Verkehrswende ins Nichts

Wende ins Nichts, mit Vorfahrt; Bild Martin Jäger

von Frank Hennig
„Elektromobilität“ ist aktuell eines der Lieblingsvokabeln des ökologischen Mainstreams. Rückwärts besehen sind elektrische Antriebe in Fahrzeugen aber wirklich nichts Neues. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es mehr Elektro- als Benzin- oder Dieselautos. Der Grund, warum sie sich damals nicht als massentauglich erwiesen, ist derselbe wie heute.


Die umweltgerechtere Form der Fortbewegung zum E-PKW gibt es seit langem in Form von Eisen- und Straßenbahn, die insbesondere in Ballungsgebieten ökologisch erste Wahl sind. Obwohl bewährt und kostengünstig, werden beide politisch stiefmütterlich behandelt. Von der Straße auf die Schiene – das war einmal. Die Deutsche Bahn, wohlgemerkt ein Staatskonzern, schließt 215 Güterbahnhöfe. Die Bahn zahlt die volle EEG-Umlage, was auch zum Preisanstieg bei Bahntickets um fast 100 Prozent seit 2000 beitrug. Im Ergebnis sehen wir viele Fernbusse, auch der Deutschen Bahn. Sie wirbt für die Verbindung Berlin – Rostock für 9 Euro. Da kann der Kollege auf der Lok nur traurig hinterherschauen. Flixbus erhöht den Takt und fährt künftig alle 20 Minuten Berlin – Hamburg, insgesamt 50 Busse am Tag ohne Maut.

Zahlreiche Straßenbahnbetriebe in kommunaler Hand darben und können meist nur durch die Quersubventionierung und steigende Fahrpreise am Leben bleiben. Beim ÖPNV stiegen die Preise im gleichen Zeitraum um 73 Prozent, die Schuhpreise nur um 9 Prozent. Nur mal als Tipp.

Es bleibt einer offenbar desorientierten Regierung überlassen, das Steuersäckel aufzumachen, um dem besser gestellten Teil der Bevölkerung, der überhaupt die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs in Erwägung ziehen kann, unter die Arme zu greifen. Im Vergessen darüber, dass weder das Automobil selbst, noch die Braunsche Röhre oder der Transistor irgendwelcher Subventionen bedurften, um sich durchzusetzen, wird wieder mit administrativer Brachialgewalt und unter Verschwendung von Bürgergeld versucht, eine Wunschtechnologie zur Marktreife durchzusubventionieren.

Berta Benz holte bei ihrer ersten Überlandfahrt unterwegs das Benzin aus der Apotheke. Auf die Idee, über ein Henne/Ei-Problem beim Tanken zu schwadronieren, kam sie einfach nicht. Die Tankstellen kamen von allein, weil es sich rechnete. Aber aus Erfahrung ist in der Politik offenbar wenig Weisheit zu ziehen.

Nun hilft seit Anfang Juli die Bundesregierung kräftig mit Geld nach, das Millionenziel bis 2020 soll nicht ganz blamabel verfehlt werden. Für 300.000 bis 400.000 Stromer, die durchaus Fahrvergnügen bereiten, soll der Topf reichen. Auch aufwändige Fahrzeuge wie Stecker-Hybrid-Modelle werden gefördert. Beeilen muss man sich nicht, denn nach drei Monaten sind erst 4.551 Anträge gestellt, es ist noch genug Geld im Topf. Alle Auflagen an die Hersteller werden ins Leere laufen, wenn die Kunden nicht wollen.

Aber warum ist die Regierung so großzügig? Das Emissionsargument kann es nicht sein. Ja, die Stromer fahren örtlich emissionsfrei, in der Bilanz spielt jedoch der deutsche Strommix eine Rolle. Und der führt dazu, dass ein E-Smart mehr Emissionen verursacht als ein Diesel-Smart. Berücksichtigt man den höheren Energieaufwand für die Herstellung der Stromer, muss dieser erst mal hunderttausend Kilometer fahren, um das CO2-Äquivalent eines vergleichbaren Benziners zu erreichen. Sicher wird der Anteil des regenerativen Stroms im Netz zunehmen, aber zumindest nachts, wenn die Fahrzeuge üblicherweise geladen werden sollen, steht die Solarenergie nicht zur Verfügung.

