Übersicht über Deutschland-Energie im Vergleich zu anderen Ländern

Kernkraftwerk Neackarwestheim. Bild: Markus Lorch / pixelio.de

Einführung des Übersetzers: Die Graphiken und Übersichten in diesem Beitrag stammen fast alle aus deutschen Quellen, aber in dieser Zusammenstellung sind sie mir noch nie untergekommen. Außerdem ist es immer wieder interessant, eine solche Zusammenstellung von Quellen außerhalb Deutschlands zu betrachten. Den Energieexperten hier werden alle Graphiken bekannt sein, aber diese Darstellungen finde ich auch für Laien wie mich selbst aufschlussreich und verständlich. – Chris Frey


Im Jahre 2016 sind die Emissionen in Deutschland im zweiten Jahr nacheinander gestiegen als Folge der Stilllegung eines der Kernkraftwerke des Landes und Ersatz des ausfallenden Stromes durch Kohle und Erdgas. Dies geht aus einer aktuellen Analyse von Environmental Progress hervor.

Die Emissionen in Deutschland wären gesunken, hätte das Land nicht ein Kernkraftwerk stillgelegt und den ausfallenden Strom mit Strom aus Kohle und Erdgas ersetzt.

Nicht nur, dass zusätzlich installierte Solar- und Windkapazitäten nicht den Ausfall des Kernkraftstromes ausgleichen konnten, sondern auch, dass die zeitliche Prozentzahl im Jahre 2016 der Stromerzeugung durch Wind und Solar dramatisch abgenommen hat.

Deutschland fügte zwischen 2015 und 2016 atemberaubende weitere 10% an Windkapazität und 2,5% Solarkapazität hinzu, erzeugte jedoch weniger als 1% mehr Strom durch Wind und 1% weniger Strom durch Solar.

Grund hierfür: Im Jahre 2016 gab es in Deutschland deutlich weniger Wind und Sonnenschein als im Jahre 2015.

Darum ist das Jahr 2016 als solches eine eindringliche Demonstration der Grenzen von Energiequellen, die vom Wetter abhängig sind. Deren Output variiert nicht nur von Stunde zu Stunde, sondern auch von Jahr zu Jahr.

Anti-Kernkraft-Propagandisten haben sich lange darauf versteift, dass das Problem dieser dramatischen Periodizität durch mehr Überlandleitungen und Speicher gelöst werden kann. Aber da gibt es ein anderes Problem: weder weitere Überlandleitungen noch mehr Speicherkapazität hätten das Jahr 2016 in Deutschland sonniger und windiger gemacht.

Das Analyse-Verfahren

Die Analyse erfolgt auf der Grundlage von zwei Datensätzen und Analysen durch drei Quellen in Deutschland, von denen zwei Denkfabriken sind, die Deutschlands Transition weg von Kernkraft und hin zu fossilen Treibstoffen und Erneuerbaren vorantreiben. Die Daten sind vorläufig und können sich noch ändern, aber es gibt bedeutende Abgleiche zwischen den unterschiedlichen Schätzungen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, 6. Januar 2017, leitet seine Zahlen ab aus Daten des Statistischen Bundesamtes bis Oktober 2016, und Agora Energiewende 2017 aus Daten der AG Energiebilanzen, Dezember 2016. Die beiden Schätzungen sind weitgehend gleich bei allen Schätzungen bzgl. der Erzeugung mit Ausnahme geringer Differenzen bei Wind und Solar sowie sehr großer Differenzen bei der Erzeugung durch Erdgas.

Um die Emissionen Deutschlands durch die Stromerzeugung im Jahre 2016 zu berechnen, die man ohne Stilllegung von Kernkraftwerken hätte vermeiden können, schätzten wir die Stromerzeugung aller historisch in Deutschland betriebener Reaktoren größer als 600 MW.

Diese Stromerzeugung wurde dann ersatzweise in den gegenwärtigen Strom-Mix in Deutschland eingeführt unter der Hypothese der Ablösung von Braun- und Steinkohle sowie Erdgas zur Stromerzeugung im Verhältnis zum Anteil jener Quellen im Jahre 2016 an der Gesamt-Stromerzeugung.

Die Emissionen für das Jahr sind inoffizielle Gesamtzahlen berechnet mittels der jüngsten Zahlen der Gesamt-Erzeugung vom Fraunhofer-Institut sowie den Emissionsfaktoren von RTE France zur Berechnung der Kohlenstoff-Intensität von Strom. Der Gebrauch dieser Emissionsfaktoren ist eine Approximation. Allerdings liegen unsere Ergebnisse der Kohlenstoff-Emissionen durch die Stromerzeugung grob auf einer Linie mit den offiziellen Werten Jahr für Jahr des gesamten Energiesektors. Unsere Berechnung zeigt, dass die mittlere Kilowattstunde Strom im Jahre 2016 aus fossilen Treibstoffen 930 g CO2 emittierte.

