Arbeitsmodelle wie etwa Home-Office bei. Man müsse die Kosten im Verhältnis sehen: «Strom kostet Schweizer Bürger etwa zehnmal weniger als die Krankenkasse.» Unter dem Strich werde die
Energiestrategie «keinen Rappen mehr kosten» als die jetzige Energieproduktion.

während die Gegner natürlich Unsinniges behaupten wie:
20minuten.ch: [5] … «Kommt die Energiestrategie 2050 durch, katapultiert uns das in Richtung 1960er-Jahre zurück» … Energieträger wie Strom, Heizöl oder Erdgas würden massiv verteuert. In einer zweiten Phase der Energiestrategie würde über eine Lenkungsabgabe wahrscheinlich auch das Benzin verteuert.
[3] … Rechnet man die 200 Mrd. auf 8,5 Mio. Einwohner um, so wird jeder Schweizer Bürger mit CHF 23.000,- zur Kasse gebeten, was pro Jahr CHF 713,- ergibt. Für eine vierköpfige Familie summiert sich dies auf total CHF 94.000,- bzw. auf jährlich CHF 2.852,- gut das 71fache der „amtlichen“ CHF 40,-.

Auch in der Schweiz darf für den Klimaschutz die Natur selbstverständlich leiden, wie es H. Weiger in Deutschland ja auch für zulässig hält [1]. Bei den Umweltverbänden muss man jetzt jedenfalls immer erst prüfen, ob es sich um einen „Guten“, oder um einen „Schlechten“ handelt.
20minuten.ch: [4]
Wie Umweltverbände die Energiewende torpedieren
Die Umweltorganisationen sind zwar für die Energiestrategie 2050. Doch fast alle Wind- oder Wasserkraftprojekte sind durch ihre Einsprachen blockiert.
Lieber ein Windpark, als Kohlestrom
… Für Rigassi von Suisse Eole ist aber klar, dass es für die Energiewende Kompromisse brauchen wird. Er ruft zu einer ganzheitlichen Betrachtung auf: «Ich hätte lieber einen Windpark in der Nähe, als Strom aus Kohlekraftwerken im Ausland. Ich meine, dass müsste auch im Sinnne des Umweltschutzes sein. Zumindest der WWF ist offenbar auch dieser Ansicht: Er hat sich diese Woche zum Ziel von 400 Anlagen in der Schweiz bekannt – heute sind es zehnmal weniger …

Bald wird die Schweiz bestimmt zusätzlich auch Ökotouristen anziehen. Was in Deutschland noch nicht so richtig klappt:
EIKE 25.03.2016: Windräder als Aussichtsplattformen sind Touristenmagnete
ist dort leichter, da man nicht erst auf die Windradplattform steigen muss, sondern bequem davor relaxen kann.

Bild 5 Geplanter Windpark Altaventa AG Schweiz. Medienbild (Auszug)

Herrn Schily, der es persönlich übernommen hat, die Schweizer ganz, ganz kurz vor dem Referendum noch gegen die Energiewende aufzurütteln und zu informieren,

EIKE: Appell an Schweizer: Ex-Innenminister Schily warnt vor Energiewende,
bietet sich nun eine gute Gelegenheit, dies in Deutschland zu wiederholen. Hier ist der Vorteil, dass man dafür Legislaturperioden und länger Zeit hat.

Er kollidiert damit zwar massiv gegen den Anspruch auch „seiner“ Partei, die als Regierungsmitglied ganz andere Ziele ausweist. Ohne die Verantwortung für „die Welt…“ tut „man“ es in Berlin nämlich wieder nicht:
BuFi 2014, 125: [6] Das Ziel der Bundesregierung ist es, mit Forschung und Innovation einen Strukturwandel von einer erdöl- hin zu einer biobasierten Industrie zu ermöglichen, der mit großen Chancen für Wachstum und Beschäftigung verbunden ist. Deutschland soll im internationalen Vergleich zu einem dynamischen Forschungs- und Innovationsstandort für biobasierte Produkte, Energie, Verfahren und Dienstleistungen werden. Zugleich soll es Verantwortung für die Welternährung, die Rohstoff- und Energieversorgung aus Biomasse sowie für den Klima- und Umweltschutz übernehmen.“

Quellen

[1] ERNEUERBARE ENERGIEN: Politikerstreit um die Energiewende im Wahljahr

[2] SPIEGEL ONLINE: CDU erwägt Stopp der Ökostromförderung

[3] Ruhrkultour: Volksabstimmung zur Energiestrategie 2050: Ein teurer Pyrrhussieg

[4] 20minuten.ch: Wie Umweltverbände die Energiewende torpedieren

[5] 20minuten.ch: Müssen wir künftig extra zahlen, wenn wir waschen?
[6] ZIVILGESELLSCHAFTLICHE PLATTFORM FORSCHUNGS WENDE: Working Paper 2015

[7] EIKE 04.10.2016: Klimavertrag von Paris im Bundestag erreicht 100 % Zustimmung. Die DDR Volkskammer lässt grüßen

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