Es wäre interessant zu erfahren, wie viele der 4.551 Anträge einen Zweitwagen zum Ziel haben und eher dem Renommee dienen sollen. Auch sie binden öffentlichen Verkehrsraum. Seit in Norwegen Elektro-PKW steuerfrei sind und obendrein gratis tanken dürfen, fahren weniger Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln und die Straßen sind voller.

Die EU zieht auch mit und arbeitet an einer Verordnung, die jedem Bauherrn eine Ladesäule vorm Haus zwingend vorschreiben soll. Bei Mehrfamilienhäusern je eine Säule für zehn Mieter. War mal die Rede von Wohnungsmangel, zu hohen Baupreisen und zu viel Regulierung am Bau? Ministerin Hendricks bemerkt , dass für junge Leute 30 Quadratmeter Wohnfläche ausreichen, also alles halb so wild.

Der Bund und fast jedes Bundesland haben seit zirka 20 Jahren Geld für Forschung, Versuche und wissenschaftliche Begleitung ausgegeben. Auf der Insel Rügen zum Beispiel wurden bei einem Flottenversuch 1992 bis 1995 sechzig LKW, Busse, Transporter und PKW getestet, für schlappe 40 Millionen D-Mark. Zu dieser Zeit war die Euphorie groß. Zum Verbleib der Fahrzeuge gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Mercedes Benz kündigte an, 2003 den ersten reinen E-Wagen der A-Klasse zu präsentieren, allgemein ging man davon aus, dass Brennstoffzellenfahrzeuge etwa 2010 massentauglich sein würden. Viele Jahre und viele Millionen Subventionsgeld später nun erneut der Versuch, diesmal mit richtig viel Kohle, eine eben noch nicht marktgängige Technologie politisch zu pushen. Politik ist Tagesgeschäft und vorausschauendes Denken wird zugegebenermaßen vom Wähler schlecht honoriert.

Zeit und Geld sind relativ, wie wir jedes Jahr am BER erfahren. Und so schwanken die Entscheidungen von der (umweltschädlichen) Abwrackprämie 2009 über den Versuch der Ausländermaut und die Einführung der Gigaliner bis zur Subvention für die Stromer. Ergebnisse sind der Fernbusboom, die Verkehrsverlagerung von Schiene und Fluss auf die Straße, verfallende Straßen und Schienen und die augenfällige Zunahme an SUV im Straßenbild. Diese panzerähnlichen Fahrzeuge, die vor Jahren noch unter das Kriegswaffenkontrollgesetz gefallen wären, stehen symbolisch für  eine Verkehrswende in die falsche Richtung, hervorgerufen von einer politischen Laienspielgruppe, der der Wähler zu viel zutraute.

Und so stehen sie früher oder später alle im Stau: Der LKW, der Fernbus, der Gigaliner, der Benziner, der Diesel, der SUV und der Stromer.

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5 Kommentare

  1. Die exklusiv deutsche Inflation des „Wind- und Solarstroms“ hat keinen realen Bezug zur „Elektromobilität“. da diese Energiequellen weder technische, wirtschaftliche noch ökologische Mindestanforderungen an eine Stromversorgung erfüllen.
    Zum PKW einige Anmerkungen:
    http://tinyurl.com/hebb5gh

  2. Der Satire Kanal quer macht auch für e-mob Druck. Da hab ich mich geäußert:
    Oh Gott Herr Süss,
    sind Sie mit Ihrem Beitrag zur Elektromobilität zu den Weltrettern und all den anderen guten Menschen konvertiert?
    CO2 ist kein Schadstoff sondern Pflanzennahrung.
    Die propagierte Reduktion des Spurengases CO2 durch Einsparung kann die Erwärmung um vielleicht 0,002 °C verhindern.
    Lithium in den Akkus in dieser Menge in die Umwelt einzubringen ist ein Verbrechen gegen die Umwelt.
    Also Klimaschutz sei das höhere Gut als Umweltschutz, wie bitte?
    Konvertieren Sie doch wieder zum Klimakritiker,
    da waren Sie mir viel sympatischer.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Gerhard Schweickhardt

