Europa in der Dunkelflaute : Vorgeschmack auf die künftigen Verhältnisse in Europa.

Infografik: TNT - Graphics AG

Von Alex Reichmuth (Red. WELTWOCHE)*
Setzt der Bundesrat die Energiestrategie wie geplant um, wird die Schweiz künftig 
auf Stromimporte angewiesen sein. Ob das Ausland liefern wird, ist fraglich – die Nachbarländer 
kämpfen heute selbst schon mit Engpässen.


Nach dem knappen Ja der FDP hat 
die Energiestrategie des Bundes gute Chancen, das Referendum im nächsten Mai zu überstehen. Die Promotoren der Energiewende machen dem Volk weis, der Strom aus Atomkraftwerken könne nach deren Betriebsende mit Strom aus Wind- und Solaranlagen sowie mittels Sparen kompensiert werden. Vor einer Stromlücke zu warnen, sei Angst­macherei. Allerdings kann sich die Schweiz bereits heute im Winter nicht selber versorgen und ist auf Importe angewiesen. Weil mit den AKW Beznau 1 und Leibstadt gleich zwei Werke wegen technischer Probleme ausgefallen sind, war die Auslandabhängigkeit dieses Jahr besonders gross.

Realistisch gesehen, setzt die Schweiz mit der Energiestrategie auf eine Importstrategie.

Denn sind erst einmal ­alle fünf Kernkraftwerke stillgelegt, fällt im Winter zum Teil über die Hälfte des Stroms weg. Bei Inversionslagen – wenn über Tage und Wochen weder die Sonne scheint noch der Wind geht – leisten Alternativstrom-Anlagen keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgung. Kann man sich darauf verlassen, dass das angrenzende Ausland dann über Stromreserven verfügt und damit die Schweiz bedient?

Winter in Deutschland

Einen Vorgeschmack auf die künftigen Verhältnisse in Europa lieferte der Januar. In Deutschland gibt es dank milliardenschwerer Förderung mittlerweile 26 000 Windräder und 1,2 Millionen Solaranlagen. Die Alternativ­energie-Lobby streicht stolz hervor, dass Wind und Sonne mittlerweile gegen ein Fünftel des gesamten Stroms liefern.

Doch Gesamtmengen sind bei der Elektrizitätsversorgung von untergeordneter Bedeutung. Da sich Strom nicht speichern lässt, nützt es wenig, wenn ­Solar- und Windanlagen im Sommer auf Hochtouren produzieren, ihr Beitrag aber im Winter, wenn am meisten Energie gefragt ist, gegen null tendiert. Der Januar war in Deutschland besonders geprägt von dieser Dunkelflaute: Während der Strombedarf täglich auf bis zu 70 oder gar 
80 Gigawatt (GW) stieg, lieferten der Wind und die Sonne an fast allen Tagen nur marginale Beiträge von kaum je über 10 GW. Es gab lediglich kurze Zeitspannen wie um den 4. und den 12. Januar, in denen die Stromquellen die 30-GW-Grenze schafften (siehe Grafik).

Über den ganzen Januar gesehen, trugen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke fast immer die Hauptlast, während die Alternativ-Quellen nur wenige Prozente beitrugen.

Zehn Kraftwerke fielen aus

Ein typischer Dunkelflauten-Tag in Deutschland war der 24. Januar.

Wie die Zeitung Die Welt vorrechnete, verharrte die Windstromproduktion an diesem Tag fast immer unter 1 GW. Die vielen Solaranlagen schafften über Mittag kurzzeitig gerade mal 2,3 GW, fielen am Morgen und am Abend aber jahreszeitlich bedingt ganz aus. Be­nötigt wurden an diesem Tag jedoch bis zu 
75 GW Strom.

Gewährleistet werden konnte die Versorgung an solchen Januartagen nur darum, weil fossile Reservekraftwerke einsprangen. «Jetzt kann Deutschland wieder froh sein, dass es noch Kohlekraftwerke hat», sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Energiegewerkschaft, zur Sächsischen Zeitung.

Zudem war das Land auf Importstrom angewiesen. So mussten etwa Reserven in Italien angefordert werden.

