Gorleben II – Endlagerwende 2016 (Teil II von III) Stefan Wenzel Umweltminister – Mastermind der Wende

von Dr. Helmut Fuchs, Geologe
Teil II: Realität
In der folgenden Antwort (Drucksache 17/1999) der Landesregierung auf die Anfrage „Darf Gorleben vor ab ausgeschlossen werden?“ (Drucksache 17/1607) der Abgeordneten Dr. Gero Hocker und Dr. Stefan Birkner (FDP) steht in den Vorbemerkungen: „Die Landesregierung bleibt bei der Auffassung, dass der Standort Gorleben geologisch ungeeignet und politisch verbrannt ist“. Das behauptet Stefan Wenzel, derzeitiger Minister für Umwelt in Niedersachsen.
„ … Das Untersuchungsprogramm, das bisher in Gorleben durchgeführt wurde, ist umfassender als bei irgendeiner anderen Erkundung eines potentiellen Endlagerstandortes weltweit…“ (IEG)

von Dr. Helmut Fuchs, Geologe

Letzter Abschnitt des Teil I:

Die vom niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel sehr verkürzte Zusammenstellung (Teil I :Ideologie) der Ergebnisse von Gorleben zeigt im folgenden Teil II: Realität überdeutlich, wie die Gläubigen der grünen-ökologistischen Bewegung mit ihren grünen Hilfstruppen von NGOs in der politischen Diskussion zu Gorleben jahrelang eine massive, sehr selektive, ja destruktive Berichterstattung gegenüber der Bevölkerung, den Medien und der Presse praktiziert haben und noch praktizieren – und möglicherweise die Mitglieder der Endlagerkommission manipulativ, d.h. verdeckt aber gezielt bei ihren Entscheidungen zu Gorleben beeinflusst haben könnten. Den  Abgeordneten Dr. Gero Hocker sowie Dr. Stefan Birkner (FDP) sei deshalb hier großer Dank ausgesprochen. Mit ihrer Kleinen Anfrage an das niedersächsische Umweltministerium ‚Darf Gorleben vor ab ausgeschlossen werden?‘ war diese gezwungen, mit der Beantwortung der Frage ihre langjährige politische Strategie Preis zu geben, wie sie ihr Ziel erreichen konnte, Gorleben von der Landkarte zu streichen.

Teil II:  Realität

Im Jahr 1998 hat die neu gewählt rot-grüne Bundesregierung entschieden, wegen ihres Zweifels an einer sachgerechten Auswahl des Standortes Gorleben aber insbesondere auch wegen des Zweifels  an den bis dahin erarbeiteten fachlichen Ergebnissen der Untersuchungen des Standortes eine Unterbrechung aller weiteren fachlichen Untersuchungen zu verordnen. Begründung dafür war, die Bevölkerung vor möglichen zukünftig zu erwartenden Gefahren und insbesondere vor angeblichen langjährigen Schäden durch das Projekt zu verhindern. Im Jahr 2000 wurde deshalb ein Moratorium für die untertägige Erkundung des Salzstocks für einen Zeitraum von drei bis zehn Jahre beschlossen – das letztendlich 10 Jahre dauerte.

Da diese Zweifel nur von Vertretern der grünen Bewegung und ihren NGO-Hilfstruppen geäußert wurden, diese Meinung jedoch nicht von den meisten Fachleuten und Fachbehörden geteilt wurde und damals auch nicht von Mitgliedern anderer Parteien, entschlossen sich die für die Kosten der Entsorgung des „Atommülls“ verantwortlichen Stromversorgungsunternehmen zu hinterfragen, inwieweit diese Zweifel aus fachlicher Sicht gerechtfertigt sind. Als Folge wurde GNS mbH beauftragt, durch eine international besetzte Expertengruppe bewerten zu lassen, ob nach internationalen Standards ein derartiges Moratorium gerechtfertigt ist. Der in englisch geschriebene Ergebnisbericht – mit deutscher Einleitung und Zusammenfassung – wurde im Juli 2001 an das BfS sowie an die BGR übergeben, deren Mitarbeiter aus beiden Behörden die Gruppe fachlich ausführlich unterstützt haben. Gleichzeitig wurden die Ergebnisse des Berichts in Hannover der Presse vorgestellt.