  3. Gerade heute erst habe ich mich zum wiederholten Male in einem Pressetext zur Elektromobilität ausgelassen, weil ich als NAEB-Mitglied seit Jahren sensibilisiert bin. Ich zitiere daraus und lasse die werblichen Inhalte weg:

    Was ist besser? Eine Doppelgarage für zwei Autos mit Ottomotor bzw. Dieselmotor oder keine Garage und nur ein Elektroauto? Alternativ können es auch Erdgasautos oder Stadtgasautos sein. So krass ist jedenfalls ungefähr die Relation der Kosten. Deshalb geht auch der Verkauf von Elektroautos so schleppend voran. Weniger als ein Prozent jeweils beträgt der Marktanteil von reinen Elektroautos und ebenso der Marktanteil von Plug-In Hybriden. Diese wenigen Hundert an monatlichen Neuzulassungen sind sehr ernüchternd. [1] Da helfen weder Steuervorteile noch Prämien beim Neukauf.

    Die meisten Käufer von Neuwagen können und wollen rechnen. Die Elektroautos werden daher hobbyweise von gut betuchten Technikfreaks gekauft, die ein solches Gefährt als Zweit- oder Drittauto ausprobieren. Bei einer Liebhaberei bzw. bei einem Steckenpferd spielen die Kosten eine untergeordnete Rolle. Es gibt sogar Bastler, die Serienwagen auf Elektroantrieb umrüsten, um sich an dieser teuren Spielerei zu erfreuen. [2] Am 1. November 2016 wurden 903 sogenannte „City-Stromerle“ von Benutzern einer Online-Gemeinschaft präsentiert. [3]

    Regierungsamtlicher Irrsinn
    Eine Millionen Elektroautos sollen im Jahr 2020 auf deutschen Straßen rollen. Bergab wird das schon funktionieren, wenn überhaupt so viele zugelassen werden. Aber so richtig herb ist die Losung, ab 2030 die Neuzulassung von Diesel-Pkws und Benzin-Pkws zu verbieten. Das tangiert automatisch auch Hybridfahrzeuge, Erdgasautos und Stadtgasautos. Diese enthalten nämlich modifizierte Benzinmotoren. [4]

    Wer bezahlt Steuervorteile und Prämien für einzelne Steuerzahler? Die Masse aller Steuerzahler steht dafür gerade. Und seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland verschulden sich der Bund, die Länder und die Gemeinden samt aller übrigen Behörden. Schuldenfreie Behörden sind die große Ausnahme. Es ist absurd, dass Kredite aufgenommen werden, um Subventionen und Steuervorteile zu finanzieren. Jeder Empfänger solcher Gelder ist Totengräber der Nation!

    Anders als Dagobert Duck und Micky Maus, die nach Entenhausen in den USA auswanderten, blieb John Maynard Keynes, der Stifter von Wahnvorstellungen, von 1883 bis 1946 in seiner britischen Heimat. Er baute ein Theoriegebäude für Politiker und Wirtschaftswissenschaftler, um weltweit Regierungen in den finanziellen Ruin zu treiben und gleichzeitig eine Elite finanziell zu bereichern. Das Theoriegebäude des Keynesianismus ist wie ein gut geführtes Hotel stets ausgebucht. Wie ist so etwas nur möglich?