Die Aussichten sind düster. In den letzten fünf Jahren sind konventionelle Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von über 12 GW zur Stilllegung angemeldet worden. Bis 2022 will Deutschland die letzten Atomkraftwerke abstellen und – im Rahmen des Pariser Klimaabkommens – irgendwann aus dem Kohlestrom aussteigen. Entsprechend wies der deutsche Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft auf die Gefahr von Versorgungslücken in den kommenden Jahren hin.

Die Schweiz kann also nicht darauf zählen, dass Deutschland Strom liefert, wenn Dunkelflaute herrscht.

Doch auch Frankreich, das der Schweiz bisher zuverlässig ausgeholfen hat, fällt wohl aus.

Das Land, das zu 70 Prozent von AKW-Strom abhängig ist, hat in den letzten Jahren zu wenig in die Erneuerung seines Kraftwerkparks investiert und kämpft darum ebenfalls mit Engpässen. In diesem Winter ­waren zehn der 58 französischen Atomkraftwerke wegen technischer Mängel nicht am Netz. Wegen eines drohenden Zusammenbruchs der Versorgung schoben die Stromunternehmen Krisensitzungen. Die Regierung legte der Bevölkerung nahe, Treppen zu steigen statt Lifte zu benutzen, das Licht wenn möglich auszuschalten und in Gebäuden nicht über 19 Grad zu heizen. Schliesslich konnte das Land den Engpass bewältigen – dank Importstrom. Dabei ist Frankreich immer ein stolzes Exportland gewesen.

Negativbeispiel Grossbritannien

Wird der Strom knapp, muss das nicht schlimmste Folgen wie ein Blackout haben. Um Zusammenbrüche zu verhindern, müssen sich dann aber Bevölkerung und Industrie einschränken. Wie sich das anfühlt, weiss man in Grossbritannien. Das Vereinigte Königreich hat sich in den letzten Jahren zunehmend von Winden­ergie abhängig gemacht. Zudem ist das Stromnetz im Land hoffnungslos veraltet. Im Winter häufen sich darum sogenannte ­Triads. Das sind Phasen, in denen der Strom wegen Knappheit enorm viel teurer ist als ­normal – unter Umständen das Hundertfache kostet. Strom­intensive Betriebe sind dann faktisch gezwungen, ihre Produktion auszusetzen. Laut der deutschen Wirtschaftswoche musste ein Stahlunternehmen in der Grafschaft Lincolnshire für eine 30-minütige Phase eine Million Pfund bezahlen. Die Firma hatte eine Warnung übersehen. Und die Triads nehmen zu. Im vergangenen Winter gab es schon mehrere Dutzend von ihnen.

Ungeachtet dessen will Grossbritannien in den nächsten Jahren weitere Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz nehmen.

Kritiker warnen vor einem «Dritte-Welt-Szenario».

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)* Anmerkung der EIKE-Redaktion :

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in WELTWOCHE Zürich :  Europa in der Dunkelflaute | Die Weltwoche, Ausgabe 11/2017 | Sonntag, 19. März 2017  ;    http://www.weltwoche.ch/

EIKE dankt der Redaktion der WELTWOCHE und dem Autor Alex Reichmuth für die Gestattung des ungekürzten Nachdrucks.

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17 Kommentar(e)

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1

@T.Reuter

"Es ist richtig, dass sehr viele Windräder benötigt werden, um Deutschland mit Windenergie versorgen zu können. Und es ist auch richtig, das die deutsche Landschaft dann richtig hässlich aussieht.

Aber: Theoretisch ist es möglich!"

Nein, es ist auch theoretisch nicht möglich, uns mit Wind- und Solarstrom plus ausreichend Speichern allein mit elektrischem Strom zu versorgen. Das ist so, weil Sie für den Bau und Betrieb der Wind-, Solar- und Speicher-, Netz- und Verteilanlagen mehr Energie hineinstecken müssen, als Sie herausbekommen.

Erst, wenn es gelingt Energie aus dem Nichts zu gewinnen, könnte Ihr Traum wahr werden.

Bei direkter Nutzung von Wind und Sonnenenergie, d.h. ohne die Luxusform elektrischer Strom, kann man sich ausreichend versorgen. Das haben unsere Vorfahren seit Tausenden von Jahren bewiesen.

2
Sebastian Herp

Das ist so, weil Sie für den Bau und Betrieb der Wind-, Solar- und Speicher-, Netz- und Verteilanlagen mehr Energie hineinstecken müssen, als Sie herausbekommen.

Haben sie eine Quelle für diese ungeheure Behauptung?

