OPEC kürzt Fördermengen, US-Schieferindustrie jubelt

N.N.
Zum ersten Mal seit 8 Jahren hat die Organization of the Petroleum Exporting Countries (OPEC) einstimmig beschlossen, die Ölförderung zu drosseln, eine verspätete und irgendwie verzweifelte Reaktion auf den steilen Rückgang der Ölpreise während der letzten 29 Monate.

Die Financial Times berichtet:

Zwar wurde auf dem Treffen die Eigenständigkeit jedes individuellen Landes betont, aber informierten Kreisen zufolge seien die Haupthindernisse für einen solchen Deal überwunden. Man wird sehen, dass die aus 13 Mitgliedern bestehende Gruppe die Förderung um etwa 4,5 Prozent oder 1,2 Millionen Barrel pro Tag kürzen wird, mit Förderungsquoten für jedes einzelne Mitgliedsland. (…)

Es wird erwartet, dass Saudi Arabien die Hauptlast jedweder Kürzung der Förderung tragen wird, gemeinsam mit seinen Alliierten am Golf. Von Iran wiederum wird erwartet, dass es die Förderung bei etwa 3,8 Barrel pro Tag einfrieren wird, was nahe der jetzigen Rate liegt.

Das Kartell hofft, dass diese Maßnahmen die Rohöl-Flut eindämmen wird, die Auslöser dieses Preis-Kollapses war, und dass am Markt eine Erholung der Preise induziert wird. Man sieht bereits erste Anzeichen der Erholung im derzeitigen Handel – Öl der Sorte Brent stieg um über 8% auf 50 Dollar pro Barrel, während der US-Vergleichswert um über 3,50 Dollar bis knapp 49 Dollar pro Barrel stieg.

Aber zwei große Fragen harren immer noch der Antwort. Die erste Frage lautet: Wie stark werden sich die Preise aufgrund der OPEC-Maßnahmen erholen (und Russlands potentielle Kooperation)? Dies ist von kritischer Bedeutung für die Ölstaaten des Kartells, die sich allesamt eine Rückkehr zu Preisen über 100 Dollar pro Barrel wie in alten Zeiten wünschen. Viele OPEC-Mitglieder weisen mit den gegenwärtigen Preisen große fiskalische Defizite auf: Saudi Arabien braucht einen Ölpreis über 79 Dollar, um weiter schwarze Zahlen schreiben zu können; Iran braucht einen Preis von 55 Dollar, Algerien, Bahrain, die VAE und Libyen brauchen jeweils 87, 95, 71 und 195 Dollar.

Seit über 2 Jahren hat die OPEC unter Führung der Saudis es abgelehnt zu intervenieren, um die Preise zu stabilisieren. Stattdessen zogen sie es vor, um einen Anteil am übersättigten Markt zu kämpfen. Die Tatsache, dass das Kartell sich jetzt bewegt zeigt, wie wichtig es für diese Ölstaaten ist, höhere Preise für ihre überlebenswichtigen Exporte zu erzielen. Das bringt uns zurück zu dieser ersten Frage: Wie stark werden sich diese Kürzungen auf den Markt auswirken?

Die Antwort hierauf hängt größtenteils von der zweiten großen Unbekannten in dieser Rechnung ab, nämlich von der Reaktion der US-Schieferindustrie. Wie schnell sind die Fracker in den USA in der Lage, sich an steigende Preise anzupassen mittels Hochfahren ihrer eigenen Erzeugung? Vor zwei Jahren hatten Analysten erwartet, dass diese Art Förderung abstürzt, wenn der Ölpreis unter 75 Dollar pro Barrel sinkt. Aber die Schiefer-Produzenten haben die Welt mit ihrer Fähigkeit überrascht, Kosten zu senken und das Rohöl auf einen ungünstigen Markt fließen zu lassen, eingezwängt in den Schmelztiegel von Ölhandelspreisen:

