Krieg gegen Kohle kann den Run auf diesen Treibstoff wegen anhaltend hoher Nachfrage nicht stoppen

Mathew Carr
Es ist klar – der Krieg gegen Kohle bringt nichts, wenn deren Verbrauch in diesem Jahr um 50% gestiegen ist.
Die Preise in Europa und Asien haben sich von einem halben Jahrzehnt des Rückgangs wieder erholt, nachdem China seine heimische Erzeugung so stark beschnitten hat, dass lokale Verbraucher auf Lieferungen aus Übersee zurückgreifen mussten. Selbst wenn Nationen Kraftwerke schließen und der größte Vermögens-Fonds sich von Kohle-Unternehmen trennt, wird sich die Nachfrage noch Jahrzehnte lang kaum ändern. Dies geht aus Äußerungen der International Energy Agency und BHP Billiton Ltd. hervor.


Analysten der Commerzbank AG sowie der Energie-Beratungsfirma Nena AS sehen die Preise auf dem gegenwärtigen Niveau verharrend mindestens noch bis zum Ende dieses Jahres, wenn der nordhemisphärische Winter die Nachfrage ankurbeln und Frankreich einige Kernkraftwerke wegen Wartung abschalten wird.

„Wegen des Krieges gegen Kohle wollen Investoren diversifizieren“, sagte Guillaume Perret, Direktor von Perret Associates in London, welche der Industrie Forschungsergebnisse zur Verfügung stellt. „Aber die Nachfrage ist immer noch da!“

Vom Wiederaufleben der Kohle profitieren Bergbau-Unternehmen einschließlich Glencore Plc und Anglo American Plc, deren Absatz in diesem Jahr 2016 um 34 Prozent gestiegen ist. Damit ist es die sich am besten schlagende Industriegruppe im Stoxx-600-Index von Europa. Barclays Plc hat ihren Standpunkt bzgl. der Bergbau-Aktivität in Europa im vorigen Monat nach positiv angehoben und gesagt, dass in diesem Bereich weitere Steigungen um über 20% möglich sind.

Kernkraft-Verknappung

Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach fossil erzeugter Energie zunehmen wird, nachdem Electricite de France SA die Erzeugung an seinen 58 Kernkraftwerken reduziert hat wegen erweiterter Sicherheits-Checks. Diese Ausfälle lassen die verfügbare Kernkraft der EdF auf 46 Gigawatt sinken, 16 Prozent unter dem gewöhnlichen Niveau. Dies sagt Bruno Brunetti, leitender Direktor des Bereiches Strom bei Pira Energy. Ein Gigawatt reicht aus, um 2 Millionen europäische Haushalte zu versorgen.

Miner BHP prophezeit, dass sich der Kohleverbrauch weltweit noch mindestens zwei Jahrzehnte lang auf dem jetzigen Niveau fortsetzen wird, während Analysten bei der IEA einen Anstieg der Nachfrage um 0,4 Prozent pro Jahr bis zum Jahr 2040 annehmen. In Europa ist die Kohleerzeugung im vorigen Jahr um 3,4 Prozent gesunken, während der Verbrauch jenes Treibstoffes lediglich um die Hälfte dieser Menge gesunken ist. Dies gilt sogar noch, wenn UK Schritte einleitet, alle seine Kohlekraftwerke bis zum Jahr 2025 zu schließen, wie aus den BP Plc-Daten hervorgeht.

Die Nachfrage nach Kohle bleibt hoch, weil „jüngst sehr viel bestehende Kohle-Kapazität hinzugefügt worden ist“, sagte Matt Brown, ein Analyst bei Poeyry Oyi. „Wir sind mit langlebigen Vermögenswerten im Geschäft“.

Hier steht bei Bloomberg ein Artikel über Chinas Bemühungen, die Versorgung zu kontrollieren. [Lesenswert, aber Urheberrechte verhindern dessen Übersetzung. Anm. d. Übers.]