3

"Haben sie eine Quelle für diese ungeheure Behauptung?"

 

Ganz einfach: Selbst ausrechnen. Oder beherrschen Sie den simplen Dreisatz nicht? Mathe in der 5 Klasse abgewählt?

4
Fred F. Mueller

Lieber Hr. Herp,

jetzt echauffieren Sie sich doch nicht so künstlich. Wir haben doch ein wunderschönes Beispiel in Europa, die so  vielgepriesene Insel El Hierro. Dort wurde das Blaue vom Himmel herunter versprochen und jetzt hat man eine superteure Installation mit Speicher, Wind und Wasserkraft, die trotz immenser Kosten nicht funktioniert und mit dem Dieselkraftwerk stetig gestützt werden muss. Man hat allein schon den Speicherbedarf um den Faktor ca. 20 unterschätzt, während die Kosten bereits jetzt bei ca. 85 ct/ kWh liegen. Zum Thema finden  Sie hier im Archiv sowie auch bei Ruhrkultour.de sowie anderswo im Netz diverse Veröffentlichungen. Recherchieren müssen Sie aber schon selber, ich bin es leid, für ignorante Trolle den Laufburschen zu spielen.

Mfg

5

Heute war in der "Welt" zu lesen, daß die CO2 -Emission in Deutschland wieder deutlich angestiegen ist.

6

Solange es noch keinen großflächigen, am besten direkt mehrtägigen, Blackout gegeben hat, wird der deutsche Michel dafür nicht zu sensibilisieren sein. Ist schon erbärmlich, dass man sich ein solches Energieproblem einmal herbeisehnen muss...

7
Andreas Hoemann

Auf der Seite des Umweltbundesamtes kann man die Zahlen für den Primärenergieverbrauch für 2016 nachlesen. Danach wurden 1,0 % des deutschen Verbrauchs von Photovoltaik und 2,1 % von Windmühlen erzeugt.

Allein diese Zahlen müssten jeden auch noch so ideologisch verbohrten Fanatiker davon überzeugen, dass dies ein Irrweg ist und dass das Pflastern unseres Landes mit den Vogelhäckslern niemals zum Ziel führen kann.

Wenn ich mir dann noch vorstelle, was demnächst zusätzlich noch alles mit Strom gemacht werden soll (Autos, LKW, Heizung - ja, auch die Wärmepumpe ist nichts anderes als eine effektive Elektroheizung) wird mir Angst und Bange.

8

Das heißt im Umkehrschluss.
Um 80 % aus EE Quellen zu erzeugen, müssen wir grob gerechnet - wenn man PVA konstant hält- die restlichen 77 % mit Windkraft erzeugen. Bei jetzt 30.000 WKA´s installiert x 33,5 = 1,15 Mio Stück zusätzlich. Oder etwas weniger, wenn man mehr PV´s unterstellt.
Die Frage ist: Reicht dafür Deutschlands Fläche?
Oder müssen wir uns wieder den Raum dafür besorgen? Die Sahara würde sich gut eignen, Russland, Weißrussland, Polen samt Baltikum weniger, da scheint
1. die Sonne zu wenig
und
2. mögen die das nach dem letzten Versuch vielleicht nicht so richtig.

Ach ja, und die Speicherung hatte ich auch noch vergessen, wenn es die erst gibt, dann müssen die ja auch noch gefüllt werden.

9
Sebastian Herp

Das ist zwar schon etwas älter, aber wohl immer noch unbekannt. Eine Studie des Fraunhofer Instituts bezüglich nötiger Stromerzeugungskapazitäten für 100% EE für Strom und Wärme.

https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/studie-100-erneuerbare-energien-fuer-strom-und-waerme-in-deutschland.pdf

Dafür sind scheinbar nur 252 GW Photovoltaik (Faktor 6,2 zu heute), 200 GW Onshore Wind (Faktor 4,4 zu heute) und 85 GW Offshore Wind (Faktor 20,6 zu heute) nötig. Die Fläche für PV Anlagen ist dabei kleiner als die bereits von uns geteerte Fläche. Der Bundesverband für Windenergie zählt 27220 bei knapp 46 GW Leistung. Das ergibt einen Durchschnitt von 1,7 MW pro Windrad, neu installierte Windräder in 2016 hatten eine durchschnittliche Leistung von 2,85 MW. Sagen wir mal der Endausbau nutzt 4 MW Windräder, dann sind das nur knapp doppelt so viele Windräder (an Land) wie heute. Wesentlich "hässlicher" wird das nicht aussehen.