In Schiefer-Feldern von Texas bis nach North Dakota haben sich die Produktionskosten seit dem Jahr 2014 in etwa halbiert. Damals hatte Saudi Arabien ein für alle kostenloses Output signalisiert, um die Schieferproduzenten aus dem Markt zu drängen. Anstatt die US-Schieferindustrie zu töten, machte der zweijährige Preiskrieg diese jedoch zu einem immer stärkeren Rivalen, selbst in der gegenwärtigen Niedrigpreis-Umgebung. (…)

Der Preis, um im Bakken-Schiefer-Feld kostendeckend zu produzieren, ist auf 29,44 Dollar im Jahre 2016 gesunken, 2014 waren es noch 59,03 Dollar. Dies gibt die Beratungsagentur Rystad Energy bekannt. Sie fügte hinzu, dass Bakken-Schiefer das wettbewerbsfähigste aller großen US-Schieferfirmen ist. Wood Mackenzie sagte, dass technologische Fortschritte die Kostendeckung weiter zurückgehen lassen sollten.

Und daher – während die OPEC und im Besonderen Saudi Arabien in den sauren Apfel beißen und diese Produktionskürzungen einräumt, stehen die Erzeuger in der gesamten übrigen Welt bereit, von einem Preissprung zu profitieren. Hier in den USA dürfte dies einen korrespondierenden Anstieg bedeuten, da immer mehr Bohrfelder profitabel werden. Das würde eine Verknappung der globalen Verfügbarkeit verhindern, welche die OPEC zu erreichen trachtet. Damit geht die Auswirkung dieser Kürzung gegen Null, während gleichzeitig amerikanischen Erzeugern geholfen wird, einen größeren Anteil am globalen Markt zu bekommen.

Das ist der Grund, warum Riad so widerspenstig war, Kürzungen zuzustimmen. Das Ausmaß, in dem US-Schieferfirmen in der Lage sind, von steigenden Preisen zu profitieren, wird darüber entscheiden, wie erfolgreich diese widerwillige Änderung der Taktik der Ölstaaten sein wird.

Link: http://www.the-american-interest.com/2016/11/30/opec-cuts-output-us-shale-rejoices/

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Auch bei Forbes steht etwas dazu. Kurzfassung:

Schiefer-Kriege: Wohin steuern die Ölpreise, nachdem Saudi Arabien die große Verdrängungs-Wette losgetreten hat?

Bisher ist eines der teuersten Experimente aller Zeiten Saudi Arabien mit etwa 200 Milliarden Dollar zu stehen gekommen. Die saudische Regierung hat seinen massiven Staatsfonds in Höhe von 2 Billionen Dollar angezapft, um Einkommensverluste wegen des Ölpreis-Kollapses während der letzten Jahre auszugleichen. Wir werden Zeuge eines zweiteiligen Tests. Die erste Frage lautet, was Amerikas Schiefer-Industrie zu diesem Preisverfall beigetragen hat. Daraus ergibt sich die zweitere und weitaus kritischere Frage aus diesem Experiment: Wird die Schiefer-Industrie angesichts steigender Ölpreise mit Getöse zurückkehren? Falls dies der Fall ist, gehören hohe Preise der Vergangenheit an. Es steht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr bereits erkennen werden – ebenso wie die Ölprinzen in Arabien – wohin die Reise geht.Wohin auch immer sie gehen mag, die ökonomischen und geopolitischen Implikationen sind enorm. Und das Ergebnis ist mehr von Technologie abhängig als von Politik – Mark P. Mills, Forbes, 30 November 2016

