Wie man den Meerespegel-Verlauf in die richtige Richtung dreht Aus dem Lehrbuch für (Klima-)Statistikbetrug

Helmut Kuntz
Im kürzlich erschienenen Artikel über das angeblich erste Opfer des Klimawandels [1] deckte der Autor auf, dass der auf WIKIPEDIA [2] und in der Studie [3] angegebene, sehr hohe Meerespegelanstieg von 6 mm pa in der Torres-Straße vor Papua-Neuguinea auf einer bewussten Manipulation des Datenzeitraumes und zudem nicht auf Tidenpegel beruht.


Solche Manipulationen sind in der „Klimawissenschaft“ zwar gängiger Standard und gehören dort zur „wissenschaftlichen“ Methodik. Dieses Beispiel ist jedoch so lehrbuchhaft, dass es sich der Autor erlaubt, es für Klimaskeptiker und Mathematiklehrer (für deren Schüler) als Vorzeigebeispiel in einem eigenen Artikel nochmals darzustellen. Dies insbesondere, als gerade die Gegend des Südpazifik als Musterbeispiel für durch den Klimawandel untergehende oder bedrohte Inseln gilt; siehe EIKE.

Ein erhöhter Meerespegel-Anstieg von 6 mm pa führt zum Klima-Untergang der Inseln?

Auf WIKIPEDIA steht (Hervorhebung durch den Autor):

[2] Der Klimawandel, der in der Torres-Straße zu einem besonders hohen Meeresspiegelanstieg von mehr als 6 mm pro Jahr seit 1993 und veränderte Wetterverhältnissen, etwa verstärkter zyklonischer Aktivität, geführt hat, war wahrscheinlich ein maßgeblicher Grund für den Vegetationsverlust.

Die Leser werden damit übereinstimmen, dass diese Angabe so verstanden werden soll, dass der Pegelanstieg erst seit dem Beginn des „schlimmen“ Klimawandels stark ansteigt, während er es vorher nur „natürlich“ machte und der Pegel selbst niedriger war.

Der Beleg dafür ist der Satellitenpegel (Bild 1). Die Aufzeichnung beginnt um 1993, weil der erste Messsatellit 1992 startete. Die lineare Regression dieses Verlaufs berechnet den 6 mm pa Pegelanstieg, wie er im Bild eingetragen ist und in Studien als Referenz Verwendung findet.

[7] gauge data from the region suggest sea level rise of 6 mm per year between 1993 and 2010, twice the global average.

Bild 1 [4] Figure 21. Mean Sea level changes in the Torres Strait region. Source: Colorado State University.

Im nächsten Bild hat der Autor zu diesem Pegelverlauf parallel den Einfluss der Ozeanischen-Oszillation ENSO hinterlegt [5] um zu zeigen, wie stark der Meerespegel in betroffenen Gebieten davon bestimmt wird. Vor der Berechnung eines Regressionswertes hätte man zwingend diese Oszillation herausrechnen müssen (und zusätzlich einen langjährigen Mondzyklus). Das hat man offensichtlich unterlassen und stur über einen solch kurzen Zeitraum eine lineare Regression berechnet welche man als „wahre“ Zahl, die man in die Zukunft weiter schreiben könnte verkündet.

Bild 2 [4] Satelliten-Pegelverlauf von Bild 1 mit dem ENSO-Index aus [5] hinterlegt

Das eigentliche Thema ist aber die Manipulation der Pegelrichtung durch geeignetes „Einpassen“ in eine Oszillation.

Zuerst der Verlauf der australischen Pegelstation Booby Island in der Nähe der Torres-Straße (Bild 3), bei der es sich um die am weitesten zurückreichenden und glaubhaften Pegeldaten dieser Gegend handelt.

Trotz einer erheblichen (bei Tidenpegel aus irgend einem Grund leider weltweit häufig vorkommenden) Datenlücke ist langfristig weder ein Pegelanstieg noch ein Klimawandel-Einfluss mit steigenden Pegeln erkennbar.

