Der angeblich wärmste März aller Zeiten

Foto: Stefan Kämpfe, blühende Kirschpflaumen.

Josef Kowatsch
Am Monatsende gab der Deutsche Wetterdienst in Offenbach die vorläufigen Märztemperaturen für 2017 bekannt. Mit 7,2 C wäre es der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 gewesen, was vor allem auf die reichliche Sonne zurückzuführen wäre.

Was der DWD noch relativ neutral meldet, ist dann für unsere Tageszeitungen meist ein Grund zur kräftigen Übertreibung, das folgenden Ablauf hat. Irgendein namenloser dpa-„Geisterredakteur“ greift die Sache auf und gibt sie ideologisiert als Erwärmungs-Hiobsbotschaft an die deutschen Medien weiter, welche dann oftmals auch noch eins drauf setzen. So geschehen in der Südwestpresse Ulm am 31.März auf der Seite 7. Mit der Überschrift „Wärmster März aller Zeiten“ denkt man sofort an die Steinzeit, seit Jesus Christus und an Karl den Großen. Und diesmal haben wir angeblich den wärmsten März erlebt, suggeriert der bezahlte dpa-Geisterredakteur, die Katastrophe findet ihre Fortsetzung. Wir sind mittendrin in der Erwärmungskatastrophe, wer bekommt da nicht sofort ein schlechtes Gewissen.

Ein Blick in das Archiv des Deutschen Wetterdienstes stellt dann den richtigen Blickwinkel wieder her. Die Wahrheit ist eine andere

Die letzten 30 Jahre in Deutschland, die kleinste Klimabetrachtungseinheit

Grafik 1: Der März 2017 war der wärmste, er war jedoch nur ein Ausgleich zu 2013. Über die letzten 30 Jahre ist der erste Frühlingsmonat sogar leicht kälter geworden.

Fazit: Dieser März war sehr angenehm, sonnenscheinreich, ein wahrer Balsam für unsere Seele und von jedermann begrüßt in Deutschland. Von einer Erwärmungskatastrophe ist weit und breit nichts zu sehen. Die Trendlinie ist sogar leicht fallend, was nichts anderes heißt als, es ist noch Luft nach oben. Es darf so weitergehen.

Nehmen wir nun einen längeren Zeitraum der deutschen Wetteraufzeichnungen:

Grafik 2: Auch über die letzten 107 Jahre war dies der wärmste März. Der Temperaturverlauf zeigt jedoch auch keine Erwärmungskatastrophe an. Vor über 100 Jahren war der März ähnlich warm wie heute, dann wurde der Monat um die Jahrhundertmitte kälter und erreichte ein Kältetal. Aus diesem Tal heraus betrachtet, wurde es wärmer bis zu einem Temperatursprung zwischen 1986 und 1990.

Betrachten wir die zwei Temperaturberge zu Beginn und am Ende der Grafik. Ungeübte Betrachter würden sofort schlussfolgern, dass der März derzeit aber immer noch wärmer sei als vor 107 Jahren. Diese Aussage ist aber nicht zulässig, denn Deutschland hat sich in diesem Zeitraum durch menschliche Eingriffe verändert.

Kurzum: Die Temperaturen sind nicht direkt vergleichbar. Die gemessenen 7,2 C sind mit den heutigen Wetterstationen gemessen, vor 100 Jahren und früher standen alle Messstationen an viel kälteren Plätzen: Forsthäuser am Waldrand, (unbeheizte) einsame Klöster, Köhlereien im Wald und Fischerhütten bei den Fischteichen vor den Stadttoren gibt es nicht mehr. All diese Messstationen an den Orten von früher sind heute in Siedlungsnähe oder an Flughäfen, wo der Beton oder dunkle Straßenbelag bei Sonnenschein die Thermometer aufheizt. Aus diesem Grund war dieser März 2017 niemals der wärmste aller Zeiten. Er war nicht einmal der wärmste in den letzten 100 Jahren, schon gar nicht aller Zeiten. Die Messbedingungen haben sich seitdem geändert und jeder naturwissenschaftliche Student lernt in den Anfangssemestern, dass man bei vergleichenden Versuchsbeobachtungen, seine Versuchsbedingungen nicht ändern darf.

Abhilfe: Entweder man korrigiert die Fehlermessungen aus der Datenreihe raus, dieser Faktor heißt Wärmeinselkorrekturfaktor oder man vergleicht eine isolierte Messstation in deren weiten Umgebung sich möglichst wenig verändert hat.

Wir wählen dazu den Referenzberg des Deutschen Wetterdienstes, den 990 m hohen Hohenpeißenberg im Voralpenland aus: Der letzte Wert stammt vom 31.März.