Um die große Differenz der Bewertung der bisherigen Untersuchungsergebnisse zwischen der subjektiven Einschätzung deutscher Politiker und der objektiven Beurteilung durch deutsche und internationale Fachleute aufzuzeigen, werden zum Vergleich die Aussagen des Umweltministers von Niedersachsen mit den tatsächlichen Ergebnissen verglichen. Beispielhaft wird dies an den beiden folgenden öffentlich zugänglichen Berichten gezeigt: Bericht der ‚International Expert Group  Gorleben (IEG)‘ aus dem Jahr 2001und der ‚Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG)‘ von 2013. 

Die International Expert Group Gorleben (IEG) wurde mit dem Ziel zusammen gestellt, für die  deutschen Stromversorgungsunternehmen eine objektive wissenschaftliche Beurteilung der Untersuchungen des Salzstocks als potentieller Endlagerstandort zu erstellen. Dabei sollte die IEG zusätzlich zu einer fachlichen Bewertung der methodischen, wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse auch ihre Einschätzung zu den wesentlichen politischen Zweifeln der damaligen Regierung abgeben. Insbesondere deshalb, weil vor dem Regierungswechsel Ende 1998 das BfS und das BMU (BMU 1998) keine Zweifel hinsichtlich der Eignungshöffigkeit des Salzstocks als Endlager geäußert hat: „… die hierbei gewonnenen Ergebnisse belegen nachvollziehbar, dass eine begründete Aussicht auf eine Eignung insbesondere für die Endlagerung hochradioaktiver, wärmeentwickelnder Abfälle und abgebrannter Brennelemente besteht …“.

Der IEG gehörten diese Fachleute an:

Per-Eric Ahlström: Senior Consultant, Swedish Nuclear Fuel and Waste Management Co (SKB), graduated as MSc in Engineering Physics in 1956. From 1956-1984 Mr. Ahlström was with Vattenfall working in nuclear engineering, reactor physics, reactor safety, nuclear fuel management, nuclear waste management. From 1984 -1992 he was research director of SKB, and from 1993 until his retirement in 1997 Vice President of SKB. Under his leadership at SKB, the Swedish waste management programme ran international R&D programmes in underground laboratories, sited and constructed a centralized fuel storage facility and a final repository for reactor wastes, and maintained one of the world’s most advanced deep geological repository development programmes. 

D. C. Alexandre, chemist and geologist, entered the French CEA (Atomic Energy Commission) in 1961, when he was put incharge of studies on uranium ore treatment and uranium processing. ln 1983 he became head of the Cadarache Research Centre, department of R&D on radioactive waste (treatment, conditioning and characterizationfor the French territory). ln 1987 he became Deputy Director of ANDRA (French Agency for Radioactive Waste Management) where he remained until in 1990 he returned to CEA as Research Director for the programme on direct disposal. Dr. Alexandre was representatve of France at the EC for many years. He retired in October 1996 

Dr. Colin Heath is an Assistant General Manager for TRW Environmental Safety Systems, the contractor which has performed extensive studies at the Yucca Mountain site for the US Department of Energy (DOE) where he has worked since 1993. He received a PhD in nuclear engineering in 1964 after graduating with a BS in chemical engineering in 1960″. From 1977 to 1981 Dr. Heath was Director of the US DOE’s initial siting investigations for radioactive waste repositories; he has been closely involved with all aspects of the US spent fuel storage and disposal for 25 years. 

Professor Dr.-lng. Klaus Kühn, graduated as a mining engineer from the Bergakademie Clausthal (Clausthal School of Mines) and received his doctorate from the Technische Universität Clausthal. In 1965 he joint the national research centre GSF (then named Gesellschaft für Strahlenforschung, today GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit). After founding the GSF – Institut für Tieflagerung (Institute for Underground Disposal), he was its director from 1973 until1995. Since then, he works as scientific advisor for GSF and as Professor at the Technische Universität

Clausthal. He was and is a member of many national and international committees. e.g. the German Reaktor-Sicherheitskommission (RSK – Reactor-Safety Commission) from 1983 until 1998, as an expert in radioactive waste management.