Bild 3 [6] Pegelverlauf Insel Booby Island, Nord-Australien von 1970 – 2013. Vom Autor aus den Daten umgesetzt. Monatsauflösung (rot), Jahres-Mittelwert (blau). Pegel auf das Jahr 2013 normiert

Eine vergleichende Recherche zeigt auch bei anderen Fundstellen mit Tidenangaben bestätigende Aussagen:

-Die Pegelverläufe der benachbarten australischen Tiden-Stationen Goods Island und Turtle head [1],

-sowie in einem politischen Strategiepapier aus Australien: [8] Whilst the precise amount of sea level rise in the Torres Strait has not been recorded, 25 Australian seas generally have risen 7 centimetres since 1950.

(Anm: diese Angabe ergibt einen weit unter dem globalen Durchschnitt liegenden Anstieg von ganz knapp über 1 mm pa).

Setzt man die Pegelverläufe übereinander, sieht man dass die Pegel-Mittelwerte der Satellitendaten von Bild 1 (Figure 21) und Bild 3 (Pegelmessstation Booby Island) ungefähr gleich verlaufen (grüne Linie Booby Island, rote Linie Satellitendaten als „Klimawandel-Beleg“).

Allerdings sieht man damit auch die vollkommen falsche Aussage über den wirklichen, längerfristigen Pegelverlauf.

Durch diese Ausschnitt-Wahl des genau passenden Zeitraumes und einer aufgrund der Vorgeschichte und weiterem Verlauf des Mittelwertes (sowie nicht-Berücksichtigung der ENSO-Zirkulation) unzulässigen, linearen Regressionsberechnung wird trotz einer eindeutigen, langfristig nicht vorhandenen Pegelerhöhung – eher Pegelminderung – ein ganz schlimmer Pegelanstieg errechnet und weltweit publiziert.

Bild 4, Pegelverlauf von Booby Island (Bild 3). Monatswerte blau, Jahres-Mittelwert grün und Werte von Bild 1, Mittelwert rot, übereinander gelegt

Es ist vollkommen unwahrscheinlich, dass dies den Verfassern der Pegelangabe von Bild 1 unbekannt war. Man muss deshalb davon ausgehen, dass diese Angabe 6 mm pa bewusst generiert und publiziert wurde, was auch die Tatsache zeigt, dass ausschließlich dieser alarmistische Anstiegswert in den vielen Klima- und Vulnerabilitätsreports zu finden ist.

Welche Daten hat der „wahre“ Pegelverlauf

Es soll nun gezeigt werden, wie schwierig es ist für solche Gegenden den „wahren“ Wert zu ermitteln und wie sich „beliebige“, abhängig von der gewünschten Aussage „berechnen“ lassen. Dazu kommt noch, dass sich die Satellitendaten von den Tidendaten erheblich unterscheiden und Satelliten Küstenpegel nur ungenau messen können.

Die Regressionsgerade von Booby Island ermittelt einen langfristigen Pegelverlauf von -280 mm / 43 Jahre = -6,5 mm pa

Das ist heftig, allerdings genau in der umgekehrten – in keiner Publizierung erwähnten – Richtung.

Bild 5, Pegelverlauf von Booby Island mit Regressionsgerade (rot)

Nimmt man nur den Zeitraum ab der Datenlücke (ca. 1990), dann ergibt die Regressionsgerade einen kleinen Anstieg, der Jahres-Mittelwert ist aber deutlich niedriger als zu Beginn des betrachteten Zeitraumes. Dass die Regression überhaupt positiv ist, liegt jedoch eher am großen el Nino welcher den tiefen Pegel um 1997 verursachte, als am wahren Pegelverlauf.

Bild 6, Pegelverlauf von Booby Island ab ca. 1990 mit Regressionsgerade (rot)

Beim Verlauf des Tidenpegels einer Nachbarinsel von Turtle Head, der leider recht kurz ist, lässt sich einfach ein (ganz leicht) steigender oder auch fallender Pegelverlauf erzeugen, indem man das Startjahr „mitnimmt“, oder eben weglässt.

Bild 7 Pegelverlauf Turtle head in Monatsauflösung ab 1999 bis 2013 mit Regressionsgerade (rot). Linkes Bild ganz leicht steigend, rechtes Bild ganz leicht fallend

Es gibt in dieser Gegend keinen alarmistischen Tidenanstieg

Allen Verläufen der Tidenstationen ist aber eines gemeinsam: Es gibt in Wirklichkeit keinen alarmistischen Anstieg von
+6 mm pa der Küstenpegel. Der Wahrscheinliche Verlauf liegt irgendwo zwischen dem natürlichen von +- 0 … 3 mm pa, wobei er eher gegen 0 bis vielleicht sogar negativ tendiert. Die Daten widersprechen somit eindeutig allen alarmistischen Darstellungen und zeigen vollkommene Entwarnung.