10

Die Studie von ISE ist Quatsch.

Sie betrachtet die durchschnittliche Stromerzeugung einer Menge X Windräder pro Jahr und rechnet das auf den Gesamtbedarf hoch. Sie berücksichtigt nicht, dass es zeitweise keinen Wind gibt und dann Speicher dafür herhalten müssen. Die Dynamik im Wettergeschehen erfordert daher deutlich mehr, da ansonsten auch die Speicher nicht wieder aufgefüllt werden können.

Und jährliche Gesamtkosten von 119 bis 126 Mrd Euro?

Kann ich nicht nachprüfen oder abschätzen, aber das wären dann schon mal locker 1000 bis 2000 Euro pro Bürger und Jahr. Was macht dann eine Familie mit zwei Kindern? Wie soll das Geld erwirtschaftet werden?

11

Die ISE Leute sind doch die, die die Betonkugeln als Speicher verwenden wollen. Oder?

12

"Oder müssen wir uns wieder den Raum dafür besorgen?" 

Sehr geehrte Admin,

geht mir genauso.

Die allumfassende Blödheit dieser Ökodeppen ist nur noch mit viel Ironie und Spot zu ertragen...

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Andreas Hoemann

Dabei ist auch nicht zu vergessen, dass die weitaus besten Plätze für Windmühlen schon besetzt sind. Was jetzt noch kommen kann, sind Bereiche mit geringerer Ausbeute. Hinzu kommt, dass sich die Mühlen dann gegenseitig den Wind nehmen.

Des weiteren wird immer über den großen Flächenbedarf für Gewerbe und Industrie geklagt. Hier in NRW soll deshalb der Landesentwicklungsplan dem Flächenverbrauch entgegenwirken. Wenn man aber sieht, welche Flächen hier in den umliegenden Gewerbegebieten mit Solaranlagen zugepflastert worden sind, wird die Argumentation widersinnig.

Aber wir brauchen bei den steigenden Energiepreisen bald sowieso keine Gewerbe- und Industrieflächen mehr, die ziehen ins Ausland um. Dadurch sinkt natürlich der Energiebedarf und alles wird gut.

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Und bei einen Tag wie den 24.01.2017 steht dann alles Still in Deutschland. So zu sagen ein Tag der Windstille und des bedeckten Himmel über Deutschland.

Da hilft auch kein Landgewinn in Russland oder Afrika mehr...eine gute und zuverlässig Stromversorgung ist nämlich erst einmal eine Zentrale (vor Ort) Aufgabe.

 

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Es ist richtig, dass sehr viele Windräder benötigt werden, um Deutschland mit Windenergie versorgen zu können. Und es ist auch richtig, das die deutsche Landschaft dann richtig hässlich aussieht.

Aber: Theoretisch ist es möglich!

Wenn ausreichende Speicher von 10 TWh zur Verfügung stehen, ist es machbar. Und dann reichen sogar schon 186.000 der heute besten Windkraftanlagen. Auch diese Anzahl ist schon/schön hässlich und nur schwer machbar. Mal abgesehen von den notwendigen Speicherseen oder was auch immer diese Energie speichern soll.

Die letzten 10 Jahre hätte es funktioniert. Einschließlich Januar 2017! Auch das wieder Auffüllen der Speicher würde funktionieren.

Ob es aber eine sinnvolle Lösung ist, bezweifle ich sehr.

Mehr zu einer entsprechenden Studie hier: http://tinyurl.com/windstudie

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Korrekt. Ich hatte auch nur eine grobe Rechnung vorgenommen. Deutschland bedeckt ca. 358.000 km^2. Das ergibt Ø 3,22 Windmühlen pro km^2. Und da gibt es immer noch Leute die diesen Irrsinn für möglich halten.

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Dr. Peter Steinbock

Die deutsche Qualitätspresse zeigt ein solches Bild mit den charakteristischen Einspeiseleistungen von Wind- Solar- und Kernkraftleistung leider nicht. Den Deutschen könnten ja Zweifel zu en sogenannten erneuerbaren Energien kommen. Der Irrglaube muß erhalten bleiben für die bornierten Ökodeutschen. Guter Beitrag.