Dr. Charles McCombie received a PhD Degree in Physics in 1971. From 1970-74, he worked at the United Kingdom Atomic Energy Authority, England and from 1974-79 at the Swiss Institute for Reactor Research, now the Paul Scherrer Institute. Dr. McCombie is an independent advisor in international nuclear waste management. His principal role at present is as Head of Science, Technology and Engineering for Pangea Resources Australia. Prior to this he was Director of Science & Technology at Nagra (National Co-operative for the Disposal of Radioactive Wastes) in Switzerland for almost 20 years. He is retained as Executive Advisor to Nagra, has directly advised waste management projects in various other countries (e.g. Japan, Canada. Germany) and for the OECD/INEA. He is currently Vice Chairman of the Board of RadioactiveWaste Management of the National Academies of the USA and a member of the Nuclear Research Advisory Committee of the National Paul Scherrer Research Institute.

Dr. Wendell D. Weart is a Senior Fellow at Sandia National Laboratories in Albuquerque, New Mexico. He possesses a Doctorate in geophysics with undergraduate degrees in geology and mathematics. He was the scientific programme manager for the Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) from its inception in 1975 until 1995 when he became senior scientist and Labaratory Fellow advising on Nuclear Waste Management issues. WIPP, a custom built deep geological repository for long-lived transuranic wastes, is the first facility of this type to have successfully gone through a formal permitting procedure leading to active operation.

Zusammenfassendes Ergebnis der Studie: „Repository Projekt Gorleben – Evaluation of the Present Situation der IEG“, 2001. (Auszüge aus der Gesamtbewertung)

Das Untersuchungsprogramm, das bisher in Gorleben durchgefü hrt wurde, ist umfassender als bei irgendeiner anderen Erkundung eines potentiellen Endlagerstandortes weltweit, ausgenommen die beiden Projekte WIPP und Yucca Mountain in den USA. Eine umfangreiche Datenbasis für Gorleben wurde zusammengestellt. In ihrer Gesamtbeurteilung hat die IEG keine wissenschaftlichen oder technischen Argumente gefunden, die den Salzstock von Gorleben als potentiellen Standort für ein Endlager disqualifizieren. Das bedeutet nicht, dass alle für ein Genehmigungsverfahren erforderlichen Daten schon erarbeitet wurden. Weitere Untersuchungen sind notwendig, wie in dem Programm zur Charakterisierung des Standorts, das durch die Verhängung eines Moratoriums abgebrochen wurde, festgelegt. Die IEG ist der Ansicht, dass sich durch den Abschluss der ursprünglich geplanten Erkundungsarbeiten eine vollständige Grundlage für die Bewertung der Eignung von Gorleben als HAW Endlager ergeben würde….

… Die lEG stellt außerdem fest, dass eine Langzeitsicherheitsanalyse(TSPA) für das geplante Endlager in Gorleben bisher nicht systematisch und nach dem neusten Stand der Erkenntnisse erarbeitet worden ist. Die IEG erachtet es daher für außerordentlich wichtig, mit dieser Art von TSPA für Gorleben zu beginnen. Nach ihrer Fertigstellung muss eine Überprüfung in Form einer unabhängigen „Peer Review“ durchgeführt werden….

Schlussfolgerungen der IEG zu der derzeitigen deutschen Entsorgungsstrategie: Die neuen Grundsatzentscheidungen der Bundesregierung basieren nicht allein auf wissenschaftlichen und technischen Argumenten. Wie in allen Ländern müssen gesellschaftliche und politische Aspekte ebenfalls berücksichtigt werden. Dennoch ist es wichtig, so genau wie möglich zwischen den Gründen zu unterscheiden, an Hand derer Entscheidungen legitim getroffen werden können. Wissenschaftler, die sich mit der Endlagerung beschäftigen, so wie in anderen Bereichen mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gesellschaft auch, haben eine Verantwortung, sich objektiven

Argumenten zu widersetzen, die in Entscheidungsprozessen zu früh mit politischen Gesichtspunkten vermischt werden…“.

Zum Schluss sei angemerkt, dass nach meinem Wissen der IEG Bericht von 2001 in keinem veröffentlichen Bericht des BMU, des BfS oder den bestens vernetzten NGOs erwähnt wird – außer in dem folgenden VSG-Bericht der GRS. In dem Projektstrukturplan ist aus gutem Grund, wie im IEG Bericht empfohlen, als letztes Arbeitspaket eine International Peer-Review-Bewertung zur Überprüfung der wissenschaftlichen Ergebnisse fest eingeplant.