Grafik 3: Die Märzgrafik beginnt 1791 im Todesjahr von Mozart. Was auffällt: Dieser März 2017 war mit 5.6 C keinesfalls der wärmste März aller Zeiten. 1994 war wärmer. Aber auch zu Zeiten des Geheimrates Goethe und sicher auch zu Mozarts Lebzeiten gab es wärmere Märzmonate.

Anmerkung: Nun ist dieser Vorzeigeberg des Deutschen Wetterdienstes natürlich auch nicht wärmeinselfrei. Die Wetterhütte stand bis 1934 an einem etwas höheren und kälteren Ort. Die Bebauung bis 1934 war minimal. In den Jahren 1934 bis 1960 wurde das heutige mit viel Beton, Parkplätzen, Straßen und Gebäuden versehene neue Messzentrum geschaffen, das selbstverständlich bei Sonnenschein die Temperaturen künstlich erwärmt und an kalten Tagen wie in allen Gebäuden geheizt wird.

Wir schätzen den Korrekturfaktor für Vergleiche mit den Daten vor 1934 auf 0,3 bis 0,5 Celsius ein. Demnach würden die gemessen 5,6C von 2017 nur 5,1 C betragen bei einem Vergleich mit den 6,1 C von 1822 zu den Lebzeiten von Goethe.

Gesamtergebnis: Der wärmste März aller Zeiten hieß die Überschrift nicht nur in der Südwestpresse, andere deutschen Medien übertrieben noch viel mehr. Das ist eine absolute Unwahrheit in der Deutschen Presse. Wen wundert‘s, dass man unseren deutschen Medien mit dem ausgeprägten Hang zu Übertreibungen und Einseitigkeit immer weniger Glauben schenkt. Eine Wahrheitsdarstellung wird diesmal nie erfolgen, auch das ist ein Kennzeichen schlechter deutscher Medienkultur.

Merken wir uns: Wärmster März aller Zeiten hieß die Überschriftslüge des ungenannten dpa-Geisterredakteurs an die deutschen Medien und alle haben die Lüge ungeprüft übernommen.

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick in die USA, die Dale-Enterprise-Station ist die älteste Messstation in Virginia und steht seit der Errichtung kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg einsam bei einer Farm auf dem Land. Gemessen wird dort in der Maßeinheit Fahrenheit.

Grafik 4: In Virginia/USA war der März 2017 nur absoluter Durchschnitt und bestätigt den Trend der leicht fallenden Durchschnittslinie.

Ergebnis: Seien wir froh, dass dieser März 2017 in Deutschland sehr mild, angenehm warm und sonnenscheinreich war. Klimakatstrophe sieht anders aus. Den Deutschen raten wir. Mehr Mut zur Besonnenheit und zur Wahrheit.

Josef Kowatsch, Naturbeobachter und unabhängiger, weil unbezahlter Klimaforscher.

image_pdfimage_print

12 Kommentare

    • Noch eine erfreuliche Nachricht von Bastos et al 2017: „Was the extreme Northern Hemisphere greening in 2015 predictable?

      „The year 2015 was, at the time, the warmest since 1880, and many regions in the Northern Hemisphere (NH) registered record breaking annual temperatures. Simultaneously, a remarkable and widespread growing season greening was observed over most of the NH in the record from the Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) normalized difference vegetation index (NDVI).“

       

       

       

  1. Wunschtemperaturen für Deutschland

    Diesen März haben wir alle als sehr angenehm empfunden, insbesondere die letze Woche war  ein Balsam für unsere Seelen, die letzten drei Tage waren bereits maiverdächtig. Warum sollte das nicht so weitergehen? Meine Wunschtemperaturen für Deutschland für mein Rentnerdasein wären:

    1) 3 bis 4 Celsius Anstieg der Jahrestemperturen auf dem Lande, insbesondere in der freien Natur – Städte interessieren mich nicht-  2) Weiterer Anstieg der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, damit die landwirtschaftlichen Erträge steigen, 3) Die durchschnittliche Regenmenge bei 800 Liter pro Jahr sollte gleich bleiben. 4) Die Zerstörung der freien Landschaft durch Bebauung und Flächenversiegelung, sowie Trockenlegung durch Entwässerungsgräben sollte endlich aufhören. Mehr Vielfalt in der Natur würde uns gut tun.

    Außer den Punkten 2 und 4 können wir die Entwicklung nicht beeinflussen. Und Punkt 2 entwickelt sich positiv, Punkt 4 absolut negativ.