    Man beachte, welchen verrückten Theorien Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister folgen. Sie beachten die Richtlinie der Politik, sich nicht von den Fakten, den Naturgesetzen und der Mathematik irritieren zu lassen. Das hält sie fest auf einem Weg, der das Volk ausraubt und eine Elite bereichert. Die Kontrolle über das Spiel ist ihnen jedoch entglitten. Die Eliten haben zu viel, das Volk hat zu wenig. [5]

    Bodenständig bleiben
    Die Ladekapazität von Batterien lässt kontinuierlich nach. Während Verbrennungsmotoren mehrere Hunderttausend Kilometer lang volle Leistung bringen, trifft das auf Batterien nicht zu. Teurer sind sie obendrein. Daher liegt es nahe, lieber Geld für den Garagenbau auszugeben, um einen Mehrwert für Autos mit Verbrennungsmotor zu haben.

    Quellen:
    [1] http://www.goingelectric.de/zulassungszahlen
    [2] http://www.goingelectric.de/garage/
    [3] http://www.dzig.de/Elektroautos-sind-grober-Unfug
    [4] http://www.kurzlink.de/Steuervorteile
    [5] http://www.youtube.com/watch?v=7rweSOae-Ow

  4. Die stärkste Motivation unserer Politiker, etwas „in den Markt zu drücken“, ist es, selbst dabei wohlhabender werden zu können.

    Ob die EU-Kommission den Elektro-Ausstattern einen Millionen-Umsatz bescheren will und dabei natürlich auf einen „Mittel-Rück-Fluss“ in tüchtiger Prozent-Zahl setzen kann, es hat sich längst etabliert.
    Um nicht wegen der Bestechung „geblitzt“ zu werden, benutzen die Politiker „Consulting Ltd.s“ die in US-Steuer-Paradiesen ihren Firmen-Sitz als Briefkasten-Firmen haben.
    Somit bleibt die Anonymität der Eigner der Briefkasten-Konten gesichert, sodass US-Staats-Behörden diese Anonymität unter allen Umständen garantieren.

    Das Schein-Argument der Abgasvermeidung oder der Klima-Rettung dient doch nur dem Betrug, der an der Bevölkerung „per Verordnung“ von Politikern begangen wird.
    xxxxxxxx

  5. Ein E- Auto bietet die beste Möglichkeit, mit Kohlestrom zu fahren, schrieb mal ein Diskussions-Teilnehmer. Nichts gegen die Kohle, an der kommen wir ja wegen des Atomausstiegs und fehlender Stromspeicher sowieso nicht vorbei.
    Aber die technisch unbedarften Ideologen denken ja an die Zukunft und wollen den Elt- Zuwachs mit Wind- und Sonnenstrom gestalten. Kurze Rechnung:
    Im Jahr 2014 verbrauchten unsere Autos 642 TWh Primärenergie in Form von Diesel und Benzin. Mit einem eta von (nur) 0,3 sind das 193 TWh/a mechanische Energie. Um diese mit E- Autos und deren eta von 85 % auf die Straße zu bringen, wären an den Ladestationen 227 TWh/a Elt- Energie nötig, also davon die Hälfte, 113,5 TWh von Windrädern zu liefern.

    Rein statistisch liefert ein typisches 3,2- MW- Windrad (onshore) mit 1 500 Volllaststunden/a eine Arbeit von 4,8 GWh/a. Somit müssten nur für diese E- Mobilität nach 2030 theoretisch weitere 23 646 dieser Monster die Windenergie mühsam einsammeln, noch weitere Anwohner stören und zigtausende Vögel und Fledermäuse töten. Dabei sind noch Umwandlungsverluste für eine technisch/ökonomisch unlösbare Strom- Zwischenspeicherung bei längeren Flauten, die Kabinenheizung der E- Autos im Winter, die heute kostenlos durch Kraft- Wärme- Kopplung bei Benzin/Diesel anfällt und viele andere ungelöste Probleme vernachlässigt.
    Dass auch die besten Akkus nur 4 bis 8 Jahre für den Fahrbetrieb ausreichende Kapazität behalten, wird kaum thematisiert.

    Bei einer Dekarbonisierung der gesamten Wirtschaft um 95 % wären rein theoretisch weit über Hunderttausend (!) Windräder nötig, was im Hendricks- Ministerium wohl niemand wahrhaben will. Ob dort jemand mal Rechnen- Nachhilfe über den einfachen Dreisatz geben könnte?

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