Vorläufige Sicherheitsanalys Gorleben (VSG) erstellt von der GRS

In einer gemeinsamen Erklärung von Bundesminister Röttgen und dem Präsidenten des BfS König wurde im November 2010 die Erstellung einer vorläufigen Sicherheitsanalyse für den Standort Gorleben (VSG) angekündigt: „Das Moratorium würde zum 1. Oktober 2010 wieder aufgehoben. Mit der Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten solle endlich Klarheit geschaffen werden … eine ergebnisoffene Erkundung muss die Eignung oder Nichteignung des Salzstocks Gorleben umfassend begründen. Sollte sich der Salzstock als ungeeignet erweisen, müssen wir neue Wege finden …“ Bei der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) wurde deshalb diese vorläufige Sicherheitsanalyse für Gorleben (SVG) in Auftrag gegeben, die alle bisherigen Untersuchungsergebnisse analysieren und zusammenfassen soll. Der Ergebnisbericht der GRS liegt inzwischen vor (GRS-290; 2012). In meinen beiden Beiträgen („Gorleben und das Standortauswahlgesetz – Ad calendas graecas“ und „Gorleben – Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben ist geeignet“) habe ich die technischen und politischen Hintergründe zur Entstehung der Studie genannt, die keine Erkenntnisse enthält, die gegen die Eignungshöffigkeit sprechen. Sie wurde von neutralen Wissenschaftlern auf der Basis umfassender Einzelberichte (25 von insgesamt 5628 Seiten) von folgenden Forschungseinrichtungen erstellt, hat 424 Seiten und kostete den Steuerzahler fast neun Millionen Euro. Damit jeder interessierte Leser diese objektive Aussage überprüfen kann, habe ich im Folgenden die jeweiligen Ergebnisse (Fazite) der einzelnen Kapitel der GRS-Studie transparent gemacht.

Beauftragte Organisationen:

– Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), – DBE TECHNOLOGY GmbH, – das Institut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik der TU Clausthal, – Institut für Gebirgsmechanik GmbH (IfG), – Institut für Sicherheitstechnologie (ISTec), – Karlsruher Institut für Technologie/Institut für Nukleare Entsorgung (KIT/INE), – international nuclear safety engineering GmbH (nse; Zusammenschluss mehrerer Institute der RWTH Aachen), – Institut für Atmosphäre und Umwelt (IAU) der Universität Frankfurt – T-Systems Solutions for Research GmbH.

Ergebnisse der Bewertung                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         KAPITEL 5 Umsetzung des Sicherheits- und Nachweiskonzept im Vorhaben VSG S.77 bis S. 256

Fazit S.103, M:Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine grundsätzlichen Zweifel an der technischen Umsetzbarkeit der im Vorhaben entwickelten Auffahrungs- und Einlagerungskonzepte bestehen …“

Fazit S.110, M1:… dass die Maßnahme M1 bei der Auslegung der Grubengebäude auf konzeptioneller Basis umgesetzt wurde. Die Anzahl, Längen und Querschnitte der Einlagerungsstrecken bzw. Einlagerungsbohrlöchern ergeben sich aus der Anzahl der und den Abmessungen der Behälter … In zukünftigen Optimierungen können sicherheitstechnische Zielsetzungen von Bedeutung sein …“

Fazit S.118, M10:… dass die geforderte Maßnahme M10 konzeptionell insgesamt umgesetzt und auch in der Realität betriebstechnisch mit heutiger Bergbautechnik umsetzbar ist .“

Fazit S.126 M12, M15:… dass die Forderung, die sich aus den Maßnahmen M12 und M15 ableiten, im Vorhaben VSG auf konzeptioneller Basis für den Fall der Strecken-und Bohrlochlagerung umgesetzt wurden …“

Fazit S.131  M13 M14: … dass das Hauptsalz im Kernbereich des Salzstocks und damit auch in der Umgebung des Einlagerungsbereiches auf Grund der geologischen Entwicklungsgeschichte durch eine halokinetisch bedingte intensive Deformation und daraus resultierende Homogenisierung gekennzeichnet ist. Gleichzeitig weist es einen hohen Rekristallisationsgrad und die Abwesenheit von hydraulischen Klüften, Störungen oder makroskopischen Lösungsvorkommen auf …