  2. Sehr geehrter Herr Kowatsch,

    ich habe die Daten des Hohenpeißenberg (Ihre Grafik 3) einmal mit den (rück-)laufenden Mittelwerten (10, 15 und 30 Jahre) geplottet.

    https://docs.google.com/spreadsheets/d/1a6wyLkug0ZPuWskeOdADfCZu2SQPSTpJ8Uqzv5GuJP0/pubchart?oid=1152304498&format=interactive

    Wie sie leicht sehen können: selbst wenn Sie nach 1935 0,5K vom 30-jährigen Mittel abziehen so wurde der März allem Anschein nach doch wärmer. Den von Ihnen geschätzten WI-Effekt von 0,5K halte ich für relativ hoch. Aber darum ghet es hier ja nicht, sondern um den warmen März.

    • Sehr geehrter Herr Ketterer

      Dass auch nach Herausrechnung des WI die Temperaturen seit 1850 trotzdem noch gestiegen sind, schreiben wir immer wieder und wir nennen den WI den Hauptreiber der Temperaturentwicklung. Da sind wir uns doch einig. 1850 wird doch allgemein als Ende der kleinen Eiszeit anerkannt und der Verfasser der Oberamtsbeschreibung Aalen hatte 1854 schon bemerkt, dass die Temperaturen seit einem Jahrzehnt endlich steigen würden, und die Äpfel auf den Bäumen nun endlich reif würden, so dass auch bald der schwäbische Most auf der Ostalb sich durschsetzen könne. Aber beginnen sie ihre Langszeitkurve HPB für den März doch mal bei bei 1911. Bleibt da noch was von der Märzerwärmung auf dem HPB?

      • Sehr geehrter Herr Kowatsch,
        Sie schreiben:

         „Aber beginnen sie ihre Langszeitkurve HPB für den März doch mal bei bei 1911. Bleibt da noch was von der Märzerwärmung auf dem HPB?“

        Die von mir gelinkte Grafik ist (des Komforts wegen) auf interaktiv geschaltet: mit dem Mauszeiger können Sie sich die einzelnen Wert (Monatsmittel und gleitende Mittel) ablesen.

        Das lokale Maximum der gleitenden Mittel im Zeitraum 2000 bis 2017
        10-a avg: 3,22  
        15-a avg: 3,51  
        30-a avg: 3,07
         
        Das lokale Maximum der gleitenden Mittel im Zeitraum 1910 bis 1941
        10-a avg: 2,54  
        15-a avg: 2,31  
        30-a avg: 1,87

        Ich sehe schon eine deutliche Erwärmung gegenüber dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie nicht?
        Beim Maximum des 30-järhigen Mittel +1,2K beim 15 Jährigen Mittel +1,2K beim 10-jährigen Mittel „nur“ +0,7 K.  Sie sehen da keine Erwärmung, die über den von Ihnen postulierten WI-Effekt hinausgeht? WI-Effekt von 0,3K sehe ich eher am oberen und nicht am unteren Ende der Sakla.
        Eine weitere Anmerkung: Das März-Monatsmittel 2017 auf dem Hohenpeißenberg war nicht 5,6°C (wie sie berichten) sondern 6,1°C.

      • Zu meiner Frage: Die lineare März-Trendlinie zeigt beim HPB auch nach WI-Bereinigung  immer noch eine leichte Steigung. Von 1911 bis heute lautet die Steigungsformel:  y = 0,0068x

  3. Lieber Herr Geyer

    Ich muss mich immer wieder wundern wie CO2-Erwärmungsgläubige denken und eklante Lügen glatt übergehen können. Behauptet wurde von einem Teil der deutschen Medien, dass dieser März der wärmste aller Zeiten gewesen wäre. Das scheint sie nicht zu stören, denn sie nehmen daran keinen Anstoß. Ein Teil der Medien zitierte richtig, dass es der wärmste März seit den DWD-Zeitreihen seit 1881 ist.

    Und was wir gezeigt haben ist lediglich, dass diese Aussage zwar stimmt, aber nur für die wärmeinelbehafteten Messtationen des DWD, bei den WI-armen Stationen -wir haben 8 überprüft und zwei hier im Artikel aufgezeigt- war es nicht der wärmste März.

