Deutschlands Erneuer­bare-Revolution destabili­siert die Stromnetze seiner Nachbarn

Zeke Turner
[Und wieder dieser Blick von außen auf D – diesmal aus den USA. Anm. d. Übers.]
Deutschlands überschüssige Energie ergießt sich über die Grenze auf polnisches und tschechisches Territorium. Er destabilisiert damit die dortigen Stromnetze, die zu kollabieren drohen. Dies sagen Unternehmen und Regierungen gleichermaßen.

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Eine Schlacht tobt in Mitteleuropa. Es geht um das Gleichgewicht der Strom-Macht. [Unübersetzbares Wortspiel: The balance of power – the electrical kind. ,Power‘ ist ein Teekessel und bedeutet sowohl Macht als auch Energie oder Strom. Diese Doppelbedeutung ist nicht übersetzbar, aber für mich hoch interessant! Anm. d. Übers.]

Polen und die Tschechische Republik sehen Deutschland als einen Aggressor, der viel zu viel Strom erzeugt und diesen über seine Grenzen hinweg entsorgt. Deutschland selbst sieht sich dagegen als ein Pionier grüner Energie, der unfairen Angriffen seitens weniger innovativer Nachbarn ausgesetzt ist.

Als Teil von Kanzlerin Merkels Energiewende [auch im Amerikanischen steht das Wort so im Original, Anm. d. Übers] wird Deutschland seine Kernkraftwerke bis zum Jahre 2022 vom Netz nehmen und durch rapide sich ausweitende Wind- und Solarenergie ersetzen.

Aber die volatilen Erneuerbaren spielen nicht immer mit, und die Deutschen sind auch von Kohle- und Gaskraftwerken abhängig, um die Lichter nicht ausgehen zu lassen.

Dies führt an sonnigen und windigen Tagen zu Problemen, wenn Deutschland weitaus mehr Strom erzeugt als es braucht. Die überschüssige Energie ergießt sich über die Grenzen auf polnisches und tschechisches Gebiet, was dort die ernste Gefahr von Zusammenbrüchen der Netze heraufbeschwört.

Das ist „ein Kollateralschaden einer rein politischen Entscheidung der deutschen Regierung“, sagte Barbora Peterova, die Sprecherin des nationalen Netzes in Tschechien. Es hatte zuvor „keinerlei Konsultationen oder Diskussionen hinsichtlich der Auswirkungen gegeben“.

Deutschlands Unternehmen bestreiten nicht, dass der erratische Energiefluss ein Problem ist, aber sie argumentieren, dass die Überspannungen großenteils veralteten Netzen beiderseits der Grenze geschuldet sind.

„Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“, sagte Gert Schwarzbach, Direktor von 50Hertz Transmission GmbH, einem Netzbetreiber, der zuständig ist für Stromleitungen nach Polen und die Tschechische Republik in Nordostdeutschland.

[Im Original ist hier ein interessantes Bild von Getty Images, das aus urheberrechtlichen Gründen nicht übernommen werden kann. Anm. d. Übers.]

Aber das Problem wurde erheblich verschlimmert durch Deutschlands Jahrzehnte langen [bislang vergeblichen] Kampf, Hochspannungsleitungen zu installieren, die mehr Energie von seinen Windmühlen im stürmischen Norddeutschland zu den industriellen Zentren in Süddeutschland leiten sollen. Diese Verzögerung zwang Deutschland dazu, die Netze der Nachbarn in Anspruch zu nehmen, um Energie nach Süden zu leiten, was deren Netze schwer unter Stress setzt mit dem Risiko von Blackouts.

„Der überschüssige Strom hat alle Netzanschlüsse verstopft“, sagte Grzegorz Wilinski, ein leitender polnischer Stromfunktionär. [a senior official at the Polish Electricity Association and deputy director of strategy at Polska Grupa Energetyczna SA, Poland’s biggest energy company.]

Um die Last der deutschen Überschuss-Energie zu tragen, investieren Prag und Warschau derzeit Millionen in stärkere Hochspannungsleitungen und in Transformatoren an der Grenze, um die deutsche Energie direkt nach Deutschland zurückzuleiten.

CEPS und der polnische Netzbetreiber Polskie Sieci Elektroenergetyczne SA haben etwa 115 Millionen Euro für diese massiven Transformatoren ausgegeben, bekannt als Phasenschieber. Polen hat im vorigen Jahr 300 Millionen Dollar investiert, um seine Netze und Unterstationen auf den neuesten Stand zu bringen.