Die Unterstützung von Investoren für Kohle schwindet angesichts des Umstandes, dass die Ökonomien der Welt von der Kohle wegzukommen versuchen. Der Anteil der geplanten Kohleerzeugungs-Kapazität ist in diesem Jahr bis zum Juli um 14 Prozent zurück gegangen, nachdem Institutionen, darunter JPMorgan Chase & Co. sowie Citigroup Inc. versprochen haben, ihre Anteile an Kohleprojekten zu verringern. Der sovereign wealth fund in Norwegen, der größte der Welt, hat begonnen, einige Minen und Einrichtungen von Investitionen in diesem Jahr auszunehmen.

Aus von Brokern zusammengestellten Daten geht hervor, dass der Preis für die im nächsten Jahr für Lieferungen nach Westeuropa bereitstehende Kohle auf derzeit 65,25 Dollar pro Tonne gestiegen ist – eine Zunahme um 80% von einem Rekord-Tief im Februar. Die Preise für Newcastle Thermal Coal, einem asiatischen Vergleichspunkt, sind in diesem Jahr um 69 Prozent gestiegen auf das höchste Niveau seit Januar 2014.

Erzeugungs-Gnadenfrist

China, der größte Erzeuger dieses Treibstoffes, verstärkt jetzt seine Bemühungen, Einiges der Produktion wiederzubeleben. Ursache hierfür ist die Einführung von Obergrenzen in diesem Jahr, um eine Schwemme zu verhindern und die Verschmutzung zu drosseln. Dies hat die heimischen Kosten nach oben getrieben.

„Die Versorgungslage in China wird sich bald entspannen, teils weil die Regierungen jetzt Gegenmaßnahmen ergreift“, sagte Barbara Lambrecht, eine Analystin bei der Commerzbank in Frankfurt. Die Preise werden wahrscheinlich im nächsten Jahr mit der zunehmenden Erzeugung in China allmählich sinken, sagte sie, ohne eine spezifische Vorhersage abzugeben.

Kohle könnte weitere Unterstützung erfahren, falls die Lieferungen des Exporteurs Kolumbien unterbrochen werden, nachdem der Friedensvertrag zwischen Regierung und Rebellen der FARC dort abgelehnt worden war. In Indonesien liegt die Produktion beim weltgrößten Erzeuger von Kraftwerkskohle in diesem Jahr immer noch unter der eigentlichen Kapazität.

„Die Stärke der Kohle ist begeisternd“, sagte Trevor Sikorski, ein Analyst bei Energy Aspects Ltd. in London.

Link: https://wattsupwiththat.com/2016/10/14/green-nightmare-war-on-coal-cant-stop-fuels-enduring-demand/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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2 Kommentar(e)

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Markus Estermeier

China denkt in keiner Weise an CO2 Reduktion. Derzeit werden die gigantischen Devisenüberschüße (insbesondere US$) genutzt, um preiswert Kohle am Weltmarkt zu kaufen. Gleichzeitig werden die eigenen Kohleminen modernisiert. Sinnvoller können die doch ihr $-Vermögen nicht einsetzen.
Daß der Kohlemarkt noch lange nicht am Ende ist zeigt auch die Tatsache, daß G.Sorros vor etwa 5 Jahren begonnen hat in Kohleminen zu investieren. Seine Spekulationen sind zwar kein Garant für Erfolg, aber seine Taktik ist zumindest gut. Mit Hilfe der NGOs läßt er das Objekt seiner Begierde schlecht reden um es möglichst billig zu einzusacken.

2
Michael Schlenger

Schön, hier eine realistischere Sicht auf die Zukunft der Kohle zu lesen. Im einstigen Qualitätsblatt FAZ wurde dieser Tage dagegen gejubelt, dass die Erneuerbaren der Kohle den Rang ablaufen... http://tinyurl.com/zpudn59

Nur ein Hinweis zur Übersetzung: Im Vorspann ist aus "the world’s biggest wealth fund is selling out of coal companies" im Deutschen das genaue Gegenteil geworden. Gemeint ist aber, dass der weltgrößte Staatsfonds (der norwegische) sich von Kohleunternehmen trennt, nicht umgekehrt.

"Wealth" meint im Zusammenhang mit Fonds zur Geldanlage übrigens nicht "Wohlstand", sondern "Vermögen".