Alles Übersetzt von Chris Frey EIKE

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4 Kommentare

  1. @Markus Estermeier #3
    Ihre Befürchtung teile ich. Die Unruhen in der Arabischen Welt und in Afrika werden zunehmen. Oel ist genug auf der Welt vorhanden und schon lange nicht mehr auf die Arabische Welt beschränkt.
    Die arabische und afrikanische Welt muss sich endlich von einen Rohstoff Land zu einen Industrie und Technologieland mit Forschung, Entwicklung und freier Wirtschaft und Wissenschaft entwickeln. Ansonsten haben wir in Zukunft ein gewaltiges Pulverfass vor der europäischen Haustür. Merkel und die EU haben die Grenzen Europas geöffnet und damit das Startsignal für den Ansturm auf das Industrie, Hochtechnologie und Wohlstand Europa gegeben. Man muss die Grenzen schließen und den Afrikanern und den Arabern sagen, dass diese nur in ihrer Heimat eine Zukunft für sich haben und aufbauen müssen. Mit mehr Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie und Unternehmertum.
    Ohne einen reformierten Islam und der Aufklärung wird dies jedoch in diesen Teilen der Welt (Afrika, Naher- Mittlere Osten, Arabische Welt) nicht gehen.
    Wir werden also schwierigen Zeiten entgegen gehen.

  2. Wie auch immer sich der Ölpreis entwickeln wird, ein dauerhafter Preis über 60$/b ist eine utopische Vorstellung. Damit kommen die OPEC-Länder schon mal in gewaltige Schwierigkeiten. Mit Dörrfleisch, getrockneten Datteln und handgedengelten Kupfertöpfen ist keine selbsttragende Wirtschaft möglich. Was haben die sonst noch zu bieten? Deren Hochtechnologie reicht ja noch nicht mal für die wenigen intelligenten Menschen des Landes. Ich befürchte noch erheblich mehr Unruhen in diesen Ländern als wir sie bereits heute beobachten können.

  3. Die OPEC hebt ihr eigenes Grab aus.
    In der OPEC sitzen noch lange nicht alle Länder die Oel in ihrem Boden haben und dieses Oel auch fördern könnten. Von der Oelförderkürzung der OPEC werden also die Länder profitieren, für die es bis dazu nicht rentabel genug war das Oel aus ihren Boden zu fördern.
    Den merke eins…um so höher der Oelpreis um so mehr Oelgräber lockt er an.
    Somit wird diese Förderkürzung (steigender Oelpreis) mehr und mehr Oelgräber anlocken.
    Ein Oelrausch wird ausbrech. Ist wie bei der „Mangelware“ Gold…Gold ist nur so teuer, weil es ein knappes Angebot hat. Darum spricht auch auch vom Goldrausch….die Suche nach etwas kostbaren – weil selten/knapp – geringes Angebot bei hoher Nachfrage.

  4. Es heißt hier: „Von Iran wiederum wird erwartet, dass es die Förderung bei etwa 3,8 Barrel pro Tag einfrieren wird“… Also 3,8 Barrel pro Tag ist eine Förderung, die sich überhaupt nicht lohnt. Es muß 3,8 Mill. Barrrel pro Tag heißen. Der Hintergrund dieses ganzen Ölpreiskrieges hat mit Obama und dem sehr religiösen jetztigen König zu tun. Obama wollte mit dieser Politik die amerikanische Schieferförderung massiv schädigen und gleichzeitig Rußland treffen, um dessen Öl- und Gaseinnahmen zu reduzieren. Die Saudis wollten mit ihrer Förderpolitik sowohl die Schiefer industrie in den USA als auch Rußland treffen , aber auch ganz wichtig ihren religiösen Erzfeind Iran. jetzt haben die Saudis ihre Devisenreserven von 900 Miilliarden $ fast verpulvert und müssen die Steuern erhöhen bzw. neue einführen, um ihr Haushaltsdefizit auszugleichen, was natürlich sehr unpopulär ist. In „normalen“ Zeiten förderteten die Saudis zwischen 7 und 8 Mill. Barrel pro Tag. Diese Förderung hatten Sie für ihren Kampf auf weit über 10 Millionen Barrel pro Tag erhöht.
    MfG

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