Eine missverständlich präsentierte Umfrage zum EEG kommt wie gerufen: Wenn das Umfrageinstitut forsa nicht eindeutiger berichtet, braucht es sich nicht zu wundern, dass jeder die Ergebnisse nach seinen Wünschen auslegt

Helmut Kuntz
Das forsa-Institut führte im Auftrag des NRW-Umweltministeriums eine Umfrage zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit durch. Die Ergebnisse der Studie wurden von den Medien und vom NRW-Umweltminister (Bündnis 90 / Grüne), Herrn Remmel vorgestellt.

Bild rechts: Screenshot von der NRW-Homepage
Leider las fast jeder etwas Anderes aus den Umfrageergebnissen heraus, was das durchführende Institut forsa schließlich veranlasste, eine Gegendarstellung abzugeben. Ursprünglich wollte der Autor auch „auf den Putz hauen“. Beim Durchlesen der Umfragepräsentation von forsa muss er allerdings zugeben, dass man sich seine „Wunschergebnisse“ darin herrlich zusammenstellen kann – was auch ausgiebig genutzt wurde.
Aber mit der Gegendarstellung von forsa weiß man nun, wie es gemeint war. Nur werden diese wohl die wenigsten Bürger lesen (können), denn diese wurde von fast keinem Medium – und auch nicht beim Auftrag gebenden NRW Umweltministerium – veröffentlicht.

Die Informationen der Medien

WDR: [5] Bürger für schnellen Ausbau erneuerbarer Energien
Laut aktueller Forsa-Umfrage sind 90 Prozent für einen schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien
Beim Engagement für mehr Klimaschutz finden allein 90 Prozent den Ausbau der erneuerbaren Energien für wichtig.
71 Prozent sind für den schnellen Ausstieg aus der Braunkohleförderung.

Was steht dazu im Ergebnisbericht der forsa Umfrage?[3]

Bild 1 [3] Screenshot aus dem Bericht, Handlungsfelder zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele: Klimaschutz I
Wie man sieht, wurden beim WDR zum Thema „schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien“ die Werte für „sehr wichtig“ und „wichtig“ addiert, was 90 % ergibt. Das ist nicht falsch, denn die gemeinsame Menge (Vereinigungsmenge) ist „wichtig“ mit 90 %.
Gleiches gilt für „den schnellen Ausstieg aus der Braunkohleförderung“. Die Addition ergibt die 70 % für die gemeinsame Menge „wichtig“.

Genau gleich gingen auch die Rheinische Post und auch das NRW-Umweltministerium [1] vor:
RP ONLINE 26. September 2016: [6] Umfrage Mehrheit fordert raschen Braunkohle-Ausstieg

In Nordrhein-Westfalen wächst der Widerstand gegen Abbau und Verstromung von Braunkohle. 71 Prozent der Bürger fordern einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle: Für 36 Prozent ist dies "sehr wichtig", für 35 Prozent "wichtig".

… Demnach ist es für 90 Prozent der NRW-Bürger "wichtig" oder "sehr wichtig", dass die erneuerbaren Energien schnell ausgebaut werden.

Was wollte forsa wirklich sagen?

Das lässt sich nur anhand der Gegendarstellung [4] erkennen:
[2] Der forsa-Chef und Gründer des forsa-Instituts, Manfred Güllner, widerspricht der Auslegung der forsa-Ergebnisse. In der Untersuchung sei nach der Bedeutung der „Nachhaltigkeit“ und nicht danach gefragt worden, ob man einen Braunkohle-Ausstieg fordere, sagt er.
Insgesamt waren 23 Nachhaltigkeitsziele angegeben worden, eine Mehrfachnennung war möglich.
Gefragt wurde zum Beispiel nach Wichtigkeit der Reinhaltung von Luft und Wasser, den Verzicht auf den Einsatz der Gentechnik bei der Produktion von Lebensmitteln, die Sicherung der ärztlichen und medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, die Förderung von mehr artgerechter Tierhaltung oder eine bessere und ausführlichere Information der Verbraucher über Inhaltsstoffe und die Art der Produktion von Lebensmitteln.

Erneuerbare Energien: Einen “schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien” wünschten sich nur 45 Prozent der Befragten (Rang 8).
Braunkohle: Ein schneller Ausstieg aus der Braunkohleförderung in NordrheinWestfalen wurde nur von einer Minderheit von 36 Prozent aller Befragten als „sehr wichtig“ eingestuft (Rang 15).