Wie gehen die Australier damit um

Die Ableitung daraus ist auch in Australien die gleiche wie in Deutschland: die wirklichen Messwerte aus der Natur interessieren nicht. Weil es die Natur konsequent ablehnt, sich nach der AGW-Klimatheorie zu verhalten, wird (wie in Deutschland) simuliert – und diese Simulationen zeigen ganz schlimme Zukunftsdaten. Das gelingt problemlos, da man mit geeigneten Parametern jeden beliebigen Verlauf erzeugen kann. Da ausreichende Simulationsdaten für die Gegend jedoch fehlen (womit könnte man die regionale Ableitung auch bei der schlechten Datenlage kalibrieren?), werden die des IPCC angezogen und vorsorglich damit der „notwendige“ Alarm erklärt.

[9] Simulated changes in climate indicate that a significant degree of climate change in the Torres Strait region is inevitable, and is likely to become increasingly apparent over the next 30-100 years. Changes are expected in both the mean values and in the magnitudes and frequency of extremes. This means that long-term planning should not assume that future climate and resources will be as they were over the past 100 years. Significant adaptation to a changing climate will be required.

Im Gegensatz zu vielen Informationen unserer Medien wird dabei wenigstens noch darauf hingewiesen, dass der Alarm alleine das Ergebnis von Simulationen ist. Ob der australische Bürger diese „Feinheiten“ jedoch zu unterschieden weiß, kann der Autor nicht nachprüfen.

Bild 8 [9] Figure 22. Projected mean sea level rise (m) for the 21st century. Source: IPCC 2007

Quellen

[1] EIKE 22.06.2016: Ist eine kleine Ratte das erste, unschuldige Opfer des Klimawandels?

http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/ist-eine-kleine-ratte-das-erste-unschuldige-opfer-des-klimawandels/

[2] WIKIPEDIA: Bramble Cay https://de.wikipedia.org/wiki/Bramble_Cay

[3] Gynther, I., Waller, N. & Leung, L.K.-P. (2016) Confirmation of the extinction of the Bramble Cay melomys Melomys rubicola on Bramble Cay, Torres Strait: results and conclusions from a comprehensive survey in August–September 2014.

[4] Suppiah, R., Bathols, J., Collier, M., Kent, D. & O’Grady, J. 2010. Observed and Future Climates of the Torres Strait Region. Report to the Torres Strait Regional Authority. CSIRO, Marine and Atmospheric Research. Aspendale, Vic

[5] DAS ENSO-Phänomen Basisinformationen http://www.enso.info/enso.html

[6] PSMSL Catalogue Viewer http://www.psmsl.org/data/obtaining/map.html

[7] Suppiah, R., Bathols, J., Collier, M., Kent, D. & O’Grady, J. 2010. Observed and Future Climates of the Torres Strait Region. Report to the Torres Strait Regional Authority. CSIRO, Marine and Atmospheric Research. Aspendale, Vic

[8] Melbourne Journal of International Law Vol 9, Owen Cordes Holland: THE SINKING OF THE STRAIT: THE IMPLICATIONS OF CLIM ATE CHANGE FOR TORRES STRAIT ISLANDERS’ HUMAN RIGHTS PROTECTED BY THE ICCPR

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Anmerkung der EIKE-Redaktion: 

Eine aktuelle Gegenüberstellung von Pegel- und SAT-Daten findet sich auf EIKE-home hier: http://www.eike-klima-energie.eu/klima-anzeige/saekularer-und-aktueller-meeres-anstieg-pegel-16-mmjahr-oder-sat-altimeter-32-mmjahr-was-ist-richtig/ ;

sowie in der Anlage zum PDF-Download.

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8 Kommentare

  1. Danke Herr Kunz, was Sie alles wissen.
    Mich interessiert besonders der Zusammenhang zum el nino-Index,
    der ist sowohl Ursache für den Temperaturanstieg zum Jahreswechsel 15/16
    und inzwischen bereits im negativen Bereich, so dass man jetzt schon darauf wetten kann,
    dass 2016 NICHT „das heißeste Jahr“ wird, wie schon so oft zu hören.