    Und was haben Sie mit viel Zeitaufwand dann gezeigt: Nicht anderes als den von mir, Herrn Kämpfe und Herr Leistenschneider ständig behaupteten Wärmeinseleffekt in den DWD-Temperaturreihen gesucht und bestätigt. Dass diese Erwärmung auf CO2 zurück zu führen ist, werden auch Sie nicht beweisen können. Schauen Sie sich den Hohenpeißenberg in Grafik 3 an, wenn sie im Märzverlauf ab 1970 die 0,5C WI-effekte rausrechnen, dann …. Aber die Bebauung des Berges ist heute so wie sie ist und nur die hat zusammen mit der Standortänderung zu dem kleinen März-Erwärmungstrend seit 1950 geführt. Oder die Dale-Enterprise, da müssen sie nichts rausrechnen. Was glauben Sie wie die Trendlinie von dem nur 100 km entfernten Washington aussieht. Herr Kämpfe hat es ausgerechnet, seit 1981 sind in Washington die Temperaturen um 1 Grad gestiegen in Dale Enterprise um denselben Betrag gefallen. CO2 bewirkt gar nichts oder fast nichts. Es geht um Umwelt und Naturschutz und nicht um das Geschäftsmodell Klimaschutz. Die Lüge „wärmster März aller Zeiten hilft weder der Natur noch der Umwelt, aber diese Lüge hilft dem Geschäftsmodell Klimaschutz. Unsere Behauptung ist weiterhin, die Erwärmung in den deutschen Zeitreihen seit 1881 ist hauptsächlich auf den Wärmeinseleffekt zurück zu führen und hier im Artikel, trotz Wärmeinseleffekt der meisten DWD-Stationen sind beim Monat März die Temperaturen in den letzten 30 Jahren leicht gesunken. Und das zeigt die Forsythie in Hamburg und das Märzenveilchen außerhalb von Hüttlingen.

    Sehen Sie wenigstens ein, dass Sie mit den zeitaufwendigen Temperaturbetrachtungen Ihres Kommentares keinen CO2-Treibhauseffekt bewiesen haben.

  4. Klimaänderungen hat es immer gegeben, kleine, mittlere, große, punktuelle (Vulkane) und globale (Meteoriteneinschläge), katastrophale, bekannte (Erdkreisel, Kontinentalverschiebung, Grünpflanzen) und unbekannte (kosmische Wolken).

    Fakt ist wohl ein Temperaturanstieg seit 100 Jahren um ca. 1°C. Nach Latif (aktuell im TV) sind 50% davon „Menschen gemacht“. Was die anderen 50% ausgelöst hat, wurde nicht gefragt und ist wohl nicht bekannt.

    Bekannt ist, dass die Menschen die Erdoberfläche unmittelbar verändern (Städtebau, Landwirtschaft, Industrie, Verkehr) und damit auch (siehe Kontinentalverschiebung) die Globaltemperatur. (Übrigens widerlegt auch der bekannte Einfluss der Kontinentalverschiebung, dass die Erde ein „Schwarzer Strahler“ sei und daraus ist die falsche CO2 Theorie abgeleitet.)

    Klimakatastrophen gab es in historischer Zeit meines Wissens nach nicht. Katastrophen, die Menschen, Erdbeben und Vulkane ausgelöst haben, gab es jede Menge. Die schlimmsten Katastrophen waren politische Katastrophen. Daran, nicht an einer Dekarbonisierung sollten wir arbeiten.

    Jeder Beitrag zur Relativierung oder Widerlegung der unsinnigen CO2 Theorie ist es wert, verbreitet zu werden. Daher danke für diesen Beitrag!

  5. Ach schön mal wieder diese „optimierten“ Diagramme.

    Nehmen wir mal Diagramm Nr. 1. Nach all den Jahren in dem ungerade Werte genommen werden mussten kann man dieses Jahr mit den 30 Jahren „protzen“.

    Hier mal die Trensteigung, wenn man statt 30 Jahre die letzen 20-40 Jahre betrachtet:

    20: 0,02
    21: 0,00
    22: 0,05
    23: 0,06
    24: 0,03
    25: 0,04
    26: 0,03
    27: 0,01
    28: -0,01
    29: -0,02
    30: -0,01
    31: 0,03
    32: 0,03
    33: 0,04
    34: 0,05
    35: 0,04
    36: 0,05
    37: 0,03
    38: 0,03
    39: 0,03
    40: 0,03

    D.h. die Aussage „der März ist leicht kälter geworden“ muss damit ins Fabelreich der „alternativen Fakten“ verbannt werden. Sowohl kürzere als auch längere Betrachtungszeiträume zeigen eine Steigende Tendenz. Die Werte für 10-19 Jahren sogar Werte > 0,1.

     

    Grafik 2:

    Die eingezeichnete Trendlinie kann man wohl nur als „pure alternative Fakt“ bezeichnen, indem das Startjahr 1911 gezielt gewählt wurde.

    Betrachtet man die von DWD verfügbaren Daten ein paar Jahre länger, so sieht man das dieses Jahr mehr oder minder das Ende eines Erwärmungstrends für den März darstellt. Das Temperaturniveau hat sich von ca. 2,7 auf 3,5 Grad erhöht. Und dieses Temperaturniveau wurde bis Ende der 1980 gehalten. Mittlerweile ist da Temperaturniveau auf ca. 4,5 Grad gestiegen. Damit ist es ca. 1 Grad höher als die Märztemperaturen um ca. 1910.

     

     

Antworten