Der Artikel der Rheinischen Post sei “ein weiteres unrühmliches Beispiel dafür, wie Befindlichkeiten von Menschen trotz vorliegender Informationen völlig verzerrt dargestellt werden”, sagt Güllner. Im rheinischen Braunkohlerevier werde die Braunkohle nach wie vor als bedeutender Wirtschaftsfaktor hoch geschätzt. Dies sei durch eine Vielzahl von forsa-Untersuchungen belegt, unter anderem durch eine bundesweite „forsa“-Studie vom Juli 2015, berichtet der Erft-Kurier. Die Akzeptanz der Braunkohle sei nachhaltig gut, auch als wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Sie wird zwar nicht geliebt, jedoch akzeptiert. Denn 75 Prozent aller Bundesbürger sind sich im Klaren, dass neben Sonne und Wind auch weiterhin die herkömmlichen Energiearten genutzt werden müssen.“

Es ist sehr schade, aber nun hat Deutschland seine „90 % Zustimmung“ zum schnellen Ausbau der Neuen Energien und „71 % Zustimmung“ für den schnellen Ausstieg aus der Braunkohleförderung, obwohl aktuell hauptsächlich davon Betroffene – denn dazu gehört Nordrhein-Westfalen – eigentlich eher das Gegenteil geantwortet hatten.
Diese „zustimmenden“ Werte werden die EEG- und Braunkohlediskussion nun lange Jahre konsequent „verfolgen“.

Man kann nur hoffen, dass forsa bei der nächsten Umfrage in der Ergebnispräsentation professioneller vorgeht. Es ist völlig unrealistisch, zu hoffen, irgendjemand in der Politik würde sich an der Gegendarstellung orientieren. Dazu müsste forsa mindestens den Abschlussbericht zurückziehen und einen neuen, nicht mehr missverständlich interpretierbaren erstellen. Doch so weit wird man nun doch nicht gehen (wollen).

Anmerkung der Redaktion

Diese (oft bewusst) missverständliche Formulierung der Fragen die zur Beantwortung den Probanden vorgelegt werden ist leider keine Ausnahme. Der Statistik-Professor Walter Krämer bezeichnet diese Art des Vorgehens vornehm zurückhaltend als "Ergebnis-orientierte Demografie" im Gegensatz zur Erkenntnis-orientierte Demografie". Für uns Normalbürger ist das jedoch nichts anderes als vorsätzliche Täuschung, auch Betrug genannt.

Als Beispiel dient dazu u.a. eine Umfrage eines ominösen You Gov Instituts im Auftrag des WWF zum Klimaschutz bzw. zur Weiterverwendung der Braunkohle- und veranlasste die berichtende Rhein-Ruhr-Nachrichten (RNN) zu der Schlagzeile: "Wenn die Antwort vorher feststeht". Den erhellenden Beitrag in der RNN über gängige Manipulation der Statistik hat ein Leser gescannt und uns als pdf zugesandt. Er ist im Anhang herunterladbar.

Quellen

[1] umwelt.nrw: 26.09.2016 Minister Remmel: "Klimaschutz und erneuerbare Energien finden großen Rückhalt in der Bevölkerung" (siehe unten)
https://www.umwelt.nrw.de/presse/detail/news/2016-09-26-forsa-umfrage-zeigt-die-bedeutung-der-nachhaltigkeit-in-nrw-klimaschutz-und-erneuerbare-energien-finden-grossen-rueckhalt-in-der-bevoelkerung/

[2] Ruhrkultour: Braunkohle: Ergebnisse der forsa-Umfrage über “Nachhaltigkeit in Nordrhein-Westfalen” verzerrt
http://ruhrkultour.de/braunkohle-ergebnisse-der-forsa-umfrage-ueber-nachhaltigkeit-in-nordrhein-westfalen-verzerrt/

[3] forsa: 22. Juni 2016 n6379/33320 Le, Gü Nachhaltigkeit in Nordrhein-Westfalen

[4] forsa 26. September 2016 Gü/Sh, Prof. Manfred Güllner: Stellungnahme zu einem verzerrenden Beitrag der Rheinischen Post über die Einstellung der Bürger in Nordrhein-Westfalen zur Braunkohle