Die Erfüllung der mit der Maßnahme M2 verbundenen Anforderungen an die Eigenschaften der geologischen Barriere kann daher unter der grundlegenden Annahme im Vorhaben VSG, dass die im Erkundungsbereich 1 erzielten Erkundungsergebnisse auf nicht erkundete Hauptsalzpartien übertragen werden können, grundsätzlich als gegeben angesehen werden …“

Fazit S.137, M13, M14: Die im Vorhaben VSG durchgeführte Endlagerplanung sieht den Einlagerungsbereich der Streckenlagerung auf der 870-m-Sohle vor. Auch das Prinzip der Bohrlochlagerung (Variante C) sieht das Niveau der Überfahrungsstrecken, von denen aus die Bohrlöcher beladen werden, auf einer Teufe von 870m vor. Durch die Endlagerplanung ist gewährleistet, dass große Mächtigkeiten der Salzbarriere zu den Seiten sowie nach oben zum Salzspiegel vorhanden sind …“

Fazit S.138 M14:Für die nächste eine Million Jahre ist davon auszugehen, dass aufgrund der geringen verbliebenen Mengen mobilisierbaren Hauptsalzes im Bereich der Zechstein-Basis und unter dem Einfluss des rezenten Hauptspannungsfeldes keine erneute massive Salzeinwanderung in die Struktur mit entscheidenden Änderungen der geologischen Standortverhältnisse stattfinden …“

Fazit S.170, M6, M7, M8, M16: … dass die Maßnahme M7 zwar durch das im Vorhaben VSG entwickelten Verschlusskonzept auf konzeptioneller Basis formal umgesetzt wurde und erfolgversprechend erscheint. Trotz umfangreicher Untersuchungen in der Vergangenheit fehlt jedoch noch ein fundiertes Prozessverständnis bezüglich der erreichbaren Endporosität und zur Geschwindigkeit der Salzgruskompaktion bei geringer Feuchtigkeitszugabe unter realen Endlagerbedingungen. Es gelten diesbezüglich die gleichen Vorbehalte, die im Zusammenhang mit der Umsetzbarkeit der Maßnahmen M6, M8, und M16 dargestellt wurden …“

Fazit S. 229 Einschluss der Nuklide: Aufgrund der großräumigen Integrität der an das Endlagerbergwerk angrenzenden Bereiche der geologischen Barriere, der Integrität der Verschlussbauwerke über ihre Funktionsdauer sowie der Einschlusseigenschaften des kompaktierten Versatzes kann für den Standort ein einschlusswirksamer Gebirgsbereich in Lage und Grenze ausgewiesen werden ..

KAPITEL 6 Zusammenfassung der Ergebnisse S. 257 bis S.312                       Projektstrukturplan VSG 

Kapitel 6.1 Grundlegende Annahmen S. 257 „… Ein Großteil der im  Vorhaben VSG erzielten Ergebnisse und die nachfolgenden Ausführungen stehen unter dem Vorbehalt, dass die Ergebnisse zukünftiger Erkundungs- bzw. Forschungsarbeiten bestätigen, dass die nachfolgend aufgelisteten grundlegenden Annahmen zutreffen…“

Kapitel 6.2 Umsetzung der Sicherheitsanforderungen des BMU im Vorhaben VSG

Kapitel 6.2.1 Anforderungen an die Endlagerauslegung

Fazit S.267:… Zusammenfassend ist folgendes festzustellen: Die Sicherheitsanforderungen des BMU an die Endlagerauslegung können generell auf der für eine vorläufige Sicherheitsanalyse typischen konzeptuellen Ebene als erfüllt bzw. in Zukunft als erfüllbar angesehen werden. …“

Kapitel 6.2.2 Anforderungen an die Nachweisführung

Fazit: S.288:Aus den im vorangegangenen dargelegten Gründen wird davon ausgegangen, dass die Anforderungen an die langzeitsicherheitsgerichteten Nachweise, soweit diese den dauerhaften Einschluss der aus den Abfällen stammenden Radionuklide betreffen, auf konzeptioneller Basis umgesetzt wurden … Die zusammenfassenden Aussagen am Ende des Kapitels 6.2.1 zum FuE-Bedarf bei den im Vorhaben VSG projektierten Verschlussprojekten und zum langfristigen Kompaktionsverhalten von Salzgrusversatz gelten hier gleichermaßen, ebenso wie die Einschränkungen zur Durchführung von Optimierungsmaßnahmen im Vorhaben VSG …“