Wir haben die geschätzte Erzeugung bei einem Kapazitätsfaktor von 90% bei den folgenden Reaktoren mit einbezogen:

Biblis A and B:            2.41 GWe
Brunsbüttel:                0.77 GWe
Grafenrheinfeld:        1.28 GWe
Isar 1:                           0.88 GWe
Krümmel:                     1.35 GWe
Mülheim-Kärlich:      1.22 GWe
Neckarwestheim 1:   0.79 GWe
Philippsburg:               0.89 GWe
Stade:                            0.64 GWe
Unterweser:                1.35 GWe
Würgassen:                 0.64 Gwe

Obwohl die fünf kleinen sowjetischen Druckwasser-Reaktoren des Kernkraftwerkes Greifswald mit insgesamt 2 GWe nicht mit einbezogen worden waren, ist dieses Modell eines Reaktors nach wie vor in verschiedenen Varianten in Europa und Russland in Betrieb.

Deutsche Emissionen steigen seit dem Jahr 2009:

Schließung von Kernkraftwerken machte Emissions-Reduktionen durch weniger Kohleenergie zunichte:

Deutschland erzeugte im Jahre 2016 fast 1% weniger Energie durch Solar…

…obwohl 2,5% mehr Solarpaneele installiert worden waren.

Deutschland installierte 11% mehr Windturbinen…

…aber Windenergie stieg lediglich um 0,8%.

Warum? Weil es im Jahr 2016 nicht so sonnig oder windig war wie im Jahre 2015!

Welche Implikationen ergeben sich daraus?

Prozent des Stromes in Deutschland im Jahre 2016 von Kohle, Kernkraft, Erdgas, Wind und Solar:

Falls Deutschland bis zum Jahr 2030 50% mehr Solarkapazität hinzufügen würde…

…würde Solarenergie in wolkigen Jahren wie 2016 immer noch lediglich 9% des Stromes erzeugen

Quellen und Verfahren

Zwei Schätzungen von Energie und Emissionen in Deutschland für das Jahr 2016 von:

Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme, 6. Januar 2017, extrapoliert aus Daten des Statistischen Bundesamtes bis Oktober 2016

Schätzungen der AG Energiebilanzen Dezember 2016, die auch von Agora Energiewende verwendet worden sind, 2017

Zwei Analysen liegen grob auf einer Linie mit geringen Differenzen bzgl. Wind und Solar sowie großen Differenzen bei der Erzeugung mit Erdgas.

Zahlen von Agora Energiewende bzgl. installierter Kapazität und Emissionen wurden herangezogen.

Drastisch unterschiedliche Schätzungen bei Erdgas, geringe Unterschiede bei der Abschätzung von Wind und Solar:

Low-Carbon-Anteil der Stromversorgung:

Frankreich erzeugt doppelt so viel Strom aus sauberen Energiequellen:

Strom in Deutschland ist doppelt so teuer wie Strom in Frankreich:

Strompreise stiegen von 2006 bis 2016 um 47%:

Schließung von Kernkraftwerken erhält den Anteil fossilen Stromes aufrecht:

Emissionen der Stromerzeugung in Deutschland waren ohne den Strom aus stillgelegten Kernkraftwerken um 43% höher:

Link: http://www.environmentalprogress.org/big-news/2017/1/13/breaking-german-emissions-increase-in-2016-for-second-year-in-a-row-due-to-nuclear-closure

Übersetzt und aufbereitet von Chris Frey EIKE

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2 Kommentare

  1. Wenn man die folgende Europakarte http://www.electricitymap.org im Bezug auf CO2 anschaut dann sieht Deutschland im Vergleich sehr schlecht aus.

    Wenn man auf einzelne Lände klickt sieht man auch den Energiemix. Leider fehlen einige Daten aber trotzdem ist es sehr anschaulich.

  2. Danke für diesen sehr informativen Beitrag! Den sollte man den Grünlingen und allen Entscheidungsträgern unter die Nase halten, denn er zeigt schonungslos die engen Grenzen der „Erneuerbaren“ Energien auf. Und wenn ich mir so die Wetterlagen im Hochwinter 2017 ansehe… : Meist wenig Wind durch viele Hochdrucklagen und nur gebietsweise Sonnenschein- ohnehin scheint ja die Sonne im Winter astronomisch bedingt nur höchstens 7 bis 9 Stunden pro Tag- was passiert aber in der übrigen Zeit des Tages? Beim „Windstrom“ wird die zunehmende Landschaftsverspargelung zunehmend ein Problem; nicht nur wegen Landschaftszerstörung, gehäckselter Milane und Fledermäuse oder Infraschall, sondern auch, weil sich die Anlagen immer mehr gegenseitig den Wind wegnehmen. Und dann ist, infolge der nachlassenden Sonnenaktivität, auch tendenziell mit einer Häufigkeitsabnahme der windstarken Westwetterlagen zu rechnen, was im Herbst 2016 und Winter 2016/17 schon deutlich zu beobachten war- und auch in den kommenden mindestens 10 Tagen scheint es, glaubt man den Modellrechnungen, keine windige Westwetterlage zu geben… . Wie dem auch sei- wir dummen Verbraucher dürfen diesen Energiewende- Schwachsinn teuer bezahlen, und die Umwelt wird dadurch auch nicht geschützt; schon deshalb kann man bei der Bundestagswahl im September keine der bisher im Bundestag vertretenen Parteien wählen.

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