[5] WDR: Bürger für schnellen Ausbau erneuerbarer Energien
http://www1.wdr.de/nachrichten/umfrage-klimaschutz-erneuernbare-energie-100.html

[6] RP ONLINE
26. September 2016: Umfrage Mehrheit fordert raschen Braunkohle-Ausstieg
http://www.rp-online.de/wirtschaft/umfrage-71-prozent-der-buerger-fordern-raschen-braunkohle-ausstieg-aid-1.6285165

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5 Kommentare

  1. Umfragen dienen der herrschende Klasse / Partei / Fam.clan – genannt Regierung – der Überprüfung der Wirksamkeit ihrer Informations- und Bildungspolitik.

    #2: Hein Tiede
    Sehr schöne Ausführung.
    Da ich mich auch so ungern reglementieren lasse, habe ich meistens eine schöne große Plastiktüte der Konkurrenz dabei und lehne dann dankend ab mit der Begründung, danke ich habe schon und lasse mir die Ware dann schön in meine Plastiktüte einpacken.
    Das kommt richtig gut und sollte Schule machen.

    Ganz so umweltfreundlich sind die Handelsketten dann auch nicht.
    Einmal habe ich sogar schon eine Plastiktüte dadurch völlig gratis erhalten, weil das doch nicht ginge.

    Ich war damals nur etwas überrascht, beim nächsten Mal werde ich aber sicher dankend ablehnen, weil wir doch „gemeinsam die Welt vor dem Flammentod retten müssen“ und . . . ja, und die Eisbären gleich mit.

  2. Diese „ich wünsche mir was“ Umfrage sind doch nur Makulatur. 100% der Befragten sind für Ausflugswetter am Sonntag, was aber keinen Einfluss auf die tatsächliche Wetterlage hat. Stromversorgung basiert auf Physik und Technik und nicht auf Wunschdenken!!

  3. Diese getürkten Umfrage/Informationen der Grün-sozialistischen NRW Regierung sind doch die beste Steilvorlage für die AfD im bevorstehenden Landtagswahlkampf.
    Endlich hat der Wähler in NRW und in Deutschland die Wahl…zwischen einer alterantivlosen CO2 freien Mangel und Armuts Gesellschaft und einer alternativen CO2 Wirtschaft- und Wohlstandsgesellschaft.

  4. Zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit hatte ich einen Briefwechsel mit dem Bekleidungsgeschäft K&L-Ruppert. Zu dessen Unternehmensphilosophie gehört es Plastiktüten zu vermeiden, d.h. diese werden dem Kunden nicht mehr kostenlos überlassen. Ich schrieb dem Unternehmen:
    „Ihre Antwort kommt nicht überraschend. Ich setze mich mit dieser Ideologie schon länger auseinander. Umweltschutz ist die heilige Kuh, die als Lippenbekenntnis auch von beispielsweise Audi wie eine Monstranz vor sich hergetragen wird. (Audi wirbt damit, dass seine Fahrzeuge umweltneutral zu seinen Kunden per Bahn transportiert wird.)
    Richtigen Umweltschutz betreiben Sie aber erst, wenn Sie Ihre Kunden nicht nur dazu aufrufen, auf eine Plastiktüte zu verzichten. Stellen Sie doch bitte Schilder auf mit folgendem Inhalt: „Brauchen Sie den neuen Mantel wirklich? Hält der alte nicht noch eine Saison? Auch in Ihrem Kleid vom vorigen Jahr sehen Sie noch gut aus!
    An diesem Beispiel sehen Sie Frau Herzog: Das Umweltengagement ist nur ein Werbegag und hat mit „Verantwortung für die Umwelt“ nichts zu tun.
    Sorgen Sie sich aber nicht, dass Ihre Gedanken falsch sind. Da sie von der Mehrheit getragen werden, reicht es, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen.
    Mit mainstreamlichen Grüßen“

  5. Herr Kuntz, aus Ihrem Bericht geht nicht hervor, wieviele Personen befragt worden sind. Man wird wohl kaum die ganze Bevölkerung NRW’s genommen haben. Deshalb sagen diese Prozentsätze überhaupt nichts aus. Desweiteren werden die Auftraggeber wahrscheinlich nur Personenkreise im eigenen „Dunstkreis“ befragt haben. Also, ab damit in die Tonne“

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