Kapitel 6.2.3 Anforderungen an Qualität, Dauerhaftigkeit und Robustheit des Einschlussvermögens des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches

Fazit: S. 301: Zusammenfassend wird festgestellt, dass einer zukünftigen potenziellen Beeinträchtigung des Einschlussvermögens des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs durch natürliche Ereignisse und Prozesse planerisch Rechnung getragen wird. Gegen kurzfristige Ereignisse wie Erdbeben … wurden die Verschlussbauwerke ausgelegt. Den Auswirkungen durch Subrosion, Erosion, Diapirismus sowie Klimaveränderungen wurde durch … eine ausreichende Teufenlage der Einlagerungsbereiche begegnet …“

Fazit: S. 312: … Bezogen auf die Endlagerung von wärmenentwickelnden radioaktiven Abfälle können unter den in Kapitel 6.1 angeführten Vorbehalte sowohl die projektierten Endlagersystemen als auch die hiermit verbundenen Sicherheitsaussagen als robust angesehen werden. Für das Freisetzungsverhalten gasförmiger Radionuklide gilt dies vorbehaltlich der Modell- Prozess- und Datenungewissheiten nur, wenn Behälter unterstellt werden, die über etwa 500 Jahre gasdicht sind. … Die im Vorhaben VSG entwickelten Endlagerkonzepte werden einschließlich der Rückholungskonzepte als realisierbar angesehen…“

Zusammenfassung der im Anhang der Synthese genannten geowissenschaftlichen Standortbeschreibungen. Bericht zum Arbeitspakete 13 (S. 379 – 424).

In diesen Anhang wird die Geologie im Zusammenhang mit der zukünftigen geologischen Entwicklungsgeschichte des Endlagers genau beschrieben. Ein Inhaltsverzeichnis zu diesem Anhang ist allerdings nicht zu finden. Deshalb ist für den interessierten Leser diese Themengliederung angeführt:

A.1: Schichtenfolge und Lagerungsverhältnisse im Deck- und Nebengebirge: A1.1: Prä-salinarer Untergrund; A1.2: Zechstein; A1.3: Trias bis Oberkreide; A1.4: Tertiär A1.5: Quartär;

A.2: Hydrogeologie: A2.1 Hydrologischer Bau des Deckgebirges; A2.2: Das Süß-/ Salzwassersystem; A2.3: Grundwasserbewegung im Süßwasserkörper; A2.4: Grundwasserbewegung im Salzwasserkörper:

 A.3: Geologie des Salzstocks Gorleben: A3.1: Entwicklungsgeschichte der Salzstruktur Gorleben-Rambo; A3.2: Hutgestein des Salzstocks Gorleben; A3.3: Salzspiegel; A3.4: Subrosion; A3.5: Stratigraphie und Lithologie; A3.6: Klüfte und Störungen im Salinargestein; A3.7: Lösungsvorkommen im Salinargestein; A3.8: Kohlenwasserstoff- und Gasvorkommen im Salinargestein; A3.9:

 A.4: Geologische Langzeitprognose: 4.1: Ableitung der zukünftigen Rahmenentwicklung; 4.2: Wahrscheinliche zukünftige geologische Entwicklung am Standort Gorleben; 4.3: Überregionale Entwicklungen; 4.4 Kaltzeitliche Entwicklungen;

4.5: Wenig wahrscheinliche oder auszuschließende Entwicklungen des geologischen Systems am Standort Gorleben. Literaturverzeichnis.