Full Story [paywalled]

Link: http://www.thegwpf.com/germanys-renewables-revolution-threatens-neighbours-with-grid-collapse/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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10 Kommentare

  1. Zu den Phasenschiebern:
    Der polnische Übertragungsnetzbetreiber PSE hat im Mai letzten Jahres die ersten vier Phasenschieber im Umspannwerk Mikulowa in Betrieb genommen.
     
    Der tschechische Übertragungsnetzbetreiber CEPS wollte im Frühjahr 2016 die ersten Phasenschieber in Hradec ans Netz bringen.
     
    In dem Zusammenhang eine Frage an die Fachleute:
    Auf dt. Seite werden als Pendant an der Grenze zu Polen und Tschechien ebenfalls Phasenschieber installiert.
    a) Warum?
    b) Lässt sich damit die Wirkung / der Nutzen der Phasenschieber auf poln. und tschechischer Seite verringern oder gar eliminieren?

  2.  
    Sehr geehrter Herr Cris Frey,
     
    ich hätte zu diesem aktuellen Beitrag mal zwei ganz allgemeine Fragen:
     

     
    Suchen Sie diese Artikel, die von Ihnen dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht werden, eigenverantwortlich aus?
     
    Sind Sie in der Lage, den Informationsgehalt, der in diesem Artikel „transportiert“ wird, naturwissenschaftlich einzuordnen?
     

     
    Mit herzlichem Glückauf
     

      •  
        Sehr geehrter anonymer Moderator Admin,

        es war nur eine einfache Frage, und mit dem ersten Absatz ist diese Frage auch beantwortet.

        Der zweite Absatz weckt entweder Ihre Neugierde oder irgendwas anderes.

        1. Auf dem Bild wird suggeriert, dass die Bereitstellung der elektrischen Leistung aus dem Raum hinter Hamburg kommt.
        Diese Sichtweise ist eindeutig falsch.Diese Leistung wird bereitgestellt von Braunkohlekraftwerken, oder zumindest von Kraftwerken oder Übergabestellen im Bilanzkreis 50hertz, die in der Lage sind,in das 380 kV Verbundnetz einzuspeisen .

        2.In einem Kommentar zu diesem Thema habe ich bereits 2014 darauf hingewiesen, dass die Leistungsregelung für das Verbundnetz zentral von EnBW ausgeführt wird.
        http://tinyurl.com/hwuhuaf

        Aktuell wird es jetzt offiziell von Amprion gemacht.Aber nur auf dem Papier !!!

        Wenn man etwas tiefer in die Materie einsteigt, wird schnell klar, das die öffentliche Darstellung mit der physikalischen Wirklichkeit nicht viel gemeinsames hat.
        http://tinyurl.com/juyfor3

        Mit herzlichem Glückauf

  3. Die „Erneuerbaren“ funktionieren bei keinem Wetter richtig. In diesem extrem gegensätzlichen Winter wurde das so richtig deutlich: Zu viel Wind (wie im letzten Februardrittel) bringt wegen des kubischen Gesetzes eine nicht zu verwertende Stromschwemme- und die Dunkelflauten bringen gar keinen Strom- zum Glück gibt’s noch „böse“ Kohle-, Kern- und Gaskraftwerke. Und der Stromverbraucher bezahhlt den ganzen grünen Schwachsinn ja gerne. Wenn dann erst ab Herbst Gutmensch Schulz Kanzler einer rot/rot/grünen Öko- Diktatur wird, dürfte sich dieses Chaos noch massiv verschärfen. Dann sind uns außer Energiekrisen auch „Veggie- Days“ und 19% Mehrwertsteuer auf Fleisch sicher. Nimmt der deutsche Michel aber gerne in Kauf- Hauptsache, die Gehälter der „bösen“ Manager werden begrenzt. Das bringt zwar den kleinen Leuten viel weniger, als niedrige Energie- und Lebenshaltungskosten oder endlich wieder zumindest die Inflation ausgleichende Zinsen aufs Sparbuch brächten, aber mit solchen „Gerechtigkeitsdebatten“ gewinnt man hierzulande eben in bester populistischer Machart die Wahlen.

  4. Wenn die Phasenschieber in Polen und Tschechien dieses Jahr voll greifen und Deutschland weiterhin sein Windmühlen und Solarparks ausbaut, wir ein windiges und sonniges Jahr 2017 bekommen, dann wird nicht der Strommangel die größte Gefahr für einen Stromausfall in Deutschland sein sondern der Stromüberschuss, der nicht mehr abgeleitet werden kann.

     

  5. Gestern um 7 Uhr bei Sturm und Orkanböen wurde die installierte Windleistung mit etwa 37,5 GW nahezu vollständig ausgenutzt.

    Merke: Bei richtigem Sauwetter, wo man keinen Hund vor die Tür jagt, funktioniert die Windstromproduktion perfekt.

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