    #6: S.Hader wenn ich Sie richtig verstanden habe,
    unterstützen Sie die wieder einmal ausgezeichnete Analyse von Herrn Helmut Kuntz über den Missbrauch von Statistik beim Klimaschwindel.

    Ihr kleiner sensationeller Nebensatz,
    es könnte aber trotzdem ….
    ist falsch und erinnert an den großartigen Satz,
    es wird kälter weil es wärmer wird.
    So tikken nur Treibhauskünstler.

    mfG

  2. Es ist skandalös, wie offensichtlich Falschinformationen produziert werden. Der Artikel zeigt, dass offensichtlich ohne Grundlage irgend was behauptet wurde. Wir haben uns nur mittlerweile allzu sehr daran gewöhnt, dass derartige Mitteilungen wohl nicht zu trauen ist.

    Das ist bitter für jene, die Wissenschaft hoch schätzen. Sie sollte vertrauenswürdige Ergbnisse jenseits aller Beliebigkeit und Interessen liefern. Was ist, wenn es mal ein wirkliches Problem gibt, welches seriöse Wissenschaftler entdecken? Man wird diese mit eben jener Skepsis belegen, mit der man es gelernt hat, Mitteilungen aufzufassen.

  3. Sehr geehrter Helmut Kuntz, es mag nur ein Teilaspekt gewesen sein, worauf ich hinwiesen habe. Sie haben die Möglichkeit, darauf einzugehen und ggf. auszubessern oder es sein zu lassen. Deswegen muss jetzt nicht jeder, der Sie auf etwas hinweist, eine eigene komplette Arbeit hier veröffentlichen.

    In diesem Sinne
    S.Hader

  4. Passend zum Thema: Warnung vor Wikipedia (bzgl. Statistik, statistik.tu-dortmund.de)

    Zitate aus der deutschen Wikipedia sind ab jetzt in akademischen Abschlussarbeiten an meinem Institut nicht mehr erlaubt. Anders als die englische wird die deutsche Wikipedia von Ideologen dominiert. Außerdem steckt sie in vielen Artikeln zu Wirtschaftswissenschaften und Statistik voller Fehler. Generell ist das Niveau von Artikeln zur Statistik weit unterhalb einer Bachelorarbeit an unserer Fakultät. Unterschrieben: Prof. Walter Krämer

  5. Kann mir ein Fachkundiger mal erklären, wie es möglich ist via Satellit Veränderungen des Meeresspiegels in Größenordnungen von wenigen Millimetern verlässlich zu messen?

  6. Werter herr Hader,
    wenn Sie sich jetzt zur Pegelmessung wie sie Herr Kuntz darstellt, kritisch Stellung nehmen dann sollten Sie genauso kritisch zu diesen Kurzzeitmessungen der Pegel sein, denn wenn sie sich ein wenig informiert hätten, dann wußten sie, daß aussagekräftige Pegelmessungen mindestens einen Zeitraum von 50 bis 60 jahren besser aber noch einen längeren zeitraum umfassen sollten. Zeit rääume von 10 oder 20 jahren sind absolut unzureichend.
    MfG

  7. #1
    Sie haben den Artikel nicht ganz und nicht sorgfältig durchgelesen, sonst würden Sie sich nicht auf einen Teilaspekt der nur erwähnt wird „einschießen“. Ich bin aber auf Ihre Belegung, dass die von mir angezweifelten 6 mmm pa langfristig doch stimmen gespannt.

  8. „Im nächsten Bild hat der Autor zu diesem Pegelverlauf parallel den Einfluss der Ozeanischen-Oszillation ENSO hinterlegt [5] um zu zeigen, wie stark der Meerespegel in betroffenen Gebieten davon bestimmt wird.“

    Sehr geehrter Helmut Kuntz, aus der (negativen) Korrelation zweier Datensätze kann man eben nicht zeigen, dass ein kausaler Zusammenhang besteht. Man kann das gerne vermuten, aber der Zusammenhang (der ja durchaus bestehen kann) muss auf anderen Wege gezeigt werden. Das sollte man eigentlich aus der Klimadebatte gelernt haben. Ansonsten mutet es schon seltsam an, dass hier eine Korrelation als völlig hinreichende Bedingung genügt, bei Klimafragen aber nicht.

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