In diesem Zusammenhang muss nochmals deutlich darauf hingewiesen werden, dass zum einen die im Projektstrukturplan als Abschluss der Analyse festgelegte Bewertung der Ergebnisse, wie von der IEG 2001 empfohlen, auch hier durch ein fest eingeplantes Internationale Peer Review Verfahren abzuschließen ist. Am 23. Juli 2013 wurde jedoch das ‚Stand AG‘ vom Bundestag verabschiedet, in dem es nach § 29 (3) heißt, dass „… spätestens mit Inkrafttreten dieses Gesetzes ohne eine Eignungsprognose für den Standort Gorleben eingestellt wird …“ In einem am 27. Juli 2013 parteiübergreifenden Konsens-Gespräch wurde nur vier Tage später die Vergabe dann auch verboten. Denn eine Vergabe dieser neutralen Analyse jetzt oder auch später, beispielsweise nach einem Regierungswechsel, würde der Öffentlichkeit deutlich zeigen, dass es bei der Entscheidung gegen Gorleben um ein rein ideologisch geprägtes Machtspiel der grünen Bewegung handelt. Und zweitens ist in Kapitel 5, Schlussvorschriften festgeschrieben, dass auch die Ergebnisse der bisherigen Standuntersuchung von Gorleben bei der nach der Endlagerwende erneut beginnenden Suche nach neuen Standorten Gorleben später nur ganz begrenzt bei einem Standortvergleich berücksichtigt werden dürfen. Diese gesetzmäßigen Verbote sind ein klarer Hinweis für die Furcht der grüne Bewegung vor der Wahrheit. Denn über die Qualität und Aussagen einer solchen Bewertung darf heute und möglichst lange nichts ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Ist das der Grund für das Fehlen der Nennung der ‚VSG Studie‘ in ANLAGE 2 der Antwort des Umweltministers? In einer Demokratie hat der Bürger ein Recht darauf, die Ergebnisse einer wesentlichen Studie bei einem derart wichtigen Thema zu erfahren, für die er teuer bezahlt hat.

Die bisherigen direkten und indirekten Kosten für Gorleben dürften in der Größenordnung von 2,5 Milliarden Euro liegen. Sie wurden von den Stromkunden und den übrigen Steuerzahlern bezahlt. Sie sind zum großen Teil nach der jetzt im ‚politischen Konsens‘ stattgefundenen Endlagerwende verloren. Die mit dem neuen Standortauswahlgesetz beginnende neue Suche bis zur Genehmigung eines möglichst sicheren Endlagers dürfte Jahrzehnte dauern und Kosten von mehr als 25 Milliarden EURO verursachen. Sie müssen ab jetzt zum großen Teil von den Steuerzahlern der nächsten Generationen nochmals aufgebracht werden, mit dem großen Risiko, dass in Folge der rasant wachsenden Technologien in Zukunft – „Atommüll“ wird zum Energierohstoff – ein Endlager in tiefen geologischen Formationen möglicherweise nicht mehr gebraucht wird. Siehe meinen Bericht: „Substanzlose Endlagersuche“.

Der Neuanfang nach der Endlagerwende 


Wilhelm Hauffs Märchen, K Thiedemanns Verlag, Stuttgart 1945

Die politische Einschätzung des Umweltministers Wenzel zu Gorleben, die er Kraft seines Amtes öffentlichen verbreitet hat: „Die Landesregierung bleibt bei der Auffassung, dass der Standort Gorleben geologisch ungeeignet und politisch verbrannt ist“ entspricht fast ausschließlich den Vorstellungen seiner Parteigenossen bzw. den bis Brüssel bestens vernetzten Anti-Nuk Lobbyisten. Mit der Realität hat diese Einschätzung jedoch wenig zu tun. Somit ist die Aussage von ihm weniger den qualitativ hochwertigen Arbeiten in Gorleben geschuldet, sondern eher den Brandstiftern der grünen Bewegung.                                                  

                                

 

Lit.: – Zusammenfassung: ‚International Expert Group  Gorleben (IEG) Novo Argumente“

– Gesamtbericht: ‚International Expert Group  Gorleben (IEG)‘

– Zusätzliche Hintergrundinformationen sind bei Google im Internet zu finden unter ‚Helmut Fuchs, Geologe‘

Teil III:  Analyse

…Hinter dieser seit dem Jahr 2000 zunehmend gezielten Politik der Desinformation durch die Verantwortlichen für die Endlagerung = Untertage Deponierung hochradioaktiver „Abfälle“, also insbesondere durch die Parteien, das BMU sowie das BfS, ihre politischen Mitstreiter und die zahlreichen NGOs steckt eine langjährig angelegte Strategie, obwohl sie fleißig in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, die Transparenz und Einbindung der Öffentlichkeit sei ein